Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 41 (26.10.1917)
- Date
- 1917-10-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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©eit« 672 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 41 Und auch eine reichliche Kriegsentschädigung muß gezahlt ' werden. Denn:. . - '. .Das Sinken der deutschen Valuta ist in demselben Augenblicke" erfolgt, da die köstliche Reichstagsmehrheil von .einem Frieden winselte ohne Entschädigungen und ohne Eroberungen., ijn der Stunde, da man in Holland, der Schweiz und Skandinavien wußte,- daß die Deutschen keine Kriegsentschädigung wollen siel auch die deutsche Valuta. Wem das nicht zu denken gibt, der sollte die Beschäftigung mit der Politik lieber aufgeben ... ." .(„£). R.". Nr. 239 vom 19. Oktober.). - . Ueberall . sind es die imperialistischen - Reaktionsparteielt und die antisemitischen Wortführer, die einen VerstLndignngsfrieden, einen Frieden der Völkerversöhnung mit -allem Fanatismus bekärnpfen. Den publizistischen HortiLWsern mrd Paukenschlägern der Schwerindustriellen steht es schlecht an, den Weltkapitalismus anzullagen. ' Ter Kanrpf. der Kriegsperlängerer gegen den' Frieden auf Grund der Anregungen der päpsÄichen Note wird Überall mit antisemitischen Schlagworten geführt. Die Parole lautet: „Hie deutscher Friede, da Judensriede" vom17.d.M). Leider ist es auch in den Ländern der Kriegsgegner nicht anders. Die Hetze gegen den fran- . zösischen Minister M al v y hatte nicht minder die Ursache darin, daß. ntan ihn als Juden pazifistischer Neigungen verdächtigte.. Gleichen' Ursachen entsprangen die Ausschreitungen gegen die russischen Juden im Londoner, East-End, lveil die Russen auf eine Beendigung des Krieges drängen. Welch eine schamlose Verlogenheit gehört nun dazu, den Juden und der liberalen Presse die Schuld beizunressen, daß der Friedensruf des Papstes echolos verhüllte und ohne jeglrchen ErfoW giebliebep ist. Ungeheure. Summen haben die Schwerindustriellen im Interesse.der KriegsverNngerung M Zeitungsbe!- stechung ausgegeben und nun gewahren wir in ganz Äesterreich,».«daß-, dieM Men Städten wütend die Juden mit erdichteten, ersonnenen Beschuldiguugen ankläffen. Man greift im Dienste der bezahlten Judenhetze zu den ältesten Ladenhütern. Welche Formen der sinnlose Haß der Kriegshetzer gegen idie Juden zuweilen annimmt, zeigt bie „O.!R." vom . 14. d. M. Da ist lesen: „Wir können auch Fhnen nur wiederholen, daß unser deutsches Christentum!' gar nichts mit -der jüdischen Jahwelehre gemeinsam hat, daß"vielmehr hie Anlehnung, unsagbar schädlich wirkte. Dadurch wurde die Unduldsamkeit und Verfolgungssucht des Judentums das Erdteil der Kirche, so daß die Religion der Liebe sich verirrte zu Bannstrahl und Inquisition, zu Herenverbrennungen und Ketzergerichten bis zur Ausrottung ganzer Völker und Greueln, wie denen, der Pariser. BluthvMeit undder Schlächtereien Cromwells in Irland, alles zu Ehren Gottes, das heißt nicht des christlichen, sondern des jüdischen,, der nach jüdischer Auffassung ' alle Feinde der Juden Auch als die seinigen ansah!, und sie perbannen und grausam ausrotten, ließ," Wer in der Religionsgeschichte nicht ein Ignorant ist, der wird es wissen, daß man dassemitisch e Christe ntum, das Me, düs Urchristentum, wie es. die Apostel. flujBL dem Orient herWergebracht hüben, nicht mit dem arischen, spanischen „Christentum" verwechseln darf. Der arisch-heidnische Geist der Brutalität, dem die Wehr-- losigkeit ein todeswApiges Verbrechen gilt, der in jedem Fremden, Andersgearteten, Andersdenkenden den Feind si^ht, einen Feind, den zN vernichten ein patriotisches Werk ist, gegen den auch, jede Waffe, jede Lüge und Verleumdung, jede Grausamkeit gestattet ist, dieser, altererbte Kainsgeist des Bruderhasses und des Neides, der teilweise - eingeschlunmrert schien,, den die airtisemitischen Agitationen irr den. Länderrr Ärropas mit allen raffinierten Mitteln durch, drei, Jahrzehnte wieder geweckt und genährt haben' — es ist derselbe brudermörderische Geist, der zu den Schauern und Schrecknissen des Weltkrieges mit seinen Graufam^iten geMhrt hat: Ddrnm ist es kein: bloßer . Zufall, daßdiebNeisterten-Kriegsapoftel immer auch Juden- ' - - v, : Hetzer sind — nicht bloß bei uns in Oesterreich, sondern auch in Deutschland. Wir erinnern bloß an die' Judenhetze des Generals von Geb sattel. r Der „Vorwärts", das Hauptorgan der deutschen Sozialdemokratie, .schreibt: „Die symptomatische Bedeutung des von --Herrn v. Gebsattel erhobenen Kampfrufes gegen die Juden kann gar nrcht hoch genug eingeschäht werden.. Es handelt sich nicht um den willkürlichen Vorstoß eines einzelnen, sondern nur. uni! die Voreiligkeit eines Mannes, der sein Pulver nicht halten kann. Der zweite Vorsitzende der- Alldeutschen hat damit vorzeitig einen Plan enthüllt, der längst vorbereitet ist und im> geeigneten Augenblick durchgeführt werden - soll. Was geplant wird, ist. eine ^zudenhetze gröhteii Stils, zu der längst Mit Eifer Material gesammelt wird. Kein Händler mit jüdisch klingendem Namen, der sich gegen die Kriegswucherbestimmungen vergangen hat, ist da vergessen während natürlich gleichgerichtete Taten der „germanischen Konkurrenz mit dem Mantel christlicher Nächstenliebe bedeckt werden. Gewinnen die Kreise, die jetzt „für des Reiches Macht und Herrlichkeit" mit Zunge und Feder kämpfen, die Oberhand, dann wird die jüdische Bevölkerung Deutschlands über den Lohn staunen, der ihr für das Blick, das sie zur Verteidigung des Vaterlandes vergossen..hat,, zuteil werden wird!" „W,aB geplant wird, ist eine ZjUdenhetze größten StW, zu der Ungst mit Wfer Material gesammelt wird," sagt der „Vorwärts"-/' . Das sehen wir vor allem auch in Oesterreich, das zeigen die Sonntagsartikel der „Reichspost", das offenbart das Gekläff der antisemitischen Preßmeute in allen Provinzen der Monarchie. Wäre es nicht endlich an der Zeit, daß auch die Juden-zu ihrer Sicherheit, an eine Aktion denken? ■_ Der Wiederaufbau des Keapoldstadter Tempels. In dsr.aLgelaufenen Woche, hat das engere Arbeitskomitee. neuerlichviele Gemeindemitglieder besucht und überall bereitwilligst Gehör gefunden. Herr Disponent Isidor Schwarz ist dem engeren Arbeitskomitee beigetreten und hat sich: schon in Her abgelaufenen Woche in außerordentlicher Weise betätigt. Am Samstag ' den 27. Oktober, präzise 6 Uhr abendch findet im Zeremoniensaale des Leopoldstädtejr Tempels, 2'. Bezirk, Tempelgasse 3, eine Sitzung des Gesamtkomitees statt und die geehrten Herren, welche diesem Komitee angehören, werden auch!, auf diesem Wege dringendst ersucht,, bei der Sitzung zu erscheinen. Es ist notwendig, daß sich der Kreis' des Arbeitskomitees wesentlich erweitert. Nur -darin liegt die Gewähr, daß das schöne Ziel des Wiederaufbaues unseres schönen Tempels voll erreicht wird. -. Dem Komitee sind in der abgelaufenen Woche nachstehende Spenden zügekomMen: 3. S Pen den liste. Herr k. k: Konimerzialrat Eduard Ritter von Doctor \ K. 6000.— Herr Anton Pick - „ 1000.— Frau Kannlla Cohn „ 1000.— Herr Enianuel Blumenthal. 1000 — Firma Benedek, Schneid & Reiter „ 1000.— Herr 'Dr. Alfred Stern, Präsident per isr. Kuttus'geMeinde ' . „ 2000.— Firma Heilmann Kohn & Söhne „ 1500 — Firma Brüder Böhim - n 3000.— Frau Alma Preis ■ „ 1000 — Herr k. % Regierungsrat und Geh. Justizrat ' , - Wolf Ehler von Bachrach „ 1000.— ^Herr Leopold Rothstern - „ 1000.— Herr Bertold Mayer 1000.—