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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-11-09 · 43 (9.11.1917) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
43 (9.11.1917)
Date
1917-11-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr, 43 Dr. Bloch's Wochenschrift Seittz 709 auch dort der Krieg, allein, die Wirkungen und Begleiterscheinungen sind da einzig in ihrer Ärt. W ist zur Genüge bekannt, daß -die wirtschaftliche Lage unserer Glanbensbrüder inr Heiligere Lande von jeher eine derartige war. daß sie nur durch die wirksame Unterstützung ihrer Heimatländer ihre Existenz' behaupten konnten. Run hat der Krieg nicht allein den Zufluß der regelmäßigen Unterstützungen aus Gegenden, die von der feindlichen Invasion des öfteren heimgesucht wurden, wie z. B. Ostgalizien und -die Bukowina, nahezu vollständig unterbunden,, sondern überhaupt eine Entwertung des dortigen inländischen Geldes Mit sich gebracht, wie man sie sich bei uns käuM vorstellen kann. In der Türkei war nämlich vor Kriegsbeginn Papiergeld so gut wie unbekannt, die Münze war das alleinige dort int Umlauf bekannte Zahlungsmittel, und erst nach Beginn des Krieges wurde das Papiergeld eingeführt. Aber alle Regierungserlässe und Verordnungen konnten den Araber, welcher die ganze landwirtschaftliche Produktion in Händen hat, von der Gleichwertigkeit des Papiergeldes nicht überzeugen. Alle Drohungen und Strafen blieben fruchtlos. Dieser Umstand ist für unsere Glaubensbrüder in Palästina -zu einem wahren Verhängnis geworden; denn will Man ausländisches Geld oder Wertpapiere umwechseln, so kann ntan dafür —- Mit einer kleineren oder größeren Valutaeinbuße — nur türkisches Papiergeld erhalten. - Dieses türkische Papiergeld aber muß, wenn miau dafür etwas kaufen will, wieder in Gold umgewechselt werden. Hieraus ergeben sich Verluste bis zu 90 Prozent! Unter solchen Umständen ist es nicht zu verwundern, wenn berichtet wird, daß dort die Leute auf der Kasse vor Hunger zusammenb rechen, daß ein Heer von Krankheiten — bei empfindlichstem Mangel. an Aerzten und Medikamenten. — den größten Teil unserer Kolonien dahingerafft hat,, soweit, daß oft von ganzen Familien kein einziges! Mitglied übrig geblieben ist, daß die Leute all ihr Hab und Gut veräußern müssen, um sich am Leben erhalten/zu können,- und daß sie nun, ohne Hauseinrichtung, ohne Kleider, ohne Schuhe, ohne Nahrung und ohne Licht der kalten Jahreszeit mit Entsetzen entgegensehen. Dazu die unzähligen verlassenen Waisen inr zartesten Kindesalter, die buchstäblich der Gasse und in des Wortes schauerlichster Bedeutung dem währen Hungertode preisgegeben sind. Kein Wunder auch, wenn die Ueberlebenden den letzten Rest ihrer Habseligkeiten ver-, äußern und'in der Flucht nach ihren Heimatländern ihr Heil suchen. So kommen jetzt wöchentlich nach Ungarn und von dort nach Wien Mehrere Hunderte solcher Unglücklichen. Das Los, das sie hier erwartet, unterscheidet sich nicht um' vieles von jenem, dem sie zu entrinnen 'hofften. Was nützt'es, wenn Wohlfahrtsorganisatiouen, unter ihnen auch unsere „Hilfskommission 1915 für Palästina", alle Hebel in Bewegung setzen, um entsprechend große Summen, zusammenzubringen, wobei unser Auswärtiges Amt, in wahrhaft hochherziger und dankenswerter Weise tatkräftig fördernd smitwirkt, um dieses grenzenlose Elend . lindern zu helfen. Unter den geschilderten Umständen ist jede private Hilfe illusorisch. Ausgiebige und wirksame Hilfe kann hier nur der Staat bieten. Sie muß ehestens erfolgen, wenn er den spärlichen Rest, der noch übrig geblieben ist, zu retten gewillt ist. Unsere österreichischein GlaubensibrÄder im Heiligen Lande haben ihre Vaterlandspflichten, stets treu, erfüllt, und ihre patriotische Gesinnung und Anhänglichkeit an Kaiser und Reich ist auch in der Fremde immer wach geblieben, Es ist daher sowohl vom politischen wie vom menschlichen. Standpunkte aus -dringend geboten, sowohl, den hier Eingewanderten als ' Mch. deilin den Kolonieu noch Verbliebenen ausgiebige staatliche Hilfe angedeiheu zu lassen." .. ' Wir wollen tzvffen, daß unser Hilferuf für die armen Unglücklichen von -unserer Regierung entsprechend gewürdigt werden wird. . Nicht unerwähnt lassen wollen wir, daß jede Maßnahme zugunsten unserer jüdischen Landsleute in Palästina auf das Wohlwollen Sr. Exzellenz des Herrn Ministers Tij e ma l Pa sch a rechnen darf. Was Herr. N i f s i m M i z r a h i aus Damaskus, dessen Mitteilungen über die dortige Lage.vorige Woche in der „Oesterr. Wochenschrift" wiedergegeben wurden, uns über das Ent- . gegenkommen berichtet, welches Djemäl Pascha unseren Staatsangehörigen in so vielen Fällen bewiesen hat, bestärkt uns tu der Hoffnung, daß unsere Bemühungen zur Besserung der-Lage unserer palästinensischen Brüder an dieser jetzt höchstgebietenden Stelle des Heiligen Landes wirksamste Unterstützung finden werden. Djr. Grunwald. Kaiserliches Tänkschreiben an die ungarischen Juden in der Schweiz. Von Herrn Rabbiner Oskar. Grün, Zürich, wurde Kaiser und König Karl zu seinem Geburtstag mit nachstehendem Telegramm beglückwünscht: „An die Kabinettskanzlei Sr. Apostolischen Majestät des Kaisers und Königs Karl in Wien. Anläßlich der Geburtsfeier Eurer Apostolischen Majestät flehen wir inbrünstig mit den Worten des königlichen Psalmisten: „Jomim al jnle Melech taussif, schnaussow kemo daur wodaur!" (ins Deutsche übersetzt.' ./Gewähre dem König glückliche Tage, mehre Seine Jahre von Geschlecht zu Geschlecht!") den Segen des Mlmächtigen auf das glorreiche Haupt Eurer Apostolischen Majestät zum Heile der geeinten Völker des Habsburgischen Reiches herab. Mögen die Strahlen göttlichen Segens in immer hellerem Lichte des Glückes und des Friedens über Eure Majestät und aM Himmel der Donaumonarchie erglänzen! In unwandelbarer Treue Rabbiner Oskar Grün, Zürich, im Namen der in der Schweiz lebenden ungarischen Juden."« Hierauf traf .folgende Antwort ein: „Herrn Rabbiner Dr. Oskar G r ü n, Zürich. Euer Wohlgeboren l Das k. u. k. Generalkonsulat wurde über Allerhöchsten Auftrag im Wege der k. u. k. Gesandtschaft angewiesen, Ihnen, als Vertreter der ungarischen Juden in der Schweiz, welche Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät zu Allerhöchstihrem Geburtsfest ihre Glückwünsche dargebracht haben, für diese Glückwünsche den Dank Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät bekanntzugeben. Diesem Aufträge gemäß, beehrt sich das k. u. k. Generalkonsulat, Euer Wohlgeboren zu ersuchen, den huldvollen Allerhöchsten Dank den ungarischen Juden in der Schweiz zu übermitteln. Indent ich diesem« Auftrag Entspreche, benütze ich diesen Anlaß, um den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung zu erneuern. Zürich, iM Oktober 1917. Dtz-r k. u. k. Generalkonsul." Kais. Rat T!r. Theodor Lieben sel. A. , Wien. (T o d e s s a l l.) Unter großer Beteiligung aller Gesellschaftskreise Wiens wurde der Erste Sekretär der Wiener israelitischen Kuliusgemeinde, kais. Rat Dr. Theodor Lieben, auf dem Zenträlfriedhof zu «Grabe getragen. Der Kültusvorstand mit dem Präsidenten Dr. Alfred 'St e vn all der Spitze, die Beamtenschaft, Rabbiaer. Lehrer nnö Funktionäre'wären anwesend und zahlreiche Vereine msso |

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