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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-11-30 · 46 (30.11.1917) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
46 (30.11.1917)
Date
1917-11-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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ifh. 46 D>r. BlMi's Mochenfchrrft <ZeitS 2V.K x Jeschnrun übergab zu .Händen Rabbi Löws . eine bedeutende Geldsumme behufs Verteilung an WohltätigkertKLnstitute, (und Äs.nach^' Jahren seine Schwiegereltenr ihr Zeitlfthes gesegnet hatten, schenkte er das von dieser: zurückgebliehene Vermögen der' Mhischeu.Oememde. in Pr>ag. das ^H.aus Reb!b. Michael Bexgers stiftete er als Äe.i-Han:i,dr.äsch> lvelches nach seinem ' Namen benallnt würde. " - " . 12. Die Blutintrigne. Im. Jsthre 5345 (1585), als Rabbi Löw am.Abend des 13. Nissan „die Wegräumunig des Gesäuerten" vornahm und die formelle Erklärung' „Kol chamira" beim Schein einer Kerze aus dem Hebetbüche. — Rabbi Löw pfleg e grundsätzlich! nur aus dem Buche die Gebete zu sprechen, und er .äußerte sich einmal,, daß, er an den Buchslaben erkennt, welche Stimmung im. Himmel waltet, ob G n a d e oder Streng e, wenn letztere, verstand er, diese zu lindern — zu sprechen begann,., erlosch plötzlich die Kerze in den Hänoen seines Dieners 2lbraham Chaim und Rabbi Löw konnte das Rituale nicht vollenden'. - Er winkte dem Diener, die Kerze wieder anzuzünden, doch, diese erlosch wieder und wieder. Das wiederholte sich einigemal. Rabbi Löw erschrak und befahl dem ebenso erschreckten Diener, ' sich! 'zum Wandleuchter zu stellen und ihm den Inhalt vorzulesen, den er wörtlich nachsagte. Dieser, begann:. Kol Gbamire w.achmije deika Und anstatt, wie es richtig heißt, „deika bir-jeiiuse" (was in meinem Besitze ist), las der Diener „deika biclium „sehe-4- (das im Fünfer ist),. „.Nu, nu/" schrie Rabbi Löw, um den Diener aus den Irrtum aufmerksam zu machen. -Der Diener erschrak noch mehr, und wiederholte mit bMnderStimme:'-.Lol Ghüwil-a'ävaeburise deika''biidhuiii „sehe.“ Rabbi Löw wurde leichenblaß. Er schnalzte mit den Fingern und sagte: „Nun .begreife ich alles; es. droht uns ein ÜnglKch man will uns das Licht EslöschM.''KD'..kstnietez . guch 'der.Traum in der Nacht des ,,großen Sabbat" an." ' ' , ^..lEr befahl alten -Leuten,, gleich! nach Hause zu. gehen, und'^es verblieben-bei ihm nur sein Schwiegersohn Rabbi Jizchak. der Priester, und die beiden Diener Abraham Chain: und Josef Golem. n Ihnen erzählte Rabbi Löw folgendes: „In der vergangenen Sabbatnacht sah ich im Traume eine Feuerflamme vom „Fünfer-Palast" aufflackern,, die. , in das Innere der gegenüberliegenden, von betenden -Juden. überfüllten Altneusynagoge übersprang. Da - ich diefem Traume keine Bedeutung. schenkte, wurden mir offenbar vom Himmel von der drohenden Gefahr Kunde gegeben. Nun verstehe ich! die Bedeutung: im „Fünfer- Palast" liegt ein. ChumeL ein Gesäuertes, eingeschmuggelt,, um gegen die Mischen Einwohner Prags eine Blutanklage in Szene zu setzen. Unsere Feinde wollen also das jüdische Licht.verlöschen.-Wir müssen.uns .Häher unverweilt in den „Fünfer-Palast" begeben, dort nach dem Chumez spchen und. ihn .rechtzeitig aus.der Welt, .schaffen." Rabbi Löw war voller Besorgnis.' ' " .. Diese Angst war-um so mehr begründet, als-vor einigen ,Tagen ein Kind Wacläws des Klosterdieners auf 'unaufgeklärte^ Weise verschwunden - war., Dler.,,Fünfer-Palast" wurde so genannt, weil : er an fünf Gassen grenzte.-- Sein Baustil bewies', daß dieser Palast :m Altertum, als nochdas Heidentum in Prag herrschte,'erbaut wurde, denn er stellte nach seinem Typus ein ^Heiligtum für die Sonne" dar.- Der Palast war Eigentum der Regierung und bildete nach drei Seiten - eine Ruine. Nach der Äeberlieferung... wohnte einst vor langen Jahren in diesem Palast ein geheimnisvoller König, der sich nie sehen ließ und im Keller des Palastes einen. unterirdischen Steg chatte^'' der in das. „grüne..: Kloster" führte. '. ' -.h- In diesem Klosters, wohnte jetzt' TaddäM " Ter -Palast, .stand-,'' -Hegenübeeder Mtneushnagoge. Cs war eine Ruine, in der nach der im Volke verWeiretenh' Sage allerart böse Geister Unterkunft fanden. Map ging an diesem Hanse nicht ohne Schaudern vorbei. Dorthin.. wandte sich Rabbi Löw mit seiner Begleitung^ als. die Stadt'in tiefer Nächtdämmecnng lag. - Eine regenfeuchte Luft schlug ihnen ins Gesicht. Das Haus, dem sie sich näherten, war schwarz und trug die Spuren der langjährigen Verlassenheit. Die Zannpfähle des Hofes in ihrer endlosen Folge weckten eigentümliche, entsetzliche Gefühle. Rabbi Löw war nicht wenig ängstlich, als er die mor- - sche, knarre::de Holztreppe mit ihren schier endlosen Stufen hinaufstieg. Auch sein Diener Abraham Chaim war voller Schrecken. Nur Josef Golem blieb mutig und-beherzt. Sie zündeten Hawdala-Fackeln*) an und betraten das Haus, das ohne Türen und Fenstern dastand. - - Auch das Dach war zum Teil weggerissen, so daß der mit Wolken überzogene Himmel in die öden Räume starrte. Als er in Begleitung seiner beiden Diener den Palast ' betrat, ließ Rabbi Löw emen Blick, übe'r die Ruine schleifen und setzte dann seinen Weg in den Keller Mt. ' Ein Gespenstergeruch durchdrang dem Raum und- ■ ein jämmerliches Wimmern wurde ''vernehmbar. Er lausche , und hörte den Laut deutlicher. Er klang bald wie das Weinen eines Kindes, bald wie das Johlen eines Hundes, steigerte sich aber so, daß er wie das Brüllen eines . Löwen-anzuhören war. -!. ----- - -'' ' r " Rabbi Löw betrat in Begleitung seiner Diener den Keller. Er und Abraham Chaim sagten dreimal den Psalter 91, da hörte das Wimmern, Johlen und Brülstn,)- aus. ..... V Als. sie aber weiterschritten,' fielen Steine auf stet Rabbi Löw sprach nun zum .'Golem': . „Dü, Josef, Hehp. selbst hinein und suche überall grüMüst nach. FMest^r du irgendein Ding, das geeignet ist den Verdacht eines>S Mordes -zu begründen, dann bringe es gleich zu hieher. Ich warte auf dich." . . - - ' Mit der leuchtenden Fackel in der Hand begab sich der Golem in die-Kellerräume, suchte alle .Abteilungen gründlich durch Nnd fand wirklich ein kleines Körbchen,. worin ein in einem Gebetmantel gehUltes, geschlachtetes Kind lag. Ein anderes Körbchen stand etwas. entfernt, -- : darin befanden sich dreißig kleine Fläschchen mit-Blut. . Auf jedem Fläschchen waren Zettel geklebt, die die MmepD des Rabbi Löw, seines Sohnes, seiner Schwiegersöhne 7 und anderer hervorragender - Gemeindemitglieder ent- ' : hielten. ' - ';i 1 . - •; Als der Golem diesen grausigen Fund vor . Robbe ) [ Löw brachte, war dieser hocherfreut, daß es ihm ge- - lungen war, einen solchen gefahrdrohenden „Schatz" zu ' finden.- Er besaht: dem ^Golemi, ' das Körbchen rnit" dem geschlüchteten Kinde durch den.' Kelleyfteig- -ip-lhest' des Taddäus zu tragen und dort zwischen die Wein- : süsser zu stellen, dann aber'^ gleich'- AuM^kormnest-G- : Der Golem entledige sich des Auftrages, den Mabbi'" Löw ihm'.gegeben) und nach etwa, einer haMn Stunde war er zurück. ' - -; .:. :. Nun beauftragte Rabbi Löw - den Golem>' ein G-tab--! schert zu nehmen nnd eine tiefe Ausgrabung zu machen, in diese die Blutstaschen zu^ werfen und^ nachdem diese *) Beim Üebergang 'vom Sabb'at ins Weiktägige'wird bei einer' " Fackel der Hawdala-(UnterstheidungU-)segen gesprochen. Diese' Fackel''' ' gilt als>heilig. .

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