Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 11 (15.3.1918)
- Date
- 1918-03-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Är, t l Är. ' Bloch's Wochenschrift S«te 167. Die Herreit vergessell, daß die Wiener Universität ein S r a a t s institut ist, ans hen S t ene rge ldern des .g e s a m L e n / @-t a a t e s s e h r r e i ch l i ch e r h a l t en. Wofür gerade die klinischen Institute am lautesten' sprechen. Erblickte man ja, allerdings' einst vor dem Kriege, einen Ehrenpunkt. darin, wenn Airrerikaller und sonstige Ausländer nach Hunderten hieherkamen, um..die-Wiener/ s rrtedizirlische. Wissenschaft zu exportiererl. Gegen diese u n g e r echte ,rr n d u n b e r e ch t i g t e 'Mpßregel kann nicht rasch itnd nicht energisch genug Verwahrung eingelegt werden. Formell wird diese: Galiziauerverfolgnng damit begründet, daß: jetzt für kurzem Zeit die an der Front dienenden Medizinerbeurlaubt iverden.^Allein dabei rvird „übersehen", daß die An /zahl der Mediziner int Kriege, gesunkeit ist, und zwar nur 361 vorr 1461 tm Wintersemester 1914 1 ö auf /II00 im Wintersemester 191.6/17. Für die. einige Hundert, die eventuell im Höchstausmäß in oeiden Staffeln aus Urlaub von der Front kommen sollten, ist daher auch jetzt Platz genug. Objektiv "betrachtet, ist dies lediglich eine „Gaiizianer"hetze, ivelche dadurch nicht besser rvird, daß sie ihren Ausgangspunkt zu haben rscheint im abfälligen Urteil.eines gewissen Generalstabsarztes, vor dem Kriege Universitäts/rosessors, über die Folgert der angeblich nachsichtigen Kriegsprüsnilgen. .Dann soll marl eben streng, aber _ gerecht, a l l e gleichrnäßig gelvisfenhaft beurteilen. AVer gelinde prüfen und dann die Prüfung in ihrem Wert bestreiten, ist barer Unsinn und zwecklos. Am wenigsteil ist dadurch eine - generelle Berjagnng gerade der ga lizischen Mediziner ahne Rücksicht ans Semester und Stndiensortgang gerechtfertigt. Oder Ist die Mevizin bereits wirklich zur Zunft ge- . lvorden? Und soll. die eventuelle.' jüdische „Konkurrenz" ferngehalten und mit Brachialgewalt hinansgedrängt " werden? . - / / i'UüAÄe-dentsche 'Konkurrenz abzumehren,- haben die Engländer den Weltkrieg inszeniert, lvorüber die Deutschensich 'mir' Recht entrüsten. Die deutsche Universitär schließt ihre Pforten den eigenen. Landeskindern anderer Konsession - ans gleichen Motiven. Die Geschichte wird schließlich das Urteil sprechen. . , Aus der Woche AuS dem Abgeordnetcnhause. In der Sitzung des Abaeordnerenhauses vorn 15. März l. I. hat der Abgeordnete Dr.' S traucher und Genossen an den Ministerpräsidenten und den Minister des Innern im Angelegenheit der Erzesse und Ausschreitungen gegen die Juden in" Galizien nachstehende Interpellation gerichtet: ' „Ans Anlaß, des kürzlich zivischen den Zentralncächron und der Ukraina zu Brest-Litowsk abgeschlossenen Friedens. und beziehungsweise des in diesem der letzteren zugesprochenen Cholmer Gebietes hat sich bekanntlich der gesamten poetischen Nation eine große Erregung - bemächtigt, welche zu lvohlorganisierten a.n ti - öste r r eich i sch en ltiib antise m itisch en Demonstrationen, insbesondere in Ga liz len, geführt, hat. - Diese' arteten in arge Exzesse' gegen die dortigen Juden ans, welche fast im ganzen" Lande Galizien gleichzeitig, mit beit bekaiinten Pro testdemonftrationen der Polen stattgesunden Haben. Auf Grund übereinstimmender Berichte und Schilderungen an der-jüdischen Presse Galiziens und unbestrittener, einwandfreier Mitteilungen vollkommen verläßlicher Personen haben m o hl v o r'b e r e i t c t e Ex - z e ss e u n d Aus sch reit u n g e n g egen I u d en un d j ü d i s ch es E i g e n r u m sotvie körperliche . M i ß. - Handlunge it vom Inden in Ga l iz icn> .ungeachtet -. r e ch t z e'itiger vorherig e r A ei Ke bei den politischeu und Polizeibehörden, ja selbst Heß der Staatsanwältschast," stattgeftmden: pogromhe tzerische Flugschriften, Pamphlete und Broschüren ansreizendsten Inhaltes gegen die Juden 'wurden Massen ha fl unter der polnischen.Bevölkerung verbreitet, ja selbst inSchulen,^ staatlichen und öffentlichen A e m t e r n n n d Beh ö r - d e.n, und insbesondere auch in der k. k. Staatsbahnbiretttou .zu Lentberg nnbehlndert verschleißt, zu Austreibungen der Juden anfgeforderr, und der Erlös dieser Flugschriften zur Bildung eines Fondes zwecks „Entj n d n n g G a l i z i e n s" angeki'mdet. - - - In vielen . Städten, Dörfern und Ortschaften Galiziens (so beispielsweise in Le m be r g, Rz e s, >0 ,v, K r nka u. Dy - now, Stryszorv, Bochnia usw.) wurden, mehrfach mir Hilfe herbeigeholter Leute des flachen Landes, in den Häusern der Juden die Fenster und in deren Geschäften die Allslagen eingeschlagen und zertrümmert, die Schilder herunrergerissen, vielfach in jüdische Geschäfte illld Restanrarionell eingedrungen, großer Schaden angerichret, die Jllden arg bedroht und. beschimpft u. d'gl. mehr. . Der Inhalt der verbreiteterr FlugzetLet, ebenso gegen Oesterreich, tute gegen die Juden gerichret, kann ivegen seiner Häßlichteir.nicht wiedergegeben rverden: er schloß mir der Allfforderlllrg: „D i e Jude n f v l l e rr sosorr Galiziell verlassen, auch die' jüdi s ch e n A s s tan i l a n r e ll u n d j ü d i s ch e n^ P ölen soll e rr n ä ch Z io n z i e h e n oder m an w e rd e s i e - m i t Feue r u n d S ch m e r t a n s t r e i b e n." Insbe sondere forderte.die in Lemberg in jüngster Zeit erscheinende polnische Zeitung „^.dzydzen ie Polskie" zur A n s t re i bn rr g aller Inden aus Galizien bis a u f d e n l e tz t e rr M a rr n ans; alle diese Preßprodnkte slird ungeachtet ihres strafgesetzlich verpönten Inhaltes unbehindert verbreitet worden. Bei allen diesen nur kurz aitgedeutetell Exzesserr sowie irr Reden und Konvenriteln äußerte sich - rpas übrigens seit längerer Zeit offenkundig ist - ein brenneit bei' Jude n h a ß. — Es muß hervorgehoben werden, daß von den vorbereiteten Demonstrationen und den gekerrnzeichneten Pamphleten. und Flugzetteln verschiedene Behörderr irr Galizien, so namentlich auch, der k. k. P o t iz e iv r ä's ident und der k. t Staatsaltwalt in Lentberg, ja selbst militärische Behörden und insbesondere polnische Parteiführer — durch das „I ü d i s ch c T a gblart" in L'cmberg sowie auch mehrfach durch Mitteilungen und Warnungen von Mitgliedern des jüdischen Kulmsvorstandes — einige Tage vorhe r verständigt worden sind, also genaue Kennrnis von den Pamphleten und der bedrohlichen Situation hatten. Die geschilderten, nicht näher zu gnaliftzierenden Borfälle haben in der Jndenschaft überhaupt und zunächst Galiziens tief ft e Erbitrernn g, g e r echk e n Unmut und hellste Empörung herv or ge rufen, da Leben, körperliche Integrität, Eigentum und. Rechtssicherheit der jüdischen Bevölkerung. Galiziens in hohem Grade, .gefährdet sind- und bei der. systematischen Wühi- und Hetzarbeit unabiehbare Folgen zu befürchten sind. - Demgenräß richten die - Unterzeichneten an Se. Exzellenz den. Herrn k. k. Ministerrräsidenten wie auch an Se. Exzellenz den Herrn k. k. Minister des Innern die folgenden Anfragen: ’ 1. Sind Ihren Exzellenzen die geschilderten Vorfälle. bekannt? ' ' /t , -■ Sind dieselben bereit und willens, unverzüglich geeigltete Vorkehrung e n und allenfalls unter Aufwendung der der Staatsgewalt znstehendelt