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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-03-15 · 11 (15.3.1918) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
11 (15.3.1918)
Date
1918-03-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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S«tt« 171 Dr. . Blvih's Wochenschrift «r, li Zsak U«grr. Von Marek Scherlag. . ' " V! Lchini';. , - " Tags darauf em.D eckte lXiii'jcr in ber .Sta)je den 'Abgang L.ch garten,. mi'rhjelig. ,ür vfd;iea;ir Zeiten weggelegtcn Gel-° des. Duute/wurDe es ihm vor den Augen. Womit sollte er die Fäckigkeireu begleichen und den'wie eine'Hyäne leranschl eichenden Ruin, aufhallen? . , . Unaesäumr, ob. auch schweren. - Herzens, .-zeigte er den Schwieger,.ohn. an,, -auf. den - sein. -Veraachc .. blitz-, ariig fiel. / . - - „Du .hättest noch warten sollen," meinte Die Frau, „vielleicht har. er. das Geld für die Nachfo^fchnitgeu. genonin.en und bringt Sali-zurück." „Deni Hab', ich durchschaut," 'versetzte Jsak,/.längst .'war ihm die Ehe nnr der verschlossenen Sali.lästig, nur. Kaffeehaus und Karienspiel, kurz die? Freiheit lockte ihn., Wer weiß, wo ex setzt ist ,.?. Und Sali, die hol' ichp-ibst nach. Hans." „Wenn du. in Wien bist, wirst du ja and) Aools cheu besuchen, der schon solängc nichts geschrieben hat. Wart'-, ich will dir für ihn etwas mitgeben," sagte die zärtliche Muttert - In Wien war Ungers' erster Gang zu Adolf. Es rerlangte ihn nach der Nähe seines Kindes, als .wollte er stch vergewitsern, daß wenigstens.der Sohit treu zu geinen Ettern hielt., . ' Ans sein Anlauten öffnete ein Ntädchen, liest ihn aber.nicht eintreten...Sie hätte den Auftrag, leinen Juden znm. jungen Herrn 'vorzulassen. „Sind- Sie, verrückt?, Uehrigeps chüt . ich sein Vaier." Und sie zur Seite schiebend, stürzte er in das Zimmer,,wo er sichseinem Sohne gegenüber befand. Ter stand an den Schreibtisch gestützt, die.Lippen oerbissen, und rührte sich nicht. „Adolf! Adolf?!" .stammelte der Vater, indem er sich den, Schweiß, von der Stirn naschte. Wie siehst du nur aus, Barer!?, schrie es in Adolf. Gealtert, saht, mit eingefallenen Wangen,. mit emstyi aufgeris, eiten, geröteter! Augen : ein Bild des. Jammers. Es drängte Adolf, feinem Vater zu Füßen zu fallen und ihil um Verzeihung zu flehen, doch ein Gefühl der Scham, mit Stolz gepaart, hielt ihn zurück. „Schmust du dich meiner, weil -mich meine, Töchter mir Schande bedeckt hat, .und willst mich nicht begrüßen?" fragte IM Uuger und näherte sich ihm schlotternd. . Da ergriff der Sohn stumm feine Hand. -; „Mein Kind! Ich kann ja nichts. dafür..-.Aber ioo hast du's erfahren? Haft du sie vielleicht gesehen?" Adolf schwieg verlegen. ' „Also doch! Wo ist sic nur? Füh r' nt ich zu ihr!" hat bei Vater. - / / »/-; „Das geht nicht. Und öaun —rvozu auch?" „Ich versteh' dich nicht. Meine Tochter rverde ich „Lasse sie hier! Sie, ist bei ihm gut aufgehoben..." \ „Bei.; wem? Bei dem ... Sohn / des Sollizitators? Bei dem. -Abenteurer? Von dem der eigene Vater nichts wissen will! Wenn . er der Jüdin überdrüssig wird, dann kriecht er schon zu Kreuze, das.hat fein Vater von ihm, gesagt." „Er meint es ernst mit ihr, er uurb . sie. heiraten." „Heiraten? - Er ist ein Christ!" „Sie wird es auch . .. .." ' „Gort!" stöhnte Isaf, .auf und sank in sichzusammen. Was soll sie denn UlU^ Sie haben.-sich lange genug ch gelaunt. Glücklich' war sie mit ihren! sauberen' Siegfried. nicht." /??/ ' V ■.: ' „Aber das geht ja nicht," rief Der Vater?-? '/ „Das ist ntcht so schwer," sagte Mols lächelnd- „Wie? Nicht schwer?" Jsak. Uuger. fuhr auf „Nicht 'schwer/ so - wie -das- DurchgehenSaus -den!/Elternhaus n.cht schwer iß?" ... ' . //, . ' ch „Was ist denn daran-so Arges?". . / ■/,? /, „Wie? So schäntst du. dich wegen deiner Schlve-ster nicht? Also warum hastdu denn urid; vorher nicht begrüßen wollen?" : //;? *'7?/?_/../ / •//: . „Ich rvar. .nur so .überrascht." - •... „Und was. soll das heißen, daß mau keinen Juden zu dir vorlassen/darf?" .- 7 - . - - ' ' > . . „Ist halt nur so' eine -Redensart. Weil ich jetzt so viel zur Matura stucke und ungestört sein möchte." ' ' '„So? . Adolf, du. verheimlichst mir etwas. " Schon das allein, daß. tu mit' bie Sache mit Sali verschwiegen hast: . ■ ' . ' . ' / »Ich nieijle, wir könnten, ains unten besser ansplauschen," unterbrach ihn'Adolf, „hier sind die Wände . so dünn." Mechanisch. folgte Isaf Uuger seinem Sohne.. „Führ' mgu) zu. ihr," bar ee, ,,ich ivill sie nur . fragen, wie -sie es. übers Herz bringen röunte , „Wozu? ..? . Sie!nuß übrigens' Aufregungen vermeiden." : ' ch-? ' - ' .? . „So? Hin. . Dann hast di? recht. Ich ivi.hl'sie jetzt nicht sehen." ... . „Wär's nicht edler, ihr das bißchen Glück zu vergönnen?" ' '?. „Es kann kein Glück bringen,., wenn man Glauben und Eltern verläßt." / „Gar so genau soll man's nicht' nehmen, denn 'Re-' iiqioit ist nur ein Gewanddas inan.nach/Bedarf u>en ' den tann." s ' "•' : ' „Das lernst du in der Schule?" - „Und im Lev eit. Ja, man sieht, daß du in einem Nest wohnst. Wenn du hier leben würdest, möchtest du. mich .begreifen, und es., mir nicht verargen,, wenn ich so wie Sali . . “' ' .; Jsak,Uuger war ü>ie vonr Blitz gerührt. „Wie? Du auch?!" schrie er auf, daß Die Leute sich nach ihm umlvandien. -? . Seine- Hand krampfte sich - zusammen und ballte sich zur Faust. Die in ihm nugehäufte Kränkung imd Wut wollte sich auf das Haupt Des überlegen..tuenden Jünglings eittladen. Blutschivcre Streifen schwirrten vor seinen Äugen wie Schwerter. . ' „Schau, Vater," begann Adolf mit einschmeichelnder Stimme, „es bleibt ja heut' nichts anderes übrig. In ' der Schule wird mau als Jude,.bis aufs Blut sekkiert. Niemand schützt uns. Der Religiouslehrer erschwert selbst den Unterricht - und verekelt einen! die Religion durch seine trockene 'Strenge. Und was hat mau als Jnd' für -Aussichten, iiäd; Matura? Hast dn eine Ahnung, wie .- schwer. Ds . ist, als/Jud' wo unte.rzukoininen? Der Anti- ' semirisuiiis ruht--nicht i? " . Isäk Ungar Faßte .sich .an die Schläfen. „Goth.-wosür willst du mich so. strafen," - stöhnre er. - Und dersSohü rederc weiter, viel tuid Hastig,' als Härte. er es auswendig gelernt. . „Red' nicht mehr," ries. Der Vater.. . ' ., Heiß sist's und schwül/ Er wankt, brütend -dahin, / wie einer, der den Grund unter sich nicht , fühlt. Var einen! GasthDils laßt er sich nieder, bestellt . Sodawasser, dann Wein.. Während, sie/stl 'Schweigen versunken, den säuerlichen Wein trinken» dringen' vom Wurstelprater verworrene Klänge, herüber'.

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