Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 3 (18.1.1918)
- Date
- 1918-01-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022300-3022304--26595-3051963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Serie . h Nr 3 Dr. Bloch'S Wochenschrift gemein /Zugänglich gewordenist/ wird' ebenfalls unum-. 'wunden darauf hingewiesen, „daß die deutsche chemische Industrie die Mittelmächte tatsächlich, vor einem Zusammenbruch ohnegleichen gerettet habe. Ware der Krieg ein paar Jahre früher unter den gleichen Bedingungen aus-gebrochen, so hätte er Deutschilands sicheren Zusammenbruch herbeigefichrt, denn vor den neuen Erfindungen hätte Deutschland wenn es. von einer Blockade bedroht gewesen wäre, keineswegs eine solche von. etwas längerer Dauer aushalten können." Professor Matign o n macht auch das Zugeständnis, daß keinanderes Volk unter gleichen Bedingungen es fertiggebracht hätte, in so kurzer Zeit dem absoluten Mangel an. Chilesalpeter abzuhelfen. Nun sind es zwei Verfahren, welche die Nutzbarmachung des! Luftstickstoffes ermöglichen, nämlich das von Haber und das von Frank und Cavo. Me diese drei, gehören in die Kategorie des von K. H. Wolf geschmähten,,deutschen" Mimikry-Judentums. . Inzwischen lesen wir die Meldung: „Auf den Antrag der chemischen Abteilung, der Münchener Technischen Hochschule ist Professor Dr. Ni ködern Caro in Berlin, Vorstandsmitglied der Bayerischen Stickstoffwerke M-, der erfolgreiche Forscher und Organisator auf dem Gebiete des Kalziumtarbids, des Kalkstickstoffch Ammoniaks und der Salpetersäure, zum Ehrendoktor ernannt worden." Professor Dr. Nlkodem Caro, geboren in Lodz, entstammt einer alten jüdischen Gelehrtenfamilie. Sein Großvater war Rabbiner Wlozlawek. Wir wiederholen, was wir in Nr. 43 konstatiert haben: Stellt man die Frage: „War - der Krieg der . Mittelmächte ohne 'Anteilnahme des Judentums zu gewinnen?", so muß darauf geantwortet werden: „Nein!" } Tiäbei soll gewiß nicht verkannt werden, daß die erwähnten Stickstoffgewinnungsverfahren ihre praktische Verwendungsmöglichkeit keineswegs nur Juden verdanken. Sogar rühmend muß hervorgehoben werden, daß .das Haber sche Verfahren ein schönes Laboratoriumsexveriment geblieben wäre, hätten nicht deutsche Fabriken mit ihren Stäben von genialen Chemikern und Ingenieuren es für die Praxis erst tauglich gemacht, und ebensowenig Erfolg wäre dem Verfahren von Frank-Caro beschieden gewesen, würden nicht gleichfalls geniale deutsche Chemiker und deutsche Fabriken überaus wichtige Grundlagen dazu geliefert, haben.' Die Frage. nach der Autorschaft von Erfindungen überhaupt, selbst für den Fachmann zuweilen eine harte Nuß, kann nicht in der Weise beantwortet werden, wie es meist vom Publikum geschieht, denn heutzutage müssen gar viele Kräfte eingreisen, ehe eine technische Erfindung fertig dasteht, und ein Baustein kann ebenso wichtig wie der Grundstein sein. Aber die erwähnten beiden Verfahren tragen mit Recht die Namen der Initiatoren, und der größte Ruhm der Herren Frank und Caro bleibt es, daß sie trotz der Erfolglosigkeit des berühmten französischen (gleichfalls jüdischen) Chemikers Moisfau schon im Jahre 1895 die Versuche zur 'Anlagerung des Stickstoffes an Karbide wieder aufnahmen und erfolgreich, wenn auch mit geringer Ausbeute, beendigten; und daß Haber, einige Jahre vor dem Weltkriege, aus rein theoretischen Erwägungen" der.physikalischen. Chemie die so oft vergeblich versuchte Anlagerung des Stickstoffes an Wa serstoff unter sehr bedeutenden experimentellen Schwierigkeiten erzwang, bildet ein ebenso inhalt/eich^ Ruhmesblatt dieser Erfindung. . 1 f , 1 So kam das Heil für Deutschland von Juden. „Die Tage des „deutschen" Mimikry-Judentums sin!) gezählt", so wird uns drohend zügerufen. Wir haben nichts dawider. Aber eines müssen wir fragen: Was hat Herr K. H. Wolf, was 'Haben die deutschen Führer seines Schlages für den Ruhm des deutschen Namens, für.die Macht des deutschen Stammes, für die Ausbreitung des deutschen Einflusses geleistet? Seitdem Beginn dieser „Führung" hat der deutsche Besitzstand in Oesterreich vielfache Schmälerung erfahren, der Haß der Slawen gegen das Deutschtum bis zum Paroxismus sich gesteigert: ja diese Herren Führer haben vie^e Schlachten für das Deutschtum — verloren! Dem beschimpften .Deutschen" Mimikry-Judentum aber haben die Zentralmächte es zu danken, daß sie gegen die verbündeten Staaten und Völker des ganzen Erdenrunds siegreich bestehen. Ans der Woche. „Verschiedene Moral." . Aber das Rußland, wie es heute ist, hat andere Züge wie dasjenige, das wir tapfer fechtend im Felde kennen gelernt haben. An Stelle der rnf,ischen Haudegen sind die Joffe. Schneenhr und Genossen ge.reteir und so ist es auch kein Wunder, daß /die Begriffe von Ehre, ritterlichen Pflichten im Waffenstillstände. und die Bräuche wie sie aus dem-Geiste christlicher Versöhnlichkeit sich gebildet haben, den russischen Unterhändlern fremd sind, die heute in Brest-Litowsk das Wort führen." „Verschiedene Moral" \ („Rei^post", Nr. 22 vom 13. Januar 1918). Was ist das Ereignis, das uns umbrandet? Was die vulkanische Auswälzung der übermächtigen glühenden Unterschichten der europäischen Menschheit? Es ist die kochende Glut des Hasses, die sich in jenen Unterschichten der Völker angesammelt und mit vulkanischer Gewalt hervorbrechend Tod und Verderben über ganz Europa verbreitet. Bon ihren inneren Spannungen rasend, von den beiden und höchsten Destilaten europäischer Ordnung berausch:, vonNationalismus und Imperialismus innerlich bedrängt, stürzen sich- Nationen auf Nationen mit der Wut und dem Weh ihrer Geister und Herzen. Sie glauben, um Herrschaft und Dasein zu ringen, und führen doch einen Kampf, dessen Entstehung niemand begreift, dessen Ziele nachträglich mit monatlichen Richtigstellungen gesucht, werden rnü.sen. In Wahrheit aber ist es die Raserei des Hasses, die in sinnloser Wut Tod und Verderben um sich breitet, alle Kultur in Wüste verwandelt. Ueber die bei diesen Kämpfen verübten Grausamkeiten, ja über die Mitleidslosigkeit, mit welcher die zu Tode verwundeten wehrlosen Feinde behandelt toerden. dürften spätere Historiker nur mit Schaudern und Entsetzen berichtend Nirgend eine Spur, daß religiöse Gesinnung oder das gleiche christliche Bekenntnis die Raserei zu zügeln vermöchte. In seiner Ansprache am Weihnachtsabend an dieKardinäle hat der Papst in gerechter Trauer davon gesprochen, daß die christlichen Völker und Fürsten feinen väterlichen Ermahnungen zur Versöhnlichkeit keinerlei Gehör geben; sie wären taub für die Stimme der Barmherzigkeit, der Religion und der Vernunft. In beiden Heerlagern stehen katholische Länder, hier Oesterreichs drüben Italien, Frankreich und Belgien; hüben und drüben liegen in den Schützengräben Millionen katholischer Soldaten, die den Papst als Statthalter Gottes auf Erden verehren, dessen Wort ihnen als religiöses Gebot gilt. Das Wort des 'Papstes aber erweist sich ohnmächtig inmitten der orgiastlschen Entladungen der Hassesbrunst. Die Kirche erweist sich als ohnmächtige der To lheit des Menschenmordes Einhalt zu gebieten, der blutenden Menschheit den Frieden wiederzugeben. Und die Klerikalen aller Lager find Träger der Kriegshetze. t