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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-12-28 · 50 (28.12.1917) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
50 (28.12.1917)
Date
1917-12-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr, 50 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 8i 5 liche,^ industrielle und landwirtschaftliche VerbandsünternelftNUNgen); " '; " ' - ' r.". : 4. Vertretung der Jrrteresseuder Gesamtheit jüdischer - Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigter- — namentlich auch Wahrung ihres Rufes und ihrer Ehre — gegenüber . den berufenen Faktoren des öffentlichen Lebens und gegenüber der Gesellschaft. Ter letzte Punkt zeigt deutlich die Brücke, die vom Schatz einer bestimmten jüdischen Schicksalsgruppe zum Schütz der jüdischen Volksgemeinschaft führt. Die Tätigkeit, die entwickelt werden muß, um das Interesse) den Ruf Und die Ehre der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten zu wahren, muß von selbst instruktives und statistisches Material von allgemein jüdischem Werte ergeben (Berührungspunkt mit dem Jüdischen Archiv!) und weitere Aktionen auslösen, die der jüdischen Gemeinschaft als solcher und ihrem Rufe zugute kommen. Allerdings darf die Rücksicht aus dieses allgemeine Interesse — auf die ja als besondere Seite der vorgeschlagenen Organisation sonst nicht genug nachdrücklich hingewiesen werden kann — nicht dazu verleiten, den ' Kreis der Verbandsmilglieder auf diejenigen zu beschränken, " die kämpfend am Kriege teilgenommen haben. Gewisse an sich berechtigte Empfindungen legen ja diese Beschränkung nahe. Allein triftige Erwägungen sprechen dafür, daß auch diejenigen jüdischen Heeresangehörigen, die nicht am Kriege teilgenommen und darüber hinaus auch diejenigen, die unmittelbar 'durch Kriegsmaßnahmen an Leib und Beben, Freiheit und Gut gelitten haben, in die Mitgliederschaft einbezogen werden. Auch sie haben gerechte Ansprüche, die unterstützt werden müssen, und die durchzusetzen nicht nur für sie, sondern auch für die jüdische Gesamtheit von Wichtigkeit ist. Und anderseits braucht nicht gefürchtet zu werden, daß dabei diejenigen, die gekämpft haben und die aus der Tatsache ihres Kämpfens und ihrer Leistungen für die jüdische Gesamtheit abgeleiteten Folgerungen zu kurz kommen. Schließt doch die Vereinigung zu einem Gesantllv erb and e eine gerechte Arbeitsteilung nach den verschiedenen Interessengebieten» aus denen die Mitglieder Herkommen, nicht .aus. Zu bemerken wäre, daß den Rechtsnachfolgern verstorbener Interessenten die Möglichkeit geboten sein rüüßte, deren Interesse und Ansprüche durch den Verband in. acht zu nehmen. Was die Geldmittel betrifft, die der vorgefchlagene Verband benötigen würde» so brauchen sie in Hinsicht auf die überwiegende Mehrheit der Agenden nicht zu loch bemessen werden. Die Beiträge der Mitglieder und etwalger Förderer dürften genügen. Sollte es der Verband aber auch mit eigenen wirtschaftlichen Unternehmungen versuchen wollen, so könnte dies nur unter der Voraussetzung geschehen, daß sie das Budget der übrigen Ar- - beiten nicht belasten, vielmehr autonome Finanzierungsgrundlagen (besondere Fonds/besondere Kredite) erhalten. Es ist fragliche ob, solange der Krieg dauert, die hier vorgeschlagene Organisation der jüdischen Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten nicht schon in chrer Gründung oder zumindest: in ihrer Wirksamkeit behindert sein werde. Jedenfalls wird sie vom Friedensschlüsse ab mit vollem Einsatz aller Kräfte arbeiten können. Das' Freiwerden' von Hunderttausenden jetzt noch in die strenge militärische Disziplin gebannten Kräften, ihr massenhaftes Zurückströmen in das wirtschaftliche Leben, der Wegfall der AusNahmsbehinderungen des Vereins- und Versammlungswesens wird der neuen Organisation die größten Möglichkeiten bieten. Es kommt nur daraus an, daß im geeigneten Augenblicke die Organisatoren und die Arrangeure bereitstehen. Dafür aber ist wieder Voraussetzung, daß der Gedanke schon jetzt in die Massen-geworfen und ihm schon jetzt eine vorbereitende Stelle geschaffen werde. Vielleicht kann, speziell in Oesterreich, der geplante jüdische Kongreß diese Stelle werden. Oder wenn er zu lange auf sich warten lassen sollte — das Komitee des Jüoischen Archivs. Oder vielleicht treten neue Männer ad hoc zusammen. - * * * Im Anschluß an die vorstehende Anregung, die wir wärmstens unterstützen, find wir in der Lage, daraus hinzuweifen, daß bereits vor längerer Zeit Herr Rabbiner Dr. Grunwald einen Aufruf zur Gründung eines „Patriotischen Hilfsvereines ^ür jüdische Krieger" verfaßt und dem »Oesterreichischen Gemeindebunde" unterbreitet hat. Der Aufruf verfiel damals unter dem Ministerium Gautsch der Preßzensur, seiner Veröffentlichung steht gegenwärtig nichts im Wege. Der Aufruf lautet: Hoch branden, mit ihrem Tosen alles übertönend, die Wogen des Weltkrieges. Zahllos sind die Opfer an Blut und Gut, die dieser Sturmflut wilde, unersättlich gierige Wirbel erbarmungslos verschlingen. Was werden sie selbst dem Sieger ans heißersehnte User des Friedens werfen? Strandgut, Trümmer zerstampften Glückes, namenloses Elend zerstörter Kulturen, entwurzelter Existenzen. Je grausiger aber das Werk der Zerstörung, um so kräftiger ringt sich! zu.allgemeiner Anerkennung die lieber^ zeugung durch: nur ein starkes Volksheer biloet die Bürgschaft des' Friedens und der siegreichen Abwehr mutwil.iger Störenfriede. Je trotziger und achtunggebietender Oesterreich-Ungarns Wehrmacht dasteht, um so sicherer ist der Wiederholung schnöder Herausforderung durch freche Feinde vorgebeugt. Sieghafte Stärke gibt jedoch einem Heere — und auch dies lehrt der Weltkrieg mit eindringlichster Wucht — „nicht die Zahl der Kämpser und nicht die Menge der Waffen, sondern der Geist allein", der Geist, der im Heere herrscht, dir Liebe zu dem hohen Gedanken, für den es kämpft, die Freude am Dienst für Kaiser und Vaterland. Und diese Freude.und Hingebung, diese Liebe, das militärische Ehrgefühl, Mut, Begeisterung, Selbstachtung, sie müssen im Soldaten mit allen Mitteln fortgesch er, planmäßiger patriotischer Belehrung und re igiöser Festigung gefördert werden, wobei aber auch die Sicherstellung seiner bürgerlichen Existenz und nach Möglichkeit seine Befreiung von Nahrungssorge nicht außer acht zu lassen ist. Mit wie ganz anderem Hochgefühl unterzieht sich der Soldat seiner harten Pflicht, wen er weiß, daß die, für die er dir Waffen trägt, für die er Gesundheit und selbst das Leben in die Schanze schlägt, ihm dafür die dringend sten Sorgen um fei.ie Zukunft und dasWchl feiner Angehörigen abnehmen, als wenn über ihm und den Seinen beständig das Schicksal der Verelendung, der Zurücksetzung schwebt, wenn für all seinen Heldenmut und seine Opfer fürs Vaterland gesellschaftliche und wirtschaftliche Enterbung sein Los sein soll! lieber 300.000 jüdische Krieger haben beide Staaten unserer Monarchie unter die Waffen gerufen, eine Streitmacht, an sich schon der Wehrkraft eines Mittelstaates numerisch ebenbürtig. Vollends aber die Heldenmütigkeit dieser Soldaten, der statt jedes anderen Beweises die zahlreichen Auszeichnungen und öffentlichen Anerkennungen ein glänzendes Zeugnis reden, sie rückt allen unseren Glaubensbrüdern und -fchweftern ohne Ausnahme gewisse Pflichten nahe, die sie diesen Braven gegenüber zu erfüllen als eine bürgerliche Ehrensache, als einen Ausdruck chrer Dankbarkeit, ihres patriotischen Empfindens und nicht zuletzt chres jüdischen Gemeiuschafts- und Ehrgefühles betrachten müssen.

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