Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 1 (4.1.1918)
- Date
- 1918-01-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1 Tr, Btoch'S Wochenschrift ' ®e«« 9 rPofessor'-Dr. Siegmund Winter, ein hrrvorragender -Kulturhistoriker undv Schriftsteller, hat im-Jahre 1909 mit Unterstützung der höhmisihen Kaiser ^Fravz Josef-Akademie in Drag und in deren Verlage rin ausgezeichnetes . Buch über \bas Handwerk und Gewerbe in Böhmen im <16. Jahrhundert umfassend dir Zeit von 1526 bis 1620, herausgegeben.' Wahrend «der heurigen ..Kohlenferien" habe ich dieses^vorzügliche Merk mit großer Aufmerksamkeit gelesen und gebe die Notizen* (die sich in demselben auf jüdische Handwerker und- . Gewerbetreibende beziehen, wieder im der Voraussetzung, daß sie meine Glaubensgenossen ebenfalls interessieren -werben. Selbstredend ist das ganze Buch auf Grund-historischer und genau angeführter Quellen verfaßt. - Gleich in der Einleitung. in der von den wirtschaftlichen Verhältnissen der Handwerke,.die Rede , ist, heißt , es: - ..Auch d'ie Juden beeinträchtigten in gewisser Hinsicht das Handwerk. Während >sie in früheren Zeiten, sich; ausschließlich dent Handel widnten durften, findet man im 16.; Jahrhundert im Prager Ghetto jüdische .Meisterverschiedener Handwerke; einige von ihnen haben zum betriebe ganz besondere? Patente und Privilegien. Wohl ward es öfters jüdischen Meistern strenge^'untersagt, katholische Gesellen zu halten; aber dieses Verbot wurde "häufig . üingangen. . Äehnliche Verhältnisse findet mian auch in den Landstädten; Hgab es beispielsweise in Nachod (Glaser. Bastbeärbeiter, Taschner, "Zeugschmiede und Messerschmiede. Folgende jüdische Büchbinder, vielleicht auch Buchhändler, gab es im 16. Jahrhundert in Prag:/Whch (1627). Adam (1538), Markwart (1553)* Moses (1553). -Märkwart wurde, im Jahre 1572 beschuldigt, er hätte vor. Jahren eine gewisse Katharina Oelechovcovü ermordet; er wurde aber aus der Haft befreit, nachdem die Juden für ihn eine Kaution von 5000 Schock Meißner «Groschen erlegt hatten; unter den Bürgen findet man. auch den. Namen seines Bruders Juda, der ebenfalls der Buchbinder- oder -Buchhändlergilde an, gehörte. Von dem Buchbinder Popert (1560) 'wird angeführt, daß er auch mit Seide handle. '—-Die Juden hatten schon in früheren Zeiten mit Edelsteinen und.Goldwaren Handel getrieben; aber das Goldarbeiterhanbwerk war ihnen verboten.' Im 16. Jahrhundert wurden sie kühner. (Erft betrieben sie «das Handwerk mit Hilfe katholischer - Gesellen geheim, später öffentlich. Hermann iaus denj Judengarten heißt schon 1551 Eoldarbeiter und.der Jude Josef Lern^ (Crrvii/ de Cervi) übt schon (das Handwerk öffentlich aus» Er erhielt vom. Kaiser 1577ein Patent, daß er in den Prageck Städten' oder aus dem Schlosse das Goldarbeiterhandwerk betreiben dürfe.^ohne Behinderung von seiten der Zunftmeister oder anderer; er solhe"sich,,gber öctbek "allerü.'Vorteiü:". enthalten. GleichKitzg übt Mch^däÄselbe''Gewerbe-der „Goldschtzider" «Jsak, der als Eoldarbeiter und Hausbesitzer angeführt wird, aus.. Gegen den letzteren erhobep^siH^die Prager Goldarbeiter im jJ^hre -1580 und klagten auf der Reüstädt, daß er unordentliche iGesellen halte und ähnliches"'mehr/ Jsak protestierte dagegen und wies durch einen- Trlaubschein nach, daß er das Handwerk ibetreiben dürfe, verpflichtete sich aber, keine katholischen Gesellen mehr >zu halten. Dafür erhielt sein Sohn JaÜrv 1586 vom Kaiser ein bedeutend erweitertes Privileg. Noch' andere jüdische Eoldarbeiter werden -erwähnt: 1602 Josef. 1610 Rabbi Josef; der ein/Haus kauft, 1612 Davide 1614- Rabbi Amschel Goldscheider, Hausbesitzer usw.u Mit der Glaserei befaßten sich zur damaligen Zeit die Juden öfters. Sogar der Erzbischof Zbyntzk Berka iließ von dem Juden Markus in Lieben (bei Prag) öfters «Fensterscheiben reparieren. Ja, dieser Glaser klagte im Jahre '1601 den genannten geistlichen Würdenträger, daß er die Fensterscheiben bei!den Kreuzherren in Prag Und Öakowitz repariert Habe, und «daß der Erzbischof als Großmeister des Ordens nicht bezahlen wolle.-Als sich int Jahre 1577 die Kleinseitner Maler und Glaser über den Prager Juden Daniel beschwerten, daß er ihnen ins Handwerkipfusche, erwiderte dieser, daß den 'Juden die Ausübung aller Handwerke gestattet sei. Auf dem Lande befaßten, sich die Juden mit wer Glaserei sehr häufig. Jüdische Glaser verglasten Kirchen und Schlösser. 'Auf dem Schlosse, Klingenberg (Zvtkoo) repariert 1547 der Jude Jakob aus Mirotitz unü auf einer anderen Besitzung tf.552 der Jude Zäjiäek die Scheiben. ' Jüdische Kürschner waren in Prag nicht iselten; sie bereiteten ihren andersgläubigen Kollegen - eine große - Konkurrenz, da sie im Einkäufe der Petzwaren praktischer gewesen. > Die Fleischhauerei betrieben die Juden sehr stark. Außer ihrer Fleischbank in der Prager Judenstadl hatten -sie auch mehreren Laden in Lieben (bei Prag), von wo sie das Fleisch nach Prag trugen. Im Jahre 1613 beschlossen die Konsuln auf die Beschwerden der Prager Fleischhauer, die Kramstätten der Liebner -jüdischen Fleischer zerstören zu lassem angeblich nur aus (dem Grunde, weil die Beä sitz« der wiederholten Aufforderung, heim Amte Zu erscheinen/ nicht nachgekommen waren. Nach dieser „Tat" «öffneten die Liebner Fleischhauer ihre-Stände in Prag, wurdein'aber 1615 wieder vertrieben. Die Mächt der jüdischen Fleischhackerkonkurrenz. ist an^ besten: aus dem ^Umstande zu ersehen, daß im Jahre 1597 sämtliche: Prager Fleischer '880' Schock Groschen, die jüdischen 139 Schock an Steuerabgaben entrichteten. Interessant ist auch; daß: die Konsuln im Jahre 1598 dem berühmten iMarkus Modorchai Mayzl, der sich bei Kaiser "Rudolf II. großen Ansehens erfreute, verboten. in seinem Haufe im geheimen Fleisch ^verkaufen zu lassen» obwohl sein Haus zu den privilegierten gehöre. - . Brantweinbrennereien waren, zumal auf dem Lande, ßchon zur damaligen Zeit oft in den Händen von Juden; darüber habe ich schon'ein andermal ausführlich in der „Wochenschrift" berichtet. Prinzipiell waren die Juden, von der Fechtkunst undden mit ihr zusammenhängenden Handwerken ausgeschlossen. , Dagegen waren zur damaligen Zeit die Harfenisten und Harfenistinnen fast ausschließlich Juden. Im! Jahre 1615 kaufte sich der Harfner Pöw (Lev) in der Altstadt ein halbes Haus. Die Harfnerin Sara Wolf war in . Prag eine bekanntere Persönlichkeit, ebenso der Geiger Feytj (Veitl). Die Prager Juden hatten überhaupt ihre eigene, angesehene Musikkapelle., Im Jahre 1580, spielte -sie bei der Hochzeit des Herrn Peter Vok von Rosenberg auf der Herrschaft.Krumau in Böhmen, was keine kleine Ehre 'bedeutete, und sie spielte sehr schön (»velmi Ube.*) Klattau. -Uerander B a u m. Patriotischer Hilfsverem für Mische Krieger. An. die „Oesterreichische Wochenschrift", Wien. Anläßlich, der Anregung Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiners Dr. M. Grunwald senden wir Ihnen mit Postanweisung 300 K. (dreihundert Krönen) für. die Aktion „Patriotischer Hilfsbereit! für jüdische Krieger" mit. dem innigsten Wunsche, daß diese so überaus notwendige Aktion gefördert werde. Mit dem Ausdrucke besonderer Hochachtung ergebenst Brüder Mittler. Wir erhalten ferner folgende Zuschrift: In Nr. 50 Ihres geschätzten Blattes wurde vom Leiter des Jüdischen Archivs, Herrn Dr. Nathan Birnbau m, die Gründung eines Verbandes j ü d i s cher Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigter (um Mißverständnissen vorzubeugen, besser: durch-den Krieg. Geschädigter) angeregt. J r* Bei den eminent praktischen und einleuchtenden Zwecken, die der Verband, namenttichauch bei Berücksichtigung der Vorschläge des Herrn Rabbiners Dr. Mgx Grunwald, haben soll., kann es. insbesondere bei mäßigen Mitgliederbeiträgen, nicht fehlen,, daß der zu gründende Verband eine M a s s e n m i t g l i e d e r s ch a f t und damit eine Stoßkraft erzielen wird, wie sie bisher wohl noch keiner jüdischen Jnteressenorganisation beschieden war. Der Nutzen, der hiedurch für viele Zehntausend^ von Juden und für die jüdische Gesamtheit gestiftet werden kann, ist nicht abzusehen. Darum darf aber auch die Zeit bis tzum Zusammentritt des eigentlichen Gründungskomitees nicht nutzlos v e r st r e i chen. Vor allem ist für die Bildung eines solchen und für dessen Arbeit von Bedeutung,, daß es sofort einen Ueberblick über die ^pansionsfähigkeit des Verbandes gewinne. (Von diesem Gesichtspunkte aus bittet der Gefertigte im Namen Gleichgesinnter und im eigenen Namen alle, die dem Verbände, sobald er begründet ist. beizutreten gedenken, ihm ihre Beitrittsabsicht schon jetzt» und zwar ohne Verzug» Mitteilen zu wollen,, und verpflichtet sich, die eingelaufenen Anmeldungen dem Gründungskomitee bei dessen Zusammentritt zur Verfügung zu stellen. Eine einfache Korrespondenzkarte unter Angabe des'Namens, Berufes (Ranges) und der genauen zivilen.(und militärischen) Adresse genügt. Der Text der Mitteilung braucht. nur einige KVorte zu enthalten, etwa : ,*Jch beabsichtige, dem zu gründenden Verbände jüdischer Kriegsreilnehmer und durch den Krieg Geschädigter als Mitglied beizutreten.". Militärperfonen hätten nach dem Worte ^beabsichtige" hinzuzufügen, „sobald fch wieder dem Zivikstande angehöre". V Wqrmchr tun will, etabliere sich als Werber , solcher Beitrittserklärungen, indem er die Absendung der hv'