Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 1 (4.1.1918)
- Date
- 1918-01-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. 1 Dr. Bloch’s Mayrgaag XXX t i Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums 0(r O =DO Q ft. f. Postsparkassenamt Clearing-Verkehr: 810.976 oo RcbtRton und Administration: Wien ' II/i, Praterstrafte 9 ^Telephon: 45*359 ft■ ■ ■ - ■ - —»~Qo Wie», 4. Jiillner 1918 O CF O Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wien II/i, Praterstraße 9 Telegramm.Ad reffe: Bloch's Wochenschrift. Wie« Bezugspreis: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 30 Kronen Einzelexemplare bO Heller Anzeigen: Die 2 mal gefvatteue Pettrzeile 60 Helle« OG: dDo Inhalt: Lertar bi k e l: Das Heil kommt von den Jud.n. — Au^ v^-r Woche. — Kriegsdekoration jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Hauptmann Julius Spira. — Hauptmann Bela Wectheimer. — Zum viertenmal ausgezeichnet. — Auszeichnung von Feldrabbinen.-Jüdische Familien im Felde. — Die drei Brüder Wahl. — Heldentod und zwerfacye Auszeichnung. — Nach dem Tode ausgezeichnet. — Nach dem Tode H^imgekehrt. — Eine Religiouslehrer. Bitdungsanstalt für W.en und die österr. Kronlande. — Schalom Jakob Abramowicz. —Lcsefruchle. — Korrespondenzen: Patriotischer Hifsverein für jüdiche Krieger. — Jüdische Kriegswaisenfiirsorge in Galizien. — Bagujhely. — Selbstschutz-Organisation der Juden in Rußland. — Jüdische Auswanderung nach Amerika. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus dem Leben des hohen Ravbi Löw. — Literatur. — Briefkasten. CSt *-ö,: Kn« Heil kommt von de« Inden. . / Seit dreieinhalb Jahren seufzen die Völker unter namenlosem Leide, harren vergebens der Erlösung. Noch, immer türmt sich aus erschlagenen Menschenleibern aller Völker Kugel .auf Hügel, wandeln sich Stätten der Kultur weiter zu Schutt und Ruinen. Millionen Menschenleben sind auf den Schlachtfeldern verblutet, Millionen Männer, Frauen und Kinder sind rettungslosem Elend, dem Siechtum verfallen, Kummer und Trauer in ^jeder Familie, in Hütte und Palast, und. was . an Kulturgütern dev Welt zerstört und verwüstet worden, das zu zeichnen, ist menschliche Kraft zu schwach. Die Menschheit verblutet/ ohnmächtig, sich .zu retten. Mitten durch diese blutige Finsternis zieht' ein lichter Schimmer, kommen vom Osten Heilsbotschaften, die eine neue Zeit in der Menschengeschichte, die all dieses Jammers Ende und Erfüllung aller Sehnsucht der besten Geister ankünden. Daß der Krieg in vielen Geistern das Verlangen nach wahrhafter Demokratie erzeugt hat, kann niemand Wunder nehmen. Denn wie man auch über seinen Ursprung-denken mag, soviel ist doch klar, daß die Völker den Arieg nicht gemacht haben. .Der Völkerhaß ist nicht Ursache, sondern Folge des Krieges. Eine Erkenntnis hat sich Bahn geschaffen.- die radikal dnrchgeführte D«enwkratie ist allein imstande, den Weltfrieden zu sichern. Ein Häuflein Menschen hat den Krieg angezettelt; kein Volk ward befragt, ob es den Krieg für notwendig erachtet, ob es ihn führen will. Der Friede muß anders Grundlagen erhalten. Die Vorsehung leitet sichtbar die Entwicklung. . Ter blutbefleckte Zar sitzt als -Gefangener des russischen Volkes fern in Sibirien, seine Minister, Diplomaten und Generale verstecken sich in allen Schlupfwinkeln vor der Rache des Volkes, die frei gewählten Vertrauensmänner des russischen Proletariats führen'in Brest-Litowsk die Friedensverhandlungen mit den-^Mittelmächten. : - Äölker beginnen zu erwachen und wollen ihr in eigene Hand nehmen. Fünf bis zehn' Männer in Europa besaßen die Macht, durch Uebelwollen oder Unfähigkeit namenloses Elend über die Menschheit zu bringen. Angesichts die,er Tatsache erhebt sich oer dermolratische Geist zu der leidenscha,tllchm Foroecung, daß "eine so verhängnisvolle Entscheidung nicht von wenigen Leuten, sondern von den Völkern selbst getroffen werden muffe. Wenn die Völker die Lasten und Leiden zu tragen haben, die aus einer bösen oder unklugen auswärtigen Politik folgen, so sollen sie auch diese Politik selbst bestimmen, nicht tatenlos und ahnungslos dabeistehen, bis per Ruf an sie ergeht,, nunmehr ihrtz Haut zu Markte zu tragen. Die Forderung ist natürlich berechtigt, aber wie steht es um die Möglichkeit der Ansführung? .Daher der Kampf gegen die geheime Diplomatie, die das Unheil verschuldet, hat. Würden die Absichten der Regierungen in internationalen Fragen offen ausgesprochen, so würde sich unter Umständen ein gewaltiger Lärm in der -Presse erheben. Die Friedenssreunde hätten Gelegenheit, untereinander Verständigung zu suchen. Die nationalen Ueberzengungen und Widerstände, ihre Kraft und Bedeutung würden durch die öffentliche Diskussion klar werden. Tie Diplomaten halten das Geheimnis für die Bedingung erfolgreicher Tätigkeit, weil sie sich überlisten wollen. Aber das ist schwer. Tie Ueberlistungsversuche haben für ihren Urheber meist nur den Erfolg» daß man ihm noch schlimmere Absichten zntraut, als er wirklich hat. Was leicht ist, ist die Ueberlistung der eigenen Nation, die, ohne es zu ahnen, an einen Punkt geführt - wird, wo dann die jetzt so oft zitierte „Fortsetzung der Politik" in Kraft tritt. Was man also vom Standpunkte einer vernünftigen Demokratie aus fordern muß, ist die Offenlegung des Spiels der Diplomaten. Dadurch allein wird die Nation, werden alle urteilsfähigen Männer befähigt, die Politik der eigenen Regierung zu kontrollieren unv zu bsurteilen und im gegebenen Falle auch mit Ueberzeugnng und sachlichen Gründen für sie einzutreten. Dadurch ', fj m *tr O c