Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 3 (18.1.1918)
- Date
- 1918-01-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4Q Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. Auf dem Kelde -er KHre gefallen . > Fähnrich Mfrü> K u b i c, 20 - Jcchrc alt, der seit MtoVer 1915 von der Realschule weg eingerückt war. der einzige Sohn des Herrn Ignaz KnLie in Bergreichenstein, -kämpfte einmal am Jsonzo, das zweitemal hei Brody, wo er glücklich dem Tode (entging!. Zum drittenmal ins Feld gezogen> erlag er am 24. August .1917 seinen, an beiden Füßen erlittenen' Verwundungen. .Er war mir. der großen - silbernen Tapferkeitsmedaille : ausgezeichnet. _____ „Ich hatte drei Söhne als Soldaten . . „Egyenlöfeg" Deröffentlicht das' folgende, an das . genannte Blatt gelangte Schreiben: „Ich hatte drei Söhne als Soldaten in diesem Kriege: Albert M i k l o s, Reservezugsführer im. Honvedinfanterieregintent Nr. - wird seit dem 4. September 1914, den Kämpfen bei - Grodek, vermißt und seit dieser Zeit ist keine Nachricht von ihm eingetroffen. Emmerich Miklos, Zugsführer - . der Reserve im k. u. k. Infanterieregiment Nr.- , hat am 14. September 1914 am Tunajec den Heldentod gefunden. Desider M i k l o s, Reservezugsführer im Hon- - Vedinfanterieregiment Nr. , Besitzer der goldenen Tapferkeitsmedaille, hat am 7. Dezember 1915, nachdem feilt Abteilungskommandant gefallen wai^. als Kommandant . am St. 'Michaile den Heldentod gefunden. Diese Söhne .. haben mich edhälten, denn ich, gehe ins 68.- Lebensjahr und habe dennoch keine Unterstützung verlangt. Das mögen die antisemitischen Hetzer zur Kenntnis nehmen; jene, die nur hier zu Hause Helden sein können. Zilah, 20. Tezenrber 1917. Achtungsvoll Jakob R o t h st e i n." Mach dem Hode ausgezeichnet. -. - Fähnrich Oskar Haag, J.E. der im - September 1916 durch einen Brustschuß bei Brody den .Heldentod fand, wurde mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Ingenieur-Hberst Uftiffer. V Se. Majestät hat den Professor an der Büdapester :/ Technischen Hochschule,Dr. Ignaz Pfeisfer zum Ingenieur-Obersten ernannte „Egyenlöfeg" erinnert hiebei daran, daß der einzige Sohn des Obersten Pfeiffer im vorigen Jahre auf dem Kriegsschauplatz den Heldentod gefunden hat. Machricht aus der Gefangenschaft. - Signtund Stern, Talmudist aus' Mako, der jetzt -.als Austauschinvalide aus Rußland heimgekchrt ist, brachte < die folgende Liste jüdischer Kriegsgefangener aus Rußland - mit: Heinrich Deutsche Budapest; Jakob Ehrenreich, .Bchzprem; Eugen Fried, Varoslök; Moriz Fried, aus dem Komitat Borsod; Herrnann Hers ch k o v i t s, Borsoder Komitat; Elemer Klein, - Budapest: Ignatz Meise l. Budapest; Samuel Meister, Kolozsvar; - Armin Rosenberg, Esztergom; Isidor Schwarz, : Munkacs; Arnold Schul, Brasso; H. S i m s o v i t s, Wöngyös; Lasar Schusz, Eszek; Moriz Weisz, Debrecen.. Die oben Genannten sind, wie Stern im „Egyenlöseg" bekanntgibt, gesund und befinden sich den " Umständen angemessen wohl. tzhannkllaferer im Kriegsspital. Mag ein Raum durch sein nüchternes,, kahles Aussehen, durch -' seine primitive Einrichtung» durch den Zweck, dem es sonst, dient : noch so wenig geeignet sein, ein passendes Relief für eine gottesdienstliche Feier abzugeben und weiheooll zu wirken, so gibt es doch durch die Mot der Zeit herbeigeführte Umstande und seelische, Momente, die all dies übertauchen und -Stintmungen schaffen -voll Weihe-und Heiligkeit, die keiner Aeußeclichteften -bedürfen.. . So'war es im Barackenkino des-Kriegsspitals zu St., wo am . Spätnachmittag die Chanukkafeier mit anschließender Bescherung für die jüdischen Soldaten, veranstaltet von dem k.. u, k. Feldrabbiner Professor Dr.. Arthur R o s.e n z w e i g stattfand. . . Dicht zusammengedrängt saßen die Soldaten aus, den schmalen, rohgezrinmerten Holzbänken, dort ein Häuflein russischer ,Kriegsgefangener und auf einer Reihe.von Sesseln die Offiziere. ' Als meine Augen den kahlen, weißgetünchten I Saal durchschweiften, dessen einziger Wandschmuck grellbunte Reklameplakate der Filmindustrie waren, darstellend tolle, übermütige -Maskenzüge, brennende Luftballons, darunter im Korbe Menschen in höchster Lebensgefahr, Trümmer 'entgleister Eisenbahnzüge, darunter begraben die Toten, die Halbtoten und die noch Lebenden, da wandte ich mich ab von dieser Talmifreude, von dieser Talminot, von diesem Talmitod und meine Äugen ruhten auf der ernsten Schaar grauer Männer, 'die alle vielleicht des Lebens wirkliche Freude kennengelernt, die aber ganz gewiß der echten. Not, dem grausig wahren Tod ins Äuge geschaut hatten. Und-ein Gefühl warmer, geschwisterlicher Nächstenliebe durchzog mein iHerz. Mir war es, als mühte ich jedem einzelnen von.ihnen die Hand drücken, als müßte ich ihnen sagen: ..Wenn ihr. heute das Chanukkalied anstimmen werdet, so sind es.-keine leeren, inhaltlosen Worte, die ihr singt.. Die Worte sind echt, sie leben und' leben, denn in euern Adern pulst das Blut der Maftabäer. Doch da stand - schon der Feldrabbiner im schwarzen, faltigem Talar neben dem weiß gedeckten Tische, auf dem der holzgeschnitzte, im Schmucke seiner Kerzen festlich prangende Chanukkaleüchter tronte. Da klangen die ersten Worte des Minchagebetes von den Lippen des Vorbeiers, der sich nach dem'Singsang seiner Melodie hin und her wiegte. Jn^ausundniederbrändendem Gemurmel beteten die Soldaten nach. Und . als der Raum ganz erfüllt war von den uns allen so vertrauten' Lauten, und als nach dem Maariwgebete sechs Kerzen von den Händen des Vorbsters entzündet aufflammten, da war es nicht mehr der kahle, nüchterne Kinosaal,/in dem ich mich befand, da war es ein Gotteshaus voll Weihe und Heiligkeit. Da war .es ein Gotteshaus der Ruhe, des Friedens, in das die müden Krieger heimgefunden hatten zu kurzer Rast, zu kurzem Verweilen im. jüdischen Glauben. Jenes Glaubens, für den sie Kämpfer sind, solange sie leben, solange sie atmen, jenes Glaubens, für den ihre Seelen geblutet, für den sie manche schwere Wunde erlitten-haben auf dem Schlachtfelde des Lebens. Da fühlte ich so intensiv wie noch nie -meine Zugehörigkeit zu. allen, die jenes Glaubens sind, und' ein Heimatsgefühl, traülich And'wärmend, erfüllte mich. Ichschloß die Augen und Zeit ünd Raun: versanken um mich, wahrend die Töne soes Ghannkkaliedes wie .aus-weiter Ferne an mein Ohr drangen.' Da sah ich mich aus einmal als kleines Mädchen in der Großeltern gemütlicher Wohnstube, die bunten Chanukkakerzerr standen schon in festlicher Reihe und harrten des Augenblickes, wo sie unter Gebeten von frommer Hand zur Weihe des Festes entzündet werden sollten. Wir Kinder standen in andachtsvoller Erwartung. Da' wurde die Türe geöffnet und Großvaters hohe, vornehme Gestalt stand in ihren: Rahmen. Er kam aus dem Tempel und frische, kalte Winterluft strömte mit ihm herein. Sein gütiges Antlitz strahlte, als habe er eine frohe Botschaft zu verkünden. Wir' Kinder drängten uns wie eine Herde Lämmlein um ihn.. Und da lagen -auch schon seine kühlen, segnenden Hände auf meinem Haupte. Die Worte des Segenspruches fielen wie kostbare Perlen von seinen Lippen und ich fing sie m ft meinen Kinderhänden auf. Diesen Perlenschatz besitze, ich. noch heute und hebe ihn aufbewahrt im Schreine Meiner Erinnerungen. Mir war es damals, als stünde der liebe Gott selbst vor mir, als ent-- ströme den segnenden Händen, die auf meinem Haupte ruhten,' ein Fluidum, das mich einhüllen und schützen'sollte-vor allem Bösen. Von der Weihe der Handlung ergriffen, drängten sich Tränen in meine Augen. Wie gern möchte ich noch heute andachtsvoll mein Haupt beugen unter Großvaters kühlen, segnenden Händen, damit Alles Ungemach von' mir fern bleiben möge für immer. Wie ein Hohepriester des Judentums stand er dann, nachdem er auch die anderen Kinder gesegnet hatte, vor dem Chanukkaleüchter und eme Kerze nach der. anderen flammte unter seinen. Händen auf, während die Lippen Gebete sprachen. Und wenh ich dann, was ich mit Vorliebe tat. Mit weit aufgerissenen Augen >in die Lichter starrte, erschien mir jedes einzelne derselben wie ein strahlender Stern und ich fühlte mich wie im Himmel. „Nicht durch die große Macht und nicht durch die rohe Kraft, sondern durch den Geist des Ewigen wird der Sieg errungen", töyte es mit klarer, wohlklingender Stimme durch >den Raum. Es war der Feldrabbiner Professor Dr, Arthur Rosenzweig, der. aufbauend aus diesem. Satz in markanter und fesselnder Rede die Bedeutung des Festes erklärte, von den Heldentaten der Makkabäer erzählte, und dann überging auf'die Heldentaten der jüdischen Jünglinge und Männer unserer Zeit, 'die Makkabäer des zwanzigsten Jahrhunderts, mit ihrem Blute ihr /Heiligtum, das ist die Erde, in der die 'Gebeine, ihrer Ahnen ruhen, verteidigen. Wenn es nicht lauter Beifall war, 'der die plastisch wirkende, Predigt lohnte, so war es nur. weil niemand die feierliche Stimmung. in der alle befangen waren, durch derartige profane Aeüßerungen zu stören wagte. .