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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-10-26 · 41 (26.10.1917) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
41 (26.10.1917)
Date
1917-10-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. Li „Was sollen wir tun?" „Sicherlich werden, stärkste Kriegsgewinnsteuern. Vermögenssteuern gerade ge-gieniüber den. Iudön nötig sein." Vielleicht ist dieses' Wort >g e e i g> n e t. gewisse, Schi ch t e n d e r ö st e r r e ich i sch e n In den h e i t endlich auf zürn tte in. II. ■ Der Sonntagslhetzartikel vom 21. d. M.: „Das Preßsudentum im Kriege", bildet eine einzige große Infamie. Tort liest man: „ „Es gibt wohl keinen fühlenden Menschen bei uns, der nach über drei Jahren Weltkriegsschrecken sich nicht sehnte nach dem Frieden, der nach so schrecklicher .Heimsuchung nicht bereit wäre, an Stelle bloßer Machtwünsche Recht und Gewissen sprechen zu lassen. Es gibt wohl kein fühlendes Herz bei uns, das nicht aufgejubelt chatte bei der Friedensnote des Papstes, bei seinem Appell an das bessere Europa, an die wahren Zukunstsinteressen Europas. Und wie bei uns, so ist es sicher, von den üblichen /Ausnahmen abgesehen, auch bei der christlichen .Bevölkerung Italiens Englands, Frankreichs, Amerikas, Rußlands." „Warum gibt es trotzdem lein Sichverstehen und Sicheinigen der christlichen Welt? Warüm gibt' es keinen internationalen christlichen Sieg über die Egoismen und Lügen der Zeit, über die Verblendung gewisser Minister und Tagespolitiker? Warum steigt nicht die christliche Idee triumphierend, allbezwingend aus der Mitte der Kriegsvölker empor, aufs neue den Gedanken des Brudertums aller Menschen kündend? Nicht der letzte Grund ist der, daß die christliche Welt weithin ohne äußere.Verständigungsmittel, ohne Presse. Daß di: öffentliche Meinung der Welt ganz vorwiegend von Nichtchristen gemacht wird — gemacht wird jenseits von Glaube, Recht Gewissen; gemacht wird nach Gesichtspunkten augenblicklichen geschäftlchen Vorteiles; gemacht wird nach den Bedürfnissen jenes Weltkapitalismus, der durch die Offenbarungen des Weltkrieges, doch die schlechthinige Verdammung erfahren hat." Nie wurde der Wahrheit schamloser ins Gesicht geschsagen, nie hat sich die Lüge in solcher frechen Nacktheit öffentlich prostituiert. Dieses Blatt, das vollständig im Sinne annexionistisch-imperiialistischer Kriegsziele redigiert wird, und als es erfahren, daß bestimmte politische Artikel aus verschiedenen Wiener Blattern, die alle für eineit Berständigungssrieden und für Volksversöhnung eintreten, gemeinsam in einem Kuvert verschickt werden, sofort Anklagen und Verdächtigungen erhob und mit heuchlerischem Augenaufsch,lag aus rief: „Wer beim die Geschichte bdKaMe?'h vergießt gleichzeitig Krokodilstränen, daß der päpstliche Friedensruf bei den christlichen Völkern so wenig Gehör gefunden — aus Verschulden der „Judenpresse". Wie verhielten sich denn die Wiener Parentchristen zur päpstlichen Note? ' Wie seltsam war ' die Resolution, die die Ehristlichsozialen uitter Vorsitz des Prinzen Liechtenstein gefaßt haben: ,lWir wollen, so wie der Heilige Vater andeutet, einen Frieden der Verständigung zwischen -den kriegführenden Mächten und wenn es möglich und durchführbar ist, wünschen wir gegenseitige ehrliche gleichzeitige Abrüstung sowie ein ständiges. Schiedsgericht." „Mir wollen aber auch einen ehrenvollen vorteilhaften Frieden, der uns nicht bloß vor unmittelbaren Verlusten bewahrt, sondern auch in der Folgezeit gegen frevelhafte Angriffe böser Nachbarn durch günstige Grenzen und unüberwindliche Bollwerke dauernd schützt." Ob der Papst von dieser Rede des Prinzon Liechtenstein besonders entzückt war, bjctrf m'ait wohl bezweifeln. fJn Deutschland ist das Volk in zwei Heerlager gespalten. Auf der einen Seite die überwiegende Mehrheit der. Bürger und Arbeiter, die die Demokratisierung des Reiches und das^ offene, unzweideutige Bekenntnis zu einem Frieden im sinne der päpstlichen Note ohne Eroberungen undohne Kriegsentschädigungen will; auf der .anderen die „kleine, aber Mächtige Partei", die die.ParlaMentarisierung der Rei,chs!rogierung und die Demokratisierung des preußischen Landtages bekämpft und immer noch von der Niederwerfung! der gegen Deutschland und Oesterreich verbündeten Völker, von Annexionen in West und Ost. t räumt. Die Partei der Kriegsverlängerer stützt sich vornehmlich, auf die schwere Industrie und auf die Seite 871 Junker, auf den Fabriksfeudalismüs des Westens mrd den AgrarkavitälismNs des Ostens. Und in ihrer Wirte kämpfen alle antisemitischen Wortführer. In der Debatte des Reichstages über die auswärtige Politik gab Her- Redner der Konservativen. Graf Be ft arp. der Entschließung seiner Partei Ausdruck, daß die päpstliche Note den Lebensbedingungen und Notwendigkeiten Deutschlands nicht entspreche. „Ein internationaler Friedensbund wMe schließlich nichts anderes als ein anglo sächsisch-amerikanischer Bund zur Niederhaltung Deutschlands. Der. Abrüstungsgedanke dürfe daher aus der Friedenskonferenz nicht zur Erörterung gestellt werden." Dagegen konstatiert die „Ostdeutsche Rundschau" vom 11. d. M.: „Natürlich ist es kein Zufall, daß die beiden Wortführer der Opposition im Reichstag, die HerrenL an d s b e r g und Haas zwei Hebräer find. Ls ist. vielmehr ganz folgerichtig, daß die Mosaischen sich an die Spitze einer Bewegung stellen, die den deutschen Sieg verhindern will." In der Sitzung des österreichischen Abgeordneten- Hauses vom 27. September sprach- K.?M. Wolf:'. '«Ich hoffe zu Gott, daß Man in diesem Parlamente noch rechtzeitig;mit den Strömungen fertig wird, die gegen einen gesunden, vernünftigen österreichischen Frieden am Werke sind (Lebhafter Beifall), und daß Man auch draußen im Deutschen Reiche in gleicher Weise mit denen fertig wird, die da die Macht, 'per jüdischen Presse und den Einfluß des Judentums auf die leicht bestimmbare Seele des Volkes dazu ausnützen, um das deutsche Volk/ das Deutsche Reich zu einem nichtdeutschen, zu einem dem Deutschen Reiche gefährlichen undeine Wiederholung des Krieges in Aussicht stellenden Frieden zu veranlassen. (Lebhafter Beifall.)" Bekanntlich haben denn auch die Patrioten vom „Nationalverband" einen Antrag, der dem Verständrgungsfrieden das Wort sprach, als nicht ihrer Gesinnung und Meinung konform abgelehnt. Herr Prof. Redlich aber, der als Juden stämmling pazifistische Neigungen verspürte, wurde sanft zur Tür hinausgelehnt. Triumphierend ruft die „O. R." vom 18. d. M.: , „Ja. er ist „draußen", der Mosaische Denker Redlich mitsamt seinen pazifistischen .Idealen, wenn er sich auch noch so sträubt, er steht heute außerhalb der Gemeinschaft der deutschnationalen Abgeordneten. Ob er nun wirklich mit Professor Kafka zusammen die längst erhoffte jüdische Partei für' Oesterreich gründen wird, das ruht noch in der Zukunft Schoße . . ." Und kürzlich wandte sich eine ganz stattliche Reihe deutscher Männer, nicht nur zünftiger Politiker, auch Männer der Wissenschaft, der Industrie und, Finanz, an das „deutsche Volk" in Oesterreich, es in eindringlichen Worten ermahnend, von der Idee des Berständigungsfriedens, der Demokratie, des Selbstbestimmungsrochtes der Volker usw. zu lassen und ihre ganze Energie der Fortsetzung des Krieges zuzuwenden. Der liberalen Presse, die gegen einen Frieden der Vergewaltigung und für einen Frieden der Versöhnung eintritt, wird da eine schlechte Note erteilt. Die „Völkerversöhnung" nennt die „O. R." vom 17. d. . M. „das tägliche Wutgeheul der Kebriäerpresse" — „unsagbar albern". „Belgien hat reiche Bodenschätze, namentlich die wichtigste». Eisen und Kohle, und Heide einander, nahe, was besonders wertvoll ist. Bei einer Vereinigung des Landes mit dem /Deutschen Reiche" würde sicherlich eine Entwicklung eintreten, die beiden. Teilen förderlich wäre." „Wer ein ersprießliches Zusammenarbeiten Mitteleuropas, das ln, unser aller Vorteil liegt, wünscht, muß auch als guter Oesterreicher die Forderung erheben, daß Belgien deutsch bleibe. Belgien ist der am dichtesten bevölkerte Staat Europas. Es führt viel Getreide ein. Eine in die Zukunft schauende Politik muß daher Vorsorgen, nicht nur Industrieländer und Hasenplätze 'sondern auch Getreideländer zu gewinnen, und das gibt wieder den deutschen Zielen im Osten ein reiches Feld." Also »Deutschland kann sie Länder im Westen und Osten gut brauchen, also müssen sie annektiert werden.

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