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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-12-14 · 48 (14.12.1917) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
48 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift Seit«-79h" einer Me zwei FMn abgerissen ' wareii. ' Dann Ließ -ihm Rabbi Löw auch die Tefilin revidieren, - und es fand sich, daß.auch.diese in Unordnung waren. Da sprach Rabbi Löw : Mm ist esi klarweshalb bu verfolgt wurdest, und die Schchtzengel'dichj nicht begleiten?', Er riet dem Mann, die Schaufaden /und Gebetriemen .zu richten und m die Mikwah nnterzutauchen. Nachdem gab er ihnr ein Amulett mit der Mfschrist: /„Aber/beiallen Kindern Israels ' soll nicht ein Hund mucken" (2. Buch Mose 11, 7), mtD' befahl ihm. .dieses Anmlett'ätlabendtich V>or dem Schlafen- ' gehen um seine Stirn zu binden- Ferner, daß der Mann während -sieben Nachte mit dem «Golem sein Nachtlager tausche.. -Er sollte in. die Rabbinatsstube in, dem Bett des Golem, dieser hingegen hei ihm zu Hause in seinem Bette schlafen. . Als die siebente Nacht kam, ließ Rabbi Löw den Golem heimlich zu sich kommen, übergab ihm' seinen S/aü, und befahl ihm, nach Mitternacht mit zwei großen Stroh-- bündeln zm Ruine hinauszugehen und diese so anzuzünden. daß sie restlos verbrenne. : Am siebenten Tage sagte der Rabbi dem Mann, er möge ruhig nach Hause gehen. ' An einem Frühmorgen sahen die Durchreisenden, daß die Ruine spurlos verschwunden war. Seither hatte die ./Ruine" aufgehört, der 'Schrecken der 'Umgebung zu sein. . . ’ WersLNr. , . . Aus den Zugendiahren Josef Ungers.*) Es werden unendlich viele überflüssige Bücher nicht nur geschrieben, sondern leider auch gedruckt, von denen man im besten Falle sagen kann, d atz sie eine Lücke im Bücherkasten MsssüllE- Bon dem vorliegenden Buche, in welchem der Vizedirektor der. k. k. Universitätsbibliothek, Regierungsrat Dr. S. Frankfurter, die Jugendjahre Josef Angers auf Grund unsäglich fleißiger, mit wahrem Forschergeist und Forscherglück unternommener archivalischer Studien schildert^ Muß als ein sehr wertvoller Beitrag tzur Biographie des genialen Mannes bezeichnet werden, der,als Gelehrter, Redner und' Staatsmann zu den hervorragendsten Gestalten Oesterreichs gehört. Das Merk ist um so schätzenswerter, als es jener /Lebenszeit > Angers ' -gewidmet -ist,. überdie bisher, man . kann säger auch die lallerdürstigsten Mitteilungen fehlten und Frankfurter es verstanden, zugleich auch mit dem Griffel des Kulturhistorikers ein fesselndes Bild der Zeit, in der 'dick Jugend und die Entwicklungszeit Josef Ungers fällt, vor uns zu entrollen. Anger, den großen, epochsmachenden Juristen, der auf dem Gebiete der Rechtswissenschaft der repräsentative« Mann Oesterreichs war, den glänzenden, mit dem treffendsten Witze begabten Redner, den auf staatsmännischer Höhe stehenden Minister, kennt man aus zahlreichen Schriften, die vor und nachseinem Tode über ihn erschienen sind. Den Werdenden Anger lernt Man aber erst aus Frankfurters Buch kennen, das auf einer Fülle neuer, bisher gänzlich unbekannter Dokumente beruht und in der Darstellung durchwegs nicht nur die Objektivität, sondern, auch den sicheren Takt des Autors verrät. Das sind Eigenschaften, die nicht jedem Biographen eignen. Man kennt ja auch einen deutschen Professor, der an das Bekenntnis Goethes, „die leidenschaftliche Liebe seines Lebens habe Lili gehört", «die ztrockentz Bemerkung knüpfte: „Hierin irrte Goethe." Durch Frankfurters Buch lernen' wir zunächst auch die Eltern Ungers und das Elternhaus kennen und es bedarf wohl nicht'erst betont zu werden/ wie bedeutungsvoll für jedes Kind die Gaben sind, die er von den Eltern mjt ins Leben bekommen wie wichtig und nachhaltig die Wirkungen der Umgebung, die unauslöschlichen Eindrücke und Erlebnisse der Kindheit sind. Der Vater, Martin Anger, war,/ das geht auch aus den dokumentarisch beglaubigten Mitteilungen 'Frankfurters hervor, ein Mann von ehrenhaftestem Charakter, voll Intelligenz und geschäftlichem Unternehmungsgeist, dabei von einer Bildung, die, wenn man die Verhältnisse der damaligen Judenheit bedenkt, besonders bemerkt zu werden verdient. Was -wir von der Mutter Ungers erfahren, läßt mit Recht darauf schließen, daß sie eine nicht gewöhnliche Frau war. Nicht nur ihre Schönheit wird gerühmt, sie galt auch für eine gebildete, geistvolle ,und energische Frau, -die aber dabei herzensgut und ungemein wohltätig war. Sie verstand es, in spä- >*) Josef A u g e r. Das Elternhaus. — Die Jugendjghtre 1828—1857. Biographischer Beitrag von Dr. S. Frankfurter. Mit einem Bildnis Josef Ungers. 1917. W. Brau-j müll.er., '.Wien und «Leipzig, teren Jahren,, als im Salon ihres Sohnes.des gefeierten Stactzsmannes und. Minister.r hervorragende. Männerndes geistig^. Miey.,- - sich versammelten, eine rege ..-Unterhaltung.' ju.'.'füHren/''nnh-'.'..es'7M'. bezeichnend für sie, daß die JntinrSn des Hauses' 'sie die ./Frgu- Rat" nannten. Treffend schreibt Frankfurter,' daß Josef Unger vom Vater das. ernste Strebest, vielleicht auch -hengrüble;i.WM: Sinn, von «der Mutter den sprühenden Geist und. schlagfertigen-/ Witz hatte/. Josef Anger zeigte schon in seiner frühesten Kind^itt/ zur Freude seiner Eltern große und vielseitige Begabung,- aberr er machte ihnen ^auch durch feine Kränklichkeit großen Kummer. Er war das Kieblingskind der Eltern, die alle Liebe, auf ihn übertrugen, nachdem der Tod ihnen die zwei anderen Kinder entrissen hatte. Frankfurter .bemerkt sehr richtig, daß, so wie Anger in seinen Schriften ein Phänomen war, so auch seine geistige-Ent- Wicklung in ftüher Jugend geradezu wunderbar erscheint: er hatte als Kind einen. Wasserkopf, überstand in früher Jugend! eine Hirn» Hautentzündung, mutzte viele schwere Krankheiten durchwachen .in-, folge eines Augenleidens seine Studien unterbrechen usw. usw< Durchaus Dinge, die .gemeinhin nicht geeignet erscheinen, dem Kinde armer jüdischer Eltern den Weg durchs Leben /zu« erleichtern. Aus Wasserköpfen werden selten geniale Köpfe.- Ungers - Werdegang aber gibt jenen recht, die der Meinung sind,: daW-es! für das überragenoe Talent, für das Genie.keine Hindernisse, gibt,: Die Litern Ungers übersiedelten einige Jahre nach ihrer Heiroch nach Wien, wo im Jahre 1828 Josef Unger geboren wurde. der später witzig, und freisinnigvon sich sagte: „Geboren Wurde, ich im Jahre 1828, das Licht der, Welt erblickte ich im Jahre, 1848," .Das war «übrigens auch insoferne richtig, als. Anger Äst/ der Bewegung des Freiheitsjahres nicht nur begeistert- und tätig,-, selbst Anteil, genommen hatte, sondern den freiheitlichen Jdeey,,! denen dieses Jahr siegreiche Bahn brach, sein ganzes Leben treu blieb. Charakteristisch ist da - Ungers vielbeachtetes, von vielen ihm nie verziehenes Wort: „Zwischen Schwarz und .Rot„ hurftz man sich nicht besinnen, Rot zu wählen." Leicht lesenwir heute: Ungers' Eltern ühersiedelten pach. Wien, aber ein langes, schweres Martyrium mußte, in jener Zeit der Jude durchmächen, ehe er zu diesem Ziele gelangte, . Denn er es überhaupt erreichte. Es war die Zeit der „Toleranz" — die, i«>.- 8 >. ....?.» — eigentlich dm Inbegriff .Menschheit schändender Intoleranz genannt Derben dürste. Zu den interessast- - testen und lehrreichsten Partien des. Büches gehört die mit kundiger Hand entworfene lebendige., Schilderung der drückenden Ver? hältnisse, unter denen damals Juden hsn zweifachen Kampf um das.. Dasein in Wien führen mußten.'?Mt Ergriffenheit begleiten Mr. den — durch historisch wertvolle Dokumente beleuchteten — .'aufreibenden, märlervollen Dornenweg, den Mattin Unger und seine tapfere Gattin durchschreiten mußten, bis ihnen auch behördlich ein Stückchen angeborenes Menschenrecht zuerkannt wurde. Da e°i unsere Absicht'ist, die eingehende Lektüre des Buches zu empfehlen und. sie nicht durch .eine ins Detail gehende' Inhaltsangabe entbehr-., sich zu machen, wollen wir nur noch bei einem Punkte verweilest!' es . ist dies die Taufe Ungers. Schon die Mutter,' Unge.hs hätte nach dem Tode ihres Gatten die Taufe angenommen und. war einem Christen, der auch ftüher der Familie Unger in ihrer dürft' tigen ° Lage hilfreich zur Seite gestanden, zum Altar gefolgt. Ueber die tiefinnersten «Gründe dieses Religionswechsels, haben wir keine näheren Aufschlüsse, doch dürste die Tatsache/ daß Martzin Ungers Nachlaß nach Verkauf aller Effekten 47 Gulden 26 Kiew-' zer ausmachte, vielleicht Linen nicht zu unterschätzenden Fingerzeig bieten. Josef . Unger hatte, obgleich sein Stiefvater Czaslawsft. und einer seiner Lehrer, . dtt katholische Priester Podlaha n sek, seelischen Einfluß auf ihn ausübten, nicht gleichzeitig mit seiner Mutter die Taufe genommen. Er hatte sogar noch als Jude eine Stelle als Amanuensis an der Universitätsbibliothek. erlangt. Frankfurter findet aber mit Recht, daß in Ungers Erstlings schrift über die. Ehe Ansichten entwickelt« werden, die bereits eine Hinneigung zum Christentum verraten, Es spricht für des Biographen Objektivität, daß er dies konstatiert, und für feine Sachkenntnis, haß er von . Ungers, das Judentum betreffenden Ausführnntzen fiel? merkt, „das Unrichtige derselben dränge sich jedem nur einigermaßen mit der Sache Vertrauten auf". Für den Charakter Ustgers spräche es immerhin, daß wenigstens zur Zeit .seines Uebertrittes nicht gegen seine Ueberzeugung handelte.- jUeber diesen Punkt dürste bei Juden'wie Christen, die in der Taufe aus-Spekulation einen mehr staatlich als sittlich' begründeten Schritt erkenne n, keine Meinungsverschiedenheit herrschen.) Man darf wohl auch zugeben, „daß es damtt durchausnicht im Widerspruch stehe, daß glaubhaft eine Aeußerung Ungers aus s «p ä t e r e r Zeit mitgeteilt wird, er habe sich lange den Ueb'ertritt, der ihm auch vielfach verübelt wurde, nicht , verzeihen.-, können und daß er aus seiner jüdischen Abkunft nie Hehl gemacht und später über das Wesen des Judentums anders gedacht Hat als in seiner Erstlingsschrift". Zu dieser Feststellung kannder Schreiber dieser Zeilen eine ihm von Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann gemachte Mitteilung hiNFusügest,. Dieser zufolge - - har. Baron Moritz Königswarter von Unger selbst die Aeußerung vernommen, „daß er sich seine Taufe lange nicht verzeihen konnte". - ..• 6/ ::

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