Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 11 (15.3.1918)
- Date
- 1918-03-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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IJ Sett« 17.'. Dr. Bloiy's Vevsühnnngsfeier! denkt Adolf, erfaßt in anfqueilender. kindlichec Rührung des Vaters Hand und drückt einen Kuß, darauf. Der Vater aber mijcfyf uitb reibt die Hand ad. . . War nicht eine Träne darauf? „Adolf, folgemir, du bist doch mein Kind. . „Ich kann nicht. Der Klassenvorstand selbst iinü mein Taufpate sein. Der würdemich schön durchs Eramen rasseln lassen. Dann habe ich die Zusage, nach den Staatsprüfungen in eine Bezirkshauptinanlischaft zu fontf incn> wie. ein Adeliger. Denk' dir! Und ich bin ja nur außen Christ, im Herzen aber weiter . . . dein Kind. Der Lehrer wollte mir m Religion „nichtgenügend" geben - - darum auch trat ich aus." Kein Wort kam mehr von Jsak Ungers Lippen- Er fühlte sich zu schwach. Hilflos, gebrochen, saß er eine Weile. „Ich werde die Marter herschicken," stammelte er, „soll sie mit euch fertig werden, aoer Geld kriegt ihr nicht." Dann erhob er sich seufzend, müde. Finster winkte er dem Jungen ab, bog rasch iu eine Seitengasse ein und verschwand. ■ - Wie gelähmt faß Adolf da und weinte. Was Hatte er nur getan? ‘ Unterdessen eilte fein Vater der Reichsstraße zu. Sein Inneres war in Aufruhr. Nur der Wein war schuld daran. Sonst nichts? Er hätte eben nicht trinken sollen! Noch dazu mit seinem Sohn. Oder war es gar ein Fremder? Ja, wenn er. wenigstens Betäubung gesunden hätte! Aber es ging nicht. . . Es darf auch, nicht sein. Die Schickfatsschläge muß man bei vollem Verstand empfangen, weil sie von Gort kommen. Genuß hatte er sie verdient. Vielleicht für die schlechte Erziehung ,ein er Kinder . . . Wo waren seine. Kinder? Keines hatte er zurückgewonnen. Ein Schwächling war er. Er gab immer zu leicht nach. Und jetzt war er schon ganz und oar verbraucht, todmüoe . . Er muß aber ansharren bis zum letzten Atemzug. Iu Demut wird er nach sHause izmuckkehren . und Gott Preisen. Wofür? Es durchschauerre ihn. Die einen richtet er Jctuf,' die. anderen verrlichtet er. Seine Beweggründe freilich sind lmerforschlich. Weshalb erwecken sie aber oft den Anschein von Ungerechtigkeit? Und warum offenbart er dem Menschen nicht die Wahrheit, auf daß dieser sich seines. Weges bewußt sei? Im Dunkeln läßt er ihn tappen. Den einzelnen sowohl .als'ein ganzes Volk.. Sein Volk! Was war der Grund, daß er das jüdische Volk so strafte? Und doch erträgt das Volk Bedrückung und Abfall, Haß und Verleugnung und preist den Allmächtigen. Auch er will uich-t murren: In Landstadt will er auf seinem Posten ausharren und seine Pflicht erfüllen, die Juden zum Zusammenschluß bewegen und dem Antisemitismus standhalteu. .Der Weg führte durch stille Dörfer, .die wie Gärten waren. Kinder spielten vor den Hütten, Hunde bellten und beruhigten sich. Auf den 'Feldern arbeiteten Bauern und Bäuerinnen, dengelten, schnitten und sangen. Ein srohgemischrer Klang stieg zum Himmel ans wie ein Jubellied zu Ehren des Schöpsers. TieZKlücklichen! Ans eigener Scholle durften sie sich des Lebens srenen, frei, gesund und gesichert. Bellend stürzten sich zwei Hunde ans Jsak. Er wehrt, sie ab und denkt, in Landstadt wird es heimischer sein. Da erwartet man ihn. Ist. doch heute Freitag. Bald wird es dämmern Und seine Gemeinde -wird sich im Bethaus versammeln, .'Endlich ist er an der. Eisenbahubrücke hart vor Landstadt. Unweit war das Plätzchen,, wo er Freitag gewöhnlich badere. Heute chatte, er Gin Bad nötiger als je. Wenn man so bestaubt ist. . . Sowarm hänchte die weiche Lust, so einladend - winkte das Wasser. Er Wochenschrift stieg die. Böschung hinab. Unten lvar ein breiter Stein, wo man bequem sitzen und die Kleider hiulegen konnte. . Rings wucherte aUerhano Röhricht und Gestrüpp. Weil i) in de hu re sich die Au wie. ein Wald. Weit uui> breit teilt Mensch. Ein Vogel nur flitzte über dem Welleübett hin und schrie nach Den Jungen,, die sich irgendwo am Ufer verborgen hietten. Rötlich färbte die Sonne Himmel und Erde, Nähe und Ferne. Die Donau strahlte wie eine Brauc. Und die. Welten schwiegen, schmiegten sich zärtlich an den Strand und harrten. . . Ein benehmender Duft -tarn ans der An gestromt ltnd vereinigte sich mit dein Arem des Gewässers. Zögernd trat Unger in die. Flut. Wie sanft sie ihn umschmeichelte' und nmstreichelLe, umschmiegte mto umspielte! Das erfrischte, das erquickte. Sauft umwoben die Strahl eit sein hochausgerichtetes Haupt mit eurem ' goldenen Schimmer. Märchenhafte Ttille war in der Welt. Er. spürte ordentlich das Nahen der Prinzessin Sabbat. Und untertauchend, dachte er an deu Kantor, der heute wie sonst vorbeten würde. Jsak Unger - fuhr zusammen. Sollte er nicht ein Totengebet verrichteri? Die Kirlder rvareu mir der Taufe für ihn tot- Die war nicht zu verhindern. Des Knllusvorstehers Kinder . . . Wird der Kantor nichts sagen? Kalt rieselte -es ihm den Rücken hinab. Was erwartet ihn daheim? Und späterhin. . .?' Da ertönte ein Pfiff, es erdröhnte die Brück'. Donnerrld rollte ein Zug heran. Ein schwarzer Ing. Zitternd blickt Jsak Unger . ans und duckt sich nieder, uw nicht ~ gesehen zu werden . . . Nur .sein lGs-icht schwebt über dem Wasser mit glänzenden Augen. Wie heiß ihm plötzlich wird! Und der Zug braust und schleudert die schwarze Rauchfahne hinter sich im Zorn. Und hißt neue, andere, lichte Fahnen. Die heben sich und schweben freudig flatternd. Und Gesichter winken ans jedem Fenster. Bekannte Gesichter. Da ist sein Vater, sein Großvater, Falk, der Konkurrent, der grüßt so versöhnlich, und der Kantor ruft ihm zu: „Auch luiv wollen unsere eigene Scholle haben! Wir fahren heim!" Wohin?-. . . Er hat die Antwort nicht verstanden. Der Zug dröhnt gar zu sehr und nimmt kein Ende, Fsak muß sich Vorbeugen, um die Rufe zu verstehen. „Komm!" klingt es. Und ans den Fenstern lächeln traute Gesichter seine . ganze Gemeinde . . . „Nach Hause!. Wo. man uns nicht bedrücken wird.". Das tönt wie ein Gesang. „Vor Sabbat müssen 'wir dort, sein!" . . . Wer ruft es? Das ist ja Adolfs Stimme. . . Und da-winkt auch Sali . . . Heine Kinder .. .... Versinken sie nicht? Noch ein Schritt, und er rettet beide. Wie gut ist Gort. „.Beeile dich," ruft es, „rascher!" Uud er beeilt sich und geht und schwebt, undbebt und ist immer näher und . . . näher . . . Da krach: und poltert die. Brüche, die Pfeiler wanken und alles, stürzt sah in finstere, endlose Nacht und' Stille. c Das Brausen des Zuges ist verhallt. Ttille schwebt märchenhaft über dem Wasser in dem dunkle? webenb cn Dcrmin er. Aus de m - We idengezweig a m Use r - sch! üchzr der Vogel, der seine Jungen sucht... Schulrat Professor Tr. Moritz TschiaHny. Jüdische Kultusuud Erzishungsfrcwen. Wien 1918. Diese Abhandlung, 'welche der Autor dem Vorstands der Israelitischen Kultusgcmeinde Wie» als eine Denkschrift übermittelt bat. greift ins volle Leben wuchtig hinein. Der Verfasser hat hier (ineni großen Publikum die Frucht seiner vierjährigen Beobachtungen nid seines auf die Abstellung vorhandener Mitzstäude gerichteten Nachdenkens dargebracht. Eine sehr dankenswerte itzabe- Die zahlreichen Bchsenlugsvorscliläge behandeln die die wichtigste' aktuellen Fragen des gesamten religiösen Lebens. Der Gemeindegottesdienst und der Religionsunterricht lenken mit Recht die volle Aufmerksamkeit des Verfassers auf sich, welcher als erfahrener Schulmann-denn auch zweifellos berufen ist. in Sachen des Unter-