Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 40 (19.10.1917)
- Date
- 1917-10-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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mm m Dr. «lMH's Ball) nach seiiiec Geburt ivard Kohut von seinen @fteiru nach ^oskemer gebracht» wo ihM sein Onkel und Schwager, mein Vater seligen AndeEens!, Lazar H o fmann, der. wie ich lagen darf, ein Melinensch, ein Genie des Herzens war, mannigfache Förderung angedeihen ließ.. In dieser Stadt des' Msöld, w.o Ko Hut das Gymnasium absolvierte, wurde er vom Rabbiner Simon H. FischMann, eurer Zierde seines. Standes, eines Bruders des bekannten Preßhurger Maggid, und vom Talnmdgel-chrten'Gerson Löwin ge r in das Mische Schrifttum eingesührt. Ein Migerer Bruder des hervorragenden LexKographen und Perftsten, Dr. Alexander Ko Hut, dessen Name 'heute noch, fast ein Vierteljahrhundert' seit seinem Heimgänge, einen guten Mang in der Gelehrtenwelt hat, sollte auch. Adolf Rabbiner werden. Doch nach dreijährigem Besuch des' jüdisch-theologischen Seminars in Bresmu wandte er sich, der Journalistik zu. Mit W fahren schon Chefredakteur einer angesehenen Zeitung. Ln der Oderstadt, führte ihn sein Weg als Schriftleiter über DnssÄdors und Kiel nach Deutschlands Metropole. Am sonnigen Rhein verlebte er die sonnigsten. Tage stines Daseins'. Dort fand er auch seine. Le>^ benMeföhrtin. Eine gefeierte dramatische Sängerin, vertauschte sie den GKyG der Buhne mit der Schlichtheit der Gelehrtenstube. Mn stilles' Heldentum, das sich auch Ln aufopfernder W^ebewahrte. Von Karl von Holtei die. Weihe als Schriftsteller empfangend, sehen wir K ohut im BerVehr Uüt Freytag und Spielhagen, Albert Tr Kg er und Eugen Dreher. Nanchafte Staatsmänner. wie Falk, von Bitter u. a., schenkten ihm Vertrauen. Doch die innigste Freundschaft verband ihn mit Gustav Karpekes. Mer auch an Konflikten fehlte es nicht. Der bedauerliche Vorstoß, den er Ln jugendlichem ' Ungestüm gegen den achtunggÄietenden Seminardirektor unternahm, Mt ihm selber später am meisten leid. Dann M isM'a'rad'feine» Weg:- Dem-große -Staatsmann wunte Manchmal auch sehr, Reinlich sein. Die scharfen Angriffe Kohuts gegen seine Regierung veranlaßten ihn, den „literarffch Ästigen" Ausländer aus Preußen, wo in den Achtzigerjahren des vorigen^ Jahrhunderts in der - Verwaltung russische Methoden beliebt waren, auszuweifen. Diese Ausweisung hatte damals ungeheures Aussehen erregt. Ueber Drängen des' ungarischen Ministerpräsidenten Koloman v. Tisza intervenierte GrasKalnoky in Berlin. Doch erst nach fünf Jahren wurde die Ausweisung rückgängig gemacht. Es gehörte zu den letzten Regierungsakten Bismarcks^ der mittlerweile einsah, daß Kohut lein so arger Preßsstuder war, ihm die Rückkehr nach Preußen zu gestatten. Die Ausweisung war die Sonmiersonnweud im Leben Kohuts. Seiner glänzenden Stellung beraubt, entsagte er endgültigder Redaktionstätigkeit und weihte sich, ausschließlich der Schriststellerei. Alle Unbilden 'vergaß er im Rausche der Schassenssreude. Von erstaunliäM, seltener Vielseitigkeit, , verband er eitzyklopädisches Wissen mit fließender Darstellung. Seiner Äten Heimat verdanke er das feurige Temperament« und dem deutsche» Adoptivlande die^ strenge Zucht be$ Geistes. Ein großer Teil, seiner Tätigkeit galt Ungarn. Jetzt bewirkt die Waffenbrüderschaft auch - eine geistige ' Annäherung. Früher lvar es jedochanders. Das deutsche PuLliUim meinte, die ungarische Kultur erschöpfe stich im Tschardasch, in der Zigeunermusik und im Paprika. Kohut Art viel Zur Zerstörung der Vorurteile beigetragen, die in Deutschland über Ungarn im Schwange waren. In unzähligen Leitartikeln und Feuilletons widerlegte er die Anwürse des Deutschen 'Schulvereines. In ^Auff^chen und Büchern, verbreitete er sich über das nnga- :',.S9Sefen>- Durch seine Übersetzung der prosaischen Schriften von Atoxander Petöfi und namhafter magyarischer Dichtungen machte er. die deutsche Lesewelt Wochenschrift «r.-4vmit der ungarischen Literatur bekannt. B a l a z s, B e r - cg i l und andere Erzähler wurden durch ihn eingeftihrt. Mn beträchtlicher Teil seiner Arbeiten galt literar- und kulturgeschichtlichen Wagen, idem Musik- und TheaterlÄen. Manche Funde hat er aus den Archiven ans Licht gefördert. Besonders! glückten ihm Biographien. H e r d e r, Heine, Körner, Lassalle,D.Fr.StraußFeuer- . bach u. a. wurden von ihm in ihrer Eigenart ersaßt. Tenn aus Kohut ist anwendbar das Wort des öfter- . reichischen Dichters: ' „Glücklich der Mensch, der fremde Größe fühlt Und sie durch Liebe macht zu seiner eigenen." 'Für das Indent u m ist K o. h u t allezeit mit Begeisterung eingetreten. Mit dem Hofprediger Stöcker' hat er wiederholt die Klinge gekreuzt.. Von seinen vielen jüdischen Werken seien hier nur erwähnt: „Die goldenen Worte der. Bibel", „Alexander von Hümboldt und das Judentum", „Moses Mend elss o h n n n d se i n e Fa m i l ie", „Iü d ische Ku lturskitztzen", „Berühmte RLtualmordpro- 3esse", „Gekrönte und ungekrönte Judenfreunde". Ammeisten verbreitet sind seine beiden illustrierten Werke: „Die Geschichte der deutschen I u d en" und „Be rüh M t'e i s r a e litis che M ä-n n e r und Frauen". i K o h u t hat sich! um die Popularisierung der Wissenschaften ein großes Verdienst erworben. Es genügt nicht, die Goldbarren aus drM tiefen Schachte des Wissens herauszubefördern, sie Müssen auch zu Münzen geprägt, in Verkehr gebracht werden. Durch seine Begabung eignete sich Ko hur zum geistigen Münzmeister. Mne so reiche schriftstellerische Wirksamkeit konnte nicht ohne äußere Anerkennung bleiben. Die vornehme literarische Vereinigung, die „Perösi-Gesellschaft". in Budapest, dÄ Berliner" Ungavvereintz' der -Münchner -UnMrische. Hilssverein wählten ihn zu ihrem Ehrenmitgtiede. Ausländische Orden schmückten seine Brust. Kaiser Franz Joses hat ihm! Mehrmals seine Gunst bewiesen. Er verlieh ihm das goldene Verdienstkreuz Mit der Krone, ernann te ihn zum königlichen Rat, zum Ritter des Franz Josef-Ordens. Doch das, was er auf der Brust trug, stand im Einklang Mit dem, was er in der. Brust hegte. Drinnen schlug ein Überaus! -gütiges Herz', ohne Falsch und Harm, ohne Neid und Mißgunst. Feind jedem Clique- und Koteriewesen, ging er niemandem zuleid, jedem zulieb seinen Weg. Seine.vielverheißende satirische Wer ließ er verWullnern, denu er wollte niemandem weh-, nur jedem wohltun.. Er tadelte, wo er mußte, und lobte, wo er konnte. Gar Mancher ließ es sich gern, gefallen,, wenn er ihm als Schpsar des Ruhmes diente, um ses ihm daun mit Undank zu lohnen. Doch! die verzeihende Menschenliebe Kohuts konnte keinem gram bleiben. Sein , goldener Humvr trug ihn aus der staübersüllten Areria enchor zur Aetherhöhe des Allesverstehens. Mrotz - des Lessing'schen Ausspruches: „Seines Fleißes darf sich jeder rühmen", war- Kohut frei von jeder Selbstüberhebung, blieb die verkörperte Bescheidenheit. Er hat eine Lücke und Leere hinterlassen. Tmh. dürfen wir uns um einen Lichtträger finstere - Gedanken machen? Dürfen wir uns am frischen Grabe einD Mannes, in dessen Seele unverwüstlicher Optimismus lebte, zu einem zaghaften Zukunstsglauben bekennen? Ein Wort von Platen dämpft tröstend die Trauer: Ein jedes- Band, das noch so leise , Die Geister aneinanderreiht, Wirkt fort in seiner stillen Weise - Für unberechenbare Zeit.