Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette S L Sicherungen gegenüber König Georg scheinen mir sehr unglücklich gewählt. . Das ist weit Mehr als eilt Wortstreit. Es reißt - die nationalen Grenzer: des gegenwärtigen Krieges mitten durch und gibt vor, daß das Haus Israels -eine . Mtinternationale. Loyalität hat zu jedem Lände, dem es zufällig gelingt, Palästina zu erobern. Wenn Marschall Hindenburg mit seinen Kräften.-eine. Diversion macht, um Morgen General Allenby aus Palästina herauszubringen, wäre, dann der Großrabbiner von Deutschland berechtigt, seinem Kriegsherrn zu versichern, daß das Haus Israels einstimmig für den Sieg, der deutschen. Waffen bete?" ' Die englischen Arbeiter für den Judenstaat. ^Aus London wird gemeldet: Das vom Parlaments- Komiiee 'des. Kongresses der Fachvereinigungen und dem -geschäftsführenden Ausschuß der Arbeiterbär tei ausgearbeitete Memorandum über die.Kriegsziele, das auf einer besonderen Konferenz der Arbeiterparteien am 28. Dezember behandelt wurde, spricht bezüglich der Juden aus, daß die Juden in allen Ländern die allgemeinen elementaren Rechte zur freien Wahl ihres Aufenthaltsortes und zum Handeltreiben, sowie die allgemeinen B ü r g e r r e ch t e erhalten müssen. Pal ä st i n a müsse zu einem freie n S t a a t unter internationaler Garantie umgestaltet werden. Dorthin würden auf diese Weise diejenigen Angehörigen des jiddischen Volkes', die es wünschen sollten, zurückkehren können. Tlie italienische Regierung und der Zionismus. Eine Erklärung der italienischen Gesandtschaft im Haag. Ter italienische Gesandte im Haag, Herzog de la Tour Eakvello, hat an das' Jüdische Korrespondenzbureau im Haag folgende Erklärung abgegeben: „Ich bin zur 'Erklärung ermächtigt, daß die italienische Regierung ihre uneingeschränkte Zustimmung zur- Deklaration des Ministers B a l so u r über die zionistischen Bestrebungen gibt und die königliche Regierung der Errichtung, eines nationalen Zentrums der Juden in Palästina günstig gesinnt ist." Mne AuflMe wegen Hilsner. \ Tie Wgeordneten Bernhard Stern, Dr. Ofner und Genossen' haben an . den Justizminister eine Anfrage eingebracht, die in der Frage gipfelt, ob der Minister bereit ist, die schleunigste Wiederaufnahme des Hilsner-Prozesses vor dem Kassationshof zu erwirken oderHilsner dem Kaiser zur Begnadigung Vorzuschlägen. In der Begründung der Anfrage wird -auf. die bekannten Umstände verwiesen, unter denen vor zirka siebzehn Jahren die Verurteilung zustande kam, worauf die Interpellanten weiter ausführen: „So wurde ein armer, verfolgter Mensch,. nur deshalb, weil er ein Jude gewesen und der Rassenhaß ihn als Ritualmörder erscheinen ließ, gestützt auf unglaubwürdige, vom logischen. Standpunkt unsinnige Zeugenaussagen, das Opfer eines Justizmordes. . Interessant ist im Vergleichs Wege der vor einigen Jahren im zaristischen Rußland ebenfalls-wegen Ritualmordes durchgeführte Beilis- Prozeß, der überrasch enderweise die wahren Schuldigen zur Verantwortung zog und den armen verfolgten Beilis von jeder Schuld reinigte. Bei uns in Oesterreich dagegen glaubt man noch immer, daß. Hilsner den Ritualmord begangen habe, und es geschieht nichts, diesen armen. Unglücklichen Mann aus dem furchtbarsten Elend des Kerkers, wo er bereits siebzehn Jahre schmachtet, zu befreien. Man muß . sich«! erstaunt fragenob heute, im ftchdewsteü. Zeitalter: des' Weltkrieges/ in der Zeit der allgemeinem Aufklärung, ^Demokratie und der russischen Re-- vvlution, ein solcher der Menschheit hohnsprechender Sch an dfteck noch Länger unbeachtet Mm ben darf; es ist die höchste Zeit, daß endlich einmal eine gründliche Remedur geschaffen wird und die Gegen-! wärt mit ihren modernen, geschäftigen Händen den jahrelang aufge schichte len Mist gründlich wegfegt." -Kz- Köl-Nidre im Großen KonzerthausfaaL. Königl. preußischer Hofopernsänger Josef Schwarz^ Mitglied der königl. Oper Berlin, hat am 22. Januar, l. I. im Großen Konzerthaussaal in Wien einen Lieder-, abend gegeben und nebst den Glänzstücken feines Repertoires, welches n. a. Meyerbeer, Verdi, Liszt —' Perlen des Schöngesanges, in der Musikwelt d«k'-e»uto genannt — umfaßt, Kol-Nidre von Bruch in'deutscher- Uebertraguug vor einem gespannt aufhorchenden enthusiasmierten Znhörerkreis gesungen. Es war ein künM lerisch es Ereignis und Wagnis zugleich, das der gefeierte Sänger, der in Berlin zu den Stars'der königl.'Oper zählt, in Wien unternahm. Verleugnen doch so viele Menschen aller Berufe — besonders in unserer '.Judenschaft —, wenn sie es im Leben zu einer hervorragenden Stellung gebracht haben, zu allererst ihr Judentum! Arckers Josef Schwarz. Hören wir einmal, wieex darüber denkt und in einem im „Neuen Wiener Journal/ am 6. Januar 1918 erschienenen Interview darüberspricht: -i „Wenn Künstler etwas erreichen, neigen sie gerndazu, ihre Abstammung zu verleugnen. Ich halte das' für eine Feigheit. Wenn die Umgebung von dem Gefühl der Leistung durchdrungen ist, kann man auch als Jude zur Höhe kommen. Wer sein Judentum verleugnet, macht sich lächerlich. Dias alles waren Gründe für mich, einen hebräischen Abend zu Leben. Die Situation war .um. günstig. Ich hatte viel in der Spielzeit gesungen, die, Jahreszeit war schon sehr vorgerückt, die Ankündigung; geschah sehr spät — und trotzdem wurde es pekuniär und künstlerisch mein größter Erfolg. Das Programms bestritten Mendelssohn, Händel, Max Bruch (Moses), Dvorzak mit seinen biblischen Liedern und Lewandowsks mit Kol-Nidre. Jedenfalls war der Erfolg derart, daß ich den Abend Ende November wiederhole und ihn auch in Frankfurt, Köln und Breslau veranstalte. Tie anonymen antisemitischen Schmähbriese, die nicht gefehlt haben, können mich, darin nicht irre machen." ' Wie der Interviewer weiter erzählt, hat Schwarz mit der Einführung althebräischer Gesänge im Frühjahr 1917 in Deutschland begonnen und damit die Geltung seiner Persönlichkeit auf eine eigenartige und bemerkenswerte Probe gestellt.!Er hat, Ende April 1917, einen „Hebräischen Abend"; gegeben und er hat, zur selben Zeit, in der man im Heere eine Judenstatistik für angebracht hielt, mit diesem Abend in vorgerückter Saison ein ausverkauftes Haus und einen sensationellen Erfolg errungen, hat Menschen, denen nie vorher eine hebräische- Melodie zu- Ohren gekommen war, zn Tränen gerührt und bis in die Kreise der höchsten Aristokratie hinauf Interesse für die Musik der Volkheit erweckt, zu der er sich höchst bewußt bekennt. Und es soll an dieser Stelle gesagt werden,! daß sein mutiges Eintreten dein hebräischen Liede, das so viel Melodienschönheit in sich birgt, das Wiener Konzerthauspublikum gewonnen und die Heimstätte der Musikpf'ege, den Konzertsaat, erschlossen hat. Von dem -Meistercellisten Prof. Fritz Kreisler verständnisinnig begleitet, erklang das rührend schöne Kol-Nidre. Dm wundervolle Bariton des gefeierten Sängers löste nach dem Vorträge des Liedes Beisallssalven von Ariern und Nichtariern aus. Das Judentum darf auf solche Bekenner, die aus des Lebens Höhen wandeln, mit Recht stolz sein! Siegmund Deutsch. Wien, im Januar 1918.