Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 1 (4.1.1918)
- Date
- 1918-01-04
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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git,. _ M MoMß Wschenfchrist - Sette 15 .lyLre, ^.so'-eirtzz Kapn-re b ei . Dage. zu beerdrgeü.^: -H?.*.' r..^: er.: r-> ';--' Die- MisLnÄeu gaben sich nrit der- Allttvort Mfrieden Unb fie: Wen, daß - die - beiden Lenke-die Leichö irr Me GrmfrlLgterr, reiste» sie ihres Weges' weiter. Später begaben sich die- Brüder Közlöwski-in. die Stadt -und legten-, die Kleider des'Toten heimlich in den Hairs'keller Reb-Arotts^ - .? (Mrts. folgt.) Aiteeatvr. - MßNwre Tz v x e : iwb feilt« Entstehungsgeschichte. -:ySDr, "Joseph. S.. B loch. , -> (Mit einem Vorwort von : Dr. Alfred - Stern, Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde.) Verlag oon R. L ö xd i t, Berlin-Wien. ' Besprochen -von Rabbiner Salomon Herz, Stryj,^bereit Budapest. - Die Ausführungen des Autors sind im. großen und, Lanzen unanfechtbar, packen den Leser mit überzeugender Gewalt. Der Autor verlegt mit Recht die Entstehung des Kol Nidre ln -diezweite Hälfte' des 7. Jahrhunderts, während der West- 7gotenherrschaft> -die er ..auf Grund historischer Quellen -zeichnet. ^■;.3n der Tat konnte. Kol Nidre nur in der Zeit vom Anfänge des 6. bis Ende des ‘ 7." Jahrhunderts; erstünden ' sein.' Die Annahme, darunter^ der Rabbiner Mandelstamm in seinem Buche .'.Biblische Studien", daß das Kol Nidre während der spanischen Inquisition entstand (Hamelitz .1868, S. - 270. und - Hazefira, 1885, S. .361), ist schon deswegen abzuweisen, weil schon die .Gaonim Kol Nidre erwähnen.' Rabbi Jechiel aus. Pa- "ris 'in seinem Buche „Wituach" erwähnt die von Nikolas Donin iM Jahre 1239 - erhobene. Beschuldigung, die .Juden annullieren ihre. .Gelöbnisse durchs Kol Nidre. . (Vgl. auch ,»ttevue c>- s Etuoes luiv-e-«, 11p. 267 und Ui., p. 56 )' In . der NationalbibliothÄ zu.'Daris befindet sich' eine Vase, die man'mit Bestimmtheit dem 7. Jahrhundert Zurechnet) -auf' welcher Fragmente von Kol Nidre aUsgraüiertzu lesen -sind.- (Babelon et M. Schwalb: »Un vase judöü — chaldeen de la bibliothfeqne nationale. ßftvue des filudes Tuives«,. I'7., p 164 usw.) Somit ist sichergestellt, daß Kok Nidre am Anfang.des 3. Jahrhunderts existierte. Biel höher hinäüf. etwa in das 5.- Jahrhundert, ist feine Entstehungsgeschichte nicht zu verlegen, da seines im Talmud, der in sdkpsem'.Zeitraum seinen Abschluß fand, keine Erwähnung geschieht. „Daß die Stelle in Nedarimträ! ate 23 d mit Kol Nidre nicht in'Zusammenhang gebracht werden kann, hat der Verfasser mit Recht betont. Die landläufige Annahme, Kol Nidre fei bloß zum allgemeinen Zwecke der Auflösung .übereilter Gelöbnisse geschaffen worden, wäre ganF unbegreiflich, da nach dem Abschluß des Talmud alle Autoritäten -gerade- - gegen jedwede - - Aufhebung und Auflöfüutz» von ^Gelöbnissen. -sich... mit '.Entschiedenheit erklärt haben und -solche nur: in seltenen Fällen \ geduldet wissen wollten. Rabbi Jsak Alfasi (1013—1103) bringt zum, Schlüsse des Traktates - Nedarim die Ansicht der ersten Gaonim 'wie folgt: Rabbi Jehudni Gaon (760) meint: „Niemand darf Gelöbnisse oder 'Eide auflösen!" Zu seiner Zeit wurde überhaupt der Nedarimtraktat nicht gelernt, auch die anderen Gaonim gestatteten die Aufhebung' von' Gelöbnissen nur wegen eines frommen Zweckes, wie zum Beispiel zwecks Friedenstiftuug zwischen Mann und Weib öder , einer ganzen Gemeinde. Aehnliches berichtet SchSrira Gaon im- Namen des Gaon. Rabbi Jehudni;*) auch, der Gaon Natronai erwähnt, daß man auf den beiden Hochschulen (Sura u, Puinpäditha) Gelöbnisse nichts aufzülösen pflegte.' In dem' „OrchotH- Lhaim" (Florenz 1750, p. 16) heißt es im- Namen des Gaöns Rabbi Nachschon, daß über ein Jahrhundert der Talmudtraktat Nedaxim nicht studiert wurde, weil man Gelöbnisse nicht annullieren soll, nattö ’inv a'.vr pisu wirr» 'I “laa pi »rw tu xb na Tfin^ TöüV ä^a'Tt; Es leuchtet aus alldem zur Genüge, ein, daß zur Annullierung gewöhnlicher Gelöbnisse Kol Nfdre nicht geschaffen werden konnte, und daß es nur einer besonderen historifcheü Notlage seine Entstehung verdankt, und wie der: Autor zeigt, konnte, nur die Zeit der Westgotenherrschast und die von ihr erzeugte Gewissensnot das Motiv dazu abgeben. Auch der ursprünglich rein aramäische Tert deutet auf diese -ZE Him Am klarsten wird die Behauptung des Autors, daß Kol Nidre zu jener Zeit. geschaffen wurde, -mit der Tatsache belegt, daß die oon Rabbenu Tam (1130—71) vorgenommens Korrektur des Textes nur Lei den. Mischen Gemeinden von Nordfrankreich, Deutschland und' Polen. Annahme gefunden, hing ege Nnich t in den GWfN «inbe n v o-n - 'Spa n i e n, der Pr ovence und *) Tschuwäth /Hageonim. Lyck 1664, p. 17, Nr. 43. Rom. Ozar Israels. V )• »- Kol Nidre. In' WoMmt. BTiB3 . ’*?«Ne«. Mtzichk^ leisten.' L Nähnie man sögär an, daß sMer auch in diesen Gemeinden die eigentlich« Gitstehunasgeschschke des Kol' Nidre vergessen war, muß es doch einleuchtend daß diese Juden hier auf dem Arböden der Entstehung, mehr ÄS alle anderen, am ursprünglichen Text festhielten. Aber auch über den mutmaßlichen Zeitpunkt der Entstehung der erschütternden, tränenreichen Melodie im -i grauen Altertum, hat der:'Autor das Richtige getroffen. Im „Ozar Israel", and. Köl Nidre, heißt es, daß die Melodie während der spanischen Inquisition (1492) geschaffen wurde; imoben erwähnten „Hameliz" (S. 171). Amnerkltng Tr^. wird dem Mahril (1428) die Schaffung zügeschrieben. In. seinem Buche „Eschkol .Hafoser"; K 140, p. 53 a, schreibt der Karait Jehuda Hadassi (1148) wie folgt: D^srrr aian b'b' inyä D'a^nöVc^r a-n a^: Sipa' a^asi mjrm bv jrrrrr •:0ip3'ö>2^>n a-rt TöS'n a^aian n'zvxp arnia^ritapm Er wußte also. schon von einer traditionelken Melodie des Kol' Nidre. : ,v Einige Bedenken sind aber gegen die Annahme des Autors bezüglich der beigedruckten Formel und des Zusammentrittes des Bes-Din hervorzuheben. Der geehrte Verfasser meint, daß die. Formel: ».a-ina^.-l öy ^BnrfopTrh, während Ser Periode des Marränentums am Anfang des 16. Jahrhun, derts geschaffen wurde, um denjenigen Zwangstäuflrngen, die gefchäftshalber nach Holland und Deutschland kamen, die Teilnahme an'den Gebeten zu ermöglichen, indem die jüdischen Gememdemitglieder Skrupel hatten, die Marianen zu kooptieren. Wir finden aber in Zunz „Ritus des synagogalen Gottesdienstes", p. 96, die Nachweisung, daß schon der ' Rabbiner Maier von Rotenburg (M'hram m'Rotenburg 1300) die Formel nbyfc rT3'w'3 usw. einsührte. Ich bin auch sonst der Annahme, daß die gegen den jüdischen Eid gerichteten Verleumdungen und die Einführung besonderer Eidesformeln für Juden nicht auf das Ritual Kol Nidre zurückzuführen ist. Der schlagendste Beweis für diese Annahme ist, daß Simon Pechi (1508) für die -sogenannten Sabbathianer ein Gebetbuch verfaßte, worin auch das. Kol Nidre Platz findet, und daß er sicherlich sonst unterlassen hätte, um diese vor Verleumdungen zü schützen. Da aber leider heute , diese verleumderische Beschuldigung in weiten Kreisen besteht, wird das Judentum dem verehrten Autor besonderen Dank wissen für die ausgezeichnete Forschungsarbekt. „Gottes Volk." Von Dr. Nathan Birnbaum. 1 Wien und Berlin 1918. R. Löwit, Perlag. Preis K. 1.65. Ein interessanter Markstein in der Entwicklung Nathan Birnbaums. wo nicht gar ihr Höhepunkt! Der Gedanke liegt nahe, im inneren Werdegang Birnbaums ein Spiegelbild der -Entwicklung des jüdischen Dolksgenius zu erblicken. Wie aus dem heroischen, aber gesetzlosen Volke der Helden- und -Richterzeit sich das- ^Mda mit dem geistigen Zentrum des Tempels ider Königszeit und aus diesem das religiös getragene Judentum der!Propheten herausbildete, das schließlich im Gesetzesjudentum der Sofrim seine feste Verankerung für alle Zeiten finden sollte, fo warb aupdem» areligiösen politischen Zionisten Mathias Acher erst der Kultur-- zionist, dann der gottsuchende und nunmehr cher für das gesetzestreue Judentum eintretende Nathan Birnbaum, der iden uns vorliegenden flammenden Appell an „Gottes Volk" -zur Sammlung auf dem Boden des Gesetzes und zum „Aufstieg" zum Messias richtet. . Das markige erste Kapitel ist ein „Bekenntnis", das uns weit über seine persönliche Form hinaus eines der vielen Zeichen unserer erlösungsschwängeren Zeit dünkt. Wuchtig Ist auch seine Polemik gegen die „Heidenjuden" im zweiten Kapitel. Sehr bemerkenswert. wenn auch nur flüchtig skizziert, find die Vorschläge im letzten .Morte der .Aufsteigenden" überfchriebenen Abschnitte,, die an den bekannten Vorschlag zur ftrasfereu Organisierung der "jüdischen Orthodoxie in Oesterreich erinnern und: in dem Plane, einer Synodalverfässung der messiasbegeisterten Gesetzestreuen gipfeln. Es wäre dies allerdings im Gegensatz zu der bereits m Frankreich zum Beispiel bestehenden Synodalversassung der Abfallenden eine Zusammenfassung der ..Aufsteigenden", eine Bezeichnung, die -entschieden sympathischer berührt als der ganz und gar unjüdisch« Ausdruck „Orthodoxie". Man mag nun einwenden» daß Begeisterung -überhaupt, und sei sie auch Gottesbegeisterung, schwer zu organisieren fein dürfte. Und doch hat Birnbaum! recht: Es'ist Zeit zur Tat! Es steht zu erwarten, daß Birnbaums neueste Schrift an di« Hauser und Herzen aller guten Juden Eingang finde, 'von allen Seiten. Zchstkmmung erhalte und Taten anrege, die -sie zu dem Propheten Elijähn^ stempeln, der nach Maleachis Verheißung, itzie Herzen der Söhne zu. den Vätern führt,:zU.Taten des Aufstiegs zum-Gesalbfep Gott«.... r-.- - .7 ■; . 7rLeoppld M»feS.7