Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 41 (26.10.1917)
- Date
- 1917-10-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 683 Nr, 41 ' Dr. Moch's . ihm Zu sagen:' „Der Rabbi verzichten aus deine Fische; nur 'tom'me schnell nach- Hause."; Flugs begap sich! der Schämes zum Flusse, und^als er dorthin tanh traf er den Golem inmitten des reißenden Stromes! im Wässer watend, und er machte sich nochmals daran.- die Netze unterzutauchen. Daher schrie Abraham C-haftn: „Der Rabbr hat besohlen, daß du gleich nach Hause kommst!" . Der Golem Zeigte chm jedoch, den Sack aushebend, daß dieser noch nicht voll ist. Da schrie Abraham Chaim: „Wisse, Josef, der Rabbi hat gesagt, er verzichtet auf deine Fische, und du kannst' auch ohne Fische nach Hause kommen."' Alser dies hörte. schäftete er rasch die Fische in den Fluß und lief nach Hause. Als Rabbi L ö M davon erfuhr, lachte er und sagte zu seinen Leuten: > - „Nun .sehe ich, daß sich., der. Golem wirklich nur sur,kj heilige.!Zwecke eigneh und er darf, mit einfachm Dingen nicht beschäftigt werden." . "Seit dieser Zeit hütete man sich noch 'mehr, sich des;.Golem zu bedienen. . , 8. W o z u d e r G o l e m v e r w endet w.u r d e. Rabbi Löw bediente sich nun des Golem nur in jenen Fällen, wo es sich darum ,handelte, irgendeine, das Judentum angehende Beschuldigung auszuklären. Wenn er ihm eine Mission auftrug, wobei eine Gefahr drohte, rüstete er ihn mit einem Amulett aus,, daß er unsichtbar wurde. Von Jahr Zu Jahr, in der Zeit zwischen Purim und Pessach, der Saison der Btutbeschuldigung gegen die Juden, in den /Gewändern eines christlichen Lastträgers gesteckt, wandelte er Nacht für Nacht im Ghetto umher. Sobald, er ein verdächtiges Individuum erhaschte, besonders wenn dieses irgendein .Bündel trug oder einen Wjagen kutschierte, da lief er gleich auf dasselbe zu und revidierte gründlich den Inhalt. Wenn er ein totes Kind fand, führte er, Gewalt anwendend, das Individuum mit der Kindesteiche zur Behörde, und nachdem er dort auf verschiedene Art die Aufmerksamkeit auf den Mann gelenkt Hütte, verschwand er. . Der Golem , wurde der. Schrecken der Feinde. Einige hielten ihn als ein „Gespenst des Rabbi Löw". 9. Der Golem als Spitzel. Wochenschrift Es war eine entsetzlich siustere flacht, als hätte Gott über alle Dinge der Welt Schwärze gegossen. Um Mitternacht lud Hawlicek das Schwein auf den Wagen und. im Judenviertel vorbeifahrend, war er im Begriffe, die Kindesleiche behutsam durch das Kellersenfter in das Haus Mordechaj Meisels hineinzuwerfen. Aber der Wächter Israels schläft und schlummert nicht. Nachdem der Golem eine Zeirlang während der Dunkelheit der Nacht treu dem Befehle seines Herrn — Umschau gehalten harte und nach verdächtigen Individuen spähte, erblickte er einen Wagen, auf dessen Bock ein Mann kutschierte. Ein Wagen. . .? Flugs war er auf diesen und suchte alles gründlich durch. Als er auf das Bündel im Rumpf des geschlachteten Schweines stieß, nahm er rasch seinen Lederriemen und band Hawlicek an den Wagen fest. Tiefer, selbst ein Mann von athletischem Bau, versuchte, sich mir vor Wut verzerrten Zügen zu wehren, und er rang mit seinem Angreifer. Als ihm dieser aber einige feste Schläge versetzite und er Zu bluten begannt, verging ihm die Lust am Zweikampfe und wie ein Tier, das gebändigt wird, gab er nach. Nun übernahm der Golem das Kutschieren und fuhr in schnellem Tempo direkt zum Polizeiamr. Vom Rollen des Wagens und dem Geschrei des Hawlicek aufgerütrelt. eilten die Polizeimänner herbei und befreiten das Opfers den in seinem Entsetzen kein Wort sprechenden Hawlicek. Beim Scheine vott Fackeln wurde der Wagen durchsucht, um festzustellen, was! -der nächtliche Attentäter.seinem Opfer raubte. Und so fand man die in einem Gebermantel eiugehüllre Kindesleiche. Als Hawlicek zum Bewußtsein kam, gab er auf Befragen die Wahrheit an unb beteuerte, Pas Kind nicht ermordet Zu haben. ' ' Der Golem aber war längst verschwunden. Morgens verbreitere sich in der ganzen Stadt die Nachricht von dem seltsamen Detektiv. Um so mehr steigerte dieser Vorfall die seindlichü Gesinnung des Taddäus gegen Rabbi Löw. Er begriff, daß hier Rabbi Löw die Hand im Spiele hatte urrd geheimnisvolle Kräfte dazu verwandte. Er verbreitete daher, Rabbi Löw sei ein Zauberer. Um diese Zeit lebte in Prag der berühmte Wohltäter und Primäs Mordechaj Meise l. . Ein christlicher Fleischer namens H u w l i c e k schuldete ihm fünftausend Gulden, um deren Zahlung ihn Meisel bei Gericht klagte. ■ Hawlicek sann nun auf ein Mittel, um Meisel in den Kerker Zn bringen, da er wußte, daß. dieser, falls ihm: seine Absicht gelänge, aus seine Forderung vergessen werde. ' . . Es kam die Zeit vor dem Pessach-(Osterftfest. : - . Hawlicek beschloß, in das Haus Mordechaj Meisels eine Kindesleiche Zu schmuggeln, umdann-, gegen ihn eine. Anzeige wegen Kindesmordes bei der Behörde zu ■ erstatten. Sn Prag stand das Schlachthaus jenseits der Judengasse. so daß auch die christlichen Fleischer diese Gasse passierten.. Hawlicek kam daher auf folgenden Einfall: Er öffnete das Grab eines jüngst verstoßenen Kindes, nahm die Leiche mit sich in das' Schlachthaus, wo er in einem versteckten Winkel der Kindesleiche die Kehle durch schnitt, als'wäre das Kind rituell geschlachtet, versah es noch mit einem ' kleinen Gebetmantel und steckte dann die Leiche in has Innere eines geschlachteten Schweines. ' . . ftietafar. H. L. Eisrustadt, Dr. med. (Berlin): Methoden uud Ergebnisse der jüdische» Krankhe.ttstattsttt. Zeitschrift für Psychotherapie und mediz. Psychologie, Band 7. Hest 2/3, 1S17. Eisenstadt, der über die Erfassung der Krankheiten und Todesursachen der Beamten insbesondere iin Postdienst viel und z. Teil recht Wertvolles gearbeitet hat, gehr in dieser Abhandlung den Problemen der jüdischen Pathologie zu Leibe. Wenn er die Ergebnisse anderer Autoren zum Beweis heranzieht, kommt er auch bei der Betrachtung der jüdischen Krankheitsverhältnisse zu dem Schluß, daß es sich uni tmc Sozialpathologie, die Ausflüssen des Berufes und des Milieus handle, welche der Krankheitsstatistik der Juden ihr Gepräge gebe. Insbesondere kommt er dabei eingehend auf den Einschlag der Sexualfrage zu sprechen und stellt hier die Spätehe und ihre Folgen in den Vordergrund; „Der Begriff der Spätehe besteht ans einigen komplett schädigenden Faktoren: Syphilis. Alkoholismus des Erzeugers, unzweckmäßige Wahl der Gattin > Mitgiftehe) öfter, auch das vorgerückte Alter eines oder beider Ehegatten, jene noch unbekannte Schädigungen." Auf die Mitgiftehe zielt die gutß Erklärung: „Eine Liebesehe ist für die zahlreichen jüdischen Akademikex proletarischer Herkunft schon mit Rücksicht auf ihre zu versorgenden Kinder immerhin gewagt.' Auch sonst finden sich eine Reihe treffender Bemerkungen, die lerder durch die nicht klare Disposition und stellenweise sich isolierende Art der Arbeit ins Hintertreffen geraten. Im Verfolg einer Untersuchung stellt E. den äußerlich vom ökonomischen Gesichtspunkt aus besiegten sozial pathologischen Ursachen die medizinischen sexnäl-päthologischen Folgen gegenüber. Die Sozialpsyche löst die Sexualpsyche ans, je unnatürlicher beide — in ständiger Wechselwirkung zueinander — sind, desto stärker die abnormen Gesundheitsverhältnisse.