Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 11 (15.3.1918)
- Date
- 1918-03-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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©fite Ui2 ffir.f MoW'S Wochenschrift «r. 1t %r'-' •/■Ui -über' Äc Daten der juridischen Fakultät. Dort, wb beranutlich nur Männer inskribiert sein können, waren und ' sind die I u d ch i n absolut e r und r e l a - r-iv e-f• Minoxität, und Zwar in ebensolchem Aiaße wie im -ersten Kriegsjähve. Im Wintersemester 1914/15 warerr 1210 Juden gegenüber 1475, Katholiken, hingegen im Sommersemester.471 Juden gegen 571 Kacholüen. Dabei ist' bekanntlich das Jusstudium, wenn -irnch nicht das beliebteste, so doch bei weitem am meisten seitens der jüdischen Studenten frequentierte Fach. Hier hat offenbar die Dienstpflicht ebensolche Lücken gerissen wic bei ihren Kollegen. Dabei ist noch ein Um- -Pand'ffehr "zu ^.berücksichtigen. Die Anzahl der Enthobenen. Wir waren den Herren sehr verbunden, tvenn sie uns — was ihr bei ihren Beziehungen sicher nicht gar schwer fallen dürfte Mitteilen möchten, wie viele '.Hochschüler oder bereits! Graduierte seit Kriegsbeginn, nach Konfession, Stamm, Beruf und Studienjahr gesondert' bei den dihersen Behörden und Aemtern den-!-jenigerr. Dienst angetreten haben, welcher sie für - das -..öffentliche Wohl unentbehrlich machen sollte. Wir möchten sehr gerne erfahren, wie es z. B. den . Advokareri, Mvokatu rskan dida t er: und Aerzten inr Lause , dieses Krieges ergangen ist. Selbstredend nach, Sramm und Glaubensbekenntnis gesondert.. Insbesondere wie viele jüdische.Angehörige der freien akademischen Berufe eilt- ' hoben wurden. Wie viele jüdische und. wie - viele katholische oder protestantische Advokaten und Ad'vokatnrskandidaren eingerückt sind, um als Landsturmmänner niit ..Einjährig-Freiwilligen-Abzeichen als Mindertaugliche in den . Kadern auf eine Kommandierung zu warten und : dann als Kanzleischreiber. bei irgendeinem Amte in,ter- AkommeN, oder als.-Volltaugliche ihre militärische . Karriere ohne jede Charge anzutreten? ' Wenn jedoch die Verhältnisse an den beiden anderer wMicheu/Iakultätem. der.^Medizinischen, und,bei*. Philo?, sophischen, zahlenmäßjg anders liegen, so hängt es ebeil von dent Umstande ab, daß hier die Frauen von. aus- .. schlaggebender Bedeutung sind. Waren doch — nach der „Retchspost" -- bereits im Wintersemester 1914/15 1000 . SLndentinnen inskribiert, deren Anzahl auch ferner gestiegen ist, da ja der Krieg einen größeren Abgang, etwa durch Ehe, eher "verhindert, andererseits aber, analog den . Studenten, durch Kriegsdienste nicht veranlaßt hat. . , . Nun brachten es die ökonomischen und sozialen Ver- 'hältnisse mit sich, daß unverhältnismäßig viele, jüdische; Mädchen statt in der Ehe, im Berufsstudinm ihr Heil r und ihre Zukunft sehen, öder wegen der ungewissen -Zukunft wenigstens sich versichern wollen. Wir verhehlen .uns gar nicht, daß ein übermäßiges Studium jüdischer .Frauen gerade vom Standpunkte der tkatürlichen VermHrung des jüdischen Stammes. gar nicht erfreulich äst. Ackern dieser Prozeß, liegt eben in den Verhältnissen, ^welche der Krieg, eher verstärkt und vermehrt hat, und ' .wird Kurch.MsEn/begründet'..' Dabei ist noch der sehr wichtige Umstand zu er- ' wägen, daß die jüdischen Mädchen in Schule und Amt .nur in seltenen FÄlen unterkömmen Mnnen. Gab es . -doch in 'Oesterreich (ohne Ungarn) vor zwölf Jahren .'nach den, amtlichen Iütgaben der k. k. Statistischen Kommission nicht weniger als 100.000 (hunderttausend) Lehrer und Lehrerinnen. Die Zahl der jüdischen Zugehörigen die Religiönslehrer inbegriffen —. betrug damals weniger als 500. In den Lehrerseminaren finden jü- . vrschc^ Schüler und Sjchülerinnen gar. keine Aus- " nähme. Daß dabei das Reichsvolksschulgesetz., welches -bestimmt Hat, daß bei gewissem Prozentsatz Lehrer und ^Direktoren der Konsessiün der Majorität angehören ...müssen-, mit den Füßtzn getreten wird, ist klar, übt aber seine Wirkung aus.; ■ Wir möchten gerne eine Statistik kennen lernen über die. Anzahlder speziell im Lanfe des Krieges z. B. bei Post und Eisenbahn sowie Militärbehörden für Bureaüarbeiten Hur Aufnahme gelangten Franen, nach Stamm und Glauben. : Das jüdische Mädchen, welches „sonst" z. B- Lehrerin werden, bereits mit 20 Jahren erwerben uuö ihrer Familie keine Last mehr oder gar. eine' Stütze sein könnte, muß. sich'mit lateinischen und griechische.it Vokabeln abplagen, um dann das beschwerliche und kostspielige UniversiLätsstudiuM anzu treten, welches bis hoch in-die zwanziger Jahre hinein dauert. Wenn dies trotz? dew so geschieht, entgegen dem natürlichen Gesetz vom geringsten Widerstande, so geschieht es cBcii deshalb, weil die jüdische Städterin offenbar sonst größere Widerstände borstndec und auf diese Weise eben umgehen.will. Das arme Mädchen findet nur sehr 'schwer die' Aufnahme in eilt Amt, kann daher mätl der absolvierten Bürgerschule oder gar Lyzeum nicht viel ansängeu, wenn sie sich nicht dem Privatdienst int Handelsfach widmenwill,. sie nt u ß daher, Fähigkeit, Fleiß und Milien vorausgesetzt,'ein „freies" Studium ergreifen. Das wohlhabende hinwiederum sieht sich darunt gezwungen, zu studieren, weil es sich für den Fall des. „Sitzenbleibens" versichern will — Klöster gibt es bei uns bekanntlich.nicht/ und auch abgesehen davon- „inzwischen" einen, Lebensinhalt sucht oder sich einfach ökonomisch besser ansznrüsten bestrebt. Die! Begabteren und Begabtesten ivbilden sich daher dem medizinischen und dem!, ach so herzlich unpraktischen philosophischen Studium zu. All dies ist. eben bei-den Katholiken in der Regel nicht der Fall. Katholische Mädchen brauchen keine Universiiätsftudien, sie ergreifen den Berus einer Lehrerin. Dieselbe Erscheinung des verhä-ltinsntäßig.Zahlreichen' Studiums)seitens jüdischer Männer hat. im großen dieselbe Ursache. Vom Le h re r st and e, insbesondere vom <V o l k s l e h r e r st a n.d e .gänzlich, ausgeschlossen. Ebenso Ist es mit den Aemtern und Behörden. Ein Jude wird hier nur widerwillig oder zaudernd, gewöhnlich nur laute ile miettx, ausgenommen. Caeteris panbus bleibt er ehen zurück. Ohne Universirätsstttdiuch kann er in ' der Regel nichts werden und schon gar nichts ohne Mittelschulmatura. Der Jude muß studieren', muß in der) Regel drei juridische Staatsvrüfüngen oder lieber den Doetor für. haben, um. tu! ein ' Stint - aufgcitoimttc.it zu werden. Der Judenhaß treibt ihn auswärts. Der' ungebildete oder nicht besonders gebildete Jude kommt für eine niedere Stelle gar nicht in Betracht. Daher kom'mt. es, daß sich jüdischc' Eltern so viel die Erziehung ihrer Kinder kosten lassen. Es gilt ja, sie widerstandsfähig und lebenskräftig in die Welt htnailszuschicken. Studium kostet Geld und Mühe. Nur derjenige unterzieht sich demselben,.der sich dazu gezwungen sieht. Und wenn z. B die deutschen Mtholiken Nieder- und Ober- Oesterreichs verhältnismiäßig'wenige Juristen..haben,- so ist dies eben der untrügliche Beweis hiesür, daß sie es nicht nötig haben. Wer — wissenschaftlich minder befähigt — bereits mit vier Klaffen in der Kädetteuschule äüfgenomMen .wird, Aßt das Obergymuäsiunt ruhig beiseite. Ebenso bei den, Gewerbeschulen. Wer mit acht Klassen oder Reifezeugnis^ ein öffentliches Amt erhält, mit Aussicht aus Avancement, bewegt sich in der Richtung des!geringeren Widerstandes ünd überläßt das Hochschulstudium . denjenigen, /die es betreiben wollen oder Leider mehren sichdie Anzeichen, -daßman sich an der Universität 'Mm^Wsüah'msbeftünm-uttgen. vorbereiiet. Die medizinischeFakultät hat nämlichvor . kurzem beschlossen, im SomMersemester.l. I: sämtliche-bereits iuskribierte Hochschülef galizischer „Provenienz" nicht mehr inskribieren - zu lassen. Unglaublich- -aber wahr!