Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Aahrgarr- XXXT Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums Dr. Bloch’s J -QOO- Wien, 8. Februar 1918 »:* Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wie«. Il/i, Praterstroße 9 Telegramm-Adreffe: Bloch'S Wochenschrift, Wie« OCF P Dezugsprois: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 20 Kronen Einzelexemplare 50 Heller Anzeige«: Die 2 mel gespaltene VetttzeNr 60 Heller =0 O Q OG: * ä -SO 0(F- ■ - '*-=■= P ft. k. Poftsparkassenamt Lleariug.Vorkehr: 810.976 00 Stebcfttou und Administration: KBit« u/i. Pralerstraße 9 ^Telephon: 45*359 QP— ' - DO Q Do Inhalr: Leirartikel: Die Lage drr Juden in Galizien. — Ans der Woche: Reform des Wählstatutes der Berliner jüdischen Gemeinde. — Eine neu'rale Intervention. — Das „Haus Israels". — Eine Anfrage wege.i Hilsner. — Die engl: chen Arbeiter für den Judenstaat. — Die italienische Regierung und der Zionismus. — Kol-Nidre im Große» Kouzerrhaussaal. — Die Verteidigung des Judentums. — Lesefrüchte. — Kriegsdekorationen Mischer Offiziere und Soldaten. — Wertere Auszeichnungen. — Fähnrich d. R Norbert Hatberstam. — Fünffach ausgezeichnet. — Auf dem Felde der Ehre gefallen. — Helden der italienischen Front. — Jüdische Familien im Felde — Korrespondenzen: ..Kciegsspiralshilfe für Palästina." — Konferenz der Orthodoxen Oesterreichs in Wien.— Minister Vazfonyi Ehrenbürger von Budapest. — Eine staatliche Subvention für die ungarischen Juden. — Aufruf. — Komitee für Flüchtlingsfürsorge. Triesch. — Ein Jude muß es sein! — Brandes über den Zionismus. — Die jüdischen Wahlen zur Konstituante. — Dr. Jechiel Tschlenow s. A. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus dem Leben des hohen Rabbi Löw. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. 'Sie Kage der Auben in Galizir«. Aus Mlizien wird uns geschrieben: - Tie ökonomische Lage-der Gegenwart ist hierzulande derzeit im Unklaren. £ite bestimmenden Kräfte sind unübersichtlich und mannigfach. Zunächst das notwendige Wirken der blinden Kräfte der Kriegswirtschaft. Die tatsächlichen Verhältnisse, wie sie die landwirtschaftliche Produktion und die Transportmöglich ketten des Krieges durch die Beeinflussung des Angebots notwendigerweise hervorgerufen haben und. Hervorrufen, haben selbstverständlich die Handel- und gewerbetreibenden Kreise zunächst und. am empfindlichsten getroffen. Anders wäre es allerdings, wenn der Feind hier seinen Fuß nicht, gefetzt hätte. Wenn die Lagerbestände! der meisten Kaufleure und Handwerker (Gewerbetreibender), insbesondere irr ' der östlichen Landeshälfte, nicht zumindestzu einem sehr bedeutenden Teil gleich.anläßlich der Kämpfe des ersten 'Kriegsjahres zugrunde gegangen oder Vom Stadt- und Landpöbel, MsM-cu UJgracu tgnvrsb wäre allerdings anders. Man darf darum bei der Beurteilung der Folgen der Kriegskonjunktur an diese üft die vielen Millionen . gehenden Verluste nicht vergessen. Eine Entschädigung für die infolge der Kriegsereignisse erlittenen Schäden der Strdtbevölkerung ist noch nicht am Horizonte sichtbar. Darunter hat zunächst und vorwiegend^ die jüdische Bevölkerung, als Stadtbewohner zu leiden. Abgesehen von wenigen.Leuten, die ihren Geschäften, wenn auch unter der Leitung der KrieWzentralen, ferner nachgehen können, sind viele Kategorien von Handeltreibenden geradezu daran, gehindert, ihren alten Erwerb nunmehr zu betreiben, so z. B. .hieMeisten Produktenhältdle.r, da seltsamerweise die Kommissionäre nicht ausschlieMch, den Reihen derjenigen eyt- . rwmwen wurden, welche such mit düesern Berusszweia feit jeher beschäftigt hüben. Anderseits muß emgestanden werden, daß die Monopolisierung der Leoensmittel durch den Staat oder unter staatlicher Patronanz durch unpersönliche Zentralen — in moralischer Beziehung — nicht .unnützlich war. Wie wäre es der (jüdischen) Kaufmannschaft einer Stadt ergangen, wenn z. B. eines Tages das Mehl in der Stadt ausgegangen wäre, entweder weil die Agrarier das erforderliu,e Brotgetreide zu denmaximati^ierten Preisen nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht liefern wollten, oder infolge bahntechnischer Transportschwierrgkeiten oder infolge feindlicher Einwirkung nicht liefern konnten?' Natürlich hätte dann die gesamte Judenschast der Monarchie oder gar der ganzen Welt für diese, natürlich zwecks Auswucherung der Bevölkerung geschehene Aushungerung herhalten müssen. Daß dem so geschehen wäre, wenn nicht der Staat die Verantwortung für die Approvisionierung in formeller, gesetzgeberisch normierter Weise aus sich genommen hätte, können wir an den zahlreichen, wenn auch fast ganz erfolglosen Versuchen gewisser, an der Abwälzung der Verantwortung offenbar interessierter Kreise ersehen, wie sie unermüdlich bestrebt sind, die Mängel oder Unterlassungen oder gar Verfehlungen der Landwirtschaft oder der Industrie der Kaufmannschaft in die Schuhe zu schieben. Was der Krieg seit Menschengedenken immer und überall im Gefolge gehabt hat, die Teuerung und die Hungersnot. wurden urplötzlich! von einer tendenziösen Presse dem Volke gegenüber als die Schuld des Kauft mannsstandes hingestellt. Die ehernen Gesetze von Angebot und Nachfrage» vom Prei.'e als dem Ergebnis des Gleichgewichtes dieser beiden Faktoren, wurden einfach übersehen. Dabei noch die Mitwirkung der durch eine ungeheuer permehrte Notenausgabe verschlechterten Valuta oder Unterwertung der geldlichen Tauschmittel. Wieberum eine notwendige Folge des Mißverhältnisses von Import und Export und dadurch verminderten Gold' bestandes. Unter all diesen Umständen hat natürlich die Kauft