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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-10-26 · 41 (26.10.1917) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
41 (26.10.1917)
Date
1917-10-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 67« Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 41 denken wir wn diesen heiligen Tag. Wie ein Lauffeuer verbreitet es sich! in die Schwarmlinie, ob Jude oder Nichtjude, jeder spricht -davon. „Ja," vernehme ich „die Israeliten haben morgen einen besonderen Tag." Der kommende Tag wird doppelt besonders. Von schwindelhaften Höhen werden wir -unseren Gott um Vergebung und Versöhnung anrufen. Feldwebel Fleischer und Zugsführer: HoffMann haben väterlich gesorgt, daß - die hier befindlichen GlaUbensbrüder zusmnMen den Tag verbringen konnten. Ein Lebensmittelmagazin wurde geräumt, mit den nötigen Einrichtungen versehen, und unter Zischenden Kugeln und herumfliegenden Schrapnells haben wir mit Fasten und Beten den' Tag verbracht. Das andächtige Vorbeten des Gefreiten Duxler hat so nmnchem Kampferprobten Tränen entlockt. Zum Schluffe wünschten wir einander alles Gute, was nur zu wünschen ist, den baldigen ehrenhaften Frieden. Nachher begab sich jeder Jude zu seiner gehörigen Abteilung in die. Schwarmlinie, um die Wiederaufnahme des Dienstes für die heilige Sache des Vaterlandverteidigens zu: Melden. Im Felde, qm 27. September 1917. - Josef BluMen stein, k. u. k. Infanterist, Baon. , . FeMomp., Feldpost An die Redaktion der - - „Oesterreichischen Wochenschrift^, in Wien, II., Praterstraße 9. Hieurit erlaube ich, mir, nachstehenden Vorfall zur geneigten KenntniÄiahute zu bringen: Herr Dr. Einil Karpelis ist Rabbiner inPrerau uird F-eldrabbiner Mir Mehrere Regimenter, welche im Felde stehen. Von einem Mitglied der hiesigen Kultusge- Meinde, das' bei einem dieser Regimenter dienterhielt ich vor einigen Tagen einen- Brief,/.in dem: dasselbe, sich! darüber beklagt, daß dieser Herr Feldrabbiner um die religiösen Bedürfnisse der Mischen Soldaten sich gar nicht Wmmert. Ws! besonderes Beispiel dieser Vernachlässigung feiner Pflichten wurde mir mitgeteilt, daß selbst an den hohen Feiertagen, also am Neujahrstage und Versöhnungstage, für keinen Gottesdienst gesorgt mar, was selbst bei den andersgläubigen Soldaten zu abfälligen Bemerkungen über den Mischen Seelsorger geführt hat. Der Feldrabbiner ließ sich anläßlich der jüdischen Feiertage nach Prerau beurlauben, ohne-vorher dafür Sorge zu tragen, daß den religiösen Gefühlen der Mischen Soldaten durch Veranstaltung eines ent- sprechenden Gottesdienstes Rechnung getragen werde. Ein solches Vorgehen hat die Mischen Soldaten mit Bitterkeit und Unmut Mer ihren /Religionsführer erfüllt und . ist auch geeignetdie Anhänglichkeit an die Mische Religion zu erschüttern. Von diesem Vorfälle erlaube ich mir. Sie mit dem höflicher: Ersuchen zu verständigen, diese Mitteilung in geeigneter Weife in Ihrem Blatte zu veröffentlichen. Krrrß aus der Kriegsgefangenschaft. An den Vorstand der, Wiener israelitischen Kultusgemeinde ist eine Korrespondenzkarte folgender: Inhalts gÄangt: „Kodjent (Asien), 7. Juli 1917. An die ehrrvürdige Israel. Kultusgemeinde Wer:. Die Unterzeichneten Kriegsgefangenen aus Wien erlauben sich, sowohl der ehrwürdiger: israelitischen Kultusgenwinde als auch, unseren dortigen Verwandten und Äaubestsjgenossen aEUich des bevorstehenden Neujahrs¬ und Versöhnurgsfestes die , herzinnigen Wünsche für ein zuMnftiges Wohlergehen zu entbieten? Hugo De u t s ch^ - b erg er, 7. Bez., B.m:dgasse 30; SigM. Win Le, r- - - stein, 2. Bez„ Rueppgasse 7 (Ezeczowicska); Wilhelnr Amon, Adr.: Adolf Amon, 7. Bez., Kaiserstr. 33; Max Schreier, Mariahilferstr. 169; Artur Blum, 2. Bez., Obere Donaustr. 87; LeolAuerbach, 7. Bez., Neustiftgasse 72; Heinrich Fuchs!, 2. Bez., Pazmänitengasse 4." '■. / Zur Stellung des Judentums im gegenwärtigen Wettkampf. Von Professor Dr. Rudolf Eucken, Jena. Wenn die Mische Welt ihr Verhältnis zu den kämpfenden Vükkergruppen abmessen will, so dürfte sie sich dabei nicht an Mehr oder weniger zufällige Strömungen der Oberfläche und aM wenigsten an schöne Worte halten, sondern sie sollte vor allem erwägen, in welchem Verhältnis die Tiefe ihres eigenen GeMs zuM Geiste anderer Völker steht. Hier aber läßt sich! behaupten, daß nirgends ein Volk Mit solcher Liebe und zu solcher Tiefe in - das Schaffen des Mischen Geistes eingedrungen' ist. wie es! das deutsche Volk getan hat. .:!? . - Mit dem Mten Testamente haben sich, als --einem Stück der christlichen.Gedankenwelt, ja alle christlichen Völker, besaßt, aber schwerlich sind die Helden wie die Probleme des alten Bundes einem anderen Volke so vertraut, ja ein Stück seines! eigenen Lebens geworden, wie dem deutschen. hat dazu wohl ganz besonders Luthers Bibelübersetzung gewirkt, welche den .alten Gedankengang' der deutschen Volksseele so innig verband, aber wie hat Luther auch selbst in seinen ergreifendsten Liedern, vor allem in dem „Ein feste Burg, ist unser Gott", engsten Anschluß an das Alte TestäMent gefunden. Solche Wirkung aber reicht weit.über die Religion hinaus auch in das geistige Schaffen.-Ein Lessing verkörperte sein Menschheitsideal iw der-Gestalt eines „Nathcn:"; Herder schrieb .sein Hauptwerk Wer den. „Geist 'der hebräischen?'Poesie"> und Goethe wurde in seinem Schaffen fortwährend von Gestalten "des alten Bundes begleitet. Ddnken wir nur an den Beginn des „Faust" Mit seiner Parallele tzu Hiob! Auch sonst aber verstand er es wunderbar, jene Gestalten ins Reinmenschliche und Mlgemeingültige zu wenden, daß z. B. in Aegypten ein König auskaM, der nichts Mehr von Josef wußte, das wird ihm ein Zeichen der Vergänglichkeit alles Menschlichen RuhMes; wenn serner Saul, „der Sohn Kis^, auszog, uM seines Vaters Eselinnen zu suchen, und ein Königreich fand, „so sieht er darin ein Beispiel dessen, daß! der Mensch! 'oft nicht findet, was er erstrebt, daß .er aber im Mißlingen weit mehr findet, als er. zu Anfang-erstrebte". Dieses Vermögen, an dem Gehalt des altjüdischen Lebens tiefe eigene Gedanken und Gefühle zu entwickeln, zeigt besonders auch die Musik, dieser tiefste Ausdruck des deutschen Wesens. Denken wir nur an Händel mit seinen gewaltigen dramatischen Werken! Das! ließe sich noch nach verschiedenen Richtungen weiter ausführen, doch sei'hier-ttur-noch das erwMnt, daß in der geschichtlichen Erforschung des! altjüdischm Leberts, in der Aufhellung der Geschichte des! Volkes Israel die deutsche Forschung einen hervorragenden Platz einniMmt; wie sie sich! dabei ins einzelnewersenkt, dafür'-Möge die rege Arbeit angeführt sein, welche der hebräischen Metrik neuerdings zugewandt wird. Ja, daß die alten Heldengestalten bis! in den jetzigen Krieg hinein eine unmittelbare Wirkung auf die deutsche Seele tzu Wen vetmögm, das zeigt eine soeben erschienene Schrift des Tübinger Professors Hans Schmidt. Derselbe hat in Hochschulknrsen, welche an der Westfront im Spätherbst 1916 gehalten wurden, eine. Reihe von Vorlesungen über den 'Propheten AMos gehalten (Tübingen, Mohr), und diese. Vorlesungen^ sprechen so ergreifend zur deutschen Seele, daß sickft daraus! eine Unmittelbare Stärkung für die Aufgaben der Gegenwart ergeben kann.

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