Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife S§ Dir. Bloch's Wochenschrift Nr, 6. SfeMnschaft Wr KU - leiden,;' W ist ein eigenartiges Miß,- trauen großgezogen worden. Unter dem Drucke dieser BerMtnisse leidet der jüdische Kaufmann und Gewerbetreibende, speziell hierzulande, absolut und relativ' am meisten. -V-? Man. darf M nicht verbergen, daß eine .Sozialisier rung oder Kommunalisierung des Handels und Gewerbes für die Mische Kaufmannschaft eine Katastrophe bedeuten würde. Wie es nämlichdann gemacht wird, sehen wir an der seitens! der diversen Torsi- und Stadtver- Waltungen bereits jcht zumeist geübten Praxis. , Unter dem Vorwände und unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit werden von diversen Dorf- und Stadtgemeinden die zur Verteilung gelangenden Lebensmittel zW Ausgabe an die Konsumenten übernommen Provisionen und Regiespesen sind hiebei übrigens selbstverständlich. In größeren Städten werden eigene „städtische Geschäfte" (silepy nuejskie) eröffnet. ": Allein zu dieser Verteilung in den Dörfern oder in-diesen städtischeii Geschäften werden bisherige Handeltreibende in der Regel nicht herangezogen. Auf diese. Weise wird künstlich an der Vermehrung der Kaufmannschaft-gearbeitet. Der Grund liegt nämlich in der Absicht, dsr jüdischen Kaufmann und Gewerbetreibenden vermittels einer künstlich, geschaffenen, und behördlichgeforderten Konkurrenz möglichst austzuschalten und lahm- Megen. Seit einiger Zeit werden diese Absichten der Untergrabung der /Daseinsmöglichkeiten des jüdischen Mittelstandes sowie der Mindestbernittelten immer offenkundiger und ftnmer ungenierter. Die Handels!- und Gewerbekammern selbst beginnen der Herd dieser unfairen Konftrrrenz zu werden. -Das..kann überhaupt nur dank der Indolenz und der „Diplomatie", der jüdischen Mitglieder d'er politischen. Körperschaften geschehen. Aber es geschieht doch' : Wir möchten daher beizeiten auf diesen Feldzug gegen die jüdische Bevölkerung aufmerksam machen. Unter dem Schlagworte der Organisierung des polnischen Handels wird Sturm geblasen. Wie die „Nywa Reforma" vom 19. v. M. meüret, hat-in der Sitzung der .Krakauer Handels!- und Gewerbekammer ein polnisches Mitglied das Präsidium „gefragt", ob es „Vorbereitungen getroffen hat für hie Organisierung des' polnischen. Haichels". Nach der Auskunft' des Vorsitzenden, Herrn Ep steiu (!) „wurden in * e An e e e h r: e:Dx a i i ungte'„p.'lnichen" Handels bereits Beratungen mft den anderen berufenen (!) Faktoren gepflegt und ist das erforderliche „Material" vorbereitet worden". . , So gesellen sich zu den natürlichen Hindernissen uyd Schwierigkeiten künstliche und ab sichtlich herbeigeführte. Und während^ die Aussicht vorhanden ist, daß allmählich mft dem Kriege auch die in seinem Gefolge entstandenen Drangsale des Kaufmannsstandes schwinden werden, ist bei der planmäßig gezüchteten und gehegten Konkurrenz ähnliches! leider nicht mit ebensolcher Ge- - wißheft zu. erwarten.. "Durch Vertuschen ist dabei nicht viel zu. gewinnen. Es muß öffentlich, auf diese- Machenschaften, die des schwärzesten Mittelalters würdig sind, hingewiesen werden. . You take my live. if You take the meanes wlierby I live/ Mu raubst mir das' Leben, wenn, du mir die Mittel zum Leben raubst). (Shakespeare.) tzui ^.eet eon86ntire videiur. ~ ' * Öaveant consules. \ "• Aus der Woche. Reform des MkchWtutes ders BexliMr. jMMn Gemeinde. . . Der konservative Z e n t r a l d e r ein f ü r d i e I n ter essen der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat bei der Repräsentanz der jüdischen Gemeinde folgenden Antrag eingebracht: „Die berehrliche RepräientantettversamMlnng der jüdischen Gemeinde zu Berlin bitten wir ganz ergebenst, bei dem Vorstande der Gemeinde - den dringenden Antrag zu stellen, daß er unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen trifftdamit bereits! bei der nächsten Mahl oder Ersatzwahl zur Repräsentantenversammlung nach dem V erhältuisw a h l s Y stem gewählt wird. Die Erfüllung dieser Forderung der. Gerechtigkeit, für die alle Richtungen der Gemeinde eintreten, darf nicht mehr verzögert werden. Auch die Repräsentantenversammlung wird die Wiederholung des offenkundigen Unrechts nicht wollen, daß Tausende Wähler, wenn ihnen .auch nur wenige Stimmen an der . Mehrheit fehlen, ganz nnvertreten bleiben. Mit der Ein-, führung des Verhältniswahlsystems, bei dem alle Par-' Leien entsprechend ihrer Stimmenzahl Vertreter zur Repräsentant enversammlnng entsenden können, wird der im, nere Frieden in der Gemeinde gefördert werben. Die erbitterten, den Ruf. der Gemeinde schädigenden Wählkämpfe werden sich, nicht wiederholen, wenn küne Partei mehr zu befürchten hat, daß ein ihr ungünstiges Mahl-' ergebnis ihren völligen Ausschluß aus der Repräsentantenversammlung zur.Folge haben kann. Die bisher aus den Zeitverhältnissen hergeleiteten Bedenken gegen, die Aenderung der Wahlordnung können nicht mehr ausschlaggebend sein, nachdem die preußische Regierung den Gesetzentwurf für ein neues Wahlrecht eingebracht, hat." ' : .; .. t!Erne neuträke Intervention. Xs Aus Stockholm wird dem „Jsraelft" gemeldet: -E den nächsten Wochen soll eine aus je einem Vertreten der schweizerischen, holländischen und ' skandinavischen; Juden bestehende Abordnung nach Berlin, Mien, Sofia, und Konstantinopel reisen, um bei den Regierungen der Mittelmächte zugunsten freier - wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung der jüdischen Ansiedlung in Palästina und für eine günstige Lösung der.Judenfrage in. den östlichen Ländern zu wirken. . ' ' .Ms „Haus Israels". Der Loirdoner Chiefrabbi Dr. Hertz hätte sich mit einer Wresse an den König Geo rg von England gewandt, in der er als' geistliches Haupt der. jüdischen Ge-, meinden des britischen Reiches erklärt: „Die Besetzung . Jerusalems ließ die Herzen von Millionen meiner Brüder in der ganzen Welt höher schlagen . . . Das Haus Israels, das feit 2300 Jahren Jerusalem über den Gipfel seiner Freude stellte, betet glühend, daß allenthalben die heroischen Anstrengungen von'Eurer, Majestät Kräften schnellstens mit vollständigem und dauerhaftem. Erfolg gekrönt sein mögen." Darauf hat das bekannte englisch-jüdische Organ- „Jewish Chronicle" eine Zuschrift veröffentlicht, die an der Hertzschen Kundgebung folgende Kritik übt: „Bei allem Respekt, vor dem höheren Wissen des Chiefrabbi, scheint das. Haus Israels nichts Derartiges zu tun. Es ist ein Haus', bas in sich selbst geteilt ist. Was , das Haus Israels in Rußland - tut, weiß niemand genau. Aber!das Haus Osräe l s im Dentschland und O esterreich und i n Bult g arien und d er Düxf ei betet mit aller. Inbrunst für.,die Niederlage^ der britischen Waffen unß für' den' Erfolg, der Feinde des Königs, und Dr. Hertz' Ver-