Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 43 (9.11.1917)
- Date
- 1917-11-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 706 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr- 43 CP 03 03 f/3 03 Massenversamwkmg jüdischer Keorgskavaliere. Eine interessante Versantmlung hat, wie russische Blätter berichten, vor kurzem in Petersburg stattgefunden. Eine uwhrtausendköpsige Menge, besteheird aus lauter jüdischen „Georgskavalieren", das sind Juden, die sich / als Soldaten in den verschiedenen russischen Kriegen das Georgskreuz für besondere Tapferkeit erworben haben, begab sich zum Puschkin-Denkmal, wo die Versammlung unter freiem Himmel abgehalten wurde. Es' wurden mehrere Reden gehalten; unter den Rednern befand sich ein junger Besitzer des Georgskreuzes, der an der Schlacht vom 18. Juni teilnahm mrd in seiner Rede die Versmnmeltcn aüssorderte, alles daranzusetzen, um die revolutionären Errungenschaften und die durch die Revolution gewonnene Freiheit zn sichern. Besonderen Beifall rief die Rede eines' 56 jährigen „Georgskavaliers" hervor, der es bis zuM Unterleutnant brachte und fünf Georgskreuze besitzt. Auch er sprach im selben Sinne, wie sein Vorredner. __ AntiseMirische Maßnahmen der Ilegierung Menizekos'. Aus Griechenland kommt die Nachricht von einer bevorstehenden antisemitischen. Maßnahme der schlimmsten Art seitens der griechischen Regierung. Im Anschluß an die jüngst erfolgte Zerstörung eines großen Teiles von Saloniki hat die griechische Regierung der Kammer einen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach alle Immobilien in Saloniki, die Juden gehören, z w a n gsw eise enteignet werden können. Die Vergütung soll in griechischen Schatzscheinen geleistet werden. Die Verwirklichung dieser Maßnahme würde eine Vertreibung und' V ernichtnng des! Judentumsin Saloniki. bedeuten, die um' so brutaler erscheint, wem: man weiß, daß gerade in dieser. Stadt die Judenwirtschaftlich und politisch die führende Rolle spielen. Die liberale griechische Presse selbst verurteilt den Plan der Regierung als ein Verbrechen an der spanischstüdischei: Bevölkerung der Stadt, die Saloniki aus einer unbedeutenden Balkanstadt zu einem Weltmarkt ersten Ranges und zu einen: wichtigen Hafen entwickelt haben. Der Grund dieser antisemitischen Maßnahme der griechischen Regierung des Venizelo s ist in der politischen Haltung der Salonikier Juden Zu suchen. Diese, früher Anhänger des Venizelos, widersetzten sich aufs energischste seiner ententistischen Politik, der gegenüber üe die Neutralitätspolitik König Konstant'ins unterstützten. Wegen dieser Haltung scheint nun Veniz-elos irr dieser brutalen Weise jetzt Rache an ihnen nehmen Zu wollen, derselbe Venizelos, der sich als Vertreter der.„Freiheit" und der „Demokratie" gebärdet, und Griechenland von dem „autokratischen.Militarismus" seinesfrüheren Königs „retten" wollte. Offenes Schreiben an die Führer der österreichische Jndenschast in Wien. Von der Front aus wenden wir uns mit diesen Zeilen öffentlich an die. Führer ' des Judentums in Oesterreich. Die größte jüdische Gemeirche Oesterreichs ist irr Wien; die Vorsteher urrd Leiter dieser Gemeinde find darum auch die Führer des österreichischen Gesamtjudentums und Laben sich wiederholt öffentlich als solche bekannt. Der ehrwürdige Präsident der Wiener israelitischen KnltusgeMeinde ist auch- Präsident der Israelitischen Alliarrz und des Oesterreichischerr GeMeindeburrdes. - An ihn und an. seine Kollegen nAsstn wir jüdischen Soldaten an der Front uns mit den spezifisch 'jüdischen Bedürfnissen, wenden. - . Die jüdischen Soldaten an der Front haben rreben den Mit allen Kameraden geteilten nochandere, aus den: Judentum entspringende Interessen. Das Judentum bedeutet uns eines der wenigen geistigen Werte, durch die man sich fortwährend mit der Heimat verbunden fühlt; es ist.uns eine Zuflucht in Stunden der Verzweiflung und seelischer Depression. Der Krieg hat unser Interesse für alles Jüdische vertieft, und wir wollen wissen, wie es Mit dem Judentum in der Heimat bestellt ist. Das lebhafte Interesse der jüdischen Frontsoldaten für jüdische Dinge findet aber nur ungenügende Befriedigung. Warum sorgt man nicht für solche Belange? Die Heeresverwaltung hat nicht die Aufgabe und die. Pflicht, alle solche Bedürfnisse zu befriedigen. Der christliche Soldat wird mit religiöser und nationaler Literatur reichlich verfehlen, und zwar, durch Bemühungen und Leistungen nichtstaatlicher Organisationen? Warum denkt das Judentum nicht daran, seinen Söhnen im Felde die gleiche Wohltat und Sorgfalt zuzuwenden? Ein deutsches Gebetbuch fürs Feld zum Beispiel, das, verständnisvoll abgefüßt, das Entpfinden des Gebildeten befriedigt, wäre ein dringendes! Bedürfnis' und sollte jedem Soldaten von der Heimat ans unentgeltlichgeliefert werden. Zeitschriften sind ein zu seltener Artikel an der Front, jüdische Werke und Bücher so gut wie gar nicht zu finden. Und doch Müßte (bei aller Anerkennung der Schwierigkeit der Verwirklichung) jedem Mann mindestens eine jüdische Zeitung öder Zeitschrift Zur Verfügung stehen. Eine kurzgefaßte Feldausgabe der Geschichte des jüdischen Volkes bis zur Gegenwart wäre hochwillkommen. \ . Unsere Kameraden Mischen Glaubens in der deutschen Armee werden von Mischen Organisationen ' in Deutschland ungleich besser bedacht -und versorgt. Diese erhialten viel Lektüre jüdischen Inhaltes' und eigene Festschriftchen lehrreicher Natur zu jedem' jüdischen Feiertage. Wir stehen an der Front und kämpfen zunächst aller- - dings für Kaiser und Vaterland. Allein wir kämpfen auch gleichzeitig für die Ehre des Judentums. Dias.soll-- ten die jüdischen Führer in Wien doch ernstlich-bedenken. Indem wir treu in Not und Tod an der Front unsere Pflicht erfüllen, känipsen wir auch für die Ehre des jüdischen Namens. Empfindet das österreichische Judentum gegenüber seinen Söhnen an der Front gar keine Pflichten? An diese ernsten Pflichten wollen wir hiemit öffentlich die Führer des Wiener Judentums, die Herren Präsidenten und Vorsteher, sowohl der Gemeinde als auch der Allianz sowie anderer Organisationen ernstlich gentahnt haben. Sollte es denn heißen, daß Juden npr solche Pflichten erfülle::, die durch Gewalt erzwungen werden, die moralischen Pflichten aber Mernachlässigen? Nein! Wir hoffen, daß dieser unser öffentlicher Appell nicht ungehört verhallen wird. - - Alfred Ellinger, Korporal, Konrad H'e.iM Einj.-Freiw., > - iM Mamen von 40 Unteroffizieren und Einjährig-Freiwilligen. Zur gegenwärtigen Notlage der Juden in Palästina! - Es ist an dieser Stelle zu wiederholten Malen auf die beispiellose Notlage unserer Glaubensbrüder im Heiligen Lande hingewiesen worden, aber alle Schilderungen vermögen nicht annähernd ein Bild von. dem wirklichen Elend zu bieten, welches, von Tag zu Tag sich .ausbreitend, iMiuer bedenklichere Dimensionen anniMMt unddie dortige:: Mischen Änsiedlungeü vollständig zu vernichten droht. Die Ursache des Elends ist wohl, wie überall, .