Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-11-02 · 42 (2.11.1917) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
42 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022248-3022291--26404-3051761
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr; 42 Dir. Bloch's Wochenschrift Seil» 693 Zukunft AU sorgen, verharren die Juden in fruchtlosem Sch'weigem Die Juden, welche im' Reichsrate, im Herrenhause und in anderen öffentlichen Vertretungskörpern sitzen, besorgen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Geschäfte aller möglichen Nationen und sozialen Schichten, halten sich aber von der so brennenden jüdischen Frage fern. Dies hat zur 'Folge, baß die österreichische Regierung, welche Heute notgedrungen allen Forderungen der Völker Rechnung! >zu tragen bemich't ist, über die Juden einfach zur Tagesordnung geht und sie der Willkür antisemitischer,-bestensalls verständnisloser Beamten und Behörden .überläßt. Es! ist die höchste Zeit, daß sich die volkstreuerr jüdischer: Elemente sammeln, nicht zu schwacher, blutloser Abwehr, sondern zu positiver Arbeit für das jüdische Volk und für den Bölkerstaat Oesterreich. Die wichtigsten Fragen, an deren Lösung die organisierte , Judenschaft schreiten mußi, sind: Gewährleistung der Re ch t e de s j -std i scheu Volkes' . du r ch die ö st e r r e i ch i s ch e V e r f a s s u-n g. Die Verfassung muß den Juden ausreichende Vertretung in der Regierung und im ^Rate der Krone, muß den Juden insbesondere der: gebührenden Einfluß aus das jüdische Schulwesen Schaffung einer Repräsentanz des gesamten österreichischen Judentums a u f d e m o k r a t i s ch e r B a - sis. Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten jüdischest. Existenzen durch den Staat. Jugendfürsorge. Maßnahmen gegen die Benachteiligung der Juden im öffentlichen und sozialen Leben u. dergl. m. Ter Redner erörterte alle diese Fragen aufs gründlichste unb schloß unter stürmischen Beifallskundgebungen. ' Nach der Debatte, in welcher Herr Jakob Kraus und Dr. Glanz ihrerseits den Gegenstand der Tagesordnung gründliche erörterten, wurde nachstehende Resolution einstimmig angenommen: „Die versammelten österreichischen Kultusbeamten begrüßen die Einberufung eines Kongresses, welcher in erster Linie für die Sicherung der Rechte des jüdischen Volkes durch! die österreichische Verfassung. sorgen -wird, und fordern alle Kollegen im Reiche aus, sich in den Dienst dieser großen Sache zu stellen." Ferner erklärten die Anwesenden, dem Jüdischen Nationalverein beizutreten. Die Versammlung, welche als bedeutsamer Fortschritt der jüdischen Volkssache angeschien werden muß, wurde vom Vorsitzenden nach dreistündigem, würdigem Verlaufe geschlossen. Tier jüdische Kriegerfrievhiof in Zaküczyn (Westgalizieu). Tie unter dem IGHrenschntz des Kaisers stehende Aktion der KriegsgraberWrsorge hat in der jüdischjen Bevölkerung das größte Interesse Hervorgerufen, denn Tausende jüdischer Familien beklagen den Verlust ihrer Männer und Söhne, die in jenen Kriegerfriedhöfen ruhen. — Es gibt bereits einige jüdische /Kriegergräber, u. a. in Zakliczyn -in Galizien. ' - Von informierter Seite erhalten wir die .folgende interessante Information: Das k. u. k. Militärkommando Krakau hat in dem etwa 10.000 km2 umfassenden westgalizischen Kampfgebiet der Kriegsjahlre 1914/1915. durch hochherzige Spenden der Großindustrie, des Großgrundbesitzes und aller Kreise der Bevölkerung unterstützt, 378 Kriegerfriedhiöfe erbaut, die infolge ihrer wahrhaft künstlerischen Gestaltung und ihrer mvnumentalen Durchführung ein dauernder Schmuck des^ galWchen Landes bleiben werden. . Die Bauarbeiten sind auf den meiste:: dieser Anlagen schön vollendet und gehlen auf. den übrigen ihrer nahen Vollendung entgegen. p- .In: aftgen:einen haben es die Un:stände nicht erlaubt, bein: Zusammenlegen der aus den ursprünglichen Gräbern exhumierten Leichen aus eine Trennung nach dem religiösen . Bekenntnis Rücksicht zu nehmen. Handelte es sich doch in jenem ersten Stadium der/Arbeiten zumeist um Unbekannte, deren Identität erst später auf Grund von umfangreichen und mühevollsten Nachforschungen festgestellt werden konnte. Nur für die in den Spitälern verstorbenen Soldaten war es möglich, konfessionelle Friedhöfe anzulegen. Ein solcher Kriegerfriedhof für jüdische Soldaten wurde in Zakliezyn erbaut. Der Entwurf der sorgsam in Hausteinen ausgesührten Anlage stammt von dem künstlerischen Leiter des betreffenden Gräberbezirkes Oblt. 'Robert M o tka. Ein schön profiliertes Mauerwerk» dessen obere Kante sich in der Mitte gefällig auswölbt, um für eine Jnschrifttafel Platz zu Machen, und durch vorspringende Seitenbacken zu einer Nische vertieft wird, schließt dft Begräbnisstätte rückwärts ab. Mit Rücksicht auf den kleinen Raum ist von einer massiven Ummauerung abgesehen worden. Die Einfassung besteht aus einem zierlichen Stabgitter zwischen steinernen Pfeilern und läßt den Einblick frei auf die zwölf symmetrisch angeordneten Gräber, die mit edelgesormien Grabsteinen geschmückt sind. Von den hier beerdigten Soldaten sind zehn Oesterreicher-Ungarn und ein Russe namentlich bekannt. Die ftlnsrigen gehörten dem F.-J.-jB. 24, dem J/R. 66, dem Tir. Jäger- Reg. 1, dem J.-R. 30 und dem S.-B., 3 an. Tlie Wirkung der feierlich anmutigen Architektur dieses Kriegerftiedhiofes in Zakliezyn wird durch zwei schöne Trauerbirken, die zu beiden Seiten der Denkmalswand angepftan-zt wurden, noch wesentlich vertieft. Der Vorübergehende kann sich deM ergreifenden Eindruck dieser Ehrengrabstätte an der Landstraße nicht entziehen. Sie reiht sich würdig ein in die Menge der kleinen und großen Kriegerfriedhöft, die .Wer ganz Westgalizien werstreut sind und einen rWrenden, künstlerisch wertvollen Schmuck dieses Landes bilden, in dem. sich an jede Hufe Bodens Erinnerungen an die Schrecken der ersten Weltkrieg fahre knüpfen.. . Der Wunsch, diese.Ehrenmale der Helden, die hier gekämpft haben und gestorben sind, für immerwährende Zeiten in ihrer vollen Schönheit unversehrt erhalten zu wissen, muß in jedem', den sein Weg daran vorbeisührt, lebendig werden. Diese Erhaltung aber bildet eine ernste Sorge, für den Staat, in dessen Eigentum diese zahllosen Begräbnisstätten in allen Kampfgebieten übergegaügen sind. Ein sehr bedeutendes Kapital wird nötig sein, um aus dessen Zinsen die vielen Kräfte sicherzustellen:» die zur beständigen Pflege und immer neuen Instandsetzung erforderlich sind. Einen Grundstock für dieses Kapital soll der Allgemeine Kriegsgräber-Tag zu legen helfen, den ' das unter dem 'Allerhöchsten Protektorate Srkais. und köniK Apostolischen Majestät stehende Komitee für die Kriegsgräbersür-, so'rge in Oesterreich (Wien, 9. Bezirk.Canisiusgasse, Postsparkassenkonto Nr. 157.270) in der Zeit vom. 31. Oktober bis 2. . November l. I. veranstaltet. Die in so großzügiger Weise bekundete Opftrwilligkeit aller Kreise der Bevölkerung wird sich gewiß auch diesmal wieder bewähren, damft die vielen Hunderte von Ehrengrabstätten, die Oesterreich seinen und den Heldensöhnen seiner Verbündeten erbaut Hat, für alle Zeiten als stolze GedächtnisMale der schwersten Prüfungen, die je über Europa gekommen sind, bewahrt bleiben. Spenden bitten wir an die Adresse des genannten Komitees' zu senden. c c & § #1 (I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.