Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 3 (18.1.1918)
- Date
- 1918-01-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 3 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 45 Iahte Obmann des Thora Ez Chaim und betätigte sich überall durch angestrengte Arbeit und schrankenlose Opserwilligkeit. Besonderes Interesse brachte er dem Beth- Hamrdrasch der Schiffschnl entgegen, dessen täglichen Geinore-Schiur er durch fünfzig Jahre besuchte. Ganz im Sinne seiner großen Lehrer. hielt er das B eth-H ainidrasch für das wichtigste Element im Juden turne; dort wird der Geist des echten Judentums gelehrt, dort' wird jenes jüdische Wissen erworben, das befähigt, zu lernen, zu lchren und Zu üben. Schiffs Hingang reißt eine klaffende Lücke in die Wiener Orthodoxie, es steht zu hoffen, daß seine Kinder diese Lücke ausfüllen werden. Das Leichenbegängnis fand unter großer Teilnahme statt. Die sterblichen Ueberreste wurden in Deutschkreuz bestattet. — Am selben Tage starb hier ein Cousin des Verblichenen, Herr. Isidor Schiff aus Deutschkreuz, der jüngste der in einem kurzen Zeitraum weggerafften drei Brüder Schiff in Deutschkreuz, deren Häuser in ganz Ungarn sich der größten Verehrung erfreuten. Waren die älteren Brüder als Talmude-Chackomim ovierwilliae Arbeiter für das Gemeinwohl und große, Wohltäter i bekannt^ .so zeichnete sich der jüngste durch übergroße Herzensgüte und Hilfsbereitschaft aus, die ihn zum Lwbling seines Kreises machten. Wim. Unter überaus zahlreicher Beteiligung der besten Gesellschaftskreise fand am 2. Januar düs Leichenbegängnis des'?. k. Kommerzialrates und Landtagsabgeördneten SälaMön R u d i ch statt. Nach der rituellen Einsegnung durch Rabbiner Dr. Taglicht und,Oberkantor Mathas sprachen Reichsratsäbgeordneter Dr. S t ra uch e r, Landeshauptmann Dr. Baron H o r m u - zaki, Handetskammerpräsident Tittinger, die die Verdienste ' des Verstorbenen um die Industrie -and Be bölkerung der Bukbtpina in ehrenden Worten 'Hervorhoben. Reichs'ratsäVgeorWeter Nikolai Rittdr von W'assilkv würdigte Salamon Ru dich als persönlichen Freund und schloß namens der ukrainischen Landespartei: ..Rudich hatte nicht nur für seine, eigene, sondern auch für die vom Redner vertretene unterdrückte ukrainische Nation Verständnis; möge der ehrende Name Ru dich in der Bukowina fortleben." Unter vielen hunderten Trauergästen hatten sich am Zentratfriedhof eingeftmden: Minister a."Dl. l^zellenz Baron Stircea, Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Oberlandesgerichtsrat Simon o viel, Hofrat und Finanzdirektor K n i P f e r und Familie, Hofrat Universitätsprofessor Dr.. I s o p e s c u l Ritter von Grecul, Reichsratsabgeordneter Hruszka, Bezirksrat Dr. Stiglitz mit einer Delegiertem- und ^Beamtenabordnung der Bükowinaer Flüchtlingsfürsorge, eine Anzahl Direktoren der'Wiener Banken, Ritter von Bacz.ewski mit einer Abordnung der Spirituszentrale, Bürgernreister Mgeordneter Dr. von W e iss e l b e r g e r. Industrieller Natan E i d i n g e r, die Großgrundbesitzer O.renstein und Weißglas, Abg. Dr. Fokschaner, Abg. Kommerzialrat Hecht, Dr. Keller, Dr. Kapral i k, kais. Rat Hauptmann B e i n e r» Finanzsekretär Oberleutnant G o l d e n b« e r g, Handelskmnmersekretär Dr. De ck e r, kais.. Rat Ei s e nb e r g, Dr. L u p u l, Apotheker Füllen bäum, Dr. Kahn er, Stadtrat Meißler, kais. Rat Picker, Titus Ritter von Onezinl,, eine Anzahl Advokaten, Aer-zte, Offiziere, Beamten, eine Abordnung der Stadt und der isr. Kuttusgemeinde Radäutz, Genossenschaften, kaufmännische Gremien u. v. a. In der letzten Sitzung des Arbeitsausschusses der Bukowinaer jüdischen Landespartei widmete Vizepräsident Abg. Dir. Fokschäner dem Verstorbenen einen längeren Nachruf, in dem er dessen Verdienste um das Judentum besonders hervorhob. Die „Bükowinaer Zeitung" bezeichnet sein allzuftühes Ableben als einen großen Verlust für die heimische Industrie und die Wohltätigkeit. Zum Ktmzert Lutzer. Am 5. d. M. fand tnt großen Vtusrkvrreinssäal das diesjährige Konzert Professor Josef Sulzers statt, der — durch die meisterhafte Wiedergabe von Synagogengesängen seines berühmten Vaters wie seiner eigenen Schöpfungen, wobei er von' den Chören der beiden Hanptsynagogen vortrefflich unterstützt wurde >— sowohl auf dem Cello wie am Dirigentenpult neue Lorbeeren erntete. Weniger glücklich war er in, «der Wahl seiner Solisten. Zwei christliche Sänger, welche die in den 'Psalmen vorkommenden Kantorsoli interpretierten, standen nach ihrer Qualifikation ■ kaum auf der Höhe ihrer Aufgabe.' Nun brachte die letzte Nummer der ..Wahrheit" anläßlich einer Besprechung des ermähnten Konzertes auch die Anregung, solche Konzerte für unsere ..intelligente Jugend" — bei Schülerpreisen — zu veranstalten. Wir mutzten uns fragen, was hat den Herrn Rezensenten auf diese Idee gebracht? Etwa das große Interesse, welches für dieses Konzert allgemein herrschte? Waren etwa der Kultusoorstand. das Rabbinat, die Kantoren oder andere Repräsentanten des jüdischen Kultus erschienen? Man konnte sogar konstatieren, daß selbst das große kunstliebende jüdische Publikum, welches alle Theater. Konzerte, Operetten, Varietes und Silvesterbunnnel füllt, bei diesen« einzigen jüdischen Konzerte schwach vertreten war, so daß viele Logen und Bankreihen leer blieben. Vielleicht dachte sich das jüdische Publikum: Um Synagogenmusik zu hören, braucht es nicht erst in den Konzertsaal zu gehen; dazu sind die herrlichen Synagogen do mit ihren ausgezeichneten Kantoren und vorzüglich geleiteten Chören. Wenn aber das Konzert Sulzer irgendwelchen für das Judentum praktischen Zweck haben sollte, so müßte es der fein, der großen Oeffentlichkeit wie auch unserer dem Judentum entfremdeten Jugend zu zeigen, daß wir in unseren modernen Synagogen eine Musik pflegen, die auch int Konzertsaal ihren Platz behauptet. Unsere Schuljugend aber sollte angehalten werden, nicht nur bei dem obligaten Jugendgottesdienst, sondern auch an Freitagen und schulfreien Samstagen nnd Feiertagen in den Synagogen zu erscheinen, wo sie durch den verständnisvollen Vortrag der Psalmen und Gebete nicht nur das in der Schule Gelehrte Md Gelernte besser in sich aufnehmen, sondern sie wird durch den unfehlbaren Einfluß der melodiereichen jüdischen Musik innerlich erstarken und zu guten, treuen Huden heranwachsen. Ben Mayer. Allgemeiner Mischer Arbeiterverein „Poale Zion". ' " Lokal: 2. Bez., Stesaniestr. 2. Samstag den 19. Januar, 8 Uhr abends, findet im Vereinslokale ein Vortrag des Herrn Dr. Glanz über „Die jüdische Geschichte" statt. - - Sonntag den 20. Januar, 3 Uhr nachmittags, Mädchenversammtung. Referenten: Genosse S. Rudel und Genossin M. Scho rr. Toynbeehalle (Josesme Mendl-Wohlsahrtshaus). 20. Bezirk, Denisgasse 33. Den am 12. Januar abgehalteneu Kammermusikabend eröffnte das interessante Werk Mozarts -li »e >>rt.»-nr. für Violine, Fräulein Schick. Gesang, Frau Eyöri-Lamm und Klavier, Fräulein Marianne P o l l a k. Eine Schuberlsonate für Violine nnd Klavier und Liedervorträge der genannten Konzertsängerin und ein Trio von Schubert, von Fräulein M. P ol l a k , Grete Schick und dem-Cellisten Herrn Perutka in wahrhaft künstlerischer Weise vorgetragen, bildeten eine klassische Veranstaltung, die alle Zuhörer geradezu zu enthusiastischen iGeifallsbezeugungen hinriß. Mit Freude können wir vermelden, ^daß auch Samstag den 19. Januar ein Kammermusikabend stattfindet, 'den die Triovereim'gung Fr. Möller (Klavier), Fräulein Otti Reininger (iVioline). Professor A u b e r (Cello) und die Konzertsängerin Frau V r a m-H uprich durchführen. — Sonntag den >20. Januar spricht Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang: „Die!Geschichte unseres Gottesdienstes". — Mittwoch den 23. 'Januar Herr Lehrer Angela Carrara: „Kann man Kinder erziehen?"«— Der Lehrkurs für ungarische Sprache soll Montag «den 21. Januar um 7 Uhr abends begonnen werden. Einschreibungen können noch erfolgen. i Austritte aus dem Judentum voni 6. bis 12. Januar 1918. - Fellner Otto, Handelsangestellter, geb. 21. August 1897, Wien, 7. Bezirk. Neustistgasse 93. Glanz Chaim Osias, Privatbeamter, geb. 20. Ottober 1361, Lemberg, 13. Bezirk, Michaelerstraße 29. Hauser Arpad, Zeichner, geb. 26. Mai (1890, Bacs (Komitat Pest), 3. Bezirk, Marrergasse 2. Herzog Friedrich, Student, geb. 24. Juni >1897, Melk a. D. 15. Bezirk. Vinzenzgasse 16.