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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-11-16 · 44 (16.11.1917) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
44 (16.11.1917)
Date
1917-11-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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“53 Seite 724 Dr: Bloch's Wochenschrift Nr. u „Doktor Theodor Lieben! Heute vor acht Tagen, fast ' um dieselbe Stuube, haben ioir den teueren Mann zu seiner letzten Ruhestätte. geleitet: Seine letztwillige Anordnung ging dahin, es solle seine Bestattung in^ den allereinfachsten Formen geschehen, keine vorherige Parte, kein Chor, keine Leichenrede, und so mußte auch ich! 'den überströmenden GefA)len Halt gebieten, durfte, so sehr «§ mir am Herzen lag und so sehr es auch!- Meines Amtes gewesen wäre, an der Bahre zu sprechen, zu sagen, was er der Gemeinde gewesen ist, chm ein. Dankeswort nachzurufen, so mußte auch ich schweigen, mußte -mich beschränken auf das Segenswort: Veeber liazadik liwroclioli! Das dort Versäumte nachzuholen/ gebietet mir mein Herz/' meine Pflicht. Vor dem hier versammelten Kultusvorstande, öffentlich muh es gesagt werden, was Dr. Theodor Lieben, der nahezu 45 Jahre der Gemeinde diente, der Gemeinde war. Um dies zu besprechen, muß die Frage aufgeworfen werden: Was war die Gemeinde, was ist sie vor 45 Jahren, als Dr. Lieben bei. ihr seinen Dienst als Sekretär antrat, gewesen, was und/wie ist sie geworden, was" ist sie heute? Einen großen Teil dieser Zeitstrecke, fast ein Menschenalter, habe ich selbst im Dienste der Gemeinde, als Mitglied des Vorstandes, . zurückgelegt, und schon kn früheren Zeiten gehörte ich!, dem Vorstande des einen und änderen Wohltätigkeitsvereines in der Gemeinde , an, so wie mir auch schon von Meiner Jugend ab ihre innere Einrichtung mehr oder weniger bekannt war. Ich spreche daher aus' eigener persönlicher Wahrnehmung und Erfahrung. Was' war die Gemeinde, vor 45 Jahren? Schon der Begriff der Gemeinde war ein eingeschränkiter, .statutenmäßig gehörten ihr nur die Steuerzahler an, deren Steuerleistung mit dem Minimum von zehn Gulden mit dem' BtaximurN^von-.fünfhundert. .Gulden fixiert war; die Gesamtsumme der SteUerleistung betrug etwa '180.000 K., die Gesamtsumme der ^Einnahmen etwa' 350.000 K., heute, ist beides nahezu äufchas Zehnfache gestiegen. Tie Zentralverwaltung, so ziemlich! mit Ausschluß der auf religiösem und rituellem Gebiete gehörigen Belange, lag dem Sekretariate, richtiger gesagt, dem Sekretär, ob, der auch die Matrikel zu führen hatte. Dr. Lieben trat im Jahre 1873 mit dem Titel eines Adjunkten des Sekretariates in den Dienst der Gemeinde. Sekretär war Dir. Ludwig August Frankl, ein hervorragender Mann, Schriftsteller, Dichter, seinerzeit Herausgeber des angesehensten literarischen Wochenblattes, Politiker. Dr. Frankl war der Initiator der Lämelschule in Jerusalem welcher — in Parentliesis — der Kultusvorstand höhere AnftnerksaMkeit als bisher zuwenden sollte. Er war Initiator des Blindeninstitutes auf der Hohen Warte, ein ausgezeichneter, hervorragender Mann, über welchen die Zeitgeschichte und die Literaturgeschichte nicht mit Stillschweigen hinweggehen. Nur eine Eignung muh ich ihm übsprechen, die Qualifikation als Sekretär einer Kultusgemeinde. Und so behaupte ich und wäre auch wohl in der Lage, manche Einzelheit anzuführen, daß unser Dr. Lieben mit dem' Tage seines Eintrittes in den Dienst der Gemeinde in Wirklichk ei t ih r S e kr etär war. Mögen nun auch! in früherer Zeit dre Geschäfte des Sekretariates von geringerem Umfange gewesen fein, sie wuchsen mit dem rapiden Anwachsen - der Gemeinde, und da fanden allmählich immer mehr und schließlich alle Agenden der Gemeinde, etwa mit teilweiser Ausnahme der dem Rabbinate obliegenden, ihre . administrative Konzentrierung' im Sekretariate. Wie Dr. Lieben bei diesen fortwährend steigenden Aufgaben seines Amtes waltete/ dafür spricht schon ein äußerliches Moment: rächt weniger als zwölf offizielle. Anerkennungen finden sich als Plenarbeschlüsse des Vorstandes in seiner Qüälifikationslabelle. Seine unermüdliche '-Tätigkeit im Amte und außer demselben im Dienste der Gemeinde, sein unermüdliches Bestreben, chr zu dienen, seine Gewissenhaftigkeit, sein vornehmes Auftreten auch nach außen hin, seine unbedingte Vertrauenswnrdiigkeit, seine stets bewährte Uneigennützigkeit und Hilfsbereit-' schüft, sein konziliantes Wesen, all dies gewann ihm die Zuneigung, die Achtung, das Vertrauen in und außerhalb der Gemeinde und auchi bei den Behörden. Mir ist in Erinnerung, wie er so manche Schwierigkeiten, die sich ergaben, mit feinem! Takte zu beheben, manche nicht leicht zu erfüllenden Missionen, zu erfüllen vermochte. Um nicht zu ermüden, will ich nur ein Beispiel aus den letzten Jahren erwähnen. Ein reicher Mann hatte, da er sein Lebensende vor sich sah, der Gemeinde eine große Wohltätigkeitsstiftung, Millionen, zUgedacht, er hatte mir dies mündlich zugesagt und über Mine Aufforderung in einem an mich! gerichteten Schreiben bestätigt. .Was ist aber ein, wenn auch schriftliches, formloses Schenkungsversprechen? Wäre nicht immerhin die Möglichkeit gegeben, daß wie wir Pies so häufig erleben, späterhin eine Anfechtung seitens eines Erben erfolge, zumal eines Minderjährigen? Ich! betraute mehrere Persönlichkeiten, auch Dr. Lieben, mit der Mission, zu intervenieren, und seiner taktvollen Mitwirkung ist es gelungen, die symbolische Uebergabe der geschenkten Summe zu erlangen, wodurch die Gemeinde heute in der Lage ist, eines der größten, segenbringenden Mohltätigkeitsinstitute zu errichten. Er lebte in und mit der Gemeinde,, all sein Sinnen und Trachten war darauf gerichtet, ihr Ansehen zu wahren -..und' zu festigen, ihre Institutionen ..zu fördern, erveä neemon ein treuer, gewissenhafter Diener ' derselben. In vollem Sinne Mag man auf ihn das, wenn, auch durch seine häufige Zitierung beinahe banal gewordene, - Dichterwort anwenden: - / -/ /// ' /j - ’ „Er meinte seiner Pflicht zu fehlen, ' Tüll er . sich nicht im Dienste quäleru" Sein Andenken wird mir, deM Vorstände, allen, die ihm nähertraten, ein unvergeßliches, wird in der Gemeinde ein gesegnetes, bleibendes sein. seelwr zuäik livrocholi P. Nach diesem von der Versammlung zum Zeichen der Trauer stehend angehörten Nachruf bringt Sekretär Dr.. Adler an den Kultusvorstand gelangte Beileidskundgebungen zur Kenntnis: Von den Kultusgemeinden: Budapest, Brünn. Graz/ Linz, Pohrlitz, St. Pölten, Osijek, Bethausvorstand der isr. Kultusgenreinde Wien, Chewra-Kadischa Wien I , Frauen-Wohltätigkeitsverein der isr. Kultusgemeinde Wien, Frauen-Wohltätigkeitsverein Brigittenau, Kaiser Franz. Josef-Kinderhort, Verein „Zukunft", -Kaiserin Elisabeth-Heim für Kriegswaisen, Lehrmädchen und Arbeiterinnen, Mädchen-Unterstützungsverein, 'Verein der Kinderfreunde, Verein „Einheit" . Verein isr/ Kinderbewrh.ranstalt, „Weibliche Fürsorge", Verein zur.. Unterstützung armer kranker Israeliten in Wien, Verein zur Errichtung von Volksküchen, Verein „Adas .Jisroel", Bethausverein „Emunas Aves", Bethaüsverein „Chewra Beth Hatfilah", Tempelverein Mariahilf und Neubau, Tempelverein Wieden und Margareten, Tempelverein Favoriten, Tempelverein Döbling Bethausberein Äandstraße, Be-. zirkskomMissioN XII—XV, Verein zur Ausspeisung ärmer isr. Schulkinderfür den 16. und 17. Bezirk, •, Professor Doktor Julius^ Z appert, Direktor Alexander Eiger, . Hofrat S. Be.rstl, Regieruugsrat. Dr. Frankfürter, Direktor Heinrich Glücks m ann, Dr. Eduard T h a l e t, Emil I e l i n e t, Frau Megine Ko psteiN) Chewra-Kadischa für den 16. und 17.: Bezirk, Bethausvorstand für beit' 16. :iuib 17. Bezirk und viele, andere. .

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