Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-11-09 · 43 (9.11.1917) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
43 (9.11.1917)
Date
1917-11-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3020846-3022248-3022292--26415-3051773
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ofcs 48 Ljr. Moch's W-ochrnfchrist 'Sette 7Ü3 Chile, wö er in WjüjstengMeten unter Tondecken mächtige Lager bildet, -Ne wWrend langer Zeiträume aus verwesten Psiartzen- und Tierresten entstanden sind.' Run ist Salpeter und die daraus gewonnene Salpetersäure nn Kriege unentbHrlich denn einmal bestehen die modernen Schießpulver der 'Hauptsache nach aus Mtrozellulose, einer chemischen Verbindung, welche durch Einwirkung von Salpetersäure auf Baumwolle (oder andere Zellulose) gewonnen wird, sodann aber können wichtige chemische Verbindungen für die Sprengtechnik, z. - B. Nitroglyzerin (der wesentlichste Bestandteil des Dynamits), T>rinitrotolnol (das gleichfalls als Sprengladung dient) und das Knallquecksilber der Sprengkapseln nur mittels Salpetersäure hergestellt werden. Damit nicht genug, ist Salpeter auch als Düngemittel für die Landwirtschaft derart wichtig, daß im Frieden gut 75 Prozent der Salpetereinfuhr den Aeckern zugesührt wurde. . - Es läßt sich daher leicht ermessen, daß die Zentralmachte bald hätten zusammenbrechen müssen, wäre Englands Plan gelungen. Glücklicherweise hat jüdisches Genie diesen-Plan vereitelt, so daß wir bereits länger denn drei Jahre erfolgreich den Ansturm unserer Feinde abschlägen. ihnen empfindliche Schläge versetzen ' können. Jüdisches Genie? Ist das nicht eine Anmaßung? Wir wollen sehen! Es ist bekannt, daß derzeit weder Oesterreich-Ungarn . noch Deutschland auf die Zufuhr des Salpeters angewiesen sind. Die Arbeit, welche in Chile von der Natur geleistet wurde, vollziehen heute in unseren Fabriken Chemiker und Ingenieure, indem sie nämlich den allerwichtigflen Bestandteil des! Salpeters, das Element Stickstoff, das den überwiegenden Anteil der Lust bildet, in ge- - brauchsfähiger Form an gemeine Materialien, wie z. B. das Kalzium des' Kalks, den Wasserstoff des Wassers binden. , , ' Nun sind es zwei Verfahren, welchie uns die Nutzsbarrnachung des Luftstickstoffes ermöglichen, nämlich dasjenige von Ha bi er und .das' von Frank und Caro. Daß H ß b e r und Caro jüpischer Ab stammung sind. . ist sicher;' von Fra n k läßt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit vermuten. Ware letzterer aber auch nicht Jude, so kann doch für alle Zukunft darauf hingewiesen werden, daß der Anteil des Judentums' an den Siegen der Mittelmächte sichkeineswegs an der.Zahl der jüdischen Krieger bemessen läßt, daß er sich nicht an der größeren oder geringeren Frontdiensttauglichkeit jüdischer Männer erschöpft, sondern daß er zu den allerwesentlichsten Grundlagen der Kriegführung, sogar als eine von deren Hauptbedingung gewählt werden mußj. Wird nun Pie Frage gestellt: In welchem Maße hat sich das Judentum der Mittelmächte am Kriege beteiligt?", so tritt das Maß. mag man welche Aussühirungen immer zu dessen Kennzeichnung und Beantwortung wiMen. nicht in das richtig^ Licht. Lautet aber die Frage: „War der Krieg der Mittel- Mächte ohne Anteilnahme des Judentums zu gewinnen?", so muß darauf geantwortet werden: „Nein!" Dabei soll'gewiß nicht verkannt werden, daß die erwendungsMöglichkeit keineswegs nur Juden verdanken. Sogar rühmend muß hervorgehoben werden, daß das Ha bersche Verfahren ein schönes Laboratoriumsexperiment geblieben wäre, härten nicht deutsche Fabriken mit ihren Stäben von genialen Chemikern und Ingenieuren es für die Praxis erst tauglich gemacht, und ebensowenig Erfolg wäre dem Verfahren von. Frank-Caro geschieden gewesen, würden nicht gleichfalls geniale deutsche Chemiker und deutsche Fabriken überaus wichtige Grundlagen' dazu geliefert haben. Dse Frage nach der Autorschaft von Erfindungen Werhanpt,u selbst für den Fachmann zuweilen eine harte Nuß) kann nicht in der Weise ^Manttvortet werden) wie es meist vom Publifirm geschieht. denn heutzutage müssen gar viele Kräfte umgreifen, ehe eine, technische Erfindung fertig dasteht, und ein Baustein kann ebenso wichtig wie der Grundstein sein. Aber die. erwähnten beiden Verfahren tragen mit "Recht die Namen der Initiatoren, und der größte Ruhm der Herren Frank und Caro bleibt es, daß sie trotz der Erfolglosigkeit des berühmten französischen (gleichfalls jüdischen) AheMikers Maissau schon im Jahre 1895 die Versuche zur Anlagerung des Stickstoffes an Karbide wieder aufnahmen und erfolgreich, wenn.auch mit geringer Ausbeute, beendigten; und daß Daher, einige Jahre vor dem.Weltkriege, aus.rein theoretischen Erwägungen der physikalischen Chemie die so oft vergeblich versuchte Anlagerung des Stickstoffes an Wasserstoff unter schr bedeutenden experimentellen Schwierigkeiten erzwang, bildet ein ebenso inhaltsreiches Ruhmesblatt dieser Erfindustg.. Tie zuletzt aufgeworfene Frage ist.somit richtig konzipiert und Heren sachgemäße' Beantwortung allein würdigt den Anteil des Judentums,am 'Kriege der Mittelmächte. Nur Anfeindungen sind es, die zur Illumination des jüdischen Genies nötigen; ohne diese wäre das Genie deutsch gewesen und deutsch geblieben. Dies zu keinem anderen Zwecke, als zur Steuer der Wahrheit und Gerechtigkeit! Tie Berner Friedenskonferenz und die JuLenfrage. ,' Am 19. November findet in Bern eine von der „Zentralen Organisation für einen dauerhaften Frieden"; einberufene Friedenskonferenz statt. Hervorragende Po- . litiker aus .allen Landern — so der Generalsekretär der . interparlamentarischen Union Christian L ange aus Nor- : wagen, der Leiter der schwedischen Liberalen Baron Adel- . ward, die holländischen ehemaligen Minister.Heems-- ' kerk und van Oyu, die deutschen Reichstagsabgeord- . neten ScheideMann, Bernstein, Gothein» Erz- . berger und Minister a. D. Dernb-urA der bekannte . österreichische VölkerrechMchrer La m m a s ch, der ungarische Parteiführer Graf Karolyi, die italienischen Professoren Ghisleri und Michels, der Cambridger!Gelährte Dickinson — haben ihre Anwesenheit zugesagt. Der Präsident der Organisation, der holländische Mgeordnete und ehemalige Staatssekretär im Justizministerium) Da H. C. Dresselhuys, äußerte sich Zu einem Redakteur des Jüdischen Korrespondenzbureaus im Haag Über die Bedeutung dieser Konferenz für das - jüdische Problem wie folgt: „Die Berner Konferenz hat die Aufgabe, das Mi- . niMumprogramm, welches im April 1915 auf einer Konferenz von Vertretern verschiedener Länder iM Haag ausgearbeitet wurde und die Grundprinzipien eines dauerhaften Friedens in wenigen programmatischen Sätzen ausspricht, durch konkrete Formeln zu ergänzen, die dem : Friedenskongreß als Basis seiner Verhandlungen dienen können. Tjas Minimumprogramm, das in. allen Ländern dWutiert wurde und allgemeine Billigung fand, sagt in seinem zweiten Punkt: „Die Staaten werden den aus ihrem Territorium lebenden Nationalitäten bürArliche Gleichberechtigung, religiöse Freiheit und den freien Gebrauch ihrer Sprache gewährleisten." Selbstverständlich gelten diese Grundsätze, auch für die Juden. Werdings werden sie nicht allgemein zur Anwendung kommen können. Nur in jenen Ländern, wo die Juden in Masse siedeln und ihre Sonderärt deutlich zutage tritt, wird ihnen kulturelle Autonomie ebenso gewährt werden müssen wie ftder anderen Nattonalität des Landes. Das jüdische Minimum--- Programm) pne es vom Zionistenführer Max Rordauc formuliert wurde: 1. in allen Landern, wo die Juden in geringer Anzahl leben, volle Rechtsgleichheit; r-y-b O» rsi cor 11 951

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.