Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 44 (16.11.1917)
- Date
- 1917-11-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Lette 725 Nr. 44 ©r.. Bloch's Wochenschrift Tir. Theodor Lieben-Widnmng. " Sekretär De. Adler bringt weiters zur -Kenntnis, daß die Beamtenschaft der isr. Kultusgemeiude zur dauernden Erinnerung an ihren allverehrten verewigten Chef eine „Tr. Theodor Lidben-Widmung" gestiftet hat. Zu dieser Widmung haben bisher außerhalb der Beamtenschaft gezeichnet: Vizepräsident Dr. Leopold Kohn K. 200.°— Vertreter Eduard Schwarz „ 300. - - Vorsteher Jakob Gärtner - 200.— Tr. Gustav Leihen - 100.— Tr. Richard Leihen „100.— . Dr. Robert Leihen „ 100. - Hierauf wird die Trauersitzung geschlossen. Ans der öfftntiichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 11. NovenOer 1917, unter dem Vorsitz! des Präsidenten T!r. Alfred Stern. Aenderung d.es Statutes. Anhang III. T a r is h! ü r A b sg a b e u, T a x e n u n d!Gi e b ü h r e n (Referat Sekretär Dr. Adler). Das Vertreterkollegium beantragt folgende Ergänzung: „Punkt.X. Vervflegsgebühren im Spitale der isr. Kultusgemeiltde. Je nach der Verpflegsklasse: Minimum 5 1, Maximum 100' K. Für Unbemittelte gratis." Der Antrag wird einstimmig angenommen. K o n st i t u i e r u n g derSpita l s k o in m i s s i o u. Tas^ VerLreterkollegium beantragt, die Herren Vertreter M. B. Eißler und Leopold Simon in die SpitaMomMission zu ' kooptieren. Einstimmig angenommen. Weiters wird berichtet, :bajg. in der am 8. d. M. stattgefundenen Sitzung, der Spitalskommission Vertreter Dr. Wilhelm PappenheiM zum Obmann und Vertreter M. B. Eißler zum Obmannstellvertreter gewählt wurden. Zur Kenntnis genommen. I Zeichnung auf die 7. österreichische Kriegsanleihe. Auf die 7. Kriegsanleihe ist, gleichwie auf die früheren Kriegsanleihen, ein Betrag von 500.000 K. lfünshunderttausend Kronen) zu zeichnen. Abschluß des Vertrages mit dem Verbände der türkischen Israeliten (Sehhard im) zu Wien. . Vertreter Dr. Pappen he im teilt mit, daß unmittelbarnach dem Brande des Leopoldstädter Tempels vom Vorstände des Verbandes der türkischen Israeliten das dankenswerte Anbot gemacht wurde, behufs Abhaltung des Freitagabend,- und Samstagvormittagsgottesdienstes beit türkischen Tempel ohne jedes Entgelt zur Verfügung zu stellen. Das Vertreterkollegium erbittet sich die Ermächtigüng, einen dahingehenden Vertrag Mit dem Verbände der türkischen Israeliten abzuschließen. -.Dieser Vertrag hätte vorläufig bis! PesschH in Kraft zu 'bleiben, in der Annahme, daß bis dahin der Tempel wieder benützbar sein wird. Der Antrag des Vertreterkollegiums wird einstimmig angenommen und . dem Verbände dech türkischen Israeliten der Dank des Kultusvorstandes für die Bereillvilligkeit, den Tempel zur Verfügung^ zu stellen, ausgesprochen. _ In der hierauf stattgefündeneu vertraulichen Plenarsitzung wurde an Stelle des verstorbenen Vertreters Salo Cohn s. A. das Vorstandsmitglied Dr. Jakob Engel . in das Vertreterkollegium gewählt. ZNach Erledigung von Stiftungs-, Subveittions-, Perfvngl- und Steuerangelegenheiten wurde die Sitzung geschlossen, . . Tie Frage der gaiizischen Flüchtlinge im ungarischen AlUeordnetenhause. Mit welcher Unduldsamkeit die Frage der gaiizischen Flüchrlinge in Ungarn behandelt wird, geht aus dem folgenden Bericht des Budapefter israelitischen Blattes „Egyenlöseg" hervor: -Die vielumstrittene Frage wurde vom Abgeordneten Ladislaus Fenyes ohne den geringsten Schatten eines humanen Gefühls erörtert. Die heimatlos gewordenen unglücklichen Flüchtlinge wurden mit der in Ungarn als Spottnamen Klingenden Benennung „Galizianer" bedacht. Dasselbe, wenn auch in etwas reinerer magyarischer Bezeichnung, tat der Ministerpräsident Wekerle. Das war das einzig Neue in ihren Reden, in denen jedes Verstehen und jede Liebe fehlte, auf welche jeder unglückliche Mensch Anspruch erheben darf — wenigstens in der Theorie. Minister des Innern Gabriel Ugron konstatierte bloß, daß von den 25.000 Flüchtlingen 9000 bereits fortgebracht wurden und daß die übrigen 16.000 so schleunig als möglich sortgefchafst würden. Wären die „Galizianer" — so schließt der Bericht des ungarischen Blattes — Kriegsgefangene gewesen, oder hätten sie für den Grasen Zselensky (den ungarischen Grafen Hohenblum) Erntearbeit verrichtet, dann, hätte man ihnen sicherlich nicht abermals den Wanderstab in die Hand gedrückt. j. Am 10. November 1917 veranstaltete der Zionistische Distriktsverband in Böhmen in Prag^eine große Versammlung, in der Herr JUDr. Ludwig Singer, Advokat in Prag, und Herr Ing. Robert Stricker aus Wien über das Thema: „Das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Juden" referierten. Herr Dr. Singer, Obmann des zionistischen Distrikts komitees in Prag, erklärte das Ziel des Zionismus nach dem Baseler Programm und sprach, sodann über die Forderung 'des jüdischen Volkes nach Gleichberechtigung, besonders in jenen Gebieten, in denen die Juden in Massen wohnen, z. B.. in Rußland, wo sie ihnen auch von der ersten revolutionären Regierung versprochen wurde. Als zweite Forderung behandelte der Redner die Anerkennung des jüdischen'Volkes als solches. Diese Frage könne weder durch eine Revolution noch durchs ein Gesetz gelöst werden, sondern nur durch Regelung von Volk zu Volk. Tie Assimilation sei hiezu nicht geeignet, was aut deutlichsten unsere Assimilation zum deutschen Volke bewiesen hat. Mit welcher Begeisterung. gingen die Juden zu. Beginn des Krieges in den Kampf, wie treu dienten sie auch im Hinterlande — und der Erfolg? Eine antisemitische Debatte im deutschen Reichstage, in. der eine Statistik dariiber verlangt wurde, wie viele Juden in den Kanzleien sitzen. Oder bei uns, wo Juden selbst dort das Deutschtum erhielten, wo es sich ohne ihre Hilfe nie erhalten hätte. Und die Deutschen bekämpfen die Juden, mögen sie sich! nun christlichsoziäl oder national nennen. Der Antisemitismus ist im Kriege durch das Wachsen des Nationalismus gestärkt, aber auch durch . die Schuld der Juden selbst. Wir müssen uns auf den Standpunkt der Wahrheit stellen und das Selbstbestimmungsrecht unseres Volkes wahren, wir müssen Juden sein. Wir dürfen keine herrschenden und keine beherrschten Nationen kennen. Biele Juden haben sich im Laufe des Krieges gegen die Grundsätze von Recht und Moral, gegen die Menschheit und gegen das Judentum versündigt. Das kann nicht scharf genug verurteilt werden. Man darf aber auch nicht die Sünden der einzelnen dahin verallgemeinern, daß alle Juden Wucherer seien, ebenso wie man dies nicht von allen Agrariern behaupten dürfe. Wir fordern tatsächliche Gleichberechtigung, kulturelle Autononlie, die Demokratisierung der Kultus'gemeinden und Gerechtigkeit von seiten der Völker, unter denen wir Jeder treue Jude zeichnet die 7. Kriegsanleihe