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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-12-28 · 50 (28.12.1917) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
50 (28.12.1917)
Date
1917-12-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr, 50 £>r.' Bloch's Wochenschrift <Sett« 823 eines.Dichters?aus"der glücklichsten undschönsten Zeit Spaniens? 'Wir richtendie Kinder von der Erde auf, nehmen sie mit und finden noch eine offene Bude, wo wir ihnen Brot kaufen. Wie sie darüber herfallen, mit welchem Hunger sie das Brot verschlingen, das habt Ihr, Glücklichen, noch niemals gesehen! Und dann gehen:sfie. wieder in ihren Winkel an dem schmutzigen Haus und legen sich auf den Steinen schlafen — denn sie haben ja kein Heim und kein Dach und keine Mutter, die ihnen ein besseres Lager bereiten könnte. — Wir aber setzen unserenWeg fort und finden an einem Abend auf einer kurzen Strecke sieben solcher verlassener Waisenkinder, verhungernd, frierend, halbnackt im Schmutz der Gassen liegen! Da ist alle Freude aus unserem Herzen verschwunden, das Entzücken über den herrlichen Sonnenuntergang,. über den Anblick der Berge, dir in Gold und Purpur schimmerten wie die Tore des Paradieses. Wir, haben das Schrecklichste gesehen, das. es .geben kann: hilflose kleine Wesen, die auch ein Recht haben auf Son- - nenlicht und Wärme, auf Trank und Speise, auf Liebe und Sorgfalt und die in Elend und Verlassenheit verhungern und verkommen müssen. Hunderte, und Hunderte solcher Kinder gibt es in Jerusalem, Hunderte gleich^ falls in Saffed und Tiberias. Die wenigen Waisenhäuser sind längst überfüllt und sind derart, daß es die Kinder, dort nicht viel besser haben als auf der Straße. Aber wir müssen ihnen helfen! Jerusalem, bezw. Saffed, muß ein großes Waisenhaus haben, das solche kleine urvglückliche Geschöpfe aufnehmen kann. Und dazu 'sollt Ihr, meine kleinen Freunde, die Ihr im 'Reifte: diesen Spaziergang, der so traurig endete, mitgemacht habt, beitragen. Ihr seid .glücklich', Ihr .lebt ohne Sorge und Not. So helft unseren armen Waisenkindern, soviel es in Euren Kräften steht! Sammelt für ein Heim, in das wir sie unterbringen und ihnen Nahrung! und Erziehung geben können! Veranstaltet überall lleinere oder größere Feiern, deren Ertrag für diesen Zweck bestimmt sein soll. Eure Eltern, Verwandte und Freunde werden Euch' helfen. Wie wird es-schön sein, wenn jüdische Kinder draußen ein so großes Werk für die armen .jüdischen. Kinder hier in Erez-Jsrael ausgeführt haben. Und Ihr werdet alle! mit allen Euren Kräften und mit Liebe und Eifer an dieses Werk gehen, nicht wahr, meine kleine Freunde?" Im Anschluß an diese erschütternde Darstellung des Waisenelends in Palästina richten wir nochmals an alle Menschenfreunde, die dringende Bitte, uns in unseren Bemühungen zugunsten dieser verlassenen Kinder zu unterstützen. Nach den jüngsten Vorgängen im Heiligen Lande ist bis auf weiteres der Schwerpunkt unserer, Fürsorgetätigkeit vor allem nach' Saffed, dem wichtigsten Zufluchtsort der Evakuierten, verlegt worden. Die dort herrschende Not der Kriegswaisen ist beispiellos! Spenden erbitten wir,an das Bankhaus S. M. von Rothschild, Wien, 1. Bezirk, Renngasse Nr. 3, auf das Konto „Hllfskommission, 1915 für Palästina" für Kriegswaisen. ' ■ . Arbeitslfleitzj jüdischer Frauen. Die Wiener wurden in diesen Tagen in eine Ausstellung geladen, die in mehr als einer Hinsicht bemerkens'- wert war. In einem schönen hohen Rundbau in der Wallfischgasse lagen prächtige Spitzendecken, gestrickte Perlentaschchen, Bilder, Dosen, Rahmen mit wunderschön abgeflimmten, in Unendlich' mühseliger Stichelei geschaffenen petit-points. Vorhänge in breiter Filetspitze oder herrlicher Richelieuarbeit-verdeckten den Eingang zu tiefen Logen, in denen große Vitrinen die kostbarsten der ausgestellten Stücke, Decken und Pölster aus Brokat und . feine Spitzenarbeiten aller Art, hinter den gläsernen Wänden schützten. Der erste Anblick des Raumes mit. all der Pracht, die er umschloß, war blendend, rwch Mhr aber wurde der Besucher interessiert, ja ergriffen, -wenn er hörte, von wem und unter welchen Lebensümständen diese Fillle von Kunstarbeit geschaffen wurde. Keine fleißigen Kunstgewerberinnen waren es, die diese Schätze als Frucht jahre-, ja jahrzehntelanger Schulung nnd Hebung geschaffen, sondern jüdische Frauen aus Galizien und der Bukowina, die hier auf ihrer Flucht vor der russischen Invasion einem anderen grimmigen Schrecken, der .Not, unterlegen wären, wenn ihnen die Arheatsschule der Frau Anitta Müller nicht.Trost und Hilfe gewährt hätte. Man hat schon viel imd oft von jenen Institutionen einer klugen, energischen und warmfühlenden Frau gehört, die sie armen, von Herd und Heim gejagten Angehörigen ihres Volkes zum Trost und zur Hilfe errichtete. Waren die meisten, wie es der bitteren Sachlage gegenüber nicht anders möglich gewesen wäre, mehr oder minder Wohlfahrtsinstitutionen, die, wenn auch auf Me und vornehme Art, schenkt e n, fo bildet die Arbeitsschule eine Mittelstandsfürsorge, die nicht Almosen, sonderw Erwerb geben wollte, und zwar vor allem jenen Frauen, die bessere Lebensumstände in ihrem ethischen Empfinden verfeinert hatten, so daß sie den Zwang des Almosennehmens als eine Proletarisierung schmerzlich empfunden hätten. Ihnen Arbeit zu geben, war der einfache' und natürliche Ausweg, doch stellte sich ihm ein Hindernis entgegen: wie die meisten Mädchen und Frauen in geborgenen Lebensümständen, waren auch diese Frauen einer ernsten Erwerbsfähigkeit völlig unkundig. Hier setzte die Arbeit der Schule ein. Sie unterrichtete vorerst, doch so, daß schon die Lernende Verdienst oder eine Prämie bezog, sie weckte die Lust an Liebe zu der Arbeit, den Geschmack und das künstlerische Empfinden, das sich an der Schönheit des Geschaffenen freut imd. so einen Ansporn zu weiterem Fleiße auch neben dem materiellen Anreiz findet. Ueber dreitausend'Frauen wurden so in der Arbeitsschule vor den Schrecken der Not, vor den Qualen der Untätigkeit bewahrt. Die meisten von ihnen blieben der Schule getreu, auch späterhin, als sie in ihre Heimat zurückkehren konnten. Bewundernswert ist die Ausdauer, die liebevolle Hingabe an die mühseligste Arbeit, die aus allen seinen Kunstwerken spricht, und man gedenkt mit Hochachtung der jüdischen Frauen, die diese Ausdauer in zähem Kampfe mit ihrem harten Schicksal aufgebracht haben. Freilich — es bleibt abzuwägen, welche Lerstung die geduldigere, die höher einzuschätzende ist: die, welche sich hier in manuellen Werken kundgibt, oder jene andere, welche lehrend, leitend, erziehend wirkte. Frau Martha Cers und Fräulein Stella Münz, welche die organisatorische nnd geschäftliche Leitung, der Arbeitsschule mit so reichem Erfolge führten und mit klugem Verständnis und feinstem künstlerischen Empfinden den Lehrgang und .die Arbeit jeder einzelnen Schülerin überwachten und bestimmten, können stolz auf diesen Erfolg ihrer aufopfernden Tätigkeit sein. Nicht unerwähnt sollen auch die treuen Beamtinnen per Arbeitsschule, Fräulein Minna und Paula Schneier und Fräulein Pevi und Amalie Arzt, bleiben. Man weiß aus dem letzten Tätigkeitsbericht s der Arbeitsschule, daß ihreFrequentantinnen nicht nur'ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten» sondern vielfach auch Angehörige erhalten oder das hier erworbene Geld dazu verwenden, ihren Bildungsgang weiter fortzuführen. Auch die nach Galizien Zurückgekehrten berichten in manchem Briefe, daß sie die Arbeit weiter fortzuführen gedenken. Es ist der Zug unserer Zeit, daß die Frau sich an die Seite des Mannes stellt nnd mit chm arbeftet, wenn es gilt, den Familienwohlstand zu erhalten und neue

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