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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-10-19 · 40 (19.10.1917) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
40 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Blocks Wochenschrift Sette evi Karl Truppenkveuz und- Signum laudis). Die fünfte AüHzeichnurrg war bereits unterwegs, konnte ihm jedoch nicht Mehr lüberreicht werden. Das besonders Tragische ,an diesem Heldentod ist der Umstand, daß in der Tasche des heldenmütigen Offiziers der Urlaubschein gefunden wurde, durch, welchen ihm ein längerer Urlaub bewilligt worden war, den er anr nächsten Tage hätte antreten sollen. Welch großer Verlust sein Tod nicht nur. für seine FaMilie bedeutet, geht aus dem Briefe seines Bätaillonskontmandanten an die tiefbetrübten Eltern hervor, dem^ wir die folgende Stelle entnehmen: „Ich kann Sie vecsicheru, daß der Tod Ihres lieben Sohnes für das 'Regiment einen unersetzlichen Verlust bedeutet. Ihr armer, verewigter Sohn war in Offi-- zierskreisen ein sehr beliebter KaMerad und hat mehr als einmal Zeugnis gegeben von seinem tapferen, vor nichts Izurückschreckenden Verhalten." Wach dem Hode ausgezeichnet. Der Kaiser hat verliehen das Militärverdienstßreuz 3. Masse mit der Kriegsdekoration und Schwertern dem vor idem Feinde gefallenen Oberleutnant d. R. Robert Arnstein, J.-iR. . Jom-Kippur im Jetde. Langsam wendet sich das schwerbeladene Lastenauto aus der staubigen Gebirgsstraße empor. Es ist Erew Jomkippur; in wenigen Stunden hoffe ich, bei meinen braven Soldaten zu sein, denen ich am Neujahrsfeste die Zusicherung gegeben hatte, wenn nur irgendwie möglich, den heiligsten Tag des Jahres in ihrer Mitte zu verleben. Auf mein mündliches Ansuchen hat das Divi- ' sionskommando telephonisch di: nötigen Weisungen ergehen lassen; in der Nähe der Reservestellungen sollten möglichst geschützte Plätze für die Abhaltung von zwei Gottesdiensten ausfindig gemacht werden. „Die jüdischen Soldaten unserer Regimenter haben sich bisher überall tadellos und wirklich „brav benommen"; diese Worte aus dem Munde des Kommandanten Elingen mir noch immer in den Ohren. . . ' Wir sind in der Nähe der Front. Eingeäscherte Häuser, große Trichter rechts und links von der Straße zeigen zur Genüge, daß der Raum, den wir passieren, für die italienischen Granaten leicht erreichbar ist. Eine alltägliche Erscheinung sind die Bombenabwürfe von Fliegern. Gott sei Dank, das berüchtigte Tal mit seinen armseligen Ortschaften ist durchfahren, ich bin an meinem vorläufigen Bestimmungsorte angelangt und erwarte bei der vorgeschobenen Sektion der Sanitätskolonne die Ankunft der Ordonnanz vom Regiment. Dann geht es auf einem einsamen, steilen Bergpfade der sinkenden Sonne nach, und endlich hin ich bei Meinen guten Bekannten vom Regiment. Nach der Weisung des Kommandos Haben sich an einem bewaldeten Bergabhange bei 200 Soldaten und eine Anzahl Offiziere versammelt, um fern von her Heimat den Beginn des heiligen . Tages nach alter Väter .W.eife zu feiern. Schauerlich schön erklingt hier, kaum 3 Kilometer von der ersten Kampflinie entfernt, die stimmungsvolle Melodie des Kol Nidre. Allmählich senkt sich die Dunkelheit herab, die hier nicht erhellt werden darf; ich beschließe die Feier mit einer schlichten Ansprache, die vom Herzen kommt und darum gewiß zu Heizen geht. And nicht besser vermag ich meine Rede zu enden als mit dem Wunsche, daß recht bald der Tag der Versöhnung für die ganze Menschheit anbrechen ,-möge. Eine kurze Zeit blieben wir noch im trauten Gespräche beisammen,. dann ein herzlicher Abschied, und ich trete in finsterer Nacht den Rückweg an, um am nächsten Morgen hei den Soldaten eines anderen Regimentes den Gottesdienst leiten zu können. Sine ähnliche Szenerie; wieder ein mit Bäumen bewachsener Bergrücken, von dem Man tief in das Tal hernieder schaut. Aber diesmal bleibt uns die stimmungsvolle Ruhe, wie sie dem Kol Nidre-Gottesdienst befchieden war, versagt. Innerhalb weniger Stunden zeigen sich siebenmal feindliche Flieger über unseren Häuptern; die an allen Ecken und Enden aufgestelÜen Abwehrkanonen donnern ihnen eherne Grüße entgegen. Und ich erinnere die jüdischen Kgmpftr an das Wort, das einst der Prophet Jona iM wilden Toben 4>er Elemente gesprochen hat: . »Iwri i.nancfi, wes eiaukaj haschomajim ani jo re — Ein Jude bin ich und, ich fürchte nur den Gott des Himmels." Gleich ihm geloben wir in diesen schweren Stunden Gott und Israel unverbrüchliche Treue. Trotz aller äußeren Störungen nimmt ber Gottesdienst, seinen Fortgang. Mit tiefer Andacht, lauschen alle dem Gesänge des Aaessauezt.iket'. wie er. aus dem Munde des Vorbeters, eines Kantors von Beruft erklingt. ' Man kann Mit Worten nicht schildern, welch eine Wirftlng in solcher Lage die Gedanken des schlichten Gebetstückes ausüben. Auch eine höchst dramatische Szene spielt sich während des Gottesdienstes in der Nähe unserer Betstätte ab. Wir sind Augenzeugen, toie ein feindlicher Flieger von Abwehrgeschofsen getroffen wird und brennend zur Erde niedersinkt. Es neigt sich der Tag, und ich beende den Gottesdienst. Unter gegenseitigen Wünschen zerstreuen sich die Beter. „Auf baldiges Wiedersehen" rufe ich ihnen zu; der JoMkippur im Felde ist vorüber-. Dr. Arnold Grünfeld (Eger, Böhmen). Feldrabbiner der . Jnf.-Division, Feldpost. Feldpost , 8. Oktober 1917. An die löbl. Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift", Wien. Geehrte Redaktion! ' Im Namen meiner anderen jüdischen Kameraden bitten wir um Veröffentlichung dieser Zeilen in Ihrem von uns jüdischen Soldaten hochgeschätzten Blatte, welches irns oft die langen Stunden an der Front verkürzt hat. Am 25. September d. I. bekam unsere Kompagnie den Befehl IzuM Abmarsch! ins Feld. Gerade am Kol Nidre-iÄbend, da können. Sie sich gewiß denken, wie es.um das Gemüt der eingeteilten Juden bestellt war. Denn wäre es ein anderer Tag gewesen, so hätten wir uns nicht viel daraus gemacht, da wir doch Soldaten sind und dem Befehle blindlings folgen müssen. Unser 'Nechnnngsünterosftzie r Arpqd SloMov i t s, der ein Neffe des in Wien allgemein bekannten Buchhändlers Stickler ist, tröstete uns Juden und Vevfiwach. sein Möglichstes, Zu tun, um eine Feier des JoMkippur tzu ermöglichen. Da erst um 9 Uhr abends Einwaggonierung war, gingen wir unter Kommando des R.--U. Slomovits Mit voller Rüstung in das Gotteshaus und von dort direkt zur Bahn, da sich die Marschkompagnie bereits Mrt befand,. Nach. Eintreffen am Bahnhof ging ein jeder jaus seinen bestimmten Platz, als kurz vor der Einwaggonierung >der .Befehl „Juden vortreten!" gegeben wurde. Natürlich hatte niemand eine Ahnung., warum. Da trat Slomovits Zu uns und teilte uns mit, daß er unseren Kompagniekommandanten Leutnant Ludwig, Szabv gebieten habe, zu erlauben, daß die Juden in einem separaten Wjagen fahren dürfen, da, wie bekannt, mjovgen der größte jüdische Feiertag sei,, und wir wenigstens einen Gottesdienst abhalten wollen, was Herr Leutnant Szabo auch sofort bewilligte. Herr SloMovits bat uns!, wir möchten sein Vertrauen, nicht MWrjauchen, damit die Andersgläubigen keinen Gesprächsstoff hätten, und wünschte, daß alles in voller Ordnung und iRsuhe vor sich gehen soll. AN wir einstiegen, kam erst die Ueberraschung für unA denn der Waggon war ganz Mit grünem Laub austapeziert, um die nüchternen und traurigen Wände eines Mititärtransportwaggons (Viehwagen) zu verdecken. Das Innere war Mit einer großen Anzahl von Kerzen taghell erleuchtet und an der Stirnseite brannten zwei große Kerzen; auch war ein kleiner Raum als Altar Markiert. Man fühlte sich gar nicht wie in einem Eisenbahnwaggon, sondern eher in einem einfachen Gottesdienstraum. Als die Abfahrt begann, hielt R.-U. Slomovits eine kernige Ansprache, in der er unserer heutigen Lage gedachte und auch erwähnte,, daß wir als Soldaten jedem! Befehle, welcher zum Wohle für Kaiser und Vaterland an uns ergeht, zu folgen hätten. Die In- , fanteriften Kevm». Stein berge r, Mendel Gu t t m a n n und Andor Davidovics lösten sich als Vorbeter ab und wiv ^gewöhnten uns nach und nachan unsere Lage, so daß wir wie in einem Gotteshause unsere Gebete verrichteten. R.--U. Slomovits ist ein gottvertrauender Jude und hilft jedem seiner GlaüberOgenossen — soweit es in seiner Macht steht — seine Last erleichtern. .Hingegen

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