Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-01-04 · 1 (4.1.1918) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
1 (4.1.1918)
Date
1918-01-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022302--26558-3051924
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

.-.THWttl Sette 2 . Dr. Moch's erst würde ein fruchtbarer freier Verkehr von Bott zu Volt mit dem Ziele der Verständigung praktisch und erfolgreich werden. ' ' ■ Merdings ist dabei Vorausgesetzt, daß auch die Nation, selbst das Bedürfnis fühlt, Meister ihrer 'Geschicke zu werden. Die russische Demokratie hat die hohe Mission übernommen, die Völkerentwicklung in diese neuen Bahnen zu lenken. Durch Rußland und dank ihm find in das nationale und internationale Leben der Völker diese neuen Prinzipien und Methoden wahrhafter Demokratie auch -in bezug auf die auswärtige Politik zur Wahrheit geworsderr. Nach diesen Prinzipiell soll kein Volk durch ein anders unterdrückt, in seinen Rechten und seiner Selbstbestimmung beeinträchtigt werden, auch nicht gegen feinen : Willen einem Staatsoerband angehören müssen, und - es - ist kein Geringes, wenn der russische Schriftsteller Nikolai Rubakiu Herborheben darf: Die Träger : und Verwirklicher dieser Prinzipien sind nicht etwa geringfügige Gruppen von Intellektuellen, sondern die Vollsmasseu, vor allem die russischen. „Muschiks" und 'Arbeiter. Und nicht well sie von diesen «oder jenen Parteipolitikern „verführt" und „ausgehetzt^ worden ^wären, sondern weil sich das' eigentliche Wesen dieser . Prinzipien für die vielen Millionen der arbeitenden Massen als notwendig erwiesen hat. Hat ein Volk das Recht, einen von ihm weder geplanten noch begönneret Krieg abzubrechen? Hat jede Nation ein Selbstbestim-- mungsrecht? Muß selbst ein siegreiches Volk auf Eroberungen und Kriegsentschädigungen verzichten? Auf alle diese und noch viele andere ebenso radikale Fragen hat das russische Volk eine bestimmte, bejahende und sogar praktische Antwort erteilt. ' Und als Repräsentanten dieser russischen Volksmassen, als ihre Wortführer im Verkehr mit den Völkern der Welt schauen wir zwei Juden, den einerr, Trotzky, aG Minister des Auswärtigen, den änderen an der Spitze der Friedensunterhändler, Arkadyi Alexandrowicz .Joffe. Ueber Trotzky haben wir ~ou dieser Stelle uns bereits einmal geäußert: Arkadyi Mlexarr 'drowicz Jo ffe wird vom den Teilnehmern an den Verhandlungen in Brest-Litowsk geschildert als „das Muster . eines Unterhändlers. Er ist ein ernster, sehr ruhiger und ' überlegter Mann, der sichtlich jeder Slluation gewachsen ist. ist nicht bloß Kenner der ihm naheliegenden innerpolirischen Probleme Rußlands, sondern er zeigt in jedenr Urteil und in jedem Worte, daß er volles Verständnis und Sachkunde auch, für außenpolitische Verhältnisse, namentlich für Fragen völkerrechtlicher und wirtschaftlicher Natur mitbringt. In dem mittelgroßen, eher schwächlichen Manne, einem Vierziger mit dunklem Vollbart und Zwicker, steckt große Begabung und universelles Wissen. Er hat eine gemessene, durchaus würdige Art, die Debatte zu führen, und, wenn es not tut, zeigt Herr Joffe, der sehr gewandt Deutsch! spricht, auch eine nicht gewöhnliche ScfylagfevtigMt/' Das wird verständliche wenn man erfährt, daß der Führer der russischen Delegation bei den Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk der bekannten Mischen Gelehrtenfamilie Straf chun entstammt. Matth'as Stra- ' sch un in Wilna, ein Geist von umfassender Bildung, hat sich außer durch eigene literarische Arbeitenauf den: Gebiete der Mischen Literatur,, als Korrespondent eines Zunz, Rappaport, Wünsche u. a., einen bedeutenden Namen erworben. Ws Talmudist und Bearbeiter der Midraschim hat sich insbesondere auch Joffes Großvater,. Samuel Straschnn, ausgezeichnet, der 'seinerzeit auch für den Prozeß 'Rohling contra Bloch das lebhaftest Interesse gezeigt hat. - ' Ein zweiter jMscher Unterhändler, Herr Kam e - in.ew (Rosenfeld) ein Schwager Trotzchs)^ ' ist Advokat, Wochenschrift Nr, i wird von den Teilnehmern gezeichnet als' , eine förüllN) russische Erscheinung, blond. Vollbart/ blaues' Auge. Sein sympathisches Wesen wirbt ihm rasch herzliche GefUM.' Herr Käme new' versteht und spricht ebenso, wie hie anderen Herren, Deutsch und Französisch., doch sie ziehen es vor, und man versteht dies gern, Russisch zu sprechen. Wenn die Methode internationaler Verhandlungen und Vereinbarungen, die Trotzky und Josse zeigen, bei allen Völkern adoptiert sein werden, dann war dieser _ schaurige Weltkrieg der letzte. Und diese Methode muß sich! und wird! sich gegen alle Widerstande durchsetzen. Sie bedeutet die größte Umwälzung. des Staates in seiner inneren Ordnung irnd 'seinen''äüßerenÄBe!- Ziehungen. . - . - - ... i Zum Schluß der Sitzung-vor der' zeiüvelligen'NnM- . brechung der Friedensverhandlungen bemerkte der Vorsitzende Josse: „In der jetzt beginnenbell'PWft'tverÜdn- . wir alle das Gefühl Haben, daß hinter-uns M-Mömn. leidender. Menschen stehen, dir das Ende..d'esvLrieges herbeisehnen. TM Bewußtsein dieser VeraütlvoiMchkeit vor unseren Völkern, vor der Menschheitmnlläwr der Geschichte gibt uns die Hoffnung und.'dielluWre Kraft, den W e g! zu m a l l g e me i n e n F r i e b e n zu finden. In dieser Hoffnung erkläre ich die gegenwärilge Sitzung geschlossen."' ' ' Wenn die Vorsehung die in der Geschichte waltet, gerade zwei Söhne des Mischen Volkes erkoren hat, den kriegsmüden Völkern Europas den ersehnten Frieden zu bringen und die Wege zu seiner Dauerzu bahnen -- wollte sie wiederum einmal die ungläubige Menschheit an das alte Wort erinnern:- „Das Herl kommt von den Juden." _' - - > A«a der Woche -... Die ZUsaW MMniG ^treffend ein Wisches PalMna. Dias . Jridische Korrespondenzbureaip im?- Haäg he-- richtet: ... . Tier Oberrabbiner Englands hat au König.Georg mp - Schreiben gerichtet, inwelchem er ihn. namens' der jüdischen Gemeinden des- Reiches zu den. englifchien Siegen in Palästina beglückwünscht: ... ' „Die Einnahme Jerusalems!, die so schnell auf die bedeutsame Erklärung der englischen Regierung über Palästina als' einer nationalen Heimstätte für-das jüdische Volk folgt, ' erfüllt die Herzen von Millionen meiner Brüder in der ganzen Welt mit tiefer Dankbarkeit gegem über' dem allmächtigen-Gott,- der allein Wunder verrichtet. Das Haus Israel, das' vor 2600 Jahren Jerusalem als' seine höchste Freude , stellte; betet ^jetzt feurig, daß überall der Heldenkampf der englischen Streitmächte mit einem vollkommenen und dauerhaften Erfolg gekrönt werde" -. . -' - - - - Tier König beantwortete die Kundgebung-' mit herzlichen Dankesworten. - - -- Der Oberrabbiner telegraphierte "all General Allenby: ' ' " - . ' ll „Das englische Judentum vGriert vor Freude über -dieruhmvollen Nachrichten aus Palästina-und - sendet Ihnen seine herzlichsten Glückwünsche gelegentlich- ' -des -historischen Einzuges in die' heilige Stadt." ' " Bei dem Scckbatgvttesdienst wurde in allen' Synagogen Dankgebete für die Eroberung Jerusalemsausgesprochen. : ' - . •-! -; ' ' LanMpwn für em MiMs PaWsMll -Dem Jüdischen Preßburean in Stockholm: wird.aps London telegraphiert-: ---: ~r£; Marquis Landsdo w n, der zu der .Zeit'Minister : des AeWrest war iMstie 'enMHv Mgiepmigein-Terrll

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.