Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 49 (21.12.1917)
- Date
- 1917-12-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 49;• i Dr.E VLoch'S niffrjner; frte „Koburgs"haben sichiin „Windsors" verwandelt, ein Hohenzoller wurde ein SLockrumäne und zog zum Kampf nur gegen „deutsche Barbaren". Ahlen über hat in dieser Kunst den . Rang abgelansen iber von der „Ostdeutschen Rundschau" so gefeierte Houston Stewart Chamberlain, ein wahres Mimikry-Genie, der im raschen Lauf den Engländer ausgezogen, um in die Bärenhaut deZl wütenden Teutonen zu kriechen und als Lehrmeister im Deutschtum!'von der völkischen Orthodoxie gefeiert zu werden. Was schwätzt also Teuto-- bald so 'viel von der nationalen Veränderlichkeit der Juden, die doch eine besondere Eigenschaft der Deutschen ist, und was rieselt im Anhang dazu aus seinem feuchten Gehirn über den Patriotismus! der Juden, der auch, .die verschiedensten Gestalten annehme? Gerade die „Ostdeutsche"! Jedermann in Oesterreich erinnert! sich >an die hochverräterische Haltung des K. H. Wolf und Genossen vor einigen Jahrzehnten, die heute die ergebenste Regierungspartei sind, und der keineswegs! viele arme Leute ohne Titel, Geld und Orden angehören. Und doch werden die Juden von dem Organ dieser Partei mit unflätigsten Ausdrücken überschüttet! Die Tausende und Tausende jüdischer Feldgrauen, wenn sie aus den Schützengräben heimkehren, werden sich schwerlich solche Schmähungen von schmalstirnigen Tintenkulis ruhig gefallen lassen. Merkwürdig! Während Rußland mit riesigen Schritten die Neuzeit einholt, während sich über der brennenden Welt tröstlich die Ideale der Meichberechtigüng, .der Demokratie und der schönsten Menschenfrechte erheben, ringt die antisemitische Presse Oesterreichf- Nngarns und Deutschlands. noch immer um den Ruhny. ein Stück Mittelalter für die Dauer festzuhalten und die deutsche „Kultur" an den paar Juden tapfer auszulassen. Weil sie aus g ebeutet, ausgesogen, beherrscht werden, sagen diese Zeitungen. Haben uns die Agrarier nich t mit - in diesen 'Krieg hineingestürzt, beuten sie uns nicht schamlos aus und werden sie deswegen ausgerottet und mit Fremdensteuern belegt? Wahrlich — wenn die „Ostdeutsche Rundschau" nichts anderes zu sagen hat, als die alten Lügen, Verleumdungen und Drohungen, dann erweckt sie in uns Juden nichts als verächtliches Bedauern und die Erinnerung an die Zeit, in welcher das Haus der Germanen mit den Schädeln der Ochsen und Pferde geschmückt war. Durch welche Mittel hat das Christentum die Germanen kultiviert? Dte jüdische Bibel war das erste Buch, in welchem die Deutschen buchstabieren lernten, aus der jüdischen Bibel hat das deutsche Volk die Awfangsgründe -seiner Gesittung empfangen. Lange bevor das Judentum daran dachte, sich dem DeutschturN zu assimilieren, — h a t sich das Deutsch t u m d e m Judentum assimiliert! / Aus der Woche. Palästina in den Plänen Englands. Die bekannte Erklärung der britischen Regierung über Palästina stand auf der Tagesordnung einer von Lord Rothschild in das Londoner Opera House mm' Kingsway einberufenen Massenversammlung. ' / 'Die vorliegenden Berichte heben den glänzenden Besuch der Versammlung und den Umstand, daß zaW reiche- RegierÜngsvertreter und Mitglieder beider Häuser des Parlamentes erschienen waren, hervor. Lord Rothschild/.' der ' den^ Worchltz. führth, hielt, zur Begründung einer-Dan'kreso'lution!. an. hie Adresse des amtierendes Kabinetts, eine Rede, in welcher er unter anderem aus! den Gegensatz zwischen Nationaljuden und Assimilanten' zu sprechen kam. ' -!' -7.'f Wochenschrift Seite 799 Lord Rothschild richtete einen temperamentvollen Ilppell an die Versammlung, die traditionelle Gegnevschaft des Nationaljuden gegen den7 „inneren Feind" der Assimilation nunmehr, da der Traum von "Zion sich zu verwirklichen beginne, zurückzustellen, „Diejenigen von uns", sagte er unter anderem», „die sich! als Rafsejuden fühlen, mögen Bürger des neuen Juda werden und stolz darauf sein, ohne diejenigen geringzuschätzen, die sich als Engländer jüdischen Glaubens, als jüdische Franzosen, Russen usw. fühlen!" Als nächster Sprecher bestieg Lord Robert Cecik die Tribüne, um eine prygrammstische Erklärung über die nächsten Ziele der englischen Palästinapolitik abzn-! geben. Einleitend feierte er den Entschluß des Kabinetts, das zionistische Ideal zu verwirklichen, als den Markstein einer neuen Entwicklung von weltgeschichtlicher Bedeutung. Tie Renaissance des Judentums, die von hier aus chren Weg nehmen werde, werde, so hoffe er, nicht minder reiche und edle Früchte zeitigen, wie vor Jahrhunderten die italienische. Was die englische Regierung betrifft, so habe sie im ersten sich bietenden Augenblick nicht anders handeln können, und wollen, als sie gehandelt hat. Der Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes der Nationen und des unbedingten, ja besonderen Schutzes der Kleinvölker habe es ihr zur unabweichlichen Pflicht gemacht. Sobald die Zeit gekommen sein werde, dev jüdischen Staat zu errichten, werde er ein gesicherter und unabhängiger Staat sein und zu England keine anderen Beziehungen unterhalten als solche, die nach seinem eigenen Wunsche sein werden. Der einzige Vor-; behalt, den England machen müßte, ergebe sich so unmittelbar aus dem Grundsatz, daß er gewiß keine Schwier rigkeiten bereiten werden Er betrifft zweierlei: 1. das Schicksal der arabischen Bevölkerung Palästinas. i 2. die Pflege der christlichen und mohammedani- . scheu Heiligtümer. . Die englische Regierung wird darauf bestehen müssen, bindende Garantien hinsichtlich dieser beiden Punkte zu erhalten. Sie ist .überzeugt davon, daß der vom! Geist der Humanität und Gerechtigkeit getragene neue jüdische Staat diesem berechtigten Wunsche in weitestgehendem Umfang entsprechen wird. Was endlich das Verhältnis der zionistischen Staatlichkeit zu denjenigen Juden betrifft, die die Staatsangehörigkeit anderer Länder besitzen, so werden natürlich internationale Abmachungen getroffen werden müssen, um klare und sichere Rechtsgrundlagen zu schaffen. Tie englische Regierung wird zunächst nur diejenigen jüdischen Untertanen der Krone uns dem Staatsverband entlassen, die sich dauernd in Palästina niederznlassen wünschen. Ueber die in irgendeinem Teile des vereinigten Königreiches ansässigen Juden britischer oder sonstiger Staatsangehörigkeit wird England nach wie vor im Rahmen der bestehenden Gesetze und Verträge die Personalhoheit beanspruchen. Das' soll nicht heißen, daß England nicht bereit ist, an der Schaffung neuer Rechtsverhältnisse mitzuarbeiten, falls die Entwicklung es wünschenswert erscheinen läßt, wohl aber, daß der Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes' des freien Individuums auch auf das Verhältnis des einzelnen Juden zum jüdischen Staate in Palästina Anwendung finden, müsse, so zwar, 'haß niemand ohne oder gar gegen seinen Willen der Souveränität dieses» Staates, unterworfen werden dürfe. Es sprachen noch Israel Zangwill namens der jüdischen Landorganisation, sowie Dr. Gaster, der Vater des englischen Zionismus, und der Oberrabbinervon Lyndon Dr. Hertz. Besonderes Interesse erregten zwei ^Erklärungen, die von einem Vertreter der syrischen Christen, bezw. Armenier vorgetragen wurden. 149 9