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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-11-09 · 43 (9.11.1917) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
43 (9.11.1917)
Date
1917-11-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr; 43 Jfir. Bloch's Wochenschrift Seite 71^»- - - Jeden Morgen erschien er bei Hr,. um sie in der christlichen Lchire zu utttexrWen. Rahe! war in den ersten Tagen, von der Ueuerr'Lehre ganz hingerissen. - Und doch bemerkte. Daddäus, als er einmal wie gewöhnli-ch ow' Morgenbei ihr erschien, daß eine tiefgehende Aendernng mit ihr vorgegangen sein müsse; sie schien sehr niedergeschlagen, seufzte schwer und ihr schönes rosiges Antlitz, verzotzj ftch weinerlich. Er frug sie: „Warum bist du heute so traurig, Rahel? Ist es ein 'Kummer, der dich bedrückt? Dann vertraue mir die Ursache an." Rahel erwiderte - seufzend, sie fühle sich in der Abgeschlossenheit^einsam; und wünsche, baldigst aus dem Kloster herauszukommen. Ob sie von einer Reue, von einer Sehnsucht zur Umkehr, erfaßt wurde? Daddäus sah ein, daß die Abgeschlossenheit auf das Gemüt Rachels' verheerend wirkte, und er beschloß einen Verlobten für sie zu suchen und sie mit diesem nach der Dause - zu vermWlen. Er teilte tröstend Rahel sein Vorhaben mit und stellte ihr in Aussicht, bald in ein herrschaftliches Schloßt als Vermählte zu kommen. In der Umigebung von Prag wohnte ein alter Gutsherr, jG>raf WMberg> mit dem Taddäus. intim befreundet war. Der Graf hatte -einen einzigen Sohn namens Ladislaus, der eben seine Studien in Paris beendet hatte. Daddäus. überredete nun den Grafen, Rachel seinem Ladislaus als Frau zu geben. Er lobte sie, pries ihre Schönheit und Bildung; wies aber auch auf das große Verdienst hin, ihtJ- Interesse der heiligen Kirche eine Neopchytin in den Familienstands aufzunehmen. Der Graf und .sein Sohn waren geneigt, auf diesen Vorschlag, einzugehlen, und es wurde besprochen, d.aß sie am nächsten Sonntag nach Prag kommen sollten, um das Mädchen kennen zu lernen und gegebenenfalls auch das Verlöbnis zu feiern. Als nun der Graf und sein Sohn bei Daddäus erschienen, veranstaltete dieser zu ihren Ehren eine große Tafel. - ' / Rachel war von der Ankunft der Gäste unterrichtet, sie machte sorgfältig! Toilette, so daß die Gäste von-ihrer Schönheit entzückt waren. Ladislaus war schon bei ihrem Anblick ' sterblich in sie verliebt. Im Hause Daddäus' wurde ein großes Gelage veranstaltet. Die ganze Nacht 'unterhielt sich' Ladislaus mit Rachel und er überzeugte sich auch von ihrer hohen Intelligenz. Er ließ keinen Blick von i-hr. Auch in Rahels Seele stiegen Empsindungen der Glückseligkeit empor und ihr- Antlitz erstrahlte in einer verträumten Sehnsucht. Nach der Mahlzeit wurde die Verlobung geschlossen. Es wurde.'vereinbart, daß nach etwa zwei Monaten der Uebertriit RaheP zum Christentum vollzögen werden solle, auch sollte die VerNfMung am gleichen Tage stattfinden:, R'ahM Brüst, durchströmtd ein Glücksempfinden. In diesemAugenblick fühlte sie sich von ihren Eltern, von ihrem Stamme, won ihrer "Religion völlig entrückt, ,gast verwünschte sie diese in HreM Kerzen, Ladislaus schenkte ihr. einen kostbaren RinA auf dem sein'Name und Familiensvappen eingraviert waren, und nachdem er sich von seiner Braut warm verabschiedet hatte, reiste' er mit seinem Vater'nach Hause. (Fortsetzung folgt.) . Meratur. / Zum G>Mtz,-Zentenarium. - Emige -Bemerkungen Heinrich Loewes in dein Aüfsatz, den er im Jüdischen- MatiMälkalender*) über Grätz veröffentlicht hat, *) Wien 1917, Verlag„Jüdische Zeitung". veranlassen mich zu folgenden Ergänzungen. Grätz hat sich nicht? nur jahrelang mit dem Plane einer Palästinaressc getragen, er . hat das Land der Väter wirklich besucht. Mau. braucht hierüber. '.. nur die meisterhafte Biographie nachzulesen, die Philipp Bloch vor etlichen Jahren in der '„Monatsschrift" dem größten Geschichtschreiber des Judentums gewidmet hat. Ich hatte . Ge- . legenheit, in einen Briefwechsel über das Projekt dieser Palästina- .. reise Einblick zu nehmen. Es spiegelt sich darin die glühende Energie wieder, die Grat: wie in allen so auch in diesem Punkte Entwickelte. Don ihm empfing ich auch sowohl im Kolleg als auch in mancher privaten Unterredung den Eindruck lebendiger Anschaulichkeit, mit dem über»! nsere älteste Geschichte nur der reden kann, der selbst . den teuren Boden des heiligen Landes betreten hat. Unter d<r ' Nachwirkung dieser anregenden Zwiegespräche faßte auch ich den: Entschluß, die tausendfach geweihten Stätten unseres Heimat- . landes zu besuchen. - . .<■ Loewe tut den Schülern von Grätz unrecht, wenner ihnen Mangel an kongenial-jüdischem Empfinden vorwirft. Um nur einen zu nennen, erinnere ich an David Kaufmann, in dem doch Grätz selbst mit Stolz sein getreues Ebenbild erblickte. Oder ' war der treffliche Rippnec, von .vielen anderen zu geschweige») - nicht, durchaus Geist von seinem Geiste? Auch die Tatsache/ daß ... Grätz ThrenmitglieH-^der ersten schlagenden jüdischen Verbindung! des Breslauer „Vkadrina" war. der auch Hörer des Seminars teils zu ihren Mitgliedern, teils zu ihren ständigen Gästen zählt«. >. verdient in diesem Zusammenhänge erwähnt zu werden. Daß Grätz den. Ostjuden gegenüber eine ablehnende Haltung gezeigt haben ,, sollte, davon habe ich weder aus seinen Schriften. noch aus Person-- lichem Verkehr etwas wahrnehmen können. Mit besonderer Genug- : tuung zeigte er uns vielmehr eine Huldigungsädresse, die ihm von jüdischen Studenten aus Rußland zu seinem siebzigsten Geburtstage gesandt worden war, und die ihn als den Erneuerer des jüdischen Selbstbewußtseins feierte. Unter den mannigfachen Ehrun- . gen aus diefeni Anlaß, unter anderem die Ernennung zum korrespon-; dierenden Mitglied der Madrider Akademie der Wissenschaften, hob er diesen Beweis feiner Wirkung auf die ostjüdische Jugend .. hervor. Unter meinen. Kommilitonen am Breslauer Seminar fand sich mancher aus dem. Osten. Ich habe nie bemerkt, daß Grätz - diesen Elementen weniger Entgegenkommen bewiesen hätte - als jedem anderen seiner Schüler.- Ein Mann von seiner universellen :.? und insbesondere umfassend jüdischen Empsindungsweise war über ( kleinliche Vorurteile erhaben. Bitter empfanden, wir es, daß auf seinem Grabstein nichts?-' von seiner einzigartigen Bedeutung, für das Judentum, nichts von> seiner langjährigen Tätigkeit am Rabbinerseminar gesagt wiich. Nur als „Ilniversitätsprofesfor" wird er in seiner Grabschrift verzeichnet, für die ihn gewiß niemand verantwortlich machen kann. 7-! Dies und manches ändere, was uns das Herz bedrückt, wenn der liebwerte Name in unserer Erinnerung austaucht, kommt auf Rech-^ - nung eines Zeit- und eines Kulturmilieus, das gerecht zu beurteilen \ man eben in seinem Lebenskreise gestanden haben muß. Waser - uns Juden gegeben und besonders, was er als der unerschöpfliche- . Quell fruchtbarer- Anregungen, auch als der liebevolle Förderest ... . seinen Schülern gewesen, stellt ihn auf ein Piedestal, zu dem sich in diesen Tagen wieder hie herzliche Dankbarkeit einer großen Ge- ' meinde von Verehrern erhebt. G, ' r „Gottes? Volk" von Dr, Mäthan Birnbaum. Kr^ 1.50, iMk. 1 — R.' Löwit Verlag, Wien und Berlin. Diese Schrift gibt überwäl--?--j tigendes Zeugnis für die größte Intuition der WMgeschichte, die. . - :- jüdische Eotteserkenfltnis und für die religiöse Disziplin des..j$s difchen Volkes. EiitS von heiligem Zorn durchglühtä Abrechnung, mit den Heiden-Juden als einer Truppe der europäischen Heiden- Rebellen gegen, die alte jüdische Revolution der Geister! Ihnen sMt Birnbaum das gläubige jüdische Volk (namentlich des Ostens) ''äls'<„ Gottes Volk" entgegen. Er enthüllt aber auch dessen Schuld . v; .'und Schwäche, die in der Vernachlässigung des Älessiasglaubens x'ünd in dem Mangel einer autoritativen ,,Glaubenshüterschast'' ' ihren Grund haben. Er Zeigt die befreiende Tat, der sich der jin Gründung begriffene Bund der „Aufsteigenden" beispielgebend wid- . ... men will. „Gottes Volk" ist eine feurige Bekenntnis-, Kampf-, ' Postulatenurifr doch keine; Werbeschrift. Der Verfasser sagtes ausdrücklich, daß er sich nicht einbilde, die „Heiden-Juden" bekehrär »- Z!u können. Bekennend will er aus ihren Reihen treten. Das. Buch wird jedenfalls zu vielfachem Echo zwingen. Die Zeitdgrf nicht an ihm vorbei. " .- Oscar Philipp.: Lieder v o m W e g e. Im rührigen Anzengrub'er-Verlag ist mitten im Weltsturm dieser Band Lyrik eines > Wiener jungen Autors erschienen. Lieder, die zum Teil abseits vom.-';.. Wege liegen, in den Abschnitten „Liebe", „Wundmale". ..Aufstieg^' ' in funitDoIlen Metren die weibliche zarte Seele des Dichters schildern. In ganz überraschender, Weise trifft^ wieder einmal ein-fü-s . / bischer ' Dichter, den deutschen' Volksliederton, ' so namentlich i m - ,/Rosenmärchen'; ..Mädchen im Frühling" und - änderen Liedern^' - .-^die auchl.schon eine Vertonung gefunden haben, wie man selten äLßtz-V--?fo sangbare Lieder stoßen; wird, wie die Philipps. Der blutige»! ' Gegenwart tritt er schon im „Tal der Tränen" entgegen undmon.^.. hoher Warte sieht er aus die Leiden der Gegenwart. „Wir hören'' *

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