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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-01-18 · 3 (18.1.1918) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
3 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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©eile 3(5 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 3 Wenn aber die„Reichspost" in ihrem unWerwind-- licher:, jetzt doch weniger denn je gerechtfertigten Glaubenshochmut den Männern von Brest-LiLowsk in ihrem Widerstund gegenüber den Forderungen des Generals Hoffmann von der Obersten deutschen Heeresleitung Mangel an „christlicher Versöhnlichkeit" Vorhalten zu dürfen vermeint und den verflossenen blutige:: Zar Nikolaus samt seinen Schergen als würdige, ihrer Weltankfchauung verwandte Vertreter „von Ehre und ritterlichen Pflichten" anerkennt, so gehört das zu dem merkwürdigen Bilde der Zeit, die wir jetzt durchleben, und bildet ein Dokument, das! für den späteren Historiker festgeh alten zu werden verdient. ' (ÄeeLmftwg im Lainzer VrxsorgungAhaus. Im „Abend" liest man: Bereits zu wiederholten Malen mußten wir uns mit den Zuständen in Wiener Versorgungshäusern .beschäftigen. Wir verweisen da insbesondere auf unsere Berichte uoml Elend, das im Ereisenasyl im zweiten Bezirke „'Im Werd" Herrscht. Solchen Anklagen gegenüber wurde da immer auf das Lainzer .Versorgungshaus als das Muster. eines Dersorgungshauses ihingewiesen. Daß überauch' Zn diesem ''Musterhause nicht' «eM^'Zustände^ herrschen, beweisen Vorkommnisse, die sich gerade in letzter Zeit häufen: Miss meinen da das Schicksal der jüdischen -Insassen des Versorgungs-> Hauses. Man betrachtet nämlich in Lainz die Ankunft .von jüdischen Pfleglingen als Gelegenheit, der katholischen Kirche neue Gläubige zuzuführen, obwohl sie sicherlich nicht gerade auf den Zuwachs aller kranken Pfründner angewiesen ist. Namentlich die Frauen werden sofort, nachdem sie im Versorgüngshaus .angelangt sind, mit allen möglichen Mitteln bearbeitet, um sie. zum llebertritt zu-bewegen. Daß. die Schwestern die Bekehrungen von Andersgläubigen als .ihre 'heiligste Pflicht arischen, will uns nicht weiter wundernehimen. Ihrem frommen Glauben entspricht dies und gewiß vermeinen sie damit ein gottgefälliges Werk zu verrichten. Was soll man aber dazu sagen, rdatz Aerzte solche Mißstände ruhig dulden, ja sogar begünstigen? Denn auch in den Kranken- und Siechenabteilungen-werden eifrig Bekehrungsversuche gemacht. Wir waren bisher der Meinung, daß es Aufgabe der ärztlichen Kunst sei, Leben und Gesundheit von Kranken zu retten, nicht aber die Seelen. Offenkundig ist diese unsere Meinung falsch, denn Aeizte in Lainz hegen da, poie gesagt, eine ganz andere Ansicht. Aber noch ein ganz anderer Umstand 'kommt hinzu : Hier, wo lauter Schwerkranke liegen, bedeuten diese Bekchrungsversuche eine schwere Schädigung der Leidenden. Zu den körperlichen Schmer-, zen gesellen sich so seelische Qualen 'und die Kranken geraten in die heftigsten Ausregungszuftände. die geeignet sind, ihre Gesundung aus das schwerste zu gefährden. Dies ist es auch, was uns veranlaßt, der Sache näherzutreten. Den Aerzten aber können die Gefahren solcher Bekehrungsoersuche am allerwenigsten -verborgen bleiben, und von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, be- - .deutet ein solches Verhalten eine Pflichtverletzung, die nicht streng genug gerügt werden kann. Was die Verwaltung -des Lainzer Versorgungshauses 'anlangt, so muß man gerechterweise anerkennen, daß sie keinen Unterschied zwischen christlichen und jüdischen Patienten macht, sie erfüllt, ihre Pflicht allen, gegenüber ohne Unterschied des Glaubens. Wir müssen daher annchmen, daß ihr diese Mißstände bisher entgangen . sind , und hoffen, daß diese Zeilen sie veranlassen werden den Unfug der Seelenfängerei sofort und gründlich zu beseitigen. B. Zur Erklärung der MeichMegienmg-'Wer die Fudenfrage) Von Professor Dr. "Franz OppenhetmeJ, Berlin. . Zunder dieser Tage bei uns veröffentlichten Erklärung der Michsregierung über die kulturellen Forderungen Her Ostjuden Und insbesondere überdie Bestrebungen der Zionisten äußert sich Professor Dr. -,-Fra:H Oppenheimer; der bei den: Empfang zugegen war, in den in Berlin erscheinenden „Neuen Jüdischen Moimtsheften" (Nr. 7 von: 10. Januar) folgendermaßen über den ersten Teil der Erklärung : „Tie 'Erklärung, die Herr von dem B us sch e Haddenhausen de.: Vertretern zweier jüdischer Komitees erteilt hat, zerfällt in Zwei Abschnitte, deren.erster vorwiegend für das „Komitee für den Osten", deren zweiter vorwiegend für das „Zionistische. Aktions-Komitee" bestimmt war. Der erste betrifft den Schutz der nationalen Minderhe: en in den Mandgebieten WestruMands>. der zweite die Kolonisation Palästinas. Da die beiden Angelegenheiten innigzusammenhängend in ihrer Aesanrtfhe:t das außenpolitische Interesse der deutschen Judenheit überhaupt bilden, hat die Reichsregierung den Weg gewählt, sie in einer .an eine neutrale und. eine^ zionistische Abordnunggerichteten gleichlautenden Erklärung zu behandeln. . - - , . Uns interessiert an diesem Orte — unbeschadet der Wichtigkeit,' die auch wir dem Palästinaproblem beimessen, und der Genugtuung, die wir über den.Fortschritt seiner Lösung empfinden — vor allem der erste Teil der Erklärung, der sich an uns richtete und zu dem großen Problem Stellung nahm,' das in diesen Blättern von Anfang an in den Mittelpunkt der Arbeit gestellt war: zum Schntz der jübischen Minderheit im slawischen Osten. . Wir begrüßen die Erklärung mit hoher Freude, wahrlich nicht, weil sie einen Erfolg unserer.beharrlichen. Arbeit darstellt, sondern weil sie beweist, daß, die leiterrden Männer Deutschlands! den Forderungen der Zeit Verständnis und guten Willen entgegenbringen. 7:. Me öffentliche. Meinung der Welt erklärt sich, immer einhelliger und mit immer lauterer Forderung 'krafk des Prinzips der Gerechtigkeit für die sprachlich-.kultnrelle Autonomie der Minoritäten. . . Das mag man in -einigen dumpfen Amtsstuben in Krakau und Warschau noch nicht gemerkt haben . . . aber auf der freieren Höhe unserer Reichsregierung hat-man offenbar, empfunden, woher der Wind weht, der allmählich zum Sturm wächst, und man hat sich beeilt, die Segel zu raffen. ' „ - ' Wir haben das sprachlichf-kulturelle Problem ^niemals anders begriffen denn als' einen kleinen Teil Heines weltumfassenden Problems allerersten Ranges, und unsere Hoffnung auf seine Lösung,' die vielleicht nur stufenfweise erfolgen wirdhat immer daraus beruht, daß die große Flut, - die wir kommen sähen, auch dieses schwache Schifflein flottmachen und mit sich tragen würde. Es handelt sich nicht um Juden und Polen, es -handelt sich um paneuropäische, panplanetarischie Notwendigkeiten: es bandelt sich um -ein Prinzip, um ein mAt länger einer Hinäuszögerung fähiges Interesse der .größten Gruppe der -Erde, der europäisch-amerikanischen Kulturmensch heit; undes bedeutet die Erklärung der Reichjs'- regierung darum den Sieg dieses Prinzips. Wir sind weit davon entfernt, .die. augenblickliche, praktische Bedeutung der Regierungserklärung zu überschätzen. Wer wir freuen uns ihrer als gute Europäer, weil sie.einen Gedanken weiterträgt, ohne den die Staatengemeinschaft 'Unseres / Erdteils' zugrunde gehen. muß: aG Deutsche,'weil unser Vaterland nicht gedeihen kann, wenn die Staatengemeinschaft leidet, in die es unlöslich verflochten ist, und weil das'Bekenntnis zu dem Prinzip Deutschland wieder einmal, trotz aller Phrasen unserer Feinde, an der Spitze des starken Heeres zeigt, das die Zukunft erobern will; — und ^schließlich als Juden/ weil damit unseren' Glaubensgenossen. im Osten

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