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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-11-09 · 43 (9.11.1917) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
43 (9.11.1917)
Date
1917-11-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 707 Iie aufopfernde Tätigkeit eines Kriegsgefangenen Delegierte des . RotenKreuzes, Austauschinvaliderr und kriegsgefangene. Kranke^ so wird dem. „Egyenlöseg" geschrieben, wetteifern in dem Lob der aufopfernden-Tätige teit, welche der als! Gefangener in einem russischen Gefangenenlager befindliche jüdische Arzt Dr. Moritzi Mandel dort entfaltet. Dr.- Mandel war, als der Krieg ausbrach> Arzt in Ungvar. Am Tage der Mobilisierung -rückte er zu seinem. Regiment ein und lvurde an die Karpathenfront kommandiert. Anläßlich eines Umfassungsangriffes seitens der Russen fiel er in Gefangenschaft und wurde in das Kriegsgefangenenlager von Kansk gebracht, in welchem 6000 Kriegsgefangene interniert sind. Was Dr. Man del von diesem Moment an für seine Leidensgenossen tat und noch tut, wird für alle Zeiten ein Ruhmesblatt jüdischer. Menschenfreundlichkeit bilden! Tie -sanitären Verhältnisse in dem Kansker Kriegsgefangenenlager waren dazumal die denkbar traurigsten. Cpide- . unen wüteten und forderten unerbittlich! ihre Opfer. Als Dys-Mandel diese schrecklichen Zustände sah, schritt er ungeachtet dessen, daß er selbst fern von den Seidigen das bittere Brot des Kriegsgefangenen aß, mit unerhörter Kraftanstrengung an die Eindämmung der verheerenden Epidemie, opferte jede Minute der Rettung seiner Landsleute und .wandte,, ohne sich UM die Todesgefahr zu kümmern.. in wÄche er sich daselbst begab, seine ganze Kraft auf, bis er seine Bemühungen von Erfolg gekrönt sah. Eine ungeheure Zähl von Briefen und Dankeszuschriften, welche Jnspizierungsreisende und Besucher des Lagers sowie iheiMkehrende Austauschinvaliden aN die in Ungvar lebende Gattin des Dr. Moritz Mandel richten, sind herrliche Dokumente seines überaus segensvollen Wirkens. Frau Baronin. Magdalene S t e i n a cke r aus Sussel. Frau .G.-p. '. H e bö e n staM aus Stockholmschrieben in be- .geistertem Tone von der übermenschlichen Rettungsaktion, welche Dr. Moritz Mandel für seine Landsleute unternommen hat. Der Aüstauschinvalide Dr. Bela von Jesfenszky, der vor seinem Einrücken Richter beim Nyitraer Gerichtshof war, spricht in einem an Frau Dr. Mandel gerichteten Schreiben zu Tränen gerlchrt von seiner Dankesschuld an -den aus-gezeichneten Arzt, dessen unermüdlicher, laufopfernder Tätigkeit er es zu danken -habe, daß er jetzt in der Lage sei, den Brief eigenhändig zu schreiben. Dr. Mandel ist heute der gesuchte Arzt der vornehmen Kreise von Kansk und hat ein sehr großes Einkommen. Diese seine Einkünfte verteilt er jedoch- bis zur letzten'Kopeke an seine unbemittelten Leidensgenossen, ivodurch er Hunderten junger Leute das Gefangenenleben wenigstens halbwegs erträglich macht. Es wurden wohl wegen. des Austausches dieses hochverdienten Arztes bereits Schritte unternommen, doch dürften diese, wie die Kenner der Kansker Verhältnisse glauben, gerade. mit Rücksicht auf seine heilbringende, erfolgreiche Tätigkeit dortselbs! kaum einen Erfolg haben. Zum zweitenmal in Kriegsgefangenschaft. Samuel Rath!, Bankbeamter, Reserveleutnant, war bei Ausbruch, des Krieges Einj.-Freiw.-iGefreiter in einem Honvedregiment und' kam als! solcher mit der ersten Marschkontpagnie an die russische Front. Er näh>m an .den - DoMaschower Kämpfen seines Regimentes teil, bis er am 28. August verwundet mit der.gesamten Mannschaft des Verbandplatzesin russische Gefangenschaft geriet. Ein Häher russischer Offizier Machte ihm die weitestgehenden Versprechungen,' wenn er die Stellungen unserer Friippen verraten wollte.,Ro th verweigerte selbstverständlich jede Auskunft. Zwei Tage verbrachte er im Tomaschower Spital, von wo er mit mehreren Offizieren und Einjährig-Freiwilligen nach. ZamoSzee transportiert wurde. Unterwegs gelang es ih!m, mit Hilfe einer Ulanenvatrouille zu. entweich eit; Kurze Heit darauf .ging er — diesmal schon als Kadett — zum zweitenmal an die rmfsische- Front, machte in der Szurmay-Gruppe den ganzen Winterfeldzug mit, bis er am- 23. Zlpril Hum zweitenmal verwundet wurde. Damals wurde er für die- Eroberung der Höhe 1001 bei Mechngla und für die Rettung einer Kompagnie vor der drohenden Gefangennahme mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse ausgezeichnet und zuM Fähnrich befördert. Nach kurzer ÄpitalsbHandlung ging er abermals auf den Kriegsschau- :\ Platz und kämpfte, bis er am 11. Oktober an der Strypa zum zweitenmal in Gefangenschaft geriet. Gegenwärtig hält er sich-, wie „Egyenlöseg" meldet, als Leutnant in Kurgan auf. Zusammentreffen zweier Kriegsgefangener Brüder. Aus Arad wird folgende rühmende Geschichte uUtgeteilt: Die Szene hatte sich an einem der Letzten Feiertage vor der Synagoge in Arad abgespielt. Während derT- Pause im Gottesdienst standen die Gläubigen auf dem Platze vor der Synagoge. Unter ihnen auch eine Gruppe russisch-jüdischer Kriegsgefangener. Plötzlich! ging ein älterer russische-jüdischer Soldat auf einen jüngeren Gefangenen zu, fiel ihm uM den Hals und beide begannen laut zu schluchzen. W! hatte sich, bald herausgestellt, daß beide Brüder.waren, die durchdie Ereignisse des Weltkrieges nach Ungarn verschlagen wurden. Beide sind Kriegsgefangene und stehlen in Arad in Arbeit. Der ältere. Selig A daMkoo, ist Kaufmann in Astrachan, sein jüngerer Bruder, heißt Jfak Adamkov. Beide arbeiten schon seit neun Monaten in Arad und trotzdem waren sie kein einzigesmal einander begegnet und keiner wüßte, wo sich! der.andere aufhälr. Der .ältere arbeitet in einer -L-alamifabrik, der andere an einer Papierfabrik^ Bor zwei Jahren hatten sie sich znm letztenmal gesehen. Ws der ältere Bruder vor zwei Jahren einrückte, war der jüngere noch! kaum den Kinderjahren entwachsen. Die Szene dieses Zusammentreffens hat auf die Augenzeugen derselben einen Mächtigen Eindruck gemacht. Ire Juden und die ukrainische „Uada". Bor Monaten bildete sich ein ukrainisches Zentralkomitee. Diese oberste Instanz des ukrainischen Volkes, die „Rada", beabsichtigt nun, der jüdischen Bevölkerung fünfzig Sitze einzuräuMen, und zwar in folgender Verteilung: 15 Bundisten, 7 Paale Zion, 13 Zionisten, 2 Sozialisten .und die anderen bürgerlichen Gruppen (Volksgruppe, demokratische Vereinigung usw.) 13. Die Zionisten Kiews werden in der Zentral-Rada durch N. Syrkin, M. B. R o s e n st e i n, I., M. M a - chower und I. S. Schulmann vertreten sein. Ferner ist Dr. N. S. Syrkin zum Vorsitzenden einer Kommission gewählt worden, die einen in Kiew stattsindenden Kongreß der nationalen Minderheiten Rußlands vorzubereiten hat. Russische Juden in Hoffen AmLssteUen. Wie Petersburger Blätter Melden, wurden in jüngster-Zeit abermals mehrere Inden ,.in hohe Amts-- stellungen berufen. So wurde das jüdische Mitglied des Banernrates Gurewitsch zuM Gehilfen des Ministers des Jnnerrr ernannt. Der Poale-Zwnist R n t e n b e r g wurde.. der Gehilfe des Oberkommandanten des Petersburger Militärrayons, während die Herren Trachte nberg und Brodski zu Friedensrichtern in Petersbürg ernannt wurden. Mräig uuseren Vätern unä vrüäern im Felde zeichnen wir die 7. Kriegsanleihe.

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