Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 4 (25.1.1918)
- Date
- 1918-01-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022300-3022305--26618-3051987- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 4 die zur Pflege und Erziehung solcher verlassener Kinder geeignet Wären, zurückgegangen, und es ist heute beinahe ausgeschlossen. Pflegesiellen für solche Jugendliche zu finden. - Ebenso. ausgeschlossen ist es. Lehrstellen zu finden, in denen die Lehrlinge Kost und Quartier erhalten. Der Vorstand des Vereines ,,Zukunf t" sah sich daher gezwungen, für die -Unterbringung: seiner Schützlinge in anderer Weise Sorge 'zu äragen, und mutzte trotz der schwierigen Verhältnisse an die Errichtung eines eigenen Heimes schreiten. Dieses Heim wurde am 15. d. M. im 8. Bezirk. Bennoplatz 1, eröffnet. Vorläufig ist das Heim für 40 Kinder, Knaben und Mädchen, eingerichtet und' bietet den. Schützlingen nach der schweren Arbeit des Tages einen angenehmen 'Aufenthalt. Die Priäsidentin des"Vereines, Frau Minna Hecht, hielt bei der Eröffnung einen kurzen Rückblick auf die Tätigkeit des Vereines seit dem Jahre 1912, nach welchem konstatiert werden konnte, datz die erzielten Resultate bei den Schützlingen ganz autzerordentlich zufriedenstellend waren. Sie berichtete, datz bisher 160 Jugendliche im Schutze des Vereines, stehen, von denen ein .Teil wohl in der Lage 'ist, sich bereits selbst zu erhalten, doch blieb auch der Kontakt zwischen dem 'Vereine und. diesen Schützlingen weiterhin aufrecht. Die Präsidentin wies in ihren Ausführungen darauf hin. datz die. Errichtung dieses Heimes in (erster Linie gutherzigen Menschen zu verdanken ist, die durch .Zuwendungen die Errichtung ermöglichten. Sie dankte insbesondere dem Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde, ferner Herrn Bezirksvorsteher Johann Bergauer und Herrn Amtsleiter Rudolf Kraus, welche die Ziele des Vereines jederzeit gefördert 'haben. Sie richtete an alle Anwesenden und an ihre Mitarbeiterinnen die Bitte, im festen Zusammenarbeiten darauf hinzuwirken, datz es dem Vereine bald ermöglicht werde, weitere solche Heime zu - errichten.- Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Moritz. Bauer nahm hierauf die rituelle Weihe des Heimes vor und wies in längerer Ausführung auf die Wichtigkeit dieses sozialen- Zweiges der Fürsorge hin. Seine Ehrwürden Herr Rabbiner ' Dr. I. ,Taglicht dankte der Präsidentin Frau Minna H e cht. den Vizepräsidentinnen Frau Nina .Nobel und Frau Gisela E r u b e r. sowie der Kassierin Frau Emy, Mautner und der Wirtschastsleiterin 'Frau Johanna Raab und allen anderen Vorstandsdamen für die Schaffung diesesschönen Werkes und -■ ermunterte sie, auf diesem Wege fortzuschreiten. Besonderen Dank zollte er Herrn Moritz U n g ü r, Oberofstzial der israelitischen Kultusgemeinde, der dem .Vereine nicht nur die Anregung zur Betätigung auf dem Gebiete der Jugendfürsorge und zur Errichtung dieses Heimes gegeben hat, sondern auch von der Stunde des Entstehens des Vereines bis zum heutigen Tage unermüdlich an der Entwicklung des Vereines Mitgewirkt hat. Hierauf, ergriff der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, -Herr Dr. Alfred Stern, das Wort und wies in seinen Ausführungen darauf hin, daß bereits fett 20 Jahren der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde der Fürsorgefür verlassene Kinder sein besonderes Augenmerk zugewendet habe, und dankte dem 'Vereinsvorstande sowohl in seinem, als auch im,Namen des Vorstandes der Kultusgemeinde für sein ersprietzliches Wirken. Er gab die Versicherung, daß der Vorstand der Kultusgemeinde auch »weiterhin die Bestrebungen des Vereines im vollsten Maße fördern werde. Namens der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen mberbrachte Herr Dr. Löwy die herzlichsten Glückwünsche für -das weitere Gedeihen des Vereines. Die Präsidentin, Frau Minna Hecht, hatte in ihrer Eröffnungsansprache Gelegenheit zu begrützen: Den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern, Freifrau Charlotte von K ön i gsw arter, in Vertretung der Bezirksvorstehung im 8. Bezirk, Bezirksvorsteher-Stelloertreter Rudolf Vierecks Magistratsrat Dr. Josef Krzisch, IKultusvorsteher Cmanuel G r ü n wa l d, die Rabbiner Dr. Moritz Baue r, Dr. I. T a g l i ch t und Frau. Dr. >D. F e u chtw a n g und Frau, in Vertretung der Kultusgemeinde in Baden. Tempelvorsteher Adolf Ra a b,/-Sekretär der Kultusgemsinde Dr. Emil Adler, Dr. I. M. Bloch, für die Zentralstelle für das jü« dische Armenwesen Dr. M. Löw y, Amtsle'iter Rudolf Kraus, Frau Anitta Müller, Komm.-Rat Simon, Architekt Emil Keitmann, Sekretär Brückner, für die „Weibliche Fürsorge" Frau Dr. Margarethe G r u n w a l d und Frau Professor Friederike Rot, .für den Wiener Frauenverein zum Schutze armer, verlassener Kinder die Präsidentin Frau kaiserl. Rat Laura Kren-, berger, Frau Hermine Bernfeld, Frau Martin ,Kohn, für das städtische 'Jugendamt Fräulein B öhm, für die Kurfürsorge Frau Dr. Helene Stein und. Frau W (ein er, die Vizepräsidentin des Kaiserin Elisabeth-Kriegerwaisen-. und Lehrmädchenheimes Frau Cäcilie Frankl, für den Bund österreichischer Frauenverein Frau Selma Peretz-Böhm, für die Rohö -Fräulein Stefanie Cm d l i ch e r, für die Ausspeisung 12. und >15. Bezirk Frau Hermine S i m o,it. Mit der Absingung der Volkshymne durch die Heimzöglinge und anschließender 'Besichtigung fand diese schöne Feier ihr Ende. Die Schaffung dieses Heimes ist ein Werk, das jeder Förderung würdig ist, und werden.sich gewiß edle Menschen finden, die dem Vereine Helsen werden, das fo schön begonnene Werk auözubauen und zu erweitern^ Seite- 57 G-rünÄrmg! des! Vereines! Indischer Schrebergärten". Dieser Tage ist ein neuer Verein ins Leben getreten, der versucht, praktische Geg-enwarisarbeit mit praktischer Zukunfrsärbeit zu verbinden. Ter Verein „Jüdischer Schrebergärten" will jüdische Kinder beiderlei Geschlechtes von neun Jahren aufwärts samnreln und auf von der Wiener Gemeinde hiezu überlassenen Gründen unter Leitung von Aufsichtspersonen Schrebergärten errichten lassen. Für die Kinder bedeutet dies Bewegung in frischer Luft, Behütung vor den Gefahren der Gasse und Gewinnung manueller Geschicklichkeit und Liebe zur Natur und für deren Eltern eine gewiß nicht zu unterschätzende Entlastung. So können und sollen alle an dem Zwecke des Vereines gewinnen. Daß hiezu jedoch größere Mittel nötig sind und diese nur durch ausgiebigste Förderung und zahlreichen Beitritt zum Vereine geschaffen werden können, bedarf keiner Begründung. Tie Statuten des Vereines sowie alle näheren Aufklärungen werden jederzeit den.Interessenten persönlich ^oder schriftlich gegen Anfrage beim Verein „Jüdischer Schrebergärten", Wien, 18. Bez.. Hasenauerstraße 43, übermittelt. ____ Jeremias. .Der angekündigte, vom Derer«zur Abwehr -des 2£m tife mitismus veranstaltete-, am 22. Dezember 1917 im Appolloneum abgehaltene Dortrag dös Dr. Bernhard über „Jeremias" nahm einen glänzenden Verlauf. Einleitend wies Oberinspektor Engel als Vorsitzender, auf Zwei freudvolle Ereignisse der jüngsten Zeit von welthistorischer Bedeutung hin: die unsere Bevölkerung, so hochbeglückcnde Errettung unseres allgelkoten unb gerechten Monarchen CtUs Lebensgefahr, die ganz vorzugsweise im „Abwehr"-Derein die höchste und aufrichtigst vom Herzen kommende Befriedigung erregen mutzte — welche Ausführung die beJ geisterte Zustimmung der von den Sitzen -sich erhebenden Zuhörerschaft fand — sodann die hochbedeutsamen Waffenstillstands- Verhandlungen. bezüglich deren es besondere Befriedigung gewähre, hervorheben zu können, datz die am Werke befindlichen (Männer, die die Kraft besitzen, diesen ungeheueren Stein ins Rollen zu bringen, jenem Stamme an ge hören.-dessen Mission der Völkerfriede sei. In dem hierauf anschließenden Vortrag eröffnete der gelehrte Seelensorscher nieue Einblicke in das Wesen. Mollen und Wirken des erhabenen Göttesmannes. Er wies darauf hin, datz Jeremias lebendige, blühende und glühende Gegenwart im Verhältnis zu Gott fordert und sich zu einer Verheißung erhebt, die -bis auf den heutigen Tagnoch nicht erfüllt ist. die aber die lauterste Sehnsucht mnd das höchste Ziel der Menschheit ausdrückt. Er tat weiter dar, daß der Prophet einen gewaltigen Vorsprung vor der modernen Zivilisation hat, indem er die Anwendung seiner hehren ethischen Lebensauffassung aus die auf - dem Boden des praktischen Lebens spielende Politik fordert, ja nicht bloß Moral i n der Politik, sondern Moral als Politik heischt. Es ist das -laute, eindringliche Gewissen des Volkes, ein opferfähiger, unerschrockener, einzig und (allein der Stimme des Gottes in seiner Brust - folgender Mann, dem fein Martyrium nichts anhaben kann, da das Wohl der Gesamtheit, von dem er uns ein Splitter ist, auf dem Spiele steht. Aber auch abgesehen von dem Jammer, der dem wuchtigen Gegensatz zu seinen Zeitgenossen entspringt, ist es der größte tragische Charakter der Weltgeschichte. Er ist' das Urbild menschlicher, männlicher Kraft und so erst recht das Urbild des menschlichen Leidens, des Urleidens.des Menschen der Kultur, des Leidens am Vaterland. Er leidet mehr als Hiob, denn bei ihm verschwindet alles Eigene und alles. Selbstische. Er leidet das Leid feines Volkes, das er ohnmächtig länger als ein Menschenalter kommen! sieht und als ein wohlverdientes erkennen mutz. Sodann ging der Vortragende auf eine tiefgründige Charakteristik der dramatischen Dichtung „Jeremias" von Stefan Zweig ein, die in den schmerzreichen Jahren des Krieges entstanden ist. Er gehört zu den Dichtern, die in der riesenhaften und chaotischen Bedrängnis des Gegenwärtigen in biblischen Zeilen, die flammend waren gleich der unseren, eine Verankerung finden, die Hinstürmendes im Gleichnis festhält. Alhunahes im erhabenen Gewände der Ewigkeit bindet. Das Drama ist ein prächtiger Wurf. Inmitten einer Fülle dramatischen Geschehens führt es uns die seelische Entwicklung der überlebensgroßen Gestaltdes Propheten vor. Es ist der Bibel getreulich nachgebildet und doch seiner vielfältigen Erhöhung eines Dichters ureigenstes Werk. Neben dieser Klage um Jerusalem, die heilige, über alles geliebte Stadt» tritt A)k Klage um den Frieden, aus dem alles Glück der Menschheit strömt. Der Krieg ist das Gehenna. die Hölle, die um jeden Preis »vermieden werden müsse. Für den Frieden kämpft der Titelheld, im Kampfe gegen den Krieg wächst seine Seele und entfaltet ihre Dr. Bloch's Wochenschrift i