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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-11-02 · 42 (2.11.1917) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
42 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile «92 Dr. Bloch's Wochenschrift! Nr; 42 i i I>4 cn i Nachdem noch Knltusvvrfteher Dr. Schreiber in warmen Worten die GMährung des''Darlehens' befürwortete, wurde'der Antrag des Referenten Dr.^ Wilhelm Pappe nhe i iw einstimmig. angenommen. _ Kais. Rät Dir. Theodor Lieben sel. A. , Soeben erhalten wir die Trauernachricht von dem Hinscheiden des-1. Sekretärsder israel. Kultusgemeinde Dr. Theodor Lieben, der einem Schlaganfall erlegen ist. Dr. Theodor Lieben, in Prag am 18. März 1843 geboren, wurde am! 15. Dezember 1870 all der Universität in Graz zum Doktor der Rechte promoviert. Am 24. De- Aevlber 1870 bWann er seine. Rechtspraxis beim k. k. Landesgerichte in Wien, wurde am 24. August 1871, unter Belastung in dieser Diienstoerwendung, Zum n.-ö. Auskultanten entmint und am 2. Februar 1872 dem k. k. Handelsgerichte in Wien zugeteilt, woselbst er bis 17.-Februar' 1873 verblieb. Von diesem Zeitpunkte ab steht er in ununterbrochenem Dienste der Israel. Kultus'gemeinde Wien. Zunächst an der Seite des' Dichters Lud> wjg August Frankl, Ritter von Hochwarth, später als dessen Nachfolger. Die Leitung der weitverzweigten Geschäfte der größften Wischen Gemeinde in. Mitteleuropa bedarf eines! Mannes! von hoher Intelligenz und vielem Takt, von praktischem Scharfblick, ausdauernder Geduld und persönlicher Liebenswürdigkeit, und Man darf sagen, daß! diese Qualitäten in der Person und in dein Chiaräkter des Verewigten sich in glücklichster Harmonie vereinigten. Unter seiner Führung ist die Verwaltung der Kultusgemeinde zu hohem Ansehen gelaugt und genießf die Anerkennung bei all den Behörden, mit wachen die Kultusgemeinde kraft ihrer mannigfachen Agenden , in Verbindung steht. Seit^seinem. Eintritt hat sich! -sMstverstandlich^der - Kreis der Agenden der GetNeinde ungeheuer erweitert, nach allen Richtungen ausgedehnt und demgemäß! auch der Beamtenkörper, welcher die Arbeitslast zu bewältigen hat, an Umfang Zugenommen, dabei wuKe er den immer mehr gesteigerten -Pflichten seines' Achtes! voll und ganz gerecht zu werden. Seine Stellung brachte es'mit sich, daß! er einen großen Parteienverkehr zu absolvieren hatte. Jeder, der je einmal mit ihm Zu tun hatte, weiß seine Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehr, sein herzliches! Entgegenkommen zu rühmen. Eine vornehme, inoffensive Natur, voll Güte des Herzens^ hat er Wohl in seinem ganzen Leben niemandem mit Bewußtsein weh> getan, geschweige denn ein Unrecht zugefügt. Er erfreute sich auch! darum in allen Kreisen der Gemeinde eines' hohen Ansehens, welches sich auch! darin.äußerte, daß Herr Dr. Lieben von hervorragenden Ge'meindemitgliedern zur Beratung herangezogen wurde, wenn es galt, Werke der Wohltätigkeit und der Menschenliebe zu schaffen, testamentarische Verfügungen gemeinnütziger Natur zu treffen, bei Widmung von Spenden und' bei Errichtung von Stiftungen. Im Jahre 1898 wurde sein Wirkenvon Allerhöchster Stelle anerkannt und durch! Verlechüng des Titels eines' Lriserlichen Rates ausgezeichnet und im Jahre 1913, anläßlich fernes 40 jährigen Dienstjubiläums, wurde ihm das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. Eine ganze, große Anzahl von Wohltätigkeitsvereinen, deren Ehrenncktglied er war, verliert in chm den nie versagenden Förderer ihrer ncknschenfreundlichen Bestrebungen. Kais. Rat Lieben Unterläßt eine Witwe, einen Sohn, Dr. Anton Lieben, der zurzeit als' Oberarzt im Felde steht, und zwei Tochter. Bei der gestern,.abWhaltenen Sitzung! des Vertreterkollegiums der Wiener KultnsgetneiWe widmete Präsident Dr. Alfred Ster n dem Tahingeschiedenen tiefempfundene Worte der Würdigung und Aberkennung! seiner langjährigen' ausgezeich!- neten Tätigkeit. W! wurde einhellig, beschlossen, dem Verblichenen ein Ehrengrabzu widmen.'.Alle,' die-ihm je nahe gestanden, werden ihm ein ehrendes Andenken be- " wahren. v;; Mn Nachwort zum Motestantentag, Bei aller Verkleinerung, die sich! das Judentum von jeher von deutscher Seite gefallen lassen muß, hat mich in dem wahrhaft glänzenden Vortragszyklus, den die protestantische Gemeinde in der Dorotheerkirche' über Luther veranstalten ließ, doch! Mehr als^ überrascht, daß Pastor Warze, in einem.mchr als einstündigen geistvollen Vortrag über das berühmte Lutherlied „Ein' feste Bürg ist unser Gott" wohl erwähnte, er h!abe biefeu gewaltigen Ruf unerschütterlichen Gottvertrauens im Felde von Katholiken und Juden anstimMen gehört, aber ganz unerwähnt ließ!, haß das! Lied eine Umdichtung des 46. Psalmes ist,' die in der berühmten Psalm e it ü b e rsetz u ng von dem P r o t e sta n ten Khi t t k direkt unter dem Titel „Eine feste.• Burg", „..geführt wird. Hingegen konnte man in allen Vorträgen hören, nur einem d e n t - schen Gemüt, deutschem Heldensinn, deutschem Gottvertrauen könne dies Lied entspringen.' Nur Pastor Rittelmayer aus Berlin setzte ganz am Schluß, den Kontrast zwischen Umdichtung Und Original auseinander; wie ier Luther schilderte/ den Mann aus! dem , Volke, der furchtlos für sein Volk vor. Kaiser und Reich trat, diese Schilderung paßte auf den Sohn Jsais, der furchtlos vor Goliath und Saul trat, aus Ähnlichen Situationen ist Davids sogenanntes „Lutherlied" entsprungen, so ist es der Kampfruf nicht nur deutschen Starrsinnes am Hergebrachten geworden, sondern das gewaltige Schlachtlied der Makkabäer, als solches bekanntlich . d er Chanükkaltturgteeinverleibt, was allen Rehnerit unbekannt schien. Ohne die unsterblich en Verdienste Luthers als Dichter undSchriftsteller bemängeln ' zu wollen, schien mir gerade aus! der Zusammenstellung Rittelmayers hervorzugehen, daß! Luther das Lied verbauert und vergröbert aus dem hebräischen Kulturgeist in den deutschen, damals' weit engeren, Unabgezogen hat. Daß aber alle anderen Redner nicht einmal erwähnten, daß diese gepriesene Großtat Luthers, dieses große Geschenk an die Nation in Wahrheit ein Geschenk des Judentums! an das Deutschtum ist, berührte mehr als peinlich.' Clotilde Bendikt. An.'irerkung. Vor zirka 30 Zähren. fand in Wien ein Lutherkommers statt, bei dem mein Kater erschien, ein aufrechter Jude , und. Freidenker. Der damalige Kommersleiter konnte sein Befi eiiiden bari'ti'cr Jiicl/t un:ert>ri'>lN-n, besonders da dre ine.srcil kaMolische , Professoren ferne geblieben seien. Mein -'Vater erwiderte sehr * richtig,,jeder deutsche Schriftsteller müsse dankbarst des Schöpfers der deutschen Schriftsprache gedenken und Dankbarkeit sei stets eine hervorragende Eigenschaft des Judentums gewesen. Tje Organisierung der öMrreichischen Juden schuft. Am 23. Oktober d. I. veranstaltete der „Büdische Nationalverein sjür Oesterreich" im Adlonsaal eine Versammlungder österreichischen Kultusbeamten mit der Tagesordnung ,,Die Lage der Juden in Oesterreich, Schaffung einer Reichsbrganisation der Juden". Tie Versammlung war'von mehreren Hinderten Beamtet, Rabbinern, Lehirern und Bediensteten besucht. Den Vorsitz, führle der Vizeobmann Dir. S. Kaßner, Kultus'vorstehler aus Czernowitz. Das Referat erstattete der Obmann des Vereines^ Ingenieur Robert S t r i ck er, Vorstandsmitglied -der Wiener Kultusgemeinde. Er entwarf ein umfassendes BW von der Lgge des jüdischen Volkes Und schilderte die Umwälzungen, welche der Krieg innerhalb des Judentums heworgerusen hat! Während ällo . Völker des Reiches ’ikmW an!der -Mb'mLfitchs-- für - -Me' - 15

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