Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 50 (28.12.1917)
- Date
- 1917-12-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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(sette 814 L,r. Bloch's Wochenschrift Nr. 50^ pakriotischen Erwägungen und! der Geschichts^iffenschast? halber lenken. / ';.v :;j Die israelitischen Kultusgemeinden als solche, ihre Rätennd Repräsentanten sind mangeG eigener historischer Vereine zunächst Und hervorragend dazu berufen und verpflicht^, diese ^Ehrenschuld an Liebe und treuem Gedächtnis abzutragen. Gilt es doch in erster Reihe, diese Verzeichnisse bei den Traue'rgoitesdiensten (Seelenandachten) zur Verlesung zu bringen. Also handelt es sich um eiste religiöst. .AngelegerHeit, zu deren Erledigung die Kültnsgemeiriden stätutansch berusen sind. Der historischen Kommission der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, welche sich bereits durch ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte in den weitesten Kreisen einen _ ruhmvollen Namen erworben hat, stünde es ganz besonders zu, belehrend, leitend und aneisernd einzugreifen. Tie Verhältnisse der Kultusgemeinden im östlichen Teile Galiziens mtd der Bukowina, gar erst in den Grenzbezirken, können derzeit noch, lange nicht als konsolidiert gelten. Sind doch manche Städte ganz einfach von der BiLfläche verschwunden und größtenteils zerstört, z. B. das berühmte Sadagora bei Czernowitz. Aus manchen .^ehedem", d. h. vor drei Jahren, noch volksreichen .Judengemeinden sind einzelne Splitter, gMieben, siehe z. B. Kolomea mit feinest gegenwärtig ungefähr zwanzig jüdischen Mmilien. - 7 Wenn auch, solange der Krieg noch andauert und Zchntauserrde von „Flüchtlingen" herumirren» ganze lückenlose Arbeit nicht geleistet werden kann, allein nichtsdestoweniger mußte bereits jetzt mit der Samtneltätigjkeit — äen im Rahmen des Möglichen — begonnen werden. Wir müssen nach: Kräften zu verhüten suchen, daß die Spuren des Weges, den wir zurückgelegt haben, auch nur teilweise verwischt werden. Kein Gr ab d ars Ungepflegt, kein Toter unerwähnt bleiben. Natürlich müßte ein besonderes Augenmerk und ein auserwählter Ehrenplatz denjenigen zuteil werden, welche unter grausamen Dualen, unter der Hand ihrer Peiniger ihr Leben gelassen hüben. Oder soll der Name desrjenigen verschollen bleiben, welcher beiLubaczow lebendig begraben wurde, vom eigenen Sohne — durch, die unmenschliche Grausamkeit wütender Barbaren gezwungen — mit -Erde bedeckt? Seine Witwe wandte sich seinerzeit an mich! mit der Bitte um eine Geldunteir.- stützung zwecks Uebersührung der Leiche auf den Friedhof in Lubaczow. Oder die armen Gehängten von Tarnobrzeg, deren Hinterbliebenen Angehörigen mich noch im Sommer 1916 um! eine Intervention bei den Behörden gebeten haben, um die Auszahlung , einer Unterstützung an sie zu erwircken, usw. usw. In der Ueberzeugung, daß die Kultusgemeinden Galiziens und der Bukowina, daß aber allen voran die Tatkraft und die Arbeitslust der Wiener historischen-. Kommission der Kultusgemeinde die hier gefallene Anregung. ausnehmen und in die Tat' umfetzen wird, schließe ich diese Ausführungen. - In der Sitzung der Historischen Kommission vom 12. Dezember stellte Dr. Bloch den Antrag: - ' Die Historische Kommission beschließt, eine Sammlung der 'Materialien für die 'Geschichte der österreichischen Juden während des Weltkrieges einzuleiten und zu diesem Behufe zunächst eine Evidenthaltung der im Laufe des Krieges, infolge des Krieges gestorbenen Angehörigen der israelitischen Konfessionen in Oesterreich bei den Kuliusgemeinden anzüregM. - > Es'still darum an. sämtliche Kultusgemeinden der MvnavchM ein Zirkular ergehen mit der Aufforderung, genaue Listen anzulegen über die im Pause des Krieges Verstorbenen (unter Beifügung' bemerkenswertes biograf phischer.'Daten),., und..zwar-, nach folgenden^.Puhriken:' d) die im Felde Gefallenen; .. / / a) die in der Gefangenschaft Verstorbenen; c) die an den im Laufe. des Krieges erlittenen Verwundungen Verstorbenen; ' ä) die infolge der im Felde erlittenen Strapazen und zugezogenen Krankheiten Verstorbenen; , e) diebaV Angehörige der. Armee (Münitionsj-- arbeiter n. dgl.) Verstorbenen; k) die während der Invasion durch die Russen Er-! mordeten, bezw. infolge der erlittenen Mißhand-.. . . lungen Vers o ckenen; - . . / . ' st) Der die während! der Kriegswirren und nach denselben.infolge von Seuchen, Hungersnot und Elend Verstorbenen; . , d) Der die in den Baracken und sonst als „Flüchtlinge" aus der Flucht Verstorbenen; l) Der die sonst im Lause des Krieges Verstorbenen, nach . Alter, Geschlecht und - Beruf; k) Der die von den Russen Verschleppten. Bei sämtlichen vermerkten Personen wären Alter und Beruf, sowie der Tag des Sterbesalles möglichst genau anzugeben. ■~ ' Ferner sollen wichtige Geschehnisse von historischem Interesse, insoweit Juden'daran beteiligt waren, sei es aktiv oder., passiv, zur Vermerkung gelangen, um für die Geschichte festgehalten zu werden., Verband jüdischer Kriegsteitnehmrr iryd Kriegsbeschädigter, (Ein Vorschlag von Dr. Nathan Birnbaum.) Wer über den Weltkrieg und die Juden Nachdenken und zu Ergebnissen kommen will, wirb, sich, wohl, kaum allen Gebieten zuwenden dürfen, die zu diesem Thema gehören. Jedes der Gebiete, wie Stellung des Judentums zum Kriege an sich, Stellung! der. Juden zu diesem. Kriege, geistige Beziehung der Juden zu den kriegführenden Völkern, politische Beziehungen zu ihnen,, tätige Mitwirkung, der Juden am Kriege,, ihre Leiden' durchs ihn, Bedeutung des Krieges für das jüdische Volk, weM erst wieder eine ganze Menge Wichtiger Teilgebiete auf.' Ter vorliegende -Aufsatz will sich nun keineswegs der ganzen Fülle des! Stoffes, sondern nur. einem der Teilgebiete pnd auch diesem nur vom Gesichtspunkte'bestimmter praktischer Maßnahmen widmen. Er will nur auf die Notwendigkeit verweisen, daß die Indien die ihnen aus ihren Kriegserlebnissen erwachsenen Interessen wahren und will die Art besprechen, in der diese Wahrung am zweckmäßigsten vor sich gehen kann.. Wenn nämlich irgendwo der Gedanke der Selbsthilfe durchs Zusammenschluß am? Platze ist, so auf diesem Gebiete. In Deutschlatrd wird ja auch eine^allgemeine Organisation der Kriegsteilnehmer gegründet. Vielleicht kommt es auch, in Oesterreich so weit. Jedenfalls aber ist — bei dem besondere -Widerstande, mit dem der Jude^ zu kämpfen Hat, wenn er etwas, und sei es auch nur sein (Recht, durchsetzen^ will — eine solche besondere Organisation - für Juden notwendige Ihre Zwecke. ergeben sich von selbst. Sie sind: - . 1. Rechtsschutz..der Mitglieder bei allen, aus den - Kriegsverhältnissen sich, Vergebenden Ansprüchen an den Staat und sonstige Verpflichtete; - 2. Vertretung der Interessen der Mitglieder gegenüber. WohlfahrMnstitutionen aller Art; . . . 3- Maßnahmen, um den Mitgliedern den? Wieder- Ktritt in den bürgerlichen WirtschaftMreis. zu.. ermöglichen (Arbeitsnachweis, Nachweis von Gelegenheiten für geeignete -selbständige Betätigung; vielleicht auch geschäft-