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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-01-18 · 3 (18.1.1918) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
3 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ru. - i Xx.' Blvch's . „Jisgadal wejiskadäsch schme rabbo" hörte man dann »nt eintönig feiernden, ein wenig hohen und etwas fremd änmutenden Stiminen die kriegsgefängenen Rüssen das Ladifchgebet 'sprechen. Ich wandte mich um. und blickte in manches blasse, verhärmte Antlitz, in das die zehrende Sehnsucht nach der Familie herbe Leidenslinien gegraben hatte. Ich sah manche glitzernde Träne unter dunlen, gefenkten Wimpern hervorquellen. Auch sie haben Tote, auch sie haben Gräber. Weit, weit weg von hier, in einer Erde, die uns fremd ist, ruhen die Gebeine ihrer Ahnen. . Doch mag auch diese Erde uns fremd sein, der Glaube, in dem sie leben,' in dem ihre Ahnen gelebt haben, und im dem sie gestorben sind, dieser Glaube, der unsere Heimat ist, ist auch ihre /Heimat. Um sie herum mochten jetzt-auch Zeit und -Raum versinken, während ihre Lippen mechanisch das Totengebet murmelten. Hinter den gesenkten Lidern, dem Vorhang ihrer Seele, mochten -jetzt auch Bilder der Vergangenheit aussteigen, Bilder vom glück-/ liche», sonnigen Familienleben, von jenem Familienleben, das ja im Judentum so besonders ausgeprägt ist. Aber auch Bilder der - bebenden Angst, der grausamen Not und der bitteren Prein die sieum dieses Judentum gelitten halten. Dem Schluhgebete folgten Gedichtvorträge. Und zwar „Chanukkalichter" von Morris Rosenfeld, oorgetragen von Landsturminfanteristen Goldhaber, der das Gedicht in (vortrefflicher Weise aus dem Stegreif in den Jargon übertrug, ferner, „Beruria" von Berthold Feiwel und „Der Sturnr" von Morris Rosenfeld, elfteres mit innigem, zu Herzen gehendem Verständnis, letzteres mit packender Wirkung von Herrn Professor Dr. Arthur Rosenzweig zum Vortrag gebracht. Nun kam die Bescherung. Und da war es rührend anzusehen. wie aus diesen sturmgereiften Männern, aus diesen kampferprobten Jünglingen Linder wurden/ Linder, die mit großen, erwartungsvollen Augen jenem unscheinbaren, braunen Feldkoffer entqegensahen.'der all die Herrlichkeiten enthielt, 'die ihnen jetzt beschert werden sollten. Wie die kleinen Schulbuben dem Herrn Lehrer, so hielten sie jebt dem 'Herrn Rabbiner die ausgestreckten Arme: „Bitte, Herr Rabbiner, ich Hab''noch nichts", „Bitte, mir". „Bitte, mir". Und die Barriere, an -die sie sich drängten, krachte in allen Fugen und wäre, dem-"Anstürme nachgebend, beinahe eingebrochen; Stück um Stück wunderten nun die Sachen aus dem braunen, unscheinbaren Wunderkosfer. der von schier unerschöpflicher Tiefe zu sein schien, durch die Hände des Rabbiners in drp - Hände der-beglückten Empfänger. Endlich aber war der Inhalt des ./Loffers erschöpft, .und, gähnende Leere zeigte den Beschenkten, daß nichts -anehr zu -holen' sei. Hochbefriedigt und. mit , Worte» - des herzlichen Dankes an. Herrn Professor -Dr. Rosenzwelg. ver- . ließen alle den, Saal, der jetzt plötzlich wkder der kahle, nüchterne Linosaal ' geworden war, um dessen traurige Nacktheit der hereinaebrochene Abend wohltätige Schleier der Dunkelheit legte. Elsa Löhler. Bau des Leopoidstädier Tewpsts — in Budapest. Aus Budapest wird uns geschrieben: Die Budapester Neol-ogengemeinde plant schon seit langem den Ban eines neuen Tempels in der von zumeist, reichen Juden bewohnten Leopold stadt. Wiederholt waren die Vorarbeiten bis zum Beginn des Baues gediehen, der aber immer, bald aus politischen, bald aus anderen Gründen, verschoben werden mußte. Nun wurde unter > den jüdischen Bewohnern der Leopoldstadt neuerlich eine rege Aktion eingeleitet, welche, die Beschleunigungdes! Baues des Tempels zum Zwecke hat, dessen Mattgel sich auch dadurch fühlbar nracht, daß die Leopoldstadt in den letzten Jahren, besonders in der Umgebung des Parlaments, stark aüsg-ebaut wurde, so daß die an diesen! äußeren Ende der Pester Seite wohnhaften Juden keinen anderen Tempel haben als den -entfernt gelegenen großen Tempel in der Tabakgasse. Nun wurde ein vorbereitendes Komitee aus fünfhundert Mitgliedern gebildet, zu dessen Präsidenten das Mitglied der Stadtrepräseutanz Alexander Stern und Fabrikant Rudolf K r a m e r gewählt wurden. 'Das vorbereitende Komitee hat die Aufgabe der Beschaffung der nötigen Baukosten übernommen irnd sich bereits an die Budapester Stadtgemeinde wegen Ueberlassung eines Baugrundes -gewendet. In den beteiligten Kreisen gibt man der Zuversicht Ausdruck, daß es diesmal mit ..dem Tempelban ernst werden wird. Wochenschrift ' ' Seite. 41 Graz. Zum Bürgermeister der Stadt Graz, die seit der vor Beginn des ^Krieges erwlgren Auflösung des Gemeinderates von einem Regierüngssekretär verwaltet wurde, ist Herr Magister Adolf Fizia gewählt worden, von dem in bezug auf seine Gesinnung gegenüber den Juden bekannt ist, daß er als -Parteimann der strengsten deutschnationalen Richtung angehört. Tier Amtsantritt des neuen Bürgermeisters ist am 1. Januar erfolgt. In Anbetracht des Umstandes, daß alle Grazer Bürger, ohne Unterschied, die Wiederherstellung der Grazer Gemeindeautonomie als ein sehr erfreuliches Ereignis. begrüßen, sind auch die Mitglieder des Präs^ ' diums der Grazer israelitischen Kultusgemeinde, u. zwdie Herren Präses Simon Ren di und die -beiden Präsesstellvertreter Armin B i r m a n und Adolf.F ür st, beim neuen Bürgermeister erschienen, um ihm die Glückwünsche der Grazer Kultusgemeinde zum Ausdrucke zu bringen. In seiner Begrüßungsansdrache führte Präses Rendi unter anderem folgendes aus: Auch von den Grazer Inden wurde die so lange anhaltende Einstellung der Selbstverwaltung der Gemeinde rief beklagt und wird daher von denselben die nunmehrige Auferstehung der Gemeindeantonomie mit lebhafter Freude begrüßt. Die Mitglieder der Grazer Kultusgemeinde, von denen der größte Teil bodenständige Bürger der Stadt Graz sind, haben stets an detn Wirtschafts- und Kulturleben derselben hebend und fördernd reilgenommen, sie sind in der Kriegszeii all treuer Vaterlandsliebe, an Aufopferung, an Hingabe von Gut und Blut hinter anderen Bürgern keineswegs znrückgestanden, sie haben an allen großen Werken der- Fürsorge, die im Kriege in Graz geschaffen wurden, mit edler Geberfreude teilgenommen, abgesehen von den bedeutenden Kriegssürsorgeeinrichtungen innerhalb der Kultusgemeinde, deren Mittel durch Sammlungen ausschließlich bei Juden aufgebracht wurden. Sie glauben daher nur den einfachen Grad der Gleichberechtigung zu beansvruchen, wenn sie den Wunsch zum Ausdrucke bringen, daß das staats- und stadttreue Wirken der Grazer Judenschaft bei dem neuen Bürgermeister und den neuen Vertretern der Grazer Gemeinde diejenige Anerkennung und Beachtung finden möge, die jeder andere Bürger beanspruchen darf. — Bürgermeister Fizia dankte hierauf allen Mitgliedern der Deputation für deren Erscheinen, dankte besonders dem Präses R e n d i für seine freundlichen Worte und Wünsche, drWte seine Genugtuung darüber aus, daß auch die jüdischer! Grazer Bürger lebhaften Anteil an der Selbstverwaltung der Gemeinde nehmen, wies in sehr schmeichelhaften Worten auf das ersprießliche Wirken der Grazer Judeinschaft im Kriege hin, lobte die hervorragende Latriortische Tätigkeit derselben, hob besonders deren ^ausgezeichnete Wirkung auf charitatioem Gebiete hervor, versicherte, nach jeder Richtung hin strenge Gerechtigkeit zu handhaben und ersuchte um das freundliche Entgegenkommen der Grazer Judenschaft. Präses Rendi dankte dann de!n Bürgermeister für die Anerkennung, die erdet! Grazer Juden zollte, und die er deswegen als Genugtuung bezeichnet, weit in der letzten Zeit die Wahrnehmung gemachr wird, daß in gewissen Tagesblättern und bei den meisten Grazer Versammlungen der Versuch gemacht tvird, allen Groll auf die "Juden abzuilenken, der sich gegen die Lebensmittelnot, gegen die Dauer des Krieges, gegen die Verordnungen, gegen, die Zentralen usw. angehäuft hat. Herr Bürgermeister F i z i a versicherte hierauf, er fei zu wenig ausgesprochener Parteimann, um nicht objektiv genug zu sein und der Meinung dahin Ausdruck geben zu können, daß mit den diesbezüglichen Angriffen nicht die bodenständige Grazer Judenschaft gemeint ist, deren einwandfreie wirtschaftliche und patriotische Tätigkeit allgemein anerkannt wird. Antisemitische Angriffe können sich nur arH bekannte Und

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