Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 40 (19.10.1917)
- Date
- 1917-10-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 40 SeÜ« 65a Dir. Vlock/s Wochenschrift ein Mann, der beit Jammer der Flüchtlinge kenne, dem FNchtlingsäusschuß^ seinem Obmann und Referenten für die warmfühlenden, von großer Sachkenntnis zeugenden Ausführungen den innigsten Dank ausspricht und die Regierung bittet, alles das zu verwirklichen, was der Ausschuß beschlossen habe. (Beifall.) t Wiederum hat ein Vertreter des Deutschen Nationalverbandes!sich gedrängt gefühlt, in den rüdesten Beschimpfungen der Flüchtlinge sich zu ergehen. Dem Hasse gegen ' die armen Flüchtlinge gab Herr Einspinner Ausdruck, und zwar in einer Form, welche die innere Gesinnung schlecht verhüllt. Ueberall wird man. die Leute, die der Krieg heimatlos gemacht hat, als Märtyrer ansehen — woran sich nichts lindert, daß es unter ihNen auch fragwürdige Elemente gibt.' -Hier fehlt so oft das Gefühl, daß es Staatsgenossen sind, die. der Gastfreundschaft bedürftig sind: Leute wie Einspinner und der Deutsche Nationalverband sind voller Haß und Voreingenommenheit diesen Heimatlosen gegenüber, konstatiert die. „Arbeiter- Zeitung". Und da darf; man sich nicht wundern, wenn es in ländlichen Kreisen oft zu Ausschreitungen gegen die armen Flüchtlinge kommt. Ueber s'k a n da löse Behandlung der Fl üch t - linge wird genteldet:' Die „Arbeiter-Zeitung" vom 9. d. M. enthält folgende Notiz: „Wie Flüchtlinge heimbefördert, werden." Aus Bölten in Mähren wird unterm 6. d. M. «geschrieben: Wie in der gestrigen Nummer der ,,Arbeiter-Zeuung " zu lesen war, führte der Ministerialsekretär Dr. Mo n tel fort Flüchtlingsausschuß aus, daß das ,Ministerium „mit allen Mitteln" dahin zu wirken sucht, „daß sich die Repatriierungstransporte mögt ich st schonungsvoll vollziehen, daß womöglich Personenwagen verwendet werden" usw. Ich habe oft Gelegenheit, hier ^— an der Strecke Wien—Krakau — diese Flüchtlingstransporte zu beobachten. Mehrmals fuhren lange Leihen von Wägen, natürlich Viehwagen, mit Flüchtlingen, und wie zunt Hohn waren an diese Züge ein bis zw ei Dutzend g a n z l e e r e P e r s o n e n wagen gekoppelt. Also so schön und „schonungsvoll" sieht es nicht auch wie man glauben machen will.-— Wir können nur sagen, daß das' einfach eilt Skandal ist." Insoweit die „Arbeiter-Zeitung". Prager Blätter welden über die Vorfälle, die sich vor einigen Wochen in Katharinenbad, Bez. Kamenitz a. L., abgespielt haben. Die jüdischen Flüchtlinge waren dort im Erdgeschoß des baufälligen, unbenutzten Badegebäudrs untergebracht, zu dessen oberem Stockwerke die Badeverwaltung allein Zutritt hatte. Der Umstand, daß in den oberem den Flüchtlingen unzugänglichen Mumm des verschuldeten Objektes Feuer ausbrach, führte sofort dazu, daß die ihrer „Wohnung" beraubten Flüchtlinge, d. h. Greise, Frauen und Kinder der an . der Front kämpfenden jüdischen Soldaten, obendrein beschuldigt wurden, das Feuer deswegen gelegt zu haben, um bessere Quartiere zu bekommen. Dieser nichtswürdige, unbegründete Verdacht erwies sich wirksamer als die Tatsache, daß. die Flüchtlinge seinerzeit, um den Preis des ZusamMenbleibens, selbst bittlich geworden waren, in Katharinenbad bleiben zu können. Die Flüchtlingsfrauen Mußten, als sie wahrnahmen, daß es in den versperrten Räumen brenne, selbst die Zugänge mit Gellt) alt öffnen und waren stundenlang aufopfernd bemüht, mit unwirksamen Mitteln das Feuer zu löschen. Dmn «außer einem Urlauber versagten ihnen alle. Nachbaren jegliche Hilfe, die Bauern liehen selbst gegen Entgelt keine Löschgeräte her. Aus der angesammelten, neugierigen Menge wurden Rufe laut, wie: „Man sollte . alle> Juden in das Feuer werfen!" u. dgl. Wenn etwas Derartiges nicht geschehen ist, dann ist der Grund dazu nicht etwa in der Achtung vor dem Gesetze zu suchen, sondern, einzig in der Furcht vor — sagen wir — dem Kerker. Wer das öffentliche Leben im großen und kleinen hierzulande aufmerksam verfolgt har, wird diese Auffassung längst, heraNsbekommen haben. — Als dann nach stundenlangem Harren eine Spritze mit zwei Feuern wehrmännern und einem Gendarm erschien, wurden ausschließlich die 'bereits erschöpften jüdischen Frauen und Kinder zum Gaudium der müßigen Zuschauer von dem, Gendarm zu Löscharbeiten angehalten. Obzwar eine weitere Feuerssgefahr bestand, fuhr die Spritze trotz aller Bitten der nunmehr obdachlosen und dem Spotte der Schaulustigen ausgelieferten Flüchtlinge weg, ohne daß eine Feuerwache bei dem noch immer brennenden Gebäude zurückgelassen wurde. Bei dem Ungemach, das die jüdischen Flüchtlinge in Katharinenbad getroffen, wäre es höchst ungerecht, eine Tatsache!zu verschweigen, die in Oesterreich gewiß sehr selten votkoMmt. Die ihrer Wohnung beraubten Juden Haben nämlich das Glück, einen politischen Beamten kennen gelernt zu haben, dem man allzu große Neugierde nicht zum Vorwurf machen kann. Herr Dr. P r o ch a z kä von der BezirkshauptMa.nnsch.aft Kamenitz a. L. hatte nämlich in feiner Eigenschaft als Referent der Flüchtlingsfürsorge zwei Tage Zeit, bevor er sich! zu überzeugen geruhte, was mit seinen Schutzbefohlenen vorgeht. Man sollte diesen Herrn bitten, er möge in seinen Berufspflichten nicht ganz und gar aufgehen. Bereits in zwölf Tagen war näMlich das Feuer gelöscht und binnen vierzehn Tagen ,die Hälfte der Abbrändler abtransportiert. Die andere Hälfte müßte aber die ganze Zeit im Freien hausen, weil in der ganzen Umgegend für die Armen keine Wohnuugsgelegenheit zu haben war. Weder in einem Dorfe noch in Pocatek, wo ganze .Wohnungen leerstehen, und wo die dortigen Gemeindefunktionäre alles taten, was Spott und Hohn Hilflosen gegenüber zuließen. Tie geretteten Möbel wurden den Flüchtlingen 'rücksichtslos -weggenoMmen, so daß sie — sich und dem Jte'&en Herrgott1 überlassen — Zeit hatten, in einem vom Feuer hakbverwüsteten Zimmer, das sie zu Neujahrs^ gebeten versammelt hatte, über die Bertierung der Menschheit nachzudenken. Die Decke jenes Zimmers fiel kaum zehn Minuten später ein, als es der letzte Betende verlassen hatte. Die „Slaw. Korr." teilt mit: Das Ministerium des Innern hat angeordnet, daß die Rückkehr der glalizischen Flüchtlinge, die zur Reise in ihre Heimat während dieses Monats amtlich aufgefordert worden sind, bis Ende November verschoben worden ist. Gin Zyprefferibtatt. Von Prof. Dr. Hostnann, Rabbiner in Reichenberg. Der Schnitter Tod hält jetzt reiche Ernte. Viel blühendes, brausendes Leben fällt b:m scharfen Strich seiner Sense zum Opfer. Angesichts dieses großen Sterbens wird der Verlust eines einzelnen von der Gesamtheit nur dann als schwerwiegend empfunden, wenn er. für weite Kreise eine Bedeutung hatte. Einen solchen Verlust beklagen wir jetzt. Einer der fruchtbarsten Schriftsteller, königl. Rat Dr. Adolf Kohut, ist im 69. Lebensjahre verschieden. Mit ihm ist ein Held der Arbeit dahingegangen, der viel zur Festigung staatstreuer und monarchischer Gesinnung beitrug, dessen patriotische Schriften die Liebe zur Heimat vertieftem Sein Schwert war die Feder, und auf dem! Felde des Geistes schlug er manche Schlachten, die nur dem Sieg von Friedensgedanken und Friedenswerken galten.