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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-03-15 · 11 (15.3.1918) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
11 (15.3.1918)
Date
1918-03-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit» 164 Dr. Vlvly'S Wochenschrift Kr. 11 MachtrnittÄ zum umfassenden' Schutze der Juden und gegen die Wi^erkehr der geschilderten bedauerlichen Vorfälle Ln Galizien zu treffen und die Schuldigen zur Verantwortung-und Strafe zu ziehen? Unterfertigt ist die Interpellation von den Abgeordneten^r. Straucher, Dr. Ofner, Kur anda, Dr. Petrusziewicz, Dr. Leo Baczy nski, Dr. Cehekski, Wasfilko, Semaka, Spenul, Lukasiewicz, Dr. Holubowicz, Dr. SMal-Stocki. Herpert Samuel gegen Hord North cüffe. ' Ueber die. Vorgänge in Galizien melden Ljeniberger Briefe: Getreu dem alten Grundsätze „Die Regierung meint man und die Juden haut man", haben die volttischen Freunde und Epigonen der russischen „Schwarzen Hundert" aus der Zärenära an diesem Tage'über ganz Galizien' Hunderte und Tausende von anonymen Aufrufen gegen die Juden verteilt, welche zu einer Schlächterei und Plünderung jüdischen Lebens und Vermögens aufforderten. Die Offiziellen haben natürlich nichts von. dem in ihren öffentlichen Ansprachen erwähnt, haben aber toleriert, daß solche Aufrufe und Karikaturen in den Schulen, Tramways, Eisenbahnen und in Aemtern verteilt wurden. ' Und so gelangten nachstehende Flugschriften zur Verteilung: Die eine unter deM Titel „Orzel" (der Adler), welche eine Karikatur des' österreichisch-ungarischen Staatsadlers und eine Satire auf die austropolnische 'Lösung der Unabhängigkeit Polens enthält. Der Adler ist darin in der Gestalt eines Judenkopfes mit Seitenlocken dargestellt, welche eine orthodoxe Kopfmütze (Jarmulka) trägt und in einer Hand einen Geldfack, in der anderen eine Wenorah hält. Unterhalb des Adlers — an Stelle des goldenen. Vlieses ist "eine männliche Genitalie angebracht. Diese Flugschrift wurde um 10 Heller verkauft. Das Reinerträgnis ist zur Vertreibung der Juden aus Galizien bestimmt. Sie wurde sogar durchs den Staatsbahnrüt Gilews ki in höchsteigener' Person im Amte feilgeboten. Die zweite' Flugschrift trägt den Titel ,,Lajdactwo" (Gemeinheit) und droht dem galizischen Judentume mit einer Schlächterei, falls sie nicht selbst noch! rechtzeitig aus Galizien abziehen werden. Dies deshalb, weil die Juden an der angeblichen vierten Teilung Polens schuldig wären. Dieser Zettel wurde in allen. Volksschenken, Gasthäusern, Tramways und sogar im VIII: Gymnasium verteilt. ' Ferner wurde die Herausgabe einer periodischen Zeitschrift unter dem Titel „Die Entjudnng Polens" (Odzydzenie Polski) angekündigt. Die polnischen Blätter in Lemberg wollen glauben machen, daß die zu Judenpogromen auffordernden Flugschriften, die am Tage der großen Demonstration gegen den Brest-Litowsker Frieden in Tausenden und aber Tausenden von Exemplaren verbreitet wurden, von den „Feind eit' der Polen". — in Bexlin herstammen sollen. Indessen, das „Lemberger Tagblatt", -Nr. 51, weist nach, daß diese Hetzschriften, die Wer die bösartigsten.' Resultate zeitigten, polnischen Ursprungs, in Lemberg, in einer polnischen' Druckerei hergestellt worden sind, was auch. Abg. Breiter im österreichischen Parlament ausdrück- . lich konstatierte. Die „Wiener Morgentzeitung", Nr. 48:vom P. März, meldet von UeberMlen auf reisende Juden in den Bahnconp^s der der westgalizischen Eisenbahnen. Jüdische Reisende werden überfallen und mißhandelt und selbst die Kondukteure wollen die Hilferufe nicht hören. So wurden von Banditen überfallen Baruch Jak ü b o w i c z aus Tarnow, Chäim'SomMe r ansTarnow, Moses B a r a ch und Leon Klip st ein aus Bochniü, Eiben schütz aus Nepolodnice. Die Bahnverwaltung' hüllt sich in Schweigen. . / Herbert Samuel tadelte inr englischen'Unterhause die Ernennung Northclisfeff zum Leiter der ^Propaganda in den feindlichen Ländern. Redner bezeichnete es überhaupt als unklug, das deutsche Volk wissen zü lassen, daß England in seiner Mitte Propaganda betreib e, verurteilte aber besonders, daß diese,Tätigkeit Northcliffe übertragen worden sei. Vermutlich betrachteten die Deutschen diese Ernennung ungefähr ebenso, wie England es auch ansehen würde, wenn es erfahren würde, daß die deutsche Regierung Reventlow, zum Leiter der deutschen Propaganda in England-und - den Ententeländern ernannt hätte. Man würde zuerst belustigt und dann erstaunt sein, und man würde sagen: Was für ein sonderbares Volk sind doch die Deutschen! Die Ernennung Northcliffes beweise zweifellos einen erstaunlicheM Mangel an gesundem Me.nsch,env erstand. - - „Daily News" stimmten den Ausführungen Samuels durchaus bei und sagten: Das schlimmste an dieser schamlosen Ernennung ist, daß nicht die Regierung Northeliffe, sondern Northcliffe sich selbst angestellt hat. Liord Northcliffe — ein Arier. Das En^de einer antisemitischen Legende. Das soeben im Verlage von Ernst Siegfried Mitt- . ler & Sohn erschienene,; von der Auslandsstelle des Kriegspresseamtes bearbeitete „Handbuch der. Auslands- Presse", das über das Wesen, die Bedeutung und die Verbreitung der Zeitungen in den feindlichen und-den neutralen 'Staaten möglichst zuverlässige Auskunft geben will, finden sich, in dem Abschnitt, der das berüchtigte HanpMatt der sogenannten Northcliffe-Presse, die „Times", behandelt, über die Persönlichkeit des Besitzers, nachdem die Geschichte, die Organisation ' und 'M'ch'ölitische Bedeutung der Zeitung in sehr-sachkundiger Weise behandelt werden, folgende Angaben: „Eigentlicher Besitzer jetzt der rücksichtslose, gewalttätige Zeitungskönig Lord Northcl i ffe (Mfred HarMslworth), von Gebürt Ire — letzten Endes von der Frankfurter Jsraelitensamilie Stern abstamMend (?)." Würde diese Feststellung von irgendeinem antisemitischen Winkelblatt getroffen sein, .so verlohnte sich kaum, ihr eine Beachtung zu schenken. Da aber ein offizielles, im Kriegspresseamt bearbeitetes Handbuch -die Behauptung von der- Frankfurter jüdischen Herkunft des Lord No rth clifse aufstellt, so Muß dem entschieden widersprochen werden. An dieser Bedeutung ändert auch das beigefügte Fragezeichen nichts. Denn entweder hielt der Bearbeiter seine . Angaben nicht für hinreichend begründet, dann durfte er sie gewissenhasterweise in sein Handbuch überhaupt nicht aufneh'men, oder er nimMt sie — mit oder ohne Fragezeichen — auf, dann mußte er sich Darüber klar sein, daß sie als Feststellung einer Tatsache wirken werde. Nun: die 'Behauptung ist nnwah r und beruht auf einer durch einen bedauerlichen Mangel an Gewissenhaftigkeit hervorgerufenen Namensverwechslung. Die Frankfurter Familie Ste.rn (gemeint ist das alte in - g.esefsene, ho.ch.ang.esehene Bankhaus Jakob S. H. Stern) hat mit. Alfred Harmsworth, ^deM j etzig en Lo r d No r th clif f e, auch nicht bas g e - ringste zu tu n. Dagegen ist vor etwa hundert Jahren ein Angehöriger der genannten Familie, also etwa (um die Zeit, in der auch die nichtifraelitischen Familien Döschen: und Bunsen in England sich ansiedelten, nach England ausgewandert. Einer seiner Nachkommen,: Sir Sidneh S t e r n, wurde im Jahre 1895 als Peer "von England zuM Lo rd W andsworlch ,erhoben-. Er ist schon vor längerer Zeit verstorben und hat sich niemals

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