Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 7 (15.2.1918)
- Date
- 1918-02-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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5lts 7! Dr. BlM's WoWnschrM ' " Sette 1VL bvachte das genannte Hetzblatt unter dem Titel „Das goldene Buch" einer aufreizenden Artikel, der eineü jüdischen Vater zu dem nachstehenden Entrüstüngsschrei in Form eine: Zuschrift an den „Egyenlöseg" veranlaßt: „. . . Das ist wahrhaftiss eine Niedrigkeit, was dieser Artikelschreiber im Bewußtsein seiner Unverantwortlichkeit niederzuschreiben wagt. Ist dieser Artikel für uns alle ungarischen Juden verletzend, um wieviel Mehr beleidigt er mich und Väter, die sich in derselben Lage befinden .wie ich, die unseren teuersten Schatz, unsere wie unseren Augapfel gehu eten Kinde:, der Verteidigung unseres geliebten Vaterlandes hinge geben haben. Häufig passiert es mir, daß in meiner Gegenwart solche und ähnliche Aeußerungen gemacht werden, mein magyarisches Aussehen täuscht sie und sie wagen. es, vor mir zu verleumden, bis ich ihnen über den Mund fahre. Warum findet sich denn nicht ivgend jemand, der einen solchen Artikel schreibenden Fant, der sicherlich ungeeignet oder e n t Hobe n ist. und im sicheren Hinterlande, in der warmen Stube, sich Frechheiten herausnimmt? Hier die Geschichte meiner Söhne: Mein Sohn Josef Balazs, Oberleutnant, macht von der ersten Minute der Mobilisierung an Frontdienst. Noch in der Zeit, als er Leutnant war, hat Ihr geschätztes Blatt über ihn berichtet. Seitdem wurde er Oberleutnant, auch seine. Auszeichnungen haben sich vermehrt, so daß er heute einer der am Wänsten dekorierter Reserveoffiziere seines Regiments ist. Er wurde im Jahre 1915, jI16 und 1917 (im Juli), also dreimal, verwundet. Er ist jetzt völlig geheilt bei seinein Regiment und wartet dort, bis' ihn'seine Pflicht anderswohin ruft. Als ich ihn einmal besuchen dürfte, nannte einer feiner Vorgesetzten Offiziere ihn den Stolz seines Regiments, den jüngsten und gewissenhaftesten Offizier. Es. braucht nicht erst gessgt zu werden, daß ich nicht wenig stolz'bin darauf. - > - Mein älterer Sohn, Andor Balazs, Advokaturskandidat-, ist gebrochen, gealtert. Wieviel Kummer hat uns alten Eltern seine aus 'der Gefangenschaft übersende'e Photographie bereitet! Was ist aus diesem stattlichen, herrlichen Jungen geworden! Der Schatten, die 'Ruine seiner selbst. Was haben das eine Jahre serbische und dann italienische Gefangenschaft aus meinem teuren Kinde gemacht? 'Er schreibt, daß ihn. das Leben für die dürchgemachten Leiden nicht mehr zu entschädigen vermag. Er ist kurz Vor der Advokatenprüfuna eingerückt und schmachtet, seit deM 12. Dezember 1914 in der Gefangenschlaft. Schließlich ist mein jüngster Sohn Ludwig, Mediziner des.ersten Jahrganges, der kürzlich gemustert wurde, gleichfalls Soldat. - - Es ist unmöglich?, seine Verwunderung darüber äuszud rücken, was eigentlich die^e hoblköpfigen, niederträchtigen Maulhelden von uns wollen. Möchten sie doch, wenigstens auf eine Nacht, dorthin gehen, wo mein mehrfach ausgezeichneter, heldenmütiger Sohn ist, dann mögen sie antisemitische Hetze treiben, wenn sie das Gewissen dazu haben. Hier, am geschützten Orte, im warMen ZimMer, ist leicht Artikel schreiben. Glauben Sie mir, daß ich' int ersten Augenblick daran dachte, nach Budapest zu fahren und den Artikelschreiber zur Verantwortung zu ziehen, denn, lieber Herr Redakteur, ich selbst bin 'trotz meiner 57 Jahre noch Manns genug, um auch unbesehen-mit welchem immer von ihnen den Kampf auftunehMen, und bin noch nicht angewiesen darauf, daß einer meiner Heldensöhüe.sich mit ihüen schlage: ich Möchte ihre Hände nicht mit diesem Gelichter .beschmutzen lassen. Ich stelle noch selbst meinen Mann. Mit Rücksicht jedoch darauf, daß sie so. vielesind, . während ich, wie ich sehe, allein stehe unter den zahlreichen im . Herzen getroffenen Vätern, die bereits ihr alles veloren haben, und zerstreut, mit ruhiger Re- , signation ihre tiefe Trauer ertragen und solche Auf---, reiznngen nicht bemerken wollen, so. bleibe denn auch ichin meinem ruhigen Dörfchen, wo mich niemand kränkt und nur gelegentlich gezwungen bin, Ausfälle in ähnlichem Tone, wie der verhetzende Artikel, lesen muß. Hochachtungsboll r Hermann Bla u stein, Szinyer (Kom. Zemplen)." - Aus einem IeidpaMrief. Inspizierenden, leitende Jsr. Mkl.-Seefforge der. - r t u. k. 7. Armee. - ----- Feldpost 334, am.14. Februar 1948.'; Sehr geehrter Freund! Si,e erkundigen sich nach.. meinem Ergehen, wie ich meinen Beruf ausfülle und ob er meinem Geiste. Volte Befriedigung gewährt. Lieber Freund? Kann eseine, höhere Genugtuung geben, als das Bewußtsein--, dem Alle chö-chsten Kriegsherrn und dem Vaterlande nicht bloß treu, sondern auch ersprießlich zu dienen? Allerdings erfasse ich meine Mission nicht im Sinne jener Kollegen im Hinterlande, die Mititärseelsorge von der Kanzlei aus zu leiten, der Mannschaft Gebetbücher und Ritualien zur Verfügung %u stellen, den Herren Kollegen im Felde Dispens-von der rituellen Kost zu erteilen — und damit alle Pflicht als Leiter der Seelsorge für erschöpft zu'betrachten. Als meine Aufgabe sehe ich in erster Reihe an, jeden jüdischen Mann in. meinem ArMeebereiche kennen zu lernen, ihn an seine heilige Pflicht sowohl gegen Kaiser und Vaterland, als auch gegenüber dem Judentum zu mahnen, dabei aber auch berechtigte - Bitten und Beschwerden entgegenznnehMen und sofort tatkräftige Abhilfe zu schaffen, so daß heute kein Glaubensgenosse in meinem ArMeebereiche, der sich mit irgendeiner gerechten Angelegenheit an mich gewendet hätte, sagen könnte, ich hätte ihn mit leeren Redensarten abgespeist. Solches Bewußtsein patriotischer Pflichterfüllung gewährt die höchste Genugtuung. Als Seelsorger fühle ich mich ebenso als guter Soldat und Patriot, wie auch als Jude. Als Soldat und -Patriot ist es im Jntere^e des Wlerhöchsten Dienstes gelegen, daß über Mann Zufried en ist und die Uebergeüguna hat, daß das Vaterland, welches von dem Manne alles' fordert, ihm auch altes zu geben bereit ist. Und als Jude ist es mir-stets zumute, als ob ein steinaltes, ehrwürdiges Mütterchen — Mutter Juda — mit ihren vor. Jammer und KumMer der Jahrtausende triefenden Augen mir bis in die tiefsten Tiewn meines Herzens schauen und etwa folgendermaßen fragen würde: „Lieb Kind, mein! Bist du dir deiner hoben, heiligen Ausgabe bewußt? Du bist der Hirte. Jührer, Leiter und Hüter meiner Zärtlich geliebten Kinder? Mein Sohn! Harte Schicksalsschläge und schwere Prüfungen haben mich etwas altersschwach und müde gewacht: an dir ist es nun. bei meinen Kindern Mutterstelle zu vertreten. Kennst du auch die tragische Geschichte deiner Mütter, die mit blutigen Lettern in den Annalen und Chroniken verzeichnet ist?! Viel Trauer und Kummer hat-dieses schwergevrnfte Mutterbem an ihren Kindern von der Kindeswiege an bis auf den heutigen Tack erlebt! Ich legte einen Sack um Meine Lenden und schüttete Staub und Asche auf mein Hauvt, als Meine Kinder zu Tausenden biügeschlackstet und von ihrer Heimat Vertrieben wurden. So manchen Riß der Trauer habe ich iM Laufe bar-