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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-11-16 · 44 (16.11.1917) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
44 (16.11.1917)
Date
1917-11-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seit» 719 i-i Lir. Ali>ch?s MochenMist Jmmär. und WMLAWieUr - wId -auf dieangebliche judenseindliche Richtung der Innenpolitik und der gesamten 'staatlichen Verwaltung Hesterreichs hingewiesen, au; die antisemitischen Drohungen in der Presse der maßgebenden deutschen .Parteien.' Fragt man den einzelnen, wofür er in den Krieg gezogen ist so erhalt ment oft sehr merkwürdige Antworten: So erklärten früher einmal russische Gefangene nicht selten, man hätte ihnen gesägt, der Kaiser von Oesterreich sei -ein Jude, ein Zustano, der natürlichi in Anbetracht der Gefahren für ihre galizischen und ruthenischen Brüder unmöglich geduldet werden könne. Heute heißt es umgekehrt, man müsse den Krieg fortsetzen, um die Anden vor dem Gespenst zaris'cher Tendenzen.ut Oesterreich zu retten. Um so gewichtiger ist es, daß österreichische Juden im Ausland .gegen ..solche. Brunnenvergistungen durch Agetiten der Gnrente össentlich energisa). Stellung nehmen, . die Ausstreuungetr, als ob bei uns an hohen und Höchsten S tellen Tenvenzen gegen Luden und Ludert turn vorwalten, nachppücklich zurüclweisert. . Nachstehend geben, wir die Stimme eines „österreichischen Lüvert" aM dem „Israel. Wochenblatt sstr die Schweiz", Nr. 36, wieder, dessen Ausführungen die wei-. teste Beachtung und Würdigung veroienen. Wir roollert . hoffen, daß ferne Darlegungen auf Grund, verläßlicher Informationen geboten sind, und daß die 'Stimrnungeu und Tendenzen oer österreichischen vcegiermtgsrretse in Wahrheit solcherart sind, wie der Verfasser sie mit großem Nachdruck uito hoher Ueverzeugung betont. 'Der „österreichische Lüde'" schreibt dem Schtveizer Blatt:; , i. j , „In der neutralen Presse versucht man das Gerücht zu verbreiten, dag in Oesterreich ern durchaus anrisemrttscher Zug im Werden begriffen ist, daß die Luden hier» alter ÄieaM beraubt, auf dte Ertösüng von Francreich und England angewiesen sind. 7 Mit Verlaub: tch bin Lude, utwHMube, -zum mindesten so jüdisch zu suhlen und utein VöA ch zw strebest, wie es „er frauzo,ische und englische Lüde.sticherlich? nicht' änehr.. und besser Ueverr -kann. Ln diesem ^esühtemno in dieser Empsuwung:bin ich so nnbe,cherden, reinem D-laubensgenoss elt den Vorrang zugeben, vich spreche nur jaus! dem Innersten meiner urberzeugung und wende mich mit.aller Allergie gegen dre ait^ gebrich gutgemeinten Ratschläge, die mts von ementesreunoltcher Sette > erteilt weroen. Zunächst möchte ich bemerken,, paß in Deutschland jetzt ein anderer Zug weht und ein anderer Wind bläst Ich bin nicht nt der Lage, die Leutnantspatente üüfzüzähley, wie jüdischen Reserveossizieren erteilt worden stnd. Diese Schranke ist nunmehr einmal gesalten; ich habe unlängst; gelesen,' daß man in der Verwaltung, und zwar in oer preußischen — ich.betone-nochmals, in der Verw a ltung — keinen Unterschied mehr zu machen gewillt ist hinsichtlich der Nationalität oder des Glaübeüs. Ob es ein Katholik, . ein Protestant wder 'ein Lude fein wird, ob er politischer oder deutscher Abstammung ist, so er ein tüchtiger und verständnisvoller Mensch jei, soll sich ihm T,str und Tor öffnen, um art der Verwaltung seines Vaterlandes teilzunehmen. Ich gehöre noch zu den einfältigen Menschen, die dem Worte eines preußischen Ministers mehr Grauoeu Henkelt als dem des „auf' einmal" menschenfreundlich empfindenden Bratiann. . Was uns Juden in Oesterreich betrifft, ntöchte ich. von vornherein auf die Tatsache Hinweisen, daßes seit Josef >11. keinen Herrscher gab, dem wir Juden mit einer solchert Liebe und Anhänglichkeit zugetaü waren, als Kaiser Franz Josef, der die Tugenden der Juden erkannt, anerkannt und des öfterrr öffentlich ausgesprochen hat, ^wie peinlich' ihn die antisemitischem Hetze berühre.: Eine Tatsache, die, glaube ich, von keinem Menschen bezweifelt wird, der mit den .Verhältnissen in OesterreH einigermaßen vertraut ist. Für:; die Ausführungen eines Ierzaber kann der Staat nicht verantwortlichgemacht werden; es ist allerdings sehr beschämend und sehr traurig, wenn in einer so traurigen. Zeit dieser' Deutschnarroltale, dessen Urgroßeltern wahrscheuttich das Tschechentnm'für sich gepachtet chaben, in so beschämender Wetse gegen die Unglücklichsten und Elendesten der Elenden nno Unglücklichen sprechen durste. Diese beschäinende Tatsache darf jedoch nicht für die ententesreundliche Gesinnung ausgenüM weroetr. Ich gebe geim zu, daß die Behauptungen decmeutralen Presse bezüglich der Behandlung der indischen Evakuierten in den Barackenlagern einer gewissen > Berechtigung nicht entbehrt. Wohlgemerkt: nur emer gewissen Berichtigung. Ich nehme an, daß die Zahl der Flüchtlinge aus. GaUzien ungefähr eure halbe Million. beträgt. Von diesen,500.000 Flüchtlingen sind vielleicht. 20ü.u00 Luden in den Baracken unrergebracht worden. Die Leute,, die über etwaige Mittel verfügen , können, konnten sich mehr oder weniger dort niederta,sen, wo es rhnen paßte und wo sie ihr Leben fristen konnten. Die 20O.000 jüdischen Flüchtlinge waren, arler Altittel beraubt, waren ttur auf die staatliche Hilfe angewiesen und wurden daher in Baracken untergeoracht. Daß es eine sv stattliche Anzahl. von jüdischen Flüchtlingen gab, darf niemand wundernehmen, der nur einigermaßen mit den Verhältnissen vertraut ist. Der Schrei: „Kosaren nahen!", dieser Schreckensruf war die Peitsche, die mit wuchtigen Hieben die Häupter der Unglückrrchen schlug und ihre Füße beflügelt hat. Polen nno Rutyenen sind von detr Nüssen in Merschweugticher Weise Ueoevoll behandelt worden, und wir sehen denn auch, daß sehr viele Ruthenen, sog. Moskalophilen, sich den Russen - anschtoffen: Inden dagegen nrcht. Es ist; auch von der russischen Regierung, -kein Versuch gemacht worden, die jüdische Bevölkerung.für sich zu gewinnen; die russische Verwaltung wußte a priori, daß es vergebene Mühe sei» die Lies eingewurzelten Empfindungen der Treue und UeberzeuZung aus dem Herzen der jüdischen Bevölkerung zu entwurzeln. Was dre zurückgebliebenen Inden von der russischen Invasion zu erlei-oen hatten, spottet jeder Beschreibung; die bestialischste Phantasie kann unmöglich ersinnen, was von den bösen Instinkten entmenschter Individuen während dieser Unglückszeit den Juden zugesügt worden ist. Das ist ein Kapttel für sich. Ich wollte damit nur sagen, daß es nicht zu verwundern ist, wenn eine verhältnismäßig so große Zahl von Juden ihre Heimat verlassen hat. Diese Ueverfturung und Überschwemmung der Flüchtlinge traf aber die österreichische Regierung ganz unerwartet. Sie mag manche Maßregel ergriffen haben, die sehr ungeeignet war, das Elend dieser Unglücklichen zu mildern. Es sei auch kein Trost für mich, wenn ich auf die Tatsache Hinweise, daß es den internierten Ruthenen und den evakuierten Italienern nicht besser epging. Antisemitismus war jedenfalls nichck dabei. Gegen diesen Vorwurf Einsprache zu erheben, fühle ich mich lals österreichischer Jude verpflichtet, und nah und ferne zu verkünden, daß unsere Glaubensgenossen sich ja nicht verleiten lassen sollen, solche falschen Schlüsse zu ziehen.. Ich will keinen Jubelhymnus anstimmen, tote man ihn gern bei Ernennung von jüdischen Ministern zu erheben Pflegt. Es gibt auch in Ungarn einen Juden, der als Minister in der Verwaltung ein tticht zu unterschätzendes Wort mitzureden hat. Ich kamt nur das eine sagen: daß meiner Meinung nach die Juden in den Zentralmächten einer besseren Zukunft entgegengehen, denn bei einer demokratischen Regierung, die allem Anschein nach eine wirkliche Entwicklung der Konstitution darstellt, ist-es ausgeschlojsen, daß Hatz und Unversöhnlichkeit Platz greifen. Ich will auch nicht den Vorwurf unbeantwortet lassen, den man »gegen den jetzigen ^Herrscher e/> 00

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