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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-12-14 · 48 (14.12.1917) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
48 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ESI Nr.-',48 Dr.- Bloches Wochenschrift Sette 78A. . lands Md an den Kulturstätten der ganzen Welt festlichbegangen worden wäre, wenn nicht der gewaltige Krieg, der nngeheureOpfer täglich fordert,älle Gedanken uild Erinnerungen zum Schweigpn verurteilte, hat das WortMePrägk: „Der -..Antisemitismus ' 'ist.-..d>ke - -Oesinnung. der Canaille". Er hat zwar die Mahnung ausgesprochen, „den dreistell Fälschungen und Verdrehungen der Antisewiten im einzelnen Zu antworten und auf den groben Klotz einen groben Keil zu setzen",' allein in bezug auf den Erfolg solcher Belehrung und Aufklärung lvar er sehr Pessimistisch? Der Antisemitismus, erschien ihm „eine schauerliche Epidemie, wie die Cholera — man kann ihn weder erklären noch heilen". Als Hermann Bahr 1894 eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten Mer ihre Stellung zunr Judentum interviewte, und wie dem wüsten Hetzen Einhalt geboten werden'könnte, erklärte ihm der greise Gelehrte: ,/Sie täuschen sich, wenn Sie glauben, daß man da überhaupt mit Vernunft etwas machen kann; ich habe das früher auch gemeint und immer und immer 'wieder - gegen die ungeheure Schmach protestiert, die Antisemitismus heißt. Aber es nutzt nichts; es ist alles umsonst.' Was ich Ihnen sagen , könnte, was man überhaupt in dieser Sache sagen, kann, das sind doch immer nur Gründe, logische und sittliche Argumente. Darauf hört?. doch kein Antisemit. Die hören nur auf den eigenen Haß und den eigenen Neid, auf die schändlichsten Instinkte: Alles andere ist ihnen gleich. Gegend Vernunft« Recht und Sitte sind sie taub. Man kann nicht aus sie wirken." „'Gegen den Pöbel - gibt es keinen Schutz. — ob es nun der Pöbel.auf der Straße oder der Pöbel im p Salon ist, das - macht keinen Unterschied: C anai l l e Rbleibt Canaille, und der Antisemitismus ist Wdie Gesinnung der Canaille." „Er bedient sich ungeniert der Luge und Verleumdung, es geniert ihn keine Gemeinheit, es geniert ihn nicht, sich selbst zu widersprechen, wenn seine Zwecke solches heischen, -er kennt keine Scham." An dieses Urteil Theodor Momsens Liber den Antisemitismus wird immer. wieder jeder erinnert, der sein Treiben auch nur eine kleine Weile auf irgendeinem abgegrenzten Gebiete verfolgt. Den: einzigen unsauberen Zweck wird alles dienstbar gemacht. Ungeniert bedient er sich jeder Lüge und Verleumdung, jeder Gemeinheit, es geniert ihn nicht,-- in /Widersprüche zu geraten, er kennt keine Scham. ■ Glücklicherweise ist nicht zu befürchten, - daß die brutale Dummheit diesmal besonderen Schaden stiften werde. L e n i u. und T r o tzk i sind Freunde Oesterreichs, haben Jahre Hindurch/ in Oesterreich geweilt? Charakter und Wesen der Wiener Antisemiteü ist ihnen genau bekannt und sie wissen sie zu taxieren. Aus der? e. m Engländer in Jerusalem. . Am 25. Kislew, demselben Tage, an dem vor 1082 Jahren Juda MaMbi seinen Einzug in das wiedergewonnene Jerusalem gehalten, wurde auf der alten Davids- Zitadelle der Ünionjack gehißt. Zum zwanzigstenmal inr Verlaufe dreier .Jährtaufende hat > die altehrwürdige,, schwergeprlüfte Stadt den Besitzer gewechselt. Beispiellos hatte sie gelitten als Zankapfel zwischen den verschiedensten Völkern und Religionen. Aegypter, Assyrer und Babylonier, Araber und.Philister, Griechen, Syxer, Perser undRömer, Armenier, Parther, Mongolen, Seldschucken und Osmgnen, sie alle haben die,'Spuren ihrer Gewialttätigkeit in den gramvollen Zügen. dieser leidenreichsten unter allen Städten hinterlassen. Was Mer - für die uns allen teure. Matrone dir letzten Monate an. . Leiden Kedeuteten^. läßt, sichnur mit den Heiden HettMsuchungen vergleichen, deren Gedächtnis wirx trauernden j{ Herzens alljährlich am .9. Ab begehen. Schwerer waren - kaum die Prüfungen während der siebzehn Monaze. in. : denen Nebukadnezar die. Stadt eisern umklammert,hielt. - und das jammervolle Belagerungs- und, Zerstörungswerk eines Titus, der durch sein barbarisches Wüten - gegen diese Besiegten für immer jeden. Anspruch auf den Ruhmestitel einer „Wonne des Menschengeschlechtes" verwirkt hat. Selbst das schonungslose Morden bei der Einnahme Jerusalems durch Gottfried von Wouillon und seine Mitstreiter, das so grell von dem hochherzigen Verhallen eines Omar und Saladdin absticht, hat der Juden scha st Jerusalems nicht so tiefe Wunden geschlagen, wie dieser Weltkrieg. Um nahezu zwei Drittel haben - Hunger und Seuchen die Seelenzahl unserer Prüder in der heiligen Stadt vermindert. Wem es eigene Mittel oder irgendeine hilfreiche Hand ermöglichten, der suchte ans dieser „dritten Zer- . -störung'Jerusalems" Zuflucht im Norden Palästinas oder, bei seinen Brüdern in Europa. Was aber ans den Tausenden der Zurückgebliebenen, den hilflosen Greisen und Kranken, den Witwen und Waisen geworden ist, das auszumalen, wäre des Pinsels eines Breughet würdig. Uns österreichischen Juden zwingt sich aber in dieser weltgeschichtlichen Stunde eine Frage unabweisbar auf.-/ Was geschieht mit unseren Landsleuten, -die . jetzt als -Angehörige eines seiiMichen Staates in die Hände Eng--, lands gefallen sind? Desselben England, das den Juden Palästinas Mit dem Eintritt der "Türkei in den Welt-Z .krieg nicht allein jede Unterstützung selbst entzogen, sondern auch Hilfsmittel aus Amerika, sogar Medikamente, , vorenthalten hat? Wird die Menschlichkeit des Briten, die sich doch in den weitestgehenden Verheißungen an unseren jüdischen Stamm erging, etwa bei unseren Brüdern Halt machen, weil sie dem österreichischen Vaterlande nicht die Treue brechen wollten? Wir erhoffen von den Juden Englands brüderliche Teilnahme für diese Aermsten. Für die nach Galiläa, Damaskus und K.leinasien Geflüchteten zu sorgen, muß akr nun unsereifrigstes und tatkräftigstes Bestreben sein! Unsere „Hilfskommission 1915 für Palästina" hat-sich im Wechsel des Kriegsgeschickes' schon vor manche schwere Aufgabe gestellt gesehen. Sie wird auch diese neue zuversichtlich in Angriff nehmen. Sie wird sie zu. lösen wissen» wenn alle ihr beistehen, die dem Lande umserer Väter tat bereite Liebe entgegen- . b ringen! CS» eo^: England für fcte Errichtung eines Judenstaates. Wie die Blätter aus London-melden, fand dort kürz- . lich in der Opera ein zionistisches Massennreeting statt? an dem auch Lord Robert Cecil als Vertreter: der englischen Regierung teilnahm. Zahlreiche Minister hatten . Begrüßungsschreiben gesandt. Ter -Vorsitzende Lord Rothschild dankte der englischen Regierung für ihre Unterstütziung der zionistischen Bewegung. Lord Ce eil wiederholte, es sei das Bestreben Englands,, die jiidische. Regierung in Palästina zu verwirklichen.; £i' Die Zionisten leim MiüisterppHidenten. Wien, 10. Dez. Am 7. d. M. wurden Abg. Dr...... Strauch e r,' Präsident des Zentralkomitees galizifcher Zionisten Wolf Stand . und.'-Obmann des' jüdischen Nationalvereines Jngenieilr Robert S tricker vom Mi- ,' nisterpräsidenten Dr. von S e i d l e r empfangen.. Die Herren präzisierten in längeren Ausführungen die e Wünsche der nativnäl gesinnten österreichischen 38

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