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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-01-04 · 1 (4.1.1918) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
1 (4.1.1918)
Date
1918-01-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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»rW r Dr. Moch's Wochenschrift Nr. 1 Wer darf heute die Wichtigkeit der Pädagogik, die zu, einer seLstärwigen und weitverzweigten Wissenschaft ausaeb-aut wurde, verkennen? Gewiß i.t die methodische Vor-- V-n. ' ’r.i . , : . * _c_v ,nsp mfilose Fortbildung in ihrem Amte sich vervollkommn-' neten, Kennen und Können vereinigten. Sicherlich kommt Ls viel auch auf die Lehrerpersönlich feit an. Aber nicht jeder Zkaturschwimmer taugt zum Lehrer. Ergötzlich ist eine Schilderung von M. Lazarus. In seiner Heimatgemeürde trat ein Mann, der bis dahüt einen Hausierhandel betrieben hatte, plötzlich als Lehrer auf. AVer gefragt wurde. wie er dazu komme, anttoortete er: ,«Gch habe göräumt, daß ich ein Lehrer bin." Dies hat Er ifc Zeichen seiner Berufung genommen. Ist es in .unseren Tagen besser geworden? Wird nicht die Geringanter den Religionslehreröeruf ergriffen haben, und die Schulmeister, aber nicht Meister in der Schule geworden sind, leicht auch auf das Judentum übertragen? Me Großgemeinde in' der Residenz fühlt sich mit Recht als eine lr Woeni. als eine Mutter in Israel, da sie ihre mütterliche Fürsorge der Allgemeinheit dienender Ernrühtürrgen angedechen läßt. Aber es wäre ungerecht, alle Kosten nur der Knltnsgemeinde Wien aufzubüiden. Jede Gemeinde in Oesterreich muß es' als ihre Ehrenpflicht betrachten, eine Rlligionslehrer-Bildungsanstalt nach Kräften zu subventionieren. Alle mit der Errichtung derselben verknüpften Fragen, nicht an letzter Stelle eine angemessene Lehrerb esoldunK, können bei einigem güten. Willen und dem wachsenden Verständnis!, das man dieser Aktion entgegenbringen dürste, einer gedeihlichen Lösung , zugeführt werden. „Hindernisse findet nur der, der an sie. glaubt." Das Dichterwo.rt gllt auch-M diesem Falle. t r?Der dankenswerte Antrag des Herrn S. Brod verdaut jegliche Förderung. Rabbiner Prof. Dr. Hoßmann. Schalom Jakob Adramowic^ Meaäele Noeller Ltorrm). 1836-1917. Bon Echewach Eirate. ' lieber Berlin kommt die. Nachricht, daß der Nestor der jüdichen. Schriftsteller, Mendele Mocher. S f o r i m (bürgerlicher Name Schaom Jakob Abramowicz), in Odessa am 8. Dezember im. Mer von 81 Jahren gestorben ist. V Geboren in einem kleinen Städtchen des! Minskex Gouvernements in Litauen als Sohn eines seiner jüdischen Gelehrsamkeit sowohl als auch seiner Wohltätigkeit wegen gleich geachteten Vaterss genießt er eine rein jWische Erziehung^ Im 6. Lebensjahre kann er bereits lesen und schreiben, im 9. beherrscht er die ganze Bibel aufwendig, im 12. ist er bereits in den nachbwlischen jüdr'chen Schriften, wie Talmud, Midrasche usw., . bewuchert.'. Sn seinem 13. Lebensjahre stirbt sein Vater, die Familie in Not und Elend zurücklassend, und da beginnt für den jungen Abramowicz eine Zeit der.Leiden und Ent- -behrung. Er wandert umher, von einer Jeschibah (Tatmudsohule) in die andere, bis er zu /seiner Mutter, die inzwi.chen eisten "Mühlenpächter in einem Dorfe unweit Minsk heiratete. Zurückkehrt. Hier lernt er ' hie Natur in ihrer ganzen FUle keünen und das regt' sein poeti- " t Um . r, -/ /v---*‘v Im 17. Lebenswahre beginnt die zweite Mappe seiner. Wanderung. Er kommt nach. Kamenez-Podolsk, studiert außer Hebräisch' auch Russisch und - cntber e -europäische Sprachen/ bereitet sich füreine Lehrerprüfung vor,' die er auch besteht, l und erhält daun eine/S telle als^Lehrer ' an einer staatlichen. Schule. Von da geht ernach Ber-i/' dyczew, dann nach Zytomir, wo er an der RabbinCts-, . schule ein Rabbinerdiplom erhält und bis-1891 verbleibt. In diesem Jahre kommt er nach Odessa, als Leiter.dep' ' dortigen jüdichen Schule. „Talmud Thora". In heu- Jahren 1905/08 hält er sich in Genf in der Schweiz Uns und kehrt schließlich nach Odessa zurück, wo er bis' zu - seinem Leberisende verbleibt. Infolge seiner vielen Wanderungen und feiner Bex..' obachtungsvabe ist er auch in. der Lage, das ttaurige jüdische Leben kennen zu lernen und in dasselbe emzudringen. / " / . . /? ' A. - / Von dem Wunsche beseelt, hier helfend einzugreisetzr veröffentlicht er eine Reihe von kritischen Äuffätzen über , die hebräische Literatur, eine Naturgeschichte/in drei Teilen, übersetzt die russische Geschichte ins, Jühische. Seist, eigentliches Gebiet ist aber' das eütes' 'ErMltzrs-..süstd.',. Schilderers. Die wichtigsten Arbeiten, von denen emige ins Russische, sowie von Klemens Ju.nosza ins- Pol nische übersetzt wurden, sind: .Mas Wünschfingerl", „Väter und Söhne", „Die Taxe", -Fischte der Krunune". - „Die Klatsche", „Reisen Benjamins des Dritten" (der polni'che' Titel: l)on Kliszo: zyd >wski/). „Der Prisiw" (ein Drama), u. v. a. ' d- 7',.- Bei Mendele tarnt man am bestett sehen. wcM der/ jüdische Geist, ohne daß er von seiner Umgebung beejrw flußr worden wäre, geschaffen hat. Mendele ist jüdisch in seiner Sprache, seinem Stil, seiner Veöhachtüng sowst/ in der Art,- wir er das Gesehene wiedevgibt.^ Mendele sW mit beiden Füßen im Judenghetto und schildert durch" füuUg-,Sqhre (sein erster. ^Roinasts sthh HöhsteA -' erschien 1867) atl€0, was/ er in" dllesM-engm-KrÄseM^;. ob achtet. Seine Erzählungen rollen ein mit Blut - Um schriebenes Lebensbstch auf, sie erwecken bet uns oft ein Gelächter, aber noch mehr — Tränen. Mendele führt an uns den Juden des Ghetto vorbei, von dessen Geburt bis . zum Tode, noch mehr, er begleitet ihn bis auf den - Friedhof und liest mrs noch die eigenartigen Grabül schriften vor. Im. Judenghetto sind seither neue 'Typen entstanden, selbst bei d-en allen sind Veränderungen vor sich gegangen, auch hie Judengasse hat ein «anderes' GesiD bekommen. Mendele jedoch ist auch ist' seinem Greiserl .7- Kunstschöpfungen Mendeles anwenden zu wollen, wäre verfehlt. Ich weiß auch nicht, ob jemand/der das nun im Absterben begriffene Leben der jüdischen Kleinstadt nicht mitgelebt, dieses seelische Vergstügett empfindet, welches mir das Lesen der Werke Mendeles/ bereitet. Men-i dele war ein unvergleichlicher Künstler, ein Genius. Wie sehr gesellt, wie bearbeitet, ist Wer Satz, ja jedes Wort in seinen Schriften. . Die Judengasse hat bis heute keinen so originellen Schllderer, wie es' Mendele war, gefunden. Seine Be? deutung kann man dann ermessen, wenn man bedenkt, daß.erder 'Schöpfer des Stils., in zwei Sprüchen, tiri - Hebräischen sowohl als' auch im Jüdischen ist,, ja die jüdische Literatursprache ist sein Werk, so daß suh die jüngeren Schriftsteller, wie die ihm im Tode vorawgegangenen P e r e z und Schalom A l sch erst, - 'sich, rnir Stolz seine Enkel zu nennen pflegten.' //'/ ' //// . iMendeles Tod ist ein unersetzlicher Verlust nicht bloß - für die jüdische Literatur, sondern auch für das ganze jüdische Volk, das in ihm einen seiner bedeutendste ' ' ter. epischer s Richtung betrauert. /'.. L ein bv rch 31: MMchG 1617. . . -

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