Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 40 (19.10.1917)
- Date
- 1917-10-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 667 Nr. 46 Kr. BLochj's Wochenschrift der Juden, wo sie diesmal mit besonderer Intention untertauchten; gingen. dann wortlos! nach -Hause, wo sie Cliazps 0errichteten, b! h. die MitternachtsUage ' unr Jerusalem und die dazu gehörigen Psalmen mit höchster Andacht -beteten. Sie nahmen dann das Sefer Jezirah hervor, uns' dem! 'Rcchbi Löw einige Kapitel vorlas. Schließlich begaben sie sich .außerhalb der Stadt zum Ufer her Moldau. Dort suchten sie nach einer /Lehmstelle und machten sich gleich an die Arbeit. ... Sie formten aus Lehnt die Figur eines Menschen in der Länge von drei Ellen mit allen Gliedern. Und der Golem lag vor ihnen Mit dem Antlitze gen Himmel. Tie drei- Männer stellten sich dann zu seinen Füßen, so daß sie ihm glenau ins Gesicht schauen konnten. Er lag wie ein toter Körper, ohne jede Regung. Nun befahl Rabbi Löw dem P r i e st e r, sieben Rund- - gange, von rech ts beginnend, um den Lehmkörper zu machen, wobei er ihm die Zerufim, die er dabei zu sprechen hatte, anvertraute. Als das geschehen war, ward der Lehmkörper feuerrot. '• Und Rabbi Löw befahl dem Leviten, ebensoviele Rundgänge, von links beginnend, zu machen, bedeutete auch ihm die für sein Element bestimmten Zerufim. Als dieser seine Aufgabe beendete, erlosch die Feilerröte und es strömte Wasser in den Lehmkörper; es sproßte Haar auf deM Haupte und Nägel an den Fingern und au den Zehen. - Nun uMrang Rabbi Löw selbst den Lehmkörper, legte ihm einen auf Pergament geschriebenen Schern (kombinierte Wortzahlen, deren Zusammensetzung den heiligen GotteswaMen bilden) in den Mund,- und sie sprachen alle drei gleichzeitig die Worte: „Und »er blies' ihm ein den lebendigen OdeM in seine Nase und also ward der Mensch,M.MendigcA.Wesen." (!■ Buch Mos- ^,,,7-.,) Und die drei Elemente Feuer/ Wasser und. Geist bewirkten, daß> das vierte Element Erde lebendig wurde. Der Golem öffnete die Augen und -.schaute um sich wie verblüfft. : . .! Und Rabbi Löw sprach zu ihm: „Stehe auf deinen Beinen!" Und er stand auf. Dann kleideten sie ihm die Gewänder eines Rabbi- Ngtsdieners (SchaMes) an und er wardbald wie 'ein gewöhnlicher Mensch. Allein es fehlte ihm das Sprachvermögen. Denn jene deM 'Rabbi Löw vom Himmel vertrauten Worte hatten für die Zirufim, nach welcher er das Spracht) erwögen zu geben vermöchte, nicht das Auslangen. Und das war sogar ein Vorteil. Gott weiß, was' geschehen konnte, wenn ein Golem noch das Sprach- - vermögen hätte! / Bei Tagesanbruch gingen vier Männer nach Hause.. . , Unterwegs sprach! Rabbi Löw zum Golem also: „Wisse, daß wir dich! ans einem Erdkloß geformt haben. Dreine Aufgabe wird e§' sein, die Juden vor Verfolgungen zu schuhen, du wirst Josef genannt werden und wirst in der-!Rahbinats!stube nachten. Du Josef sollst meine (Befehle befolgen, wann und wohin immer rch dich schicken werde: in Feuer und Wasser, und wenn ich dir befehle, vow Dache zw springen, und wenn ich dich in des Meeres Grund schicke." < - - Josef schüttelte den Kopf, machte Bewegungen als Zeichen der Bejahung, Zu Hause kommend, erzählte Rabbi Löw, er habe den stummen Fremdling auf der Gasse angetroffen, und da er mit ihm Mitleid habe, nehme er ihn als Rabbi-- nats'diener auf. ' - Er vebbot jedoch feinen Hausleuten, sich des Golem zu Privatzwecken zu bedienen. 6. Der Golem als Wasserträger. Die Gattin Rabbi Löws konnte doch nicht begreifen, warum ihr Mann die Dienste des Golem zu Privatzwecken verboten. Und als sie sich vor dem Pessachifeste in Dienstnöten befunden, erlaubte sie sich, dem Golem den Auftrag zu geben, die beiden großen Wasserbehälter, die in der für die Feiertage bereitstehende Küche waren, anzufüllen. Dachte sie sich auch daß ein Dienst für das Pessachfest kein Privatzweck bedeute. Sie machte aber eine böse Erfahrung. . Der Golem nahm die Kannenstange und lief eiligst zum Brunnen. Nach einigen Stunden war der Hof des Rabbihauses von Wasser überflutet und die Leute schrien: „Wasser. Wasser!" Man suchte nach der geheimen Quelle, aus der das Wasser sich ergießt. Man kam aber erst darauf, als man des Golems ansichtig wurde, wie er gemiitlich sich seines Dienstes noch, immer entledigte und in die vollgewordenen Behälter unaufhörlich Wasser schüttete. Jetzt wußte man die Ursache der Ueberschwemmung und man lachte über den Golemstreich. Rabbi Löw sagte seiner Frau scherzend: ..„Einen vorzüglichen Wasserträger hast du dir für Jomtow auserkoren. Hättest du ihn mindestens belehrt, daß er, als die Fässer voll waren, seine Arbeit einzuftellen habe." Der Golem abermals hätte ihn die ganze Geschichte nicht berührt, setzte seine Tätigkeit fort, ging zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen. Da (schrie Rabbi Low: „Genug, genug des Wassers!" Und er stellte ohne Zaudern die Kannen nieder. Seither hüteten sich die Leute, den Golem mit einfachen .Arbeiten zu beschäftigen. Noch z heute sagt man in Prag/zu einem unge^ schickten Handwerker: „Du bist zur Arbeit fähig, wie Josef Gokertr zum Wassertragen." " Kteratnr. Dev Jude. Heft 7, Oktober 1917, II. Jahrgang. Inhalt: M. N.: Die „kleinen Nationen". -- Fritz S t e tn 6 erg: Die wirtschaftliche Bedeutung des Zionismus für die Türkei. — Engen H öfl ich: Aus einem Jerusalemer Tagebuch. — Siegfried Leh man n-:' Gedanken aus beut' Felde über Tod und Religion. — Samuel Rapp a'p ort: Ans dem religiösen Leben der Ostjuden. II. Ergebung und Studium. ' - Abraham Fortis: Die wirtschaftliche Lage der Juden ftt Galizien. — Joses Meifl: Grätz und das nationale Judentum. — Wil- /helm Ierusal e m: Der Lnlturwert des Judentums. — Emil Levy: Heimwärts. — Franz Kafka: Zwei Tiergeschichten, I. Schakale und Araber. — Bemerkungen. — Zeitschriftenschan. — Daten und Materialien. Neue Jüdische Monatshefte. Heft 23/24, 10.25. September 1917. Jnhcttr: Dr. AdolfFriedemann:Polnisches Freiheitspatent. — Jüdische. Rechtlofikeit. -- Dr. Max Ro senfeld: Zur Frage der staatlichen Anerkennung der jüdischen Nationalität in Oesterreich. — Schulrät Otto Eberhard: Zur Schulfrage der Ostjuden. — Pros. -Dr. M. B a l a b a n: Der Kahal in Polen im 16. bis 18: Jahrhundert.' A. Zeitlin: Königin Sabbat. — Scholem Asch: 2lni fremdem Strom. — Geh. Reg.-Rar Prof. Dr. H. Cohen: Streiflichter über jüdische .Religion-und Wissenschaft.— Umschau. — Literaturblatt. Jeschurun. Monatsschrift für Lehre and Leben im Judentum. .Inhalt: Sittenreinheit. — A. Sulzbach: Salomon Nmd sein Dhron. — S. Funk: Raschis Tiesblicke in die Religionsgeschichte. ^— I. K a h a n: Die nationalen Forderungen des jüischen Volkes in ^Rußland und seine politischen Parteien (Schluß). E. F i n k: Mathematik und Apologie. — M. L. Bamberger: Spielverbote in talmndischer und nachtalmndischer Zeit. — I. Friedländer: Die Juden in Rußland und Polen. — D. Hosfmann: Probleme der Pentatenchexegese (Ex: VU^ 8-Xl). — Bilder aus / Litauen. -- D.'Fri schmaitri: Bons Dreien, die gegessen haben — D. Hofsm a n n: Literarische Notizen.