Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 1 (4.1.1918)
- Date
- 1918-01-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-Nri^i Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 3 toriuln . in Ostafrika zur .Errichtung einer jüdisch-autonomen Kolonisätion äuKboten hat, sandte an Zangwrll ein Schreiben, in dem er' sich dahin aussprach, daß seine Sympathie, mit der Sache der Juden nicht gemindert - .Würde, daß er der: Forderung der Juden nicht weniger freundschastlich gegenübersteche, als die gegenwärtige britische'Regierung: Tire Borgeschiichtkder englischm Erklärung für den . Zionismus. ' lieber die Vorgeschichte der englischen Erkläung für den Zionismus berichtet, dem Jüdischen. Korrespondenz-- bureau im Haag zufolge, das Mitglied des Großen Aktionskomitees der .zionistischen Organisation, der bekannte russische Zionisten sichrer Boris Gold ber g das Folgende: b Vom ersten, Augenblick der Entstehung des politischen Zionismus waren, die Augen der zionistischen Führer auf das englische Volk gerichtet. In England bekundete Man immerdie größte Achtung für die Freiheit jeder. Persönlichkeit und jedes. Volkes. Hiezu kam noch die Liebe zur Bibel, der Grundlage unserer nationalen Kultur. Das alles erzeugte eine warme Atmosphäre für den Gedanken der jüdischen Renaissance. Ein Engländer versteht die jüdische Seele, die nach einem Heim und Freiheit lechzt. Außerdem spielte England die Hauptrolle sin.der Politik des nahen Orients. - Auf Initiative Herzls wurden alle zentralen Finänzinstitüte der . Bewegung, die jüdische Kolonialbank, der Jüdische Nationalfonds und die PaÄstinabank, unter den Schutz des! englischen Rechtes gestellt. Der gleichen Politik folgten auch die Nachfolger Herzls, David Wolf- .s ö hn und O. Marburg, bei der Gründung der Anglo Leväniine Company,. der Pälästine Developpement Company und anderer Institute. Hiesür war nicht nur bestimmend, daß die englischen Staatseinrichtungen soliderund sicherer im inkernationalen Sinn sind uls andere. Diese Politik war auch ein Ergebnis des politischen Vertrauens, das infolge des Interesses und der Sympathie, welche viele englische Politiker für die Renaissance des jüdischen Volkes noch vor der Gründung der zionistischen Organisation bekundeten. Es genügt, an Lord Beacorrsfie! d(Disraeli), Oliphant. GeorgeElliot u. a. zu erinnern. Tie englische Regierung hat ihre besondere Sympathie für die.zionistische Bewegung, schon oft bekundet. Zweilnal (1902 gelegentlich der' Unterhandlungen über El Arisch und 1903 in der Ugandafrage) zeigte sie. wie wichtig-sie die jüdische Aufgabe erachte, ein territoriales' Heim für das jüdische Volk zu schaffen. Darum ist es nur selbstverständlich, daß im Jahre 1914 eine Tagung des' Großen'Aktionskomitees in Kopenhagen, welche die .HanptrichLlinien der zionistischen Politik ausarbeitete, London als das wichtigste Zentrum der politischen Arbeit anerkannte und zwei Mitglieder des Engeren Aktionskomitees sD>r. E. Tschlenow und N. Sokolow) dorthin entsandt wurden. Sie mußten. die politische Lage sondieren, die englische öffentliche Meinung vorbereiten und die notwendigen Unierhandlrmgen einleiten. - Von großem Einfluß war . im Anfang der sogenannte Manchesterkreis Sach er, To llpwIki, 'Landmann' u. a.), auf dessen .Initiative das Brittish Palestine Committee begründet wurde. Eine -ganze Reihe.nichtjüdischer Politiker trat in dieses Komitee -ein. (Besonders altiv war H. Scott, der Redakteur des' „Manchester Guardian"./ Das Komitee proklamierte als! s^in Programm, die Schaffung eines jüdischen -'Palästinä unter 'dem Protektorat Englands. Es gibt eine-Zeitschrift Malestine" heraus. 1916 formulierte eine spezielle Kommission der englischen Zionisten unsere Forderungen, welche dann als Grundlage unserer Unterhandlungen mit den Regierungen anerkannt wurden. Einen normalen und konkreten Charakter erhielt unsere politische Arbeit Anfang 1917, als die englische Armee ihre Tätigkeit in Palästina.begann. Am 7. Februar wurden die ersten offiziellen Unterhandlungen zwischen dem bevollmächtigten Vertreter der englischen Regierung Mark Sykes und unseren Delegierten S o k-o l o w, W e i z m a n n, G a st e r, Herbert Samuel, Lord Walter Rothschild, James' Rothschild, H. Ascher, I. Cowen eingeleitet. Sie wurden auf Grundlage unserer Forderungen geführt, die wir übermittelt hatten. Es wurde beschlossen, unsere Forderungen auch den Verbündeten Englands. mitzuteilen. Zu diesem Zwecke wurde Sokolow zuerst nach Paris, dann nach Rom entsendet. In Paris gewann er die Mitwirkung des Barons Edmund Rothschild und vermochte die Assimilanren, welche beinahe alle jüdischen Institute in Paris beherrschen, zu bestimmen, nicht entgegenzuwirken. Einen großen Erfolg erzielte er bei den italienischen Inden, welche unsere Forderungen mit Wärme bei ihrer Regierung unterstützten. In Rom hatte Sokolow auch eine Audienz mit dem Papst, die sich, auf die „heiligen Orte" bezog. Das Ergebnis der Unterhandlungen Sokolows war, .daß die französische Regierung am 4. Juni ihrer Sympathie für die Bestrebungen, die jüdische Nation in Palästina wiederaufzurichten, Ausdruck gab. Sie stellte die Bedingung, daß die Unabhängigkeit der heiligen Orte verbürgt werde:: müßte. Tie italienische Regierung akzeptierte unsere Forderungen bedingungslos und sagte ihre Unterstützung auf der Friedenskonferenz zu. T>er Papst erklärte, lediglich an den heiligen Stätten interessiert zu sein und gab der Hoffnung Ausdruck, mit den Inden in guter Nachbarschaft zu leben. Wir sind nicht nur der Sympathie, sondern der aktiven Mitwirkung der großen amerikanischen Republik für die Schaffung eines autonomen jüdischen Palästina sicher. Der englische Minister des Aeußern, Lord Balfour, stellte wählrend seiner Anwesenheit in Washington fest, daß beide demokratischen Regierungen in den Hauptfragen einig seien. Tie russische revolutionäre Regierung hatte keine Zeir, ihren Standpunkt zur Palästinafrage schriftlich zu formulieren. Das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten wurde über alle Unterhandlungen informiert und versicherte unsere Bestrebungen ihrer Sympathie in ganz anderer Weise als der zaristische Minister Suso now, welcher den Gedanken eines jüdischen Palästina ■ bekämpfte. Es besteht kein Zweifel, daß auch die - anderen Mächte, Belgien, Serbienusw., keine Steine ans unseren Weg legen werden. - Tße zionistischen Forderungen. Tie zionistischen Forderungen, die als Grundlage der Unterhandlungen mit den verschiedenen Regierungen dienten, sind, wie dem Jüdischen Korrespondenzburean zufolge das Mitglied des Großen Aktionskomitees der zionistischen Organisation Boris Goldberg mitteilt, die folgenden: 1. Das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina muß in internationalem Sinn anerkannt werden. 2. Tie jüdische Bevölkerung Palästinas muß als eine Nation irr staatlich-rechtlichem Sinn anerkannt werden. Weitgehende Selbstverwaltung, das Recht der Sprache und der Ausschreibung von' Znmngssteuern müssen festgelegt werden.