Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 48 (14.12.1917)
- Date
- 1917-12-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1 Äcns-4i<*'l^ SS"' SS - Sd^; «r;, 5SäI «»- « iß Er würde' wMerüm zur Dieportation verurteilt. Im fernen Morden, unweit vom Polarkreis!» wollte ihn der Zarismus begraben. Wer Trotzki 'gelang es, "mitten im Winter-"1907 s zu entfliehen urü) Wer - die- Girenze zu Tommeni Er ließ sich, -dann in Wien nieder; Don hier - ans nahm er tätigen Anteil - am - Neuaufbau der russischer Sozialdemokratie. Durch sein glänzend tzeschriebenes" Buch „Rußland in der Revolution" und durch viele Mfsätze in deutschen mrd österreichischen Parteizeitschristen wurde er auch! .den deutschen und deN.österreichischen'Genüssen bekannt. Zu Kriegsbeginn verließ er Oesterreich.-. Er wendete fich .wie einer seiner Freunde in der „Arb.^Ztg." berichtet, nach! Paris^ wo er eine russische Zeitung hevausgab; die den Imperialismus, den britischen, französischen und russischen Imperialismus so gm wie "den deutschen mrd österreichischen, leidenschaftlich PÄämpfte. Dadurch wurde er den Machthabern perhaßt; die fränzösische Regierung wies! den lästigen . Ausländer aus. Trotzki wendete sich in die Schweiz; an der Schweizer Grenze wurde chm mitgeteilt, daß die eidgenössische Regierung chm auf Ersuchen der - sränzöschen das 'Betreten des Schweizer Bodens verwehre. Trotzki' werchete fick) nach Spanien; aber auch die spanische ^Regierung erklärte, sie habe der französischen Regierung Zugesagt, chn nicht in Spanien zu las sen. So blieb 'Trotzki kein europäisches Land mehr offen, er mußte'ncch: Amerika gehen. Dort erreichte ihn die Nachricht von der Mär^revolMion; er schiffte' sich ein, um nach Rußland ZuruGukehren. Das Schiff, das Trotzki nach Rußland bringen sollte, wurde von einem englischen 'Kriegsschiff angehalten, Trotzki gesangengenommen. Der Arbeiter- und Soldatenrat zwang beffmntl«h die russische Regierung, in London energisch zu protestieren. 'EirgLuw mußte' seinen Gefangenen ' sreigeben; aber zugleich versuchte. es, den gefährlichen Mann auf andere Weise unschädlich zu machen. Der englische Botschafter; Buchanan erzählte, England habe T r o tz k i nur darum verhaftet, weil er verdächtig sei, ein bezahlter Agent Deutschlandszu sein. Trotz>ki, nach? Pmersburg ZurUckgekchrt, deckte das freche Lügensüiel in .. einer meisterhaft -geschriebenen kleinen Schrift' auf. Er zeigte, wie der Feldzug, den England gegen ihn führt, nur einer von den vielen Versuchen Buchanan s war, sich! in die russischen Parteikämpfe. einzumeugen, uM dem Ireierr Rußland seinen Willen aufzuzwingen. Und er schloß feine Broschüre mit wen Worten: „Und nun sind wir nur noch neugierig, wann endlich! die russische Demokratie - dem' Herrn Buchanan zurusen . wird : Geben Sie doch Ihre Beirre vom Tisch herunter!" Heute steht der Mann, dem die Regierungeit vor wenigen Monaten noch in ganz Europa keine Wohnstätte .ließen, an -'der .Sp-tze des! großen Rußland! Er, der im letzten Jahre französische, spmrische, -englische und russische Gefängnisse kennen gelernt hat, regiert heute im Winterpalast des Zarerr! Vor kurzem noch Englands Gefangener, entscheidet er heute Wer die Fortdauer des englischp-russischen Bündnisses'! Trotzti hat seine Zugehörigkeit zum Judentum nie verleugnet, undals in einer politischen Diskussion ein!Redner auf seine M stammung die Anspielung machte, erwiderte er,- er Habe doch nie Urfachje gehabt, feine Abstammung zu bedauern, der er ein geschärftes Verständnis fW. ^§>,sNerrscherr.elend der Vergangenheit und für die AufgÄM - soziawr Gerechtigkeit in der Zukunft vielleicht zu ömrken habe.- - V Wie verhalten/ sich nun die Organe der führenden antisemitischen Parteien Oesterreichs zu der -FriederHärbÄtder LeninundTrotz'ktz? lieber ^Len in wußte ' die „Reichspost" zu melden (28. .August urw 6. September 1917), er sei „jüdischer hieß früher Zedermian.! „Mit einzelnen Führern der österreichischen-. Sozialdemokratie, ist er eng befreundet. insbesondere-als Jude mit Dr. Adler, Vater .und Sohn. Als-'Lenin-'L bei Kriegsausbruch? auf. östrrreichiWm. Boden als russischer Staatsbürger aufgegriffen wurde, - rief , ev ' Dr. Adlers Vermittlung dn/'ddr denn auch bei: dem' später vom jungen 'Dr. Adler ermordeten- Grafen Stürgkh Lenins Freilassung erwirkte." ■ -- - rr-m\ . _ Tie „Ostdeutsche Rundschau" vom -25. November schrieb" unter schreiender, sensationeller Ueberschrift: Levin—Lenin. Aus Pest wird berichtet: Ein Mitarbeiter eines.Pester Blattes -Hat den in österreichisch-ungarischer Gefangenschaft, befindlichen Neffen Lenins besucht, der ihm von seinem Onkel unter antierem/ folgendes erzählte: Lenin ist in Kiew geboren und gegenwärtig 5T Jahre alt. Er ist jüdischer Abstammung und lebt in freier Gemeinschaft mit einer Christin. Früher habe er Leoin geheißen. Jm> Jahre . 1892, im Alter von 32 . Jahren, war er bereits Professor des römischen Rechtes an der Moskauer Universität und mit allen Sozialdemokraten und Anarchisten eng befreundet. Schon damals hatte er sich der Bolschewikipartei angeschlosfen und war mit Kautsky eng befreundet. Bis zur Thronbesteigung Nikolaus' II. lebte Lenin ruhig in Rußland, wurde aber dann, nach Sibirien verbannt, von wo er nach Deutschland flöh. Dann ging er „lach Frankreich, - wurde--aber" von dort mit anderen russischen Unar? chisten ausgewiesen. Der Neffe Lenins erklärte, er glaube nicht, daß sein Onkel sein Ziel erreichen toerde. Sein gegenwärtiger Haupthelfer Trotzki ist bekanntlich auch Jude und hat früher Bronstein geheißen. .Damit waren sowohl Senin tote .Trotzki „gerichtet", fertig, abgetan! In der Nummer Doch 24. November 1917 leitete die „Reichsipost" einen Artikel über das Waffenstillstandsangebot der beiden Männer mit den Worten ein-: . „Der neueste Schritt der .bolschewistischen Regierung in Petersburg stellt sich bei nüchterner Ueberlegung als ein Haschen nach einem dürftigen Augenblickserfolg, als ein Manöver dar, um sich in den breiten Volksmassen, insbesondere aber bei der Armee - Sympathien zu erwerben." . Die „Reichsipoft" würde es offenbar gern sehen, wenn die Mittelmächte den „dürftigen AugenbliMersolg", nämlich den Waffenstillstand; ausschlagen und weiter Krieg führen -würden, bis! es dem Zaren gelingt, sich wieder zum Selbstherrscher aller Reußen auszuschwingen. — Also vor allem „kein Judenfriede", wie das? bekannte Schlagwort 'gelautet hat. Nun, da aber die Zentralmächte sichj doch nicht nach diesen politischen. 'Ratschlägen entschieden haben, kam die „Reichspost" .(Wendblatt vom 29. November) mit einer entgegengesetzten -hetzerischen Meldung: „Tie russischen' Juden halten es mit den Chauvinisten und Kriege-, sortsetzern." „Am Vorabend des ^maXimalistischen Aufstandes hielt der Führer der Jüdischen Volkspartei, Goldstein, im Vorparlament eine Rede, die von sämtlichen Pärlamentsparteien, mit Ausnahme der extremistischen 'Internationalisten (Bolschewiken), mit. brausendem Beifall ausgenommen wurde. Der Redner führte aus, das jüdische Volk stehe, mit geringen Ausnahmen, auf. dem Standpunkte der „Vaterlandsverteidigung", Es habe selbst die Geltendmachung eigener nationaler Aspirationen in die Zukunft verschoben, umdie. dem Lande notwendige Eintracht .nicht noch mehr zu stören. Nicht nur die jüdische Bourgeoisie, sondern auch die sozialdemokrati-sche- Partei „Bund" bekenne sich zur „nationalen Vereidigung". Umi Internationalist zu werden, Müßte der Jude, vor allen' Dingen aufhören, Jude .zu sein. Der Kongreß der Judenhe.it in Odessa habe beschlossen, nur „patriotisch" (chauvinistisch) gesinnte Kandidaten für .die verfassunggebende Versammlung aufzustellen. Die Tagesordnung der .Juden im Vorparlament, lautet kurz: Cs lebe ein freies, regeneriertes, glückliches Rußland. (Die ^Ausnahmen", .von denen .Goldstein spricht, sind offenbar die -etlichen jüdischen Bölschewikensührer.") ' Daß ein unter dem Vorsitz des Kardinals' Am e t't e tagender Kongreß der französischen Katholiken eine Resolution gegen jeden Verständigungsfrieden und für einen „soldatischen.Frieden" beschlossen, —' das' findet keine Beachtung und kein Gewicht. -:;" - Theodor M omse n, der große Reformator der Römischen Geschichtschreibung; dessen hundertster Geburtstag am 30. November sicherlich in allen Gauen Deutsch- 8»