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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-12-14 · 48 (14.12.1917) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
48 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. W Dr. Bloch’s Iayrgang XXXI? Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums o Ü~""~ ~~ ———-D O p o K. k. Poslsparkafscnamk Clearing-Bcrkchr: 810.976 00 Redaktion und Administration: Wie» ■'Uli, Praterstraße 9 Telephon: 45*359 id o O O——— -■ - O O "_r 'OOO—;- Wie», 14. Dezember 1917 Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wien II/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift. Wien O — --o o O Q I Bezugspreis: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 20 Kronen Nnzelexemplare 50 Heller. Anzeigen: Die 2 mal gespaltene Prtitzeile 60 Heller 5 O nO _ --Q o lt: Leitartikel: Ein jüdischer Staatsmann als Friedensbringer. — Ans der Woche. — Der Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels. — Salomon Heine. — Kriegsdekorativnen jüdischer Offiziere und Soldaten.— Weitere Auszeichnungen. — Zum drittenmal ausgezeichnet. - Fünf Söhne und zwei Schwiegersöhne. — Zehn Enkel im Kriege. — Ausgezeichnete Lebensretter. — Eon den 3>3cr Honveds .— Vom 21. Infanterieregiment. - Nach dem Tode ausgezeichnet. — Ein tapferer jüdischer Militärarzt. — Auf dem Felde der Ehre. — Korrespondenzen: Bürgermeister Dr. Weiskirchner gegen die »Kriegsflüchtlinge —. Eine Neligionslehrer- Bildungscmstalt für Wien und die österreichischen Kronlande. — Dre Flüchtlingshetze in Budapest. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus dem Leben des hohen Rabbi Löw. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Gin jüdischer Staatsmann als Friedensdringer. Der ^russische Friedensruf, die Bereitschaft der Mittelmächte, mit der Regierung der russischen. Arbeiter und Bauern in Verhandlungen zu' treten, haben starke Hoffnungen erweckt. Schon glauben viele, das Ende dieses furchtbaren Krieges zu sehen und? den Weg zu erkennen,' auf dem der ersehnte Friede sich naht. , ‘ Tie sriedensfehnfüchtige Welt nennt zwei Namen, an die sich ihre Hoffnungen knüpfen: Leu in und Trotzki. Das Schicksal wollte -es haben, daß der Friedensünterhändler des russischen Reiches mit den Repräsentanten der deutschen Heeresmachi einer aus. der einst >als' „Schnorrer und Verschwörer" gehöhnten Gruppe — der Jude Leo Trotzki — sein soll. . . Leo Trotzki, der gegenwärtige Leiter des' russischen Außenministeriums, der mit zäher Energie die Friedensnntephcmdlungen Mit den Zentralmächten durchsetzt, ist 37 Jahre alt, heißt eigentlich Bron stein, geboren auf einem Gute nahe von Nikolajew. Sein Vatev ein reicher Mühlenbesitzer, gab ihm nur eine halbjüdische Erziehung. Mit 17 Jahren verließ der junge Leo B r o n stein das Gut und kam nach der Stadt, wo er eine Mittelschule besuchte. Dort machte er die Bekanntschaft einer armen jüdischen Familie okol o w s k i, die. inmitten der revolutionären Bewegung stand. Er vernachlässigte sein Studium, verfaßte slammende Aufrufe,an „Brüder und Schwestern" im Sinne dev Freiheit, die sein Schulko.lege S o k o l o w s k i heimlich zu Hanse druckte und verbreitete. Bald kam Nikolajew als revolutionärer Ort in die Liste der „gefährlichen" Städte und nach wenigen Monaten wurde Leo B r o n st e'i n zusammen init der gesamten Familie Sokolowski verhaftet, nach Odessa gebracht und zur Verschickung nach Sibirien verurteilt. Tie ganze Gesellschaft wanderte per- Etappe nach dem sibirischen Dorfe Snamenko. Auf dem Wege dorthin, in Moskau-: erschien der, alte B r o n st e in, um von seiüern Sohne Wschied zu nehmen, und Leo teilte ihm den ,Entschluß mit, Fräulein Svkylowski, .die fünfzehn iJahre Äter ist als! er, zu heiraten, und wandte sich gleichzeitig an den Aufseher mit der Bitte, zu diesem Zwecke einen Rabbiner zu bestellen, was auch geschah. Der alte Bron stein bat jedoch den Mbbp die Trauung wegen großen Altersunterschiedes der Brautleute nicht zü vollziehen. Leo drohte daraufhin. lohne religiöse Eheschließung zu heiraten, und so vollzog der Rabbiner die Trauung. Im April 1901 langte hie Familie in Snamenko an, bezog ein Bauernhäuschen und Bro n ste in hackte Holz, trug das Holz nach Hause, betreute die Familie und sandte ab und zu .Artikel an Jrkutsker Zeitungen und Petersburger Journale. Die Artikel verfielen meistens der Zensur, allein, was noch, blieb, verriet einen außerordentlich begabten Menschen, auf welchen die Genossen aufmerksam wurden, und sie.wandten alle Mittel an, um jihm zur Flucht zu verhelfen. Er weigerte sich zunächst, Frau und Kinder zu verlassen. Nach .einiger Zeit erhielt er die Erlaubnis, für einen Monat nach Irkutsk zu reifen. Er verblieb indes länger. Dann übersiedelte er nach der Stadt Wercho'lensk. wo er mit Gesinnnngsge'- noffen zusammenkam. und diese bestimmten chn, sich von Meib und Kind zu trennen und die Flucht zu ergreifen. Auf dem Wege über Rußland gelangte er nach der Schweiz, wo er den Namen Trotzki anncchm. Später kam seine Frau nach, ein Kind schickte er zu seinem Vater, ein zweites zu seinem Schwager. Die beiden Eheleute arbeiteten in dev „Bewegung". Bei der Revolution 1905 erschien er an einer der ersten Stellen im „Sowjet", Ausstand im Dezember 1905 wurde er verhaftet und vor Gericht gestellt. Seine mutige Verteidigungsrede vor Gericht, eine leidenschaftliche Anklagerede gegen die Konterrevolution von damals, machte ihn zu einem der volkstümlichsten Vorkämpfer des russischen Proletariats. Wer treu zu Kaiser und Reich steht, zeichnet die 7. Kriegsanleihe.

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