Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-10-26 · 41 (26.10.1917) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
41 (26.10.1917)
Date
1917-10-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022248-3022290--26387-3051743
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr . 41 Dr< Bloch's Wochenschrift Sette 677 Kurz zusaMMengesaßt, ist es die tiefe seelische Innerlichkeit und der starte ethische' Ernst, welcher die jüdische und die. deutsche Gedankenwelt einander nahe rücken und ein Voiles gegenseitiges Verständnis Möglich machen. Wieviel nrehr bedeutet ein solcher innerer Zusammenhang als alle Stimmungen oder auch Verstimmungen des Augenblicks. ' Von solcher Ueberjzeugung aus wird sichleicht auch eine Beantwortung der Fragen ergehen, welche, der Artikel von Professor Strack behandelt. Man wird 1. für die Juden im Osten unbedingt die, volle 'Rechtsgleichheit fordern müssen, man wird freilich dabei 'nicht vergessen dürfen,^ daß die bloße Form der Gleichstellung keinesfalls genügt, sondern daß Mit ihr eine kräftige wirtschaftliche Hebung Hand in Hand gehen muß. Zu Punkt 2 möchte ich den allgemeinen Gedanken vertreten, den ich sonst schon ausgesprochen habe, daß eine Milderung des streng nationalen Charakters des Staates überall da notwendig ist, wo eine größere Minderheit einer anderen Nation diesem Staate angehört. Ich finde es sowohl aus Moralischen wie aus' 'politischen Gründen notwendig, daß auch dieser Minderheit innerhalb' eines' solchen Staates die.! Möglichkeit einer eigentümlichen Entwicklung mrd selbständigen Mitwirkung zuteil wird. Was.aber den anderen Nationen recht ist, das Müßte auch für die Juden recht sein, sofern der heute die ganze Welt durchdringende nationale Gedanke auch sie ergriffen hat. Was drittens die zionistische Bewegung betrifft, so scheint sie mir wohl berechtigt und in mancher Hinsicht eine glückliche Lösung; natürlich müßten dabei die Rechte der gegenwärtigen andexen Bewohner Palästinas vollauf gewürdigt werden, und W Wrfte derlMnistische (Gedanke nicht zu einem Druck fürdiejenigen Juden werden, welche.andere Wege suchen. Durchgängig wird gegenwärtig zu halten sein, daß zpcht. verwickelte Problenre handelt, die sorgfältige Prüfung' und ernste Arbeit verlangen, aber es besteht nicht der mindeste 'Grund zum Zweifel daran, daß das' deutsche Volk Mit der ihm eigenen Gründlichkeit und dem ihm innewohnenden Gerechtigkeitssinn dabei in keiner Weise hinter anderen Völkern zurückstehen wird. Mn jüdischer Invalide. Es ist ein. 42 jähriger Mann, der uns seine Geschichte erzählte. 'Er stand seit langem im Felde, -rückte bis zum Zugsführer vor und kämpfte an verschiedenen Fronten solange, bis« auchihm das Schicksal ereilte. Nach seiner Genesung — wenn Man es so nennen mag — wurde er als -invalid aus deM Heeresdienst entlassen. Er bezieht seit dieser Zeit die bekannt geringe Invaliden- -Pension. Um durch die Arbeit seiner Hände, die ihm beide zu seinem' Glücke, geblieben, sich 'am Leber: zu erhalten, wandte er sich an die Arbeitsvermittlung für Kriegsinvalide, 7. Bezirk, NeubaugürLel 32, mit der Bitte, ihm eine Beschäftigung zuverschaffen. Er erhielt dort auch eine Arbeitszuweisung, und zwar an die k. u. k. Barackenv erw altung in Bruck a. d. L., die einen Unteroffizier für Kanzleidienste suchtet Als er, dessen Name -allerdings sofort auf sein Glaubensbekenntnis schließen läßt, bei der Barackenverwaltung . vorsprach, mußte er aus den: Munde des dortigen Verwalters selbst hören, daß Juden nicht aufgenommen wür-. bell, eine Mitteilnnig, die uM so mehr befremdet, als sie, .so sagte derselbe Verwalter, in einem ministeriellen Erlässe ihre. Stütze finden soll. Uns ist von einem derartigen Erlasse nichts bekannt. Wir zweifeln auch an seinem Vorhandensein. Doch finden wir, daß hier Aufklärung unbedingt nötig ist; sie zu fordern, haben wir alle ein Recht, denen daran liegt, daß gleiches Recht für alle gelte. Eines steht aber bereits jetzt fest, wie sich die Sache auch immer verhalten mag: Tie im Anfänge genannte Arbeitsvermittlung Müßte von dieser harten Bestimmung — sei sie nun durch das Ministerium oder den Verwalter getroffen — Kenntnis haben, damit nicht durch sie Bewerber nach Orten außerhalb Wiens entsendet werden, um dort zu erfahren, daß man sie. weil sie Juden sind, nicht brauchen kann und sie — selbstverständlich auf ihre eigenen. Kosten — wieder dorthin schickt, woher sie gekommen sind. . Budapest. Minister Dr. Vazsonyi hat anläßlich des Todes seines Vaters, des pensionierten Lehrers Adolf Weißfeld, von der Kabinettskanzlei Seiner Majestät folgendes Telegramm erhalten: . „Se. kais. und kön. Ilpost. Majestät haben mit Bedauern Kunde erhalten von dem! Ableben des Vaters Ew. Exzellenz und geruhen. Ew. Exzellenz anläßlich - des schweren Schlages Sein tiefes Beileid auszndrücken. Aus Allerhöchsten Befehl: Baron Nagy." — Im Zeremoniensaal des Kerepeser israel. Friedhofes fand vorige Woche unter großer Teilnahme die Leichenfeier für Adolf Weißfeld statt. Anwesend waren: die Minister Dr. Grecsak. Mezössy, Gras Hadik, Ugron, die Staatssekretäre Nemethy, Tery, Markgraf Georg Pallavicini, Baron Bottlik, Palugyay und v. Tolnay, Bürgermeister Dr. Barczy, die Vizebürgermeister Body und Der:, Oberstadthauptmann v. Sandor, die Abgeordneten F. Szekely, Graf Karolyi, A. Szekely, Bakonyi, Lehel Hedervary. Letay, Zlinßky, Benedek, Petö, Ernst Brody, Springer, Laehne, Barpn Heinrich.Gnttmann, Südbahndirektor Breuer, Vertreter des Wahlrechts- und des Justizministeriums sowie der kön. Staatsbahnen, die Leitung der Pester israel. Kültusgemeinde (Dr. Stiller, Generalsekretär Dr. Weißburg, Baron Herczel u. a.), Vertreter der Pester Chewra-Kadischa (Präsident Hosrat Winterberg, Generalsekretär Endrei), die Theaterdirektoren Gabriel und Nikolaus Faludi, Wordnungen der DeMokratenvereine, der sozialdemokratischen Partei usw. Nachdem der gesangliche Teil der Zeremonie durch Oberkantor Tkats unter Assistenz des Tempelchors vollzogen war, hielt Rabbiner Dr. Adler eine wirkungsvolle Trauerrede.^ Am offenen Grabe sprach Abgeordneter Dr. Alexander- Petö, worauf die Beisetzung erfolgte. >Mne LandeMier der Juden Ungarns. Einen bedeutsamen Beschluß hat der 6. ungarischisraelitische GeMeindedistrikt in seiner am 15. Oktober in Budapest abgehaltenen Vollversairrmlung gefaßt. Es wurde nämlich in dieser Versammlung einhellig beschlossen, im Monat Dezember d. I. .aus Anlaß der 50. Jahreswende der Emanzipation der Juden Ungarns eine Landesverfammlung in Budapest abzühalten. Der 6. GeMeindedistrikt ist der größte im Lande, er vertritt mehr als eine Viertelmillion Juden, und es ist gar kein Zweifel, daß auch, die übrigen Gemeindediftrikte sich diesem Beschlüsse anschließen und die Landesversammlung quantitativ wie qualitativ gut beschicken werden. Die israelitischen GeMeindedistrikte bilden ein Glied in der Landesorgänisation derneo logen Juden Ungarns und an ihre Beschlüsse halten sich auch! nur der neologen Richtung angehörende Juden des Landes. Es ist leider kaum anzunehmen, daß die Orthodoxen dieses nicht nur für die Juden Ungams allein so bedeutsame historische Datum gemeinsam mit den Neologen feiern werden, denn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.