Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 40 (19.10.1917)
- Date
- 1917-10-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Hotte 654 , Ar. Bloch's Wochenschrift Nr. 40 - Hastigkeit, daß der staatliche Antisemitismus anschwillt und jede judenfeindliche Frechheit bedrohlichen Umfang' gewinnt. Um nur die Ereignisse der letzten Tage Zu erwähnen: In Deutschland spricht, ein alldeutscher General. a. D. von einem „Judenfrieden" und hetzt feine Partei gegen die unschuldigen Juden. In Oesterreich veranstaltet nran Razzias auf galizische Flüchtlinge, als ob es keine anderen gäbe, die Provinzvresse schwelgt trotz dem sogenannten Burgstieden int wüsten Radauton gegen die Juden und Kronprinz Mataja wirst dem'Bürgermeister mrd Parteikönig Weiskirchner vor, daß die Chriftlichsozialen Zu wenig antisemitisch sind.. Noch immer sitzt der arme Hilsner wegen der mittelalterlichen Beschuldigung des Ritualnrordes im Kerker und wie im Mittelalter schalten und walten die polnischen Verwaltungsbeamten in Galizien mit den Juden wie mituntergeordneten Staatsbürgern. Man muß nun mit allen diesen Dingen endgültig Schluß machen. Wir Juden müssen unsere Macht erkennen, sie ZusaMmenfassen und ausüben. Wir benehmen uns tatsächlich politisch wie feige Schutzjuden und nicht, wie freie Bürger. Das kommt allerdings zum Teil davon, weil wir unsere Zeit und Kraft mit Nörgeleien. Eifersüchteleien und überflüssigem streit um belanglose Grundsätze verzetteln. Es! müßte jedoch für alle' vernünftigen Elemente, die mit dem Judentum sich selbst schützen wollen, ohneweiters möglich sein, eine geeignete Plattform für gerneinsame Verhandlungen und gemeinsame Taten zu schaffen. Unterscheiden wir vielleicht zwischerr auswärtiger und innerer jüdischer Politik und wir werden leicht die Einigkeit erzielen und dann ausnützen. Darin werden wohl alle Parteien einig sein, daß wir im Staate unser volles Menschen- und Bürgerrecht gewinnen Müssen. Mit diesem Schlagwort rnuß eine kleine, aber tüchtige Führung geschaffenbvercherr,. Heren -KWtig'keit . sich Gehorsam verschaffen muß. Wenn wir urrs aMr nicht zusammenschließen und wieder äls führerloser Haufen unseren Weg ins Unbestimmte fortsetzen werden, so wird die Zukunft angesichts der in der Luft liegenden Drohung.sehr unangenehm werden. Rühren wir uns' also .'bald und stark! Interessieren wir für uns' selbst alle Juden und dann die Zlegierungen. Wir.werden hoffentlich Gehör finden, da doch. Europa neu, gNt und gerecht für ein goldenes Zeitalter eingerichtet werden soll und man angeblich für alle Ideale kämpft, also auch gegen die Judenfeindschaft.; Der Wiederaufbau des Leopoldstadter Tempels. In der abgelaufenen Woche hatte das Arbeitskomitee täglich Besprechungen und auchdie Besuche bei Mitgliedern der Wiener Kultusgemeinde wurden mit Erfolg eifrigst fortgesetzt. Dem Arbeitskomitee ist in dieser Woche Herr Philipp Kohn, Inhaber der Firma PH. Kohn -& L ö f fker, beigetreten. Der hervorragenden Stellung, die Herr Kohn in der Kleiderbranche einnimmt, verdanken wir in dieser Woche wesentliche Einnahmen. Herr Philipp Kohn hat sich in der abgelaufenen Woche um unsere Sache außerordentlich bemüht, ein Beweis' dafür, wie notwendig es' wäre, wenn freiwillig Männer einzelner Branchen dem' Arbeitskomitee sich zur Verfügung stdtlen würden, um die zu erzielenden 'Resultate in kurzer Zeit erlangen zu können. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die hochherzige Nachtmgsspende des Herrn Michel Benies: der die dem Komitee in der Vorwoche zur Verfügung gestellte Spende von 10:000 Kronen freiwillig auf 20.000 Kronen erhöhte; ebenso hat die Finna M. Neumann, k. u. k. Hoflieferanteil, ihre Spende von 2000 Kronen in munifizenter Weise aus das Doppelte erhöht. Dem Komitee sind in dieser Wochefolgende Beträge für den Wiederaufbau des Leopöldstädter Tempels zugekommen: ' . - . Michel Benies weitere 10.000 Kz sohin zus. Kr. 20000.,— M. Neümänn, k. k. Hoflieferanten, weitere 2000 Kronen, sohin zusammen „ 4000.— . Alfred Schuschny, kais. Rat ' „ 1000.— Leopold Lourie ' . „ 1000.— Philipp Broch, Direktor der Verkehrsöank „1000.— Kaiserlicher Rat Louis Vogel „ 1000.— Jacob Rothberger, k. u. k. Hoflieferanten „ 5000.— Conrad rTiring ' „ 1000.— Gustav Wottitz ' „ 1000.— Philipp Kohn, in Fa. Kohn & Löffler „ 1000.— Leopold Renner „ 1000.— Ludwig v. Neurath; Direktor d. Kreditanstalt „ 2500.— Franz Klein , . / v „ 1000.—- Wilhelm Bell ' „ 1500.— Kohn & Hellin „ 2000 — Kaiserlicher Rat Sigmund Kauders ' . „ 10000.— Ignatz Blum. ' „ 1000 — Alfred Grünhut „ 1000.— S. Stein . „. 2500.— Salomon Herlzl, Juwelier „ 1000.— Adolf Stern „ 1000.— Siegntund Löwy, Hotelier „ 1000.— Vas Kos der KUichlttÄge Das traurige Geschick der Fluch tlingechat inHer Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 16.W. die Debatte neuerdings beherrscht. Der Minister des Innern Graf T o g g e n b u r g fand warme Worte für das' Keiden der Unglücklichen und' fuchtd''näch''«Ü. Seften'"Hiev ElnMnbnngen zu mildern. Er ermahnte; die einheimische Bevölkerung, nicht zu vergessen, daß die Flüchtlinge wegen des Krieges leiden, und anderseits! ermähnte, er die Flüchtlinge, - auch die Interessen der /Heimatsbevölkerung zu schonen. Und kann Man das innere Elend der Unglücklichen besser veranschaulichen, als.wenn Graf Toggenburg sagte, er würde sich, fern von seiner Tiroleir Heimat, in dem ällerschönsten Lager in der galizischen Ebene „so. wahn- ' sinnfg unglücklich: fühlen, daß er trotz allem eben auch seine unangenehmsten Eigenschaften hervorkehren würde". Die redliche Rede fand - naturgemäß viel Beifall. - Für die Flüchtlinge sprachen tapfere Worte die Abgeordneten Rauch und Dr. Sbraucher. Abgeordneter Rauch schilderte die Verhältnisse in den Barackenlagern -und sagte: Was die Verhältnisse in den Barackenlagern anlange, so habe .Redner jedesmal, wenn ervon einem Besuch in einem solchen Barackenlager zurückgekommen sei, ganze Rächte geweint. Leider hat es in der ganzen Zeit M.Ministern gefehlt, die' ein. Herz für 'die Fläch klinge gezeigt hätten. Daß diesen Leuten die Freizügigkeit genommen wurde, das gefiel, wohl den Herren Eins p i n n e r und Frei ß-l er; wenn aber ein Minister, wie der gegenwärtige, sich dieser grMen Leute annimmt, ist es . den Herren nicht recht. Redner besprach die Verhältnisse in Tropipau, wo Hofraü Roth ganze' Hetzen gegen die Flüchtlinge arrattgiierte, damit er sie aus Schlesien los wird. 'Ein paar Bürgermeister und Beamte in Schlesien, die die Flüchtlinge nicht haben wollen, arrangieren förmliche Fackelzüge - gegen diese armen Leute. Abgeordneter Dir. S t r a u ch e r bat auch den Minister, die wegen vorzeitiger Heimsendung der Flüchtlinge in der von ihm eingebtachten Interpellation vorgebrachten Beschwerden zu berücksichtigen, Redner schließt, indem er als Vertreter des östlichen Kronlandes und als